WESTAST NEWS

 

WESTAST  NEWS 

 

PRO-KOMITEE WILL FAKTEN-CHECK

In einer ers­ten Reak­tion hat­ten Expo­nen­ten des Komi­tees «Pro-A5-West­ast» das Alter­na­tiv­pro­jekt «West­ast so bes­ser!» rund­weg abge­lehnt: «Die vor­ge­schla­gene Alter­na­tive bie­tet kei­nen gang­ba­ren Weg, die Ver­kehrs­pro­bleme der Region zu lösen», lies­sen die Befür­wor­ter im Anschluss an die Prä­sen­ta­tion des  Tun­nel­pro­jekts ohne inner­städ­ti­sche Anschlüsse ver­lau­ten.

Eine Woche spä­ter sieht alles anders aus:  Mit Vor­stös­sen im Gros­sen Rat sowie in den Stadt­par­la­men­ten von Biel und Nidau ver­lan­gen nun die glei­chen West­ast-Befür­wor­ter, dass das Pro­jekt «West­ast so bes­ser!» einem Fak­ten-Check auf seine Wir­kung und Mach­bar­keit hin unter­zo­gen wird. 

«Wenn der neue Vor­schlag ver­gleich­bare Ergeb­nisse bringt und die grund­sätz­li­che Mach­bar­keit als gege­ben beur­teilt wird, kann in einem zwei­ten Schritt die tech­ni­sche Mach­bar­keit im Detail geprüft wer­den», heisst es wei­ter im Vor­stoss, der mit dem Hin­weis endet: «Posi­tiv zu wer­ten ist, dass bei die­sem neuen Vor­schlag die Not­wen­dig­keit einer Auto­bahn nicht mehr bestrit­ten wird.»

Erfreu­lich: Es bewegt sich end­lich etwas! Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass sowohl die Stadt­par­la­mente wie der Grosse Rat die als dring­lich erklär­ten Vor­stösse dem­nächst über­wei­sen wer­den. Das heisst, die Stadt- und Kan­tons­be­hör­den müs­sen in den kom­men­den Mona­ten zu Fra­gen betref­fend Alternative(n) Stel­lung neh­men. Der West­ast ist zurück im poli­ti­schen Pro­zess. Das ist gut so.

BT vom 17. Novem­ber 2017:

 


 

ALTERNATIVEN ZUR ALTERNATIVE

Die Prä­sen­ta­tion des Alter­na­tiv­vor­schlags «West­ast so bes­ser!» vom 7. Novem­ber 2017 brachte eine neue Dyna­mik in die Dis­kus­sio­nen über den A5-West­ast. Was die Arbeits­gruppe Städ­te­bau des Komi­tees «West­ast so nicht!» aus­ge­heckt hat, ist aller­dings nicht die ein­zig mög­li­che Alter­na­tive, wie etwa Pro­jekt­ent­wick­ler Didier Bar­det betont. Er hatte bereits im Früh­jahr seine West­ast-Vari­ante «West­Ast Anders» prä­sen­tiert, ohne inner­städ­ti­sche Anschlüsse und ohne Port­tun­nel, die er nach wie vor für die bes­sere Lösung hält. 

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In einem Schrei­ben an alle betei­lig­ten Orga­ni­sa­tio­nen und Behör­den hält der Pro­jekt­ent­wick­ler fest: «Die For­de­rung des Komi­tees «West­ast so nicht», seine Vari­ante als Basis im Rah­men eines par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zes­ses zu prü­fen, zeigt: Der gest­rige David soll nicht der Goli­ath von heute wer­den, indem er, unter dem Vor­wand eine media­ti­sierte und bekannte Orga­ni­sa­tion zu sein, ein bereits vor­han­de­nes Pro­jekt kan­ni­ba­li­siert.»

Im Biel Bienne vom 15. Novem­ber bringt Daniel Oechs­lin in sei­nem Leser­brief, den er an  den Bie­ler Stadt­prä­si­den­ten Erich Fehr rich­tet, eine wei­tere Vari­ante ins Spiel: «So bitte ich Sie, mei­nen Vor­schlag den zustän­di­gen Stel­len vor­zu­le­gen: Das Pro­jekt aus den 1970er Jah­ren wie­der aus der Schub­lade neh­men: Nord­um­fah­rung, Tun­nel vom Bözin­gen­feld bis nach Vin­g­elz.»

In Kom­men­ta­ren zu Zei­tungs­ar­ti­keln und Inter­net­posts wird auch immer wie­der die «kleine See­land­tan­gente» ins Spiel gebracht – oder die For­de­rung, Über­le­gun­gen über die Mobi­li­tät der Zukunft in der Pla­nung zu berück­sich­ti­gen, sowie vor­erst abzu­war­ten und zu beob­ach­ten wie sich der Ver­kehr nach der Eröff­nung des Ost­asts ent­wi­ckelt.  

Die Dis­kus­sion ist lan­ciert! Nun braucht es drin­gend nächste Schritte, damit sie nicht in Leser­brief­spal­ten und Inter­net­kom­men­ta­ren ver­pufft!

 


 

PARAGRAPHEN STATT GESUNDER MENSCHENVERSTAND

Foto: © Anita Vozza, 2017

Gross war die Freude, als im März 2017 das ehe­ma­lige Balm­er­lä­deli an der Gurn­igel­strasse 21 zu neuem Leben erwachte. «Kiosk und Teeroom» stand in gros­sen Let­tern am Schau­fens­ter. Drin­nen ein Laden­tisch, der gleich­zei­tig als Theke diente. Im hin­te­ren Teil, lie­be­voll ein­ge­rich­tet, das gemüt­li­che «Stübli».

(…)

Immer wie­der über­rasch­ten Bra­him El Mhambh und sein Team die Gäste und Kun­dIn­nen mit neuen Über­ra­schun­gen und Ideen. Das gefiel den Leu­ten – Alt­ein­ge­ses­se­nen wie neu Zuge­zo­ge­nen aus dem nahen Weid­tei­le­quar­tier. Der ein­zige Wer­muts­trop­fen sei die Vor­stel­lung, sagte Bra­him El Mhambh, dass sein Lokal irgend­wann der West­ast-Bau­stelle wei­chen müsse.

Das war Anfang Som­mer. Die Geschäfte lie­fen gut und im Gurn­igel­quar­tier freute man sich, end­lich wie­der einen Quar­tier­treff­punkt zu haben. Bis zu dem Tag, als die Gewer­be­po­li­zei Nidau, rund drei Monate nach Eröff­nung, bei der Durch­fahrt vom Auto aus die Auf­schrift «Kiosk und Teeroom» sowie die Tisch­chen vor dem Balm­er­lä­deli ent­deckte…

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«WIR BLEIBEN, BIS DIE BAGGER KOMMEN»

Foto: © Anita Vozza, 2017

Die gross­zü­gige Alt­bau­woh­nung wirkt sogar an die­sem düs­te­ren Novem­ber­nach­mit­tag hell und freund­lich. Die Bäume vor den Fens­tern haben schon viel Laub ver­lo­ren, so dass sie den Blick auf die Strasse frei­ge­ben. «Seit der Ost­ast offen ist, hat der Ver­kehr hier mas­siv abge­nom­men», sagt Mar­kus Neu­en­schwan­der. «Vor­her gab es wäh­rend der Stoss­zei­ten am Mor­gen, über Mit­tag und abends regel­mäs­sig Staus – die sind weg.»

Seit 18 Jah­ren woh­nen Mar­kus und Manuela Neu­en­schwan­der mit ihren Töch­tern in der See­vor­stadt Nr. 7. Das rund hun­dert­jäh­rige Haus ist eine Erwei­te­rung des ehe­ma­li­gen Gast­hofs «zum Schiff» und steht unter Denk­mal­schutz. Trotz­dem müsste auch die­ses alt­ehr­wür­dige Gebäude der Auto­bahn wei­chen, wenn der A5-West­ast wie geplant gebaut würde.

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BRAUCHT ES DEN A5-WESTAST ÜBERHAUPT?

Seit zwei Wochen rollt der moto­ri­sierte Ver­kehr über den A5-Ost­ast. Der neue Auto­bahn­ab­schnitt zeigt bereits Wir­kung: Auto­fah­re­rIn­nen, die aus den ver­schie­dens­ten Him­mels­rich­tun­gen in und um Biel unter­wegs sind, berich­ten von «gewon­ne­ner Zeit» und schnel­le­ren Ver­bin­dun­gen.

In der See­vor­stadt etwa, oder an der Mett­strasse, ist es augen­fäl­lig: Sogar wäh­rend der Stoss­zei­ten am Mor­gen, Mit­tag und Abend fliesst der Ver­kehr unge­hin­dert. Gebremst wird die Aus­fahrt Rich­tung Neu­en­burg aktu­ell ein­zig durch eine Bau­stelle mit Licht­si­gnal­an­lage auf der Höhe Neu­en­burg­strasse 140.

Allen Kas­san­dra­ru­fen zum Trotz, ist das ange­drohte Ver­kehrs­chaos im Süden der Stadt bis­her aus­ge­blie­ben. Im Müh­le­feld­quar­tier oder auf dem Guido-Mül­ler-Platz zum Bei­spiel, hat sich nicht viel ver­än­dert. Dies, obschon die ver­spro­che­nen Mass­nah­men zur Opti­mie­rung der Ver­kehrs­flüsse noch längst nicht alle umge­setzt sind.

Noch ist es zu früh, für defi­ni­tive Ent­war­nung. Da damit gerech­net wer­den muss, dass die neue Schnell­strasse gross­räu­mig zusätz­li­chen Ver­kehr anzieht.

Statt jetzt aber kopf­los die Voll­endung des Netz­be­schlus­ses ein­zu­for­dern und an guten und bes­se­ren West­astva­ri­an­ten her­um­zu­pla­nen, müs­sen jetzt erst ein­mal aus­sa­ge­kräf­tige Zah­len her. Diese wer­den aktu­ell erho­ben. Erst die Resul­tate die­ser Ver­kehrs­zäh­lun­gen erlau­ben fun­dierte Aus­sa­gen über die Ver­kehrs­flüsse in der Region, wel­che die Basis sein müs­sen, für all­fäl­lige wei­tere Mass­nah­men und Ent­scheide.

 


 

 

 

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SP BIEL:

RESOLUTION GEGEN A5WESTAST

An der Mit­glie­der­ver­samm­lung der SP Gesamt­par­tei Stadt Biel vom 8. Novem­ber wurde mit gros­ser Mehr­heit eine Reso­lu­tion ver­ab­schie­det, mit der die Par­tei einen Marsch­halt in Sachen A5-West­ast for­dert:

 

 


 

VIER STOSSRICHTUNGEN

Am 7. Novem­ber stellte die Arbeits­gruppe «Stadt­pla­nung» des Komi­tees «West­ast so nicht!» ihren Alter­na­tiv­vor­schlag zum aktu­el­len West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekt vor.  Damit wurde nun eine wei­tere Alter­na­tive zum umstrit­te­nen A5-Aus­füh­rungs­pro­jekt ins Gespräch gebracht. 

Auf dem Tisch liegt bekannt­lich eine Anzahl von Vari­an­ten mit unter­schied­li­chen Ansät­zen und pro­gnos­ti­zier­ten Wir­kun­gen. Seit dem fata­len Ent­scheid der Arbeits­gruppe Stöckli im Jahr 2010, hat sich die Poli­tik jedoch gewei­gert, über Alter­na­ti­ven zu dis­ku­tie­ren.

Erst in den letz­ten Wochen haben die Behör­den – wenn auch nicht ganz frei­wil­lig – end­lich Dis­kus­si­ons­be­reit­schaft signa­li­siert. Diese Situa­tion sollte genutzt wer­den. Nicht für eine erneute Ent­we­der-Oder-Lösung. Son­dern dafür, dass die ver­schie­de­nen Vari­an­ten, die in den letz­ten Jah­ren von diver­sen enga­gier­ten Fach­leu­ten ent­wor­fen wur­den, end­lich genauer ange­schaut und gegen­ein­an­der abge­wo­gen wer­den.

In einem demo­kra­ti­schen, par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zess, der die­sen Namen ver­dient. Mit einer unab­hän­gi­gen, neu­tra­len Fach-Mode­ra­tion.

Auf dem Tisch lie­gen vier Stoss­rich­tun­gen:

1. Das Aus­füh­rungs­pro­jekt «A5-West­um­fah­rung Biel» 

2. Tun­nel­va­ri­an­ten ohne inner­städ­ti­sche Auto­bahn­an­schlüsse 

3. Ver­la­ge­rung der Haupt­achse durchs Grosse Moos 

4. Len­ken statt aus­bauen.

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WESTASTSO BESSER?

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Die Pla­ner und Archi­tek­ten der Arbeits­gruppe «Städ­te­bau» vom Komi­tee «West­ast – so nicht!» haben ihr seit lan­ger Zeit ange­kün­dig­tes Alter­na­tiv­pro­jekt prä­sen­tiert. Es heisst: «West­ast so bes­ser!»

 

Am Mon­tag, 6. Novem­ber wurde der Vor­schlag den Gemein­de­rä­tIn­nen von Biel und Nidau vor­ge­stellt, die die Prä­sen­ta­tion offen­bar kom­men­tar­los zur Kennt­nis genom­men haben. Am Diens­tag, 7. Novem­ber wur­den die Medien ori­en­tiert, und am Abend erfuh­ren schliess­lich auch noch die Ver­eins­mit­glie­der des Komi­tees im über­vol­len Farel­saal, was die Arbeits­gruppe unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit aus­ge­heckt und lange geheim gehal­ten hatte. 

Hier die wich­tigs­ten Eck­punkte: Ein 5 Kilo­me­ter lan­ger Auto­bahn­tun­nel soll die Stadt zwei­spu­rig (im Gegen­ver­kehr) in 20 Metern Tiefe unter­que­ren. Die Stre­cke wird vom Brügg­moos bis zur Tun­nel­aus­fahrt Vingelz/Rusel exakt unter der heute bestehen­den ober­ir­di­schen Ver­bin­dungs­achse geführt.

Für die Erschlies­sung der Stadt soll die bestehende Strasse von den Weid­tei­len bis nach Vin­g­elz zu einem Bou­le­vard aus­ge­baut wer­den: attrak­tiv für den Fuss- und Velover­kehr, gleich­zei­tig aber auch Auto­bahn­zu­brin­ger und Aus­weich­stre­cke bei Sper­rung des Tun­nels. Das heisst, dass der Last­wa­gen­schwer­ver­kehr, der auf der A5 zuneh­men wird, bei Bedarf ohne grosse Behin­de­run­gen mit 40-Tön­nern auf die­sem Bou­le­vard muss zir­ku­lie­ren kön­nen.

Bes­ser sei die­ses Pro­jekt, so Archi­tekt Lars Misch­kul­nig, weil man auf die bei­den stadt­zer­stö­re­ri­schen Anschlüsse ver­zichte. Aber auch weil für den vor­ge­schla­ge­nen Auto­bahn­tun­nel vom Brügg­moos bis nach Vingelz/Rusel weder Bäume gefällt, noch Häu­ser abge­ris­sen wer­den müss­ten. 

 

Unter­tun­ne­lung des Grund­was­ser­stroms

Für die Abklä­rung der heik­len Grund­was­ser­si­tua­tion, hat der Vor­stand des Komi­tees «West­ast so nicht!» eine Stu­die in Auf­trag gege­ben. Darin kommt der Bau­in­ge­nieur Mar­tin Gysel zum Schluss, dass die Unter­que­rung der Stadt, trotz des locke­ren Bau­grunds, «mach­bar» sei. Das Risiko werde mini­miert, indem man den Tun­nel mit­tels Hydro­schild-Ver­fah­ren unter dem Haupt­grund­was­ser­strom erstelle.

Aller­dings weist er dar­auf hin, dass der Bau­grund äus­serst anspruchs­voll sei. Unter ande­rem wür­den einige Stel­len mit tie­fem Grund­was­ser vom Tun­nel­bau tan­giert, was zu Set­zun­gen füh­ren könnte. Das ist im dicht bebau­ten Stadt­ge­biet nicht tole­rier­bar. Weil der Tun­nel­vor­stoss beim gewähl­ten Bau­ver­fah­ren mit einer Mischung von Ben­to­nit und Was­ser sofort abge­dich­tet wird, werde die Röhre lau­fend sta­bi­li­siert, erklärt Gysel. Er stützt sich dabei auf seine Erfah­run­gen beim Zim­mer­berg­tun­nel in Zürich, wo die Aus­gangs­lage teil­weise ähn­lich war. Aller­dings war die heikle Stre­cke mit Locker­ge­stein unter der Stadt bei die­sem Pro­jekt um ein Viel­fa­ches kür­zer als bei der Vari­ante «West­ast so bes­ser!».

Um bösen Über­ra­schun­gen vor­zu­beu­gen, müsse man zuerst einen Pilot­stol­len unter der Stadt hin­durch erstel­len, führt Gysel wei­ter aus. Die Bau­kos­ten für den Tun­nel, inklu­sive elek­tri­scher Anla­gen, schätzt er auf rund 1,1 Mil­li­ar­den Fran­ken.

 

«Schlim­me­res ver­hin­dern» statt inno­va­tive Vari­ante

Das Alter­na­tiv­pro­jekt wirbt damit, dass weder Häu­ser noch Bäume dem «bes­se­ren West­ast» geop­fert wer­den müss­ten und die Bau­zeit gegen­über dem aktu­el­len Pro­jekt hal­biert würde.

Aller­dings wirft es auch eine Reihe von Fra­gen auf: Die Unter­que­rung der Stadt im Bereich des See­be­ckens bleibt ein Risiko. Mit dem Auto­bahn­tun­nel wer­den die Stras­sen­ka­pa­zi­tä­ten erwei­tert, was unwei­ger­lich zu Mehr­ver­kehr füh­ren wird, nament­lich auch zu mehr Tran­sit­ver­kehr. Dies ist beson­ders stos­send, weil die Fort­set­zung der A5 ent­lang dem schma­len und öko­lo­gisch sen­si­blen Nord­ufer des Bie­ler­sees schon heute pro­ble­ma­tisch ist.

«Wir wer­fen nicht alles über Bord, son­dern hal­ten uns an die Lini­en­füh­rung des bereits geneh­mig­ten Pro­jekts», begrün­det Lars Misch­kul­nig den Ent­scheid, den A5-West­ast in der vor­lie­gen­den Form nicht grund­sätz­li­cher infrage zu stel­len. So wer­den denn auch der Vin­g­el­z­tun­nel wie der Zubrin­ger rech­tes Bie­ler­see­ufer unbe­se­hen über­nom­men. «Es ist ein Pro­jekt, das Schlim­me­res ver­hin­dern will und dank finan­zi­el­ler Ein­spa­run­gen der gan­zen Schweiz etwas bringt.»

 

Eine wei­tere Vari­ante – nicht mehr und nicht weni­ger

Die Arbeits­gruppe Städ­te­bau des Komi­tees stellt in Aus­sicht, dass ihre Alter­na­tive halb soviel kos­ten würde wie das mit 2,5 Mil­li­ar­den bud­ge­tierte Aus­füh­rungs­pro­jekt. Aller­dings füh­ren sie in ihrer Auf­stel­lung nur die Kos­ten für den Tun­nel­bau auf. Unklar ist, was die Gestal­tung des Bou­le­vards und die städ­te­bau­li­chen Ent­wick­lung kos­ten, und wie diese ober­ir­di­schen Pro­jekte finan­ziert wür­den.

Mit dem Alter­na­tiv­vor­schlag «West­ast so bes­ser!» liegt nun eine wei­tere Vari­ante auf dem Tisch, mit zahl­rei­chen offe­nen Fra­gen.  Andere bereits vor­ge­stellte Vari­an­ten schla­gen Ähn­li­ches vor oder stel­len inno­va­tive Lösun­gen in einem grös­se­ren ver­kehrs­po­li­ti­schen Kon­text zur Dis­kus­sion.

Die Pla­ner vom Komi­tee «West­ast – so nicht!» for­dern nun von den Bie­ler und Nidauer Stadt­be­hör­den, dass sie sich für eine Sis­tie­rung des gel­ten­den Aus­füh­rungs­pro­jekts ein­set­zen. In der Folge sol­len Bund und Kan­ton im Rah­men eines par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zes­ses den Alter­na­tiv­vor­schlag prü­fen und wei­ter­ent­wi­ckeln.

Wäh­rend die erste For­de­rung nach Übungs­ab­bruch voll­um­fäng­lich zu unter­stüt­zen ist, greift der Vor­schlag, ein­zig die Vari­ante «West­ast so bes­ser!» wei­ter zu ver­fol­gen, ein­deu­tig zu kurz: Es ist höchste Zeit, dass sich die inter­es­sierte Bevöl­ke­rung bei Grund­satz­fra­gen ein­brin­gen kann! Dafür braucht es eine breite Dis­kus­sion. Und nicht, wie von den Behör­den bereits im Rah­men des vor­lie­gen­den Aus­füh­rungs­pro­jekt prak­ti­ziert, die Beschrän­kung der Mit­spra­che auf ein paar Ver­bes­se­run­gen an einem unbe­frie­di­gen­den Pro­jekt.

Also nicht Vogel friss oder stirb. Son­dern Vogel flieg!

 


 

UNERWÜNSCHTE INFORMATION

Wäh­rend der Plan­auf­lage im ver­gan­ge­nen Früh­jahr stan­den «Infor­ma­ti­ons­ta­feln» zur A5 wäh­rend Wochen im öffent­li­chen Raum. Wir erin­nern uns an geschönte Visua­li­sie­run­gen und ein­sei­tige Texte, pro­du­ziert und finan­ziert vom Tief­bau­amt des Kan­tons Bern.

Diese Aktion inspi­rierte den Ver­ein «Biel notre Amour» dazu, sei­ner­seits ein Pla­kat zu kre­ieren. Mit Infor­ma­tio­nen, die jene der «offi­zi­el­len» Tafeln ergän­zen.

Am Sams­tag, 28. Okto­ber kam das Pla­kat erst­mals zum Ein­satz: Es zeigt, wel­che Häu­ser und Frei­zeit­an­ge­bote im Wyden­au­quar­tier der West­ast-Bau­stelle wei­chen müss­ten und weist auf die risi­ko­rei­che Grund­was­ser­si­tua­tion hin. Tat­sa­chen, die von nie­man­dem bestrit­ten wer­den. Ergänzt wurde die Info­ta­fel mit einem Hin­weis auf den Tag der offe­nen Tür im Maschi­nen­mu­seum Mül­ler.

Bereits Anfang Woche musste das Pla­kat aller­dings wie­der weg: Laut Poli­zei­an­ga­ben hat «jemand vom Pro-West­astko­mi­tee» inter­ve­niert. Nicht bei der zustän­di­gen Poli­zei­stelle, son­dern direkt beim obers­ten Chef und sogar beim Stadt­prä­si­den­ten(!). Und da der Stadt­prä­si­dent sich offen­bar vor den Kar­ren des Pro-West­ast-Komi­tees span­nen lässt, wurde von Sei­ten der Behör­den sofort per Tele­fon reagiert.  

Nun ist die Infor­ma­ti­ons­ta­fel weg. Immer­hin hat sie ihren Zweck erfüllt: Hun­derte haben letz­ten Sams­tag die uner­wünsch­ten Infor­ma­tio­nen gele­sen und den Weg ins Maschi­nen­mu­seum Mül­ler gefun­den. Dort haben sie mit ihrer Unter­schrift gefor­dert, dass das Centre Mül­ler dem West­ast nicht geop­fert wer­den dürfe. Diese, den Lauf der West­ast-Dinge stö­rende, Infor­ma­tion wer­den die Behör­den anläss­lich der Unter­schrif­ten­über­gabe zur Kennt­nis neh­men müs­sen und nicht unter­drü­cken kön­nen. Sehr gut.

Für die­je­ni­gen, die sich nicht bevor­mun­den las­sen möch­ten, hier das Ori­gi­nal­pla­kat zum Ankli­cken:

 

 


 

EIN ROTER STERN IM QUARTIER

     Am 4. Novem­ber 2017 fei­erte der FC Étoile Bienne mit einem KIDS SPORT DAY in der Nid­au­gasse sei­nen 50. Geburts­tag. Daheim ist der Club aller­dings im Müh­le­feld.

Dort begrüsst neu­er­dings eine grosse Bla­che mit der Auf­schrift «Bien­ve­nue au Stade du Müh­le­feld» und dem roten Stern des FC Étoile die Besu­che­rIn­nen. In der Luft hängt ver­lo­cken­der Grill­duft. Nebst den obli­ga­ten Brat­würs­ten gibt es in der frisch reno­vier­ten Buvette wei­tere Lecke­reien wie Pom­mes Fri­tes oder Kaf­fee. Die Gäste wis­sen es zu schät­zen und blei­ben auch nach dem Spiel noch auf einen Hap­pen und einen Schwatz.

«Es gibt wie­der Leben im Club», freut sich René Kohli. «Man kennt sich, tauscht sich aus – über Emo­tio­nen und Frus­tra­tio­nen. So, wie es sein sollte – und wie es frü­her ein­mal war.» Event­ma­na­ger Kohli trai­niert die F-Junio­ren und ist Mit­glied des 10köpfigen Teams, das im Som­mer ein­ge­sprun­gen ist, als die Zukunft des Ver­eins auf Mes­sers Schneide stand.

Heute ist der Ver­ein wie­der auf dem auf­stei­gen­den Ast. Was bleibt ist die Sorge um den Platz: Käme der A5-West­ast, müsste auch er der Bau­stelle wei­chen…

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PETITION

GEGEN DEN A5-WESTAST ZUHANDEN DES BUNDESRATS  EINGEREICHT MIT ÜBER

10’000 UNTERSCHRIFTEN

 

Peti­ti­ons­text

 

Sehr geehrte Frau Bun­des­prä­si­den­tin,
sehr geehrte Damen und Her­ren Bun­des­rä­tin­nen und Bun­des­räte

In Biel sol­len die teu­ers­ten Auto­bahn­ki­lo­me­ter der Schweiz gebaut wer­den: Der West­ast der A5-Auto­bahn kos­tet min­des­tens 2,2 Mil­li­ar­den Fran­ken.

Der West­ast führt mit­ten durch die Städte Biel und Nidau. Die zwei geplan­ten Anschlüsse mit über 200 Meter lan­gen und bis zu 18 Meter tie­fen Schnei­sen reis­sen unheil­bare Wun­den in den Stadt­kör­per. Zudem wer­den die Nah­erho­lungs­ge­biete See und Strand­bo­den wäh­rend der min­des­tens 15-jäh­ri­gen Bau­zeit von der Stadt abge­schnit­ten.

Alleen, Park­an­la­gen und ganze Quar­tiere sol­len dem A5-West­ast wei­chen: Rund 745 Bäume müss­ten gefällt und über 100 Häu­ser abge­ris­sen wer­den. Dar­un­ter auch Bäume und Gebäude, die unter Schutz ste­hen.

Der Bau des A5-West­asts greift mas­siv in die Grund­was­ser­ströme ein – mit unkal­ku­lier­ba­ren Risi­ken für Grund- und Trink­was­ser. Die­ser Ein­griff gefähr­det zudem die Bau­sub­stanz: Viele Häu­ser in der Bie­ler Innen­stadt ste­hen auf Pfäh­len; der Bau­grund ist sehr insta­bil und reagiert äus­serst sen­si­bel auf Ver­än­de­run­gen.

Die A5-Westastau­to­bahn ist das Resul­tat einer ver­al­te­ten Pla­nung. Sie löst weder die Ver­kehrs­pro­bleme der Stadt Biel und der Agglo­me­ra­tion, noch ist sie von natio­na­ler Bedeu­tung. Der West­ast in der vor­lie­gen­den Form ist unnö­tig und bringt keine Ent­las­tung son­dern Mehr­ver­kehr. Es gibt kos­ten­güns­tige, umwelt­ver­träg­li­che und effi­zi­ente Wege, um die Ver­kehrs­pro­bleme in der Region wirk­lich zu lösen.

Wir for­dern Sie des­halb auf, das gene­relle Pro­jekt der West­ast-Auto­bahn mit­ten durch die Städte Nidau und Biel zu sis­tie­ren und eine fort­schritt­li­che Vari­ante aus­zu­ar­bei­ten.

Ein natio­na­les Inter­esse für den A5-West­ast in der vor­lie­gen­den Form gibt es nicht. 2,2 Mil­li­ar­den Fran­ken öffent­li­che Gel­der für eine Stadt­au­to­bahn, die keine Pro­bleme löst – das darf nicht sein!

 
 

  

NIDAU WARTET AB!

Am Frei­tag, den 27. Okto­ber 2017 um 11.20 Uhr,  wurde der A5-Ost­ast für Motor­rä­der, Autos und Last­wa­gen frei­ge­ge­ben. Kurz zuvor hat die Stadt Biel über die Mass­nah­men infor­miert, die dafür sor­gen sol­len, dass die neue Auto­bahn nicht zum befürch­te­ten Ver­kehrs­chaos in der Region Biel führt.

An einer von rund 100 Quar­tier­be­woh­ne­rIn­nen vom Müh­le­feld­leist orga­ni­sier­ten Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung berich­te­ten die  «grüne» Gemein­de­rä­tin Bar­bara Schwi­ckert sowie Roger Rac­cor­don (Lei­ter Bereich Infra­struk­tur) und Pablo Donzé (Lei­ter Bereich Ver­kehr), wie die Behör­den die Ver­kehrs­ströme neu len­ken und das Müh­le­feld-Quar­tier vor dro­hen­dem Schleich­ver­kehr schüt­zen wol­len.

Schwi­ckert klärte die Bür­ger­schaft auf, dass Ver­kehrs­pla­nung eine sehr kom­plexe Sache sei. Biel werde in den kom­men­den Wochen «ver­kehr­lich umge­sto­chen» – die Bevöl­ke­rung müsse sich auf neue Ver­kehrs­men­gen und –ströme ein­stel­len. Nach­drück­lich wies sie dar­auf hin, dass man für die geplan­ten Len­kungs­mass­nah­men über die Gemein­de­gren­zen hin­weg regio­nal zusam­men­ar­beite. Das sei unab­ding­bar, sagte Schwi­ckert: «Ver­kehr macht nicht ein­fach an der Grenze der Stadt Biel halt.»

Laut Anga­ben der Bie­ler Behör­den plant man im Zusam­men­hang mit der Eröff­nung des A5-Ost­asts nicht weni­ger als 37 Mass­nah­men, davon deren 23 inner­halb der Stadt. Die Stadt Biel ist aber nur für die Umset­zung von 17 Mass­nah­men zustän­dig – die übri­gen sechs wer­den vom Kan­ton Bern umge­setzt. Die geplan­ten Mass­nah­men umfas­sen Tempo-30-Zonen sowie Quar­tier­stras­sen, wo nur noch Zubrin­ger­dienst gestat­tet ist, aber auch Ampel­an­la­gen, die den moto­ri­sier­ten Ver­kehr in die Stadt hin­ein dosie­ren (=stauen) sowie Mass­nah­men für die «Opti­mie­rung der Ver­kehrs­flüsse».

Lange hat man auf die Details der Len­kungs­mass­nah­men war­ten müs­sen. Nun aber macht die Stadt Biel vor­wärts: Im Moment sind laut Roger Rac­cor­don bereits 11 von 17 Mass­nah­men beschlos­sen und in Umset­zung oder Vor­be­rei­tung.

Ganz anders in Nidau: Auch dort muss der Ver­kehr irgend­wie auf die Auto­bahn gelenkt wer­den. Nur: Im Gegen­satz zu Biel, blei­ben diese fer­ti­gen Pläne vor­erst in der Schub­lade. Denn: Nidau war­tet erst ein­mal ab. So geht Koor­di­na­tion à la See­land.

Ab Eröff­nung des neuen Auto­bahn­teil­stücks kommt es also zur Eröff­nung eines neuen Ver­kehrs­ka­nals, des­sen Aus­wir­kun­gen mit einem Plan «gere­gelt» wer­den, der für die ganze Region gel­ten sollte, aber nur halb umge­setzt wird. Das funk­tio­niert nie und nim­mer. Es wird auch nicht mög­lich sein zu beur­tei­len, ob die getrof­fe­nen Mass­nah­men die gewünschte Wir­kung erzie­len, wenn an einer Stelle (=Biel) wie geplant Ver­kehr umge­lei­tet wird und an ande­rer Stelle (=Nidau) die geplante Len­kungs­mass­nahme ein­fach nicht aus­ge­führt wird.

Beson­ders deut­lich wird das im Müh­le­feld-Quar­tier, das unmit­tel­bar an Nidau grenzt: Wäh­rend die Quar­tier­stras­sen auf Bie­ler­bo­den sofort aus­schliess­lich für den Zubrin­ger­dienst signa­li­siert wer­den, bleibt in Nidau vor­läu­fig alles beim Alten.

Doch nicht nur Nidau ist im Ver­zug. – Um das Müh­le­feld­quar­tier vor Tran­sit- und Schleich­ver­kehr zu schüt­zen, soll die Aus­fahrt von der Bern­strasse bei der Garage Pao­luzzo gesperrt wer­den. Eine Mass­nahme, die ihre Wir­kung nicht ver­feh­len dürfte. Nur: Auch dar­auf muss man vor­läu­fig war­ten, da die Bern­strasse dem Kan­ton gehört. Und dort sei man mit der Umset­zung noch nicht soweit, wie Pablo Donzé an der Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung bedau­ernd mit­teilte.

Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger rau­fen sich die Haare: Nach Jahr­zehn­ten der Pla­nung und des Bau­ens schaf­fen es die Behör­den nicht, gleich­zei­tig und koor­di­niert mit der Eröff­nung des A5-Ost­asts auch die not­wen­di­gen Ver­kehrs­len­kungs­mass­nah­men in Betrieb zu neh­men.

Dabei ist son­nen­klar –  wie sagte doch Gemein­de­rä­tin Schwi­ckert am Anfang der Ver­an­stal­tung: «Der Ver­kehr macht nicht halt, an der Gemein­de­grenze».  – Die Ver­kehrs­po­li­tik aller­dings schon. Ein Armuts­zeug­nis für die Ver­ant­wort­li­chen auf allen Ebe­nen.  

 

 


 

ÜBER DAS EIGENE GÄRTLI HINAUS DENKEN

Die Eröff­nung der A5-Ostastau­to­bahn Ende Okto­ber 2017 sollte für grosse Teile der Stadt Biel eine Ver­kehrs­ent­las­tung brin­gen. Das wurde von den Behör­den immer wie­der behaup­tet und ver­spro­chen. Aller­dings ist davon aus­zu­ge­hen, dass die neue Hoch­leis­tungs­strasse gleich­zei­tig neuen Ver­kehr anzie­hen wird. Ent­las­tung für einige Quar­tiere der Stadt, neue Belas­tung für andere. Glei­ches gilt für die angren­zen­den Gemein­den.

So sagte etwa Ruedi Wild, Prä­si­dent der SP Twann-Tüscherz anläss­lich einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung zum A5-West­ast: «Wenn am 27. Okto­ber der Ost­ast der Auto­bahn A5 eröff­net wird, mag das für Biel eine gewisse Beru­hi­gung brin­gen. Durch die Stei­ge­rung der Attrak­ti­vi­tät ist aber eine Zunahme des Ver­kehrs von und nach Twann-Tüscherz und La Neu­ve­ville – Neu­en­burg zu befürch­ten.»

Für die Eröff­nung des West­asts, so Wild wei­ter, stell­ten die Ver­kehrs­pla­ner gar 30 Pro­zent Mehr­ver­kehr in Aus­sicht. Dies würde bedeu­ten: In jede Fahrt­rich­tung im Durch­schnitt alle 6 Sekun­den ein Per­so­nen­wa­gen sowie alle zwei Minu­ten ein LKW oder Bus. «Wenn sich gewisse Bie­ler auf den West­ast freuen, legen sie eine ‚Nach mir die Sintflut’-Mentalität an den Tag», schloss der Twan­ner Poli­ti­ker seine Aus­füh­run­gen.

Dies zeigt: Die Beschrän­kung der West­ast-Kri­tik auf die bei­den inner­städ­ti­schen Anschlüsse und deren nega­tive Aus­wir­kun­gen auf das Stadt­bild, greift zu kurz. Die Kapa­zi­täts­er­wei­te­run­gen mit­tels A5-Durch­que­rung von Biel wir­ken sich auf die ganze Region aus – und beein­träch­ti­gen die wert­vol­len Kul­tur­land­schaf­ten am Bie­ler­see.

 

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FALSCHE BASIS

Kaum wird’s end­lich kon­kret, kommt schon der erste Auf­schrei: «Geht gar nicht, wir las­sen uns nicht durch flan­kie­rende Ver­kehrs-Mass­nah­men auf den Auto­bahn-Ost­ast zwin­gen!» Auto­fah­re­rIn­nen und Berufs­pend­le­rIn­nen befürch­ten neue Staus, infolge erschwer­ter Durch­fahrt durch die Stadt Biel.

Gut mög­lich – sogar wahr­schein­lich – dass es zu neuen Staus kom­men wird, nament­lich an den Kno­ten­punk­ten zum A5-Ost­ast. Doch bekannt­lich soll Ver­kehr wie Was­ser sein  (Zitat: Stadt­prä­si­dent Erich Fehr) – die Auto­len­ke­rIn­nen wer­den sich also auch künf­tig den Weg des gerings­ten Wider­stands suchen. Ob sie ihn durch oder um die Stadt herum fin­den, wird sich zei­gen.

An der Medi­en­kon­fe­renz vom 19. Okto­ber 2017 prä­sen­tierte die Stadt Biel, nebst den Ver­kehrs­len­kungs-Mass­nah­men im Anschluss an die Ost­ast-Eröff­nung, die ver­kehrs­tech­ni­schen Über­le­gun­gen, die den Ein­grif­fen in den Stras­sen­ver­kehr als Basis dien­ten.

Ein­mal mehr fällt beim Durch­blät­tern die­ses «Kon­zept­do­ku­ments» auf: Das Auto ist und bleibt Dreh- und Angel­punkt der Bie­ler Ver­kehrs­po­li­tik! Nach­zu­le­sen zum Bei­spiel auf Seite 7: «Der Indi­vi­du­al­ver­kehr bleibt ein wich­ti­ger Trä­ger des Stadt­ver­kehrs. Die qua­li­ta­ti­ven Bedin­gun­gen dazu sol­len ver­bes­sert wer­den.»

Als Basis dient eine soge­nannte Netz­struk­tur, wonach die Stras­sen in fünf Kate­go­rien unter­teilt sind. Unter­schie­den wird zwi­schen Hoch­leis­tungs­stras­sen, Haupt­ver­kehrs­ach­sen sowie Ver­bin­dungs-, Sam­mel- und Quar­tier­stras­sen. All diese Stras­sen gehö­ren offen­bar in ers­ter Linie dem moto­ri­sier­ten Ver­kehr. Im erwähn­ten Kon­zept wird nur die­ser aus­führ­lich erwähnt.

Die sche­ma­ti­sche Dar­stel­lung der «Len­kungs­stra­te­gie» macht zudem deut­lich, dass es eine «gute Erschlies­sung» geben wird, für jene, die mit dem Auto an den Bahn­hof oder in die inner­städ­ti­schen Park­häu­ser wol­len.

Wozu also die Panik, liebe Auto­fah­re­rin­nen und Auto­fah­rer? Im Gegen­satz zu ande­ren, zukunfts­ori­en­tier­te­ren Städ­ten, will man in Biel nie­man­dem das Auto­fah­ren ver­mie­sen. Im Gegen­teil! Die Bedin­gun­gen sol­len gar ver­bes­sert wer­den, wie dem Kon­zept zu ent­neh­men ist: «Dazu zäh­len zum Bei­spiel die Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs­ab­läufe bei Kno­ten, die Ver­kehrs­füh­rung und Signa­li­sa­tion sowie Opti­mie­run­gen bei der Park­raum­or­ga­ni­sa­tion.»

Das steht in deut­li­chem Wider­spruch zur Behaup­tung, dass die Stadt Biel die 3V-Stra­te­gie des Kan­tons Bern befolge (Ver­kehr 1. ver­mei­den, 2. ver­la­gern und 3. ver­träg­lich abwi­ckeln). Solange man die Bedin­gun­gen für den moto­ri­sier­ten Ver­kehr durch den Bau zusätz­li­cher Kor­ri­dore ver­bes­sert, wird die­ser zu- und nicht abneh­men. Dazu gibt es mitt­ler­weile genü­gend Stu­dien.

Beson­ders frag­wür­dig ist die Tat­sa­che, dass man anläss­lich der Ost­ast-Eröff­nung ein­zig und allein auf den moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehr fokus­siert. Warum nicht gleich bes­sere Bedin­gun­gen für den öffent­li­chen Regio­nal­ver­kehr schaf­fen? Sichere Rad- und Fuss­ver­bin­dun­gen, die dazu füh­ren, dass der eine oder die andere sein Auto ste­hen lässt und für den Arbeits­weg von Pie­ter­len nach Twann oder für den Besuch bei der Gross­mut­ter im Bözin­gen­moos auf Alter­na­ti­ven umsteigt?

Wie sagte doch der Umwelt­öko­nom Phil­ippe Thal­mann kürz­lich in einem Beob­ach­ter-Inter­view: «Schauen wir uns den Auto­ver­kehr in Zürich an: Wie hat man es geschafft, dass er ver­hält­nis­mäs­sig gering geblie­ben ist? Man hat den öffent­li­chen Ver­kehr aus­ge­baut, das Ver­bunds­abo ein­ge­führt, Park­plätze redu­ziert und ver­teu­ert, Velo­wege ange­legt. Und kom­mu­ni­ziert, dass die Lebens­qua­li­tät zunimmt, mit weni­ger Stau, Lärm und Luft­ver­schmut­zung.»

Weil weni­ger Stau, Lärm und Luft­ver­schmut­zung nur mög­lich sind, wenn der moto­ri­sierte Ver­kehr redu­ziert wird. Es gibt kei­nen ande­ren Weg – und schon gar keine Hoch­leis­tungs­strasse, die zusätz­li­chen Ver­kehr in die Innen­stadt pumpt!

 


 

«WIR WOLLEN MITREDEN

Mar­tín Zingg hat anläss­lich der Demo «Biel wird laut» am 23. Sep­tem­ber 2017 seine erste poli­ti­sche Rede gehal­ten. Auf der Espla­nade-Bühne fasste der 18jährige Schü­ler in knap­pen und kla­ren Wor­ten zusam­men, wes­halb er und viele andere Jugend­li­che mit dem A5-West­ast nicht ein­ver­stan­den sind.

An der Demo ern­tete der Jung­red­ner Applaus mit sei­nem Hin­weis, dass weder seine Mut­ter, die ein Kind gewe­sen sei, als man den Fehl­ent­scheid für die heu­tige Rou­ten­wahl getrof­fen habe, noch er sel­ber beim aktu­el­len Pro­jekt hät­ten mit­be­stim­men kön­nen. «Wir spre­chen hier von einem Pro­jekt aus der Gene­ra­tion mei­nes Gross­va­ters – die Kon­se­quen­zen werde aber nicht ein­mal ich aus­ba­den müs­sen, son­dern meine Kin­der. Das ist nicht trag­bar!» ergänzt Mar­tín Zingg im Gespräch und betont: «Wenn wir jetzt nicht unsere Chance ergrei­fen und sagen: Wir haben auch noch ein Wört­lein mit­zu­re­den, wer­den wir das ewig bereuen!»

HIER geht’s zum Gespräch mit Mar­tín Zingg

 

 


 

ZEIT FÜR EINEN RUNDEN TISCH!

Der Bie­ler Archi­tekt und Raum­pla­ner Kurt Roh­ner for­dert einen run­den Tisch, um Vari­an­ten zum A5-West­astpro­jekt breit und demo­kra­tisch zu dis­ku­tie­ren. Ein Vor­schlag, der Sinn macht – und höchste Zeit, dass er umge­setzt wird! Dis­kus­si­ons­ma­te­rial in Form prü­fens­wer­ter Ideen und Vor­schläge liegt längst in Hülle und Fülle vor. Das wis­sen auch die Poli­ti­ke­rIn­nen und Behör­den.

Lei­der wur­den alter­na­tive Lösungs­an­sätze, die es – ent­ge­gen anders lau­ten­der Behaup­tun­gen – seit Jah­ren gibt, bis anhin unter den Tisch gekehrt. Unter dem Druck der Demons­tra­tion vom 23. Sep­tem­ber erklär­ten Stadt­prä­si­dent Fehr und der Bie­ler Gemein­de­rat plötz­lich ihre Bereit­schaft, «den zustän­di­gen Stel­len beim Bund und Kan­ton alter­na­tive Lösungs­vor­schläge zur Prü­fung wei­ter­zu­lei­ten, wenn mit die­sen die glei­chen ver­kehr­li­chen Wir­kun­gen erzielt wer­den kön­nen.»

Fehr weist neu­er­dings dar­auf hin, dass er den seit lan­gem in Aus­sicht gestellte Alter­na­tiv-Vor­schlag, den eine Gruppe von Archi­tek­ten, Pla­nern und Inge­nieu­ren aus dem Umfeld des «Komi­tees West­ast so nicht!» erar­bei­tet hat, mit Span­nung erwarte.

Was der Stadt­prä­si­dent von Biel aber ver­schweigt: In den letz­ten Jah­ren und Mona­ten sind auch auf sei­nem Pult immer wie­der intel­li­gente und val­able Alter­na­tiv-Ansätze zum vor­lie­gen­den A5-West­astpro­jekt gelan­det. Nur: Davon wollte man im Bie­ler Stadt­haus bis anhin nichts wis­sen. Statt sich mit den Vor­schlä­gen und Skiz­zen aus­ein­an­der­zu­set­zen, stellte man die Kri­ti­ke­rIn­nen lie­ber in die Ecke der ewi­gen Ver­hin­de­re­r­In­nen und Nein-Sage­rIn­nen, man bezich­tigte sie des Ego­is­mus und unter­stellte ihnen, sie hät­ten keine Alter­na­ti­ven oder seien zu spät damit.

Fakt ist: Alter­na­ti­ven wur­den nach 2010 gar nicht mehr ernst­haft in Betracht gezo­gen. Mit dem Ver­weis auf die «Arbeits­gruppe Stöckli», die 2010 den Basis­ent­scheid für die heute noch gül­tige Vari­ante mit den bei­den inner­städ­ti­schen Anschlüs­sen gefällt hatte. Heute weiss man, dass die­ser Ent­scheid alles andere als demo­kra­tisch zustande kam – und dass es von Anfang an fun­da­men­tale Kri­tik gege­ben hat, die – ein­mal mehr – weder berück­sich­tigt, noch kom­mu­ni­ziert wurde.

  • Bereits im Rah­men der Mit­wir­kung zum Gene­rel­len Pro­jekt kri­ti­sierte etwa eine Gruppe von erfah­re­nen Bau­fach­leu­ten um Hans-Rudolf Oechs­lin die Lini­en­füh­rung des A5-West­asts und bean­tragte, die Vari­ante einer Nord­um­fah­rung noch ein­mal zu prü­fen. Seit­her äus­sers­ten sich Oechs­lin und seine Mit­strei­ter regel­mäs­sig kri­tisch zu den Machen­schaf­ten rund um das Pro­jekt – sowohl in Leser­brie­fen wie auch in direk­ter Kor­re­spon­denz mit den Behör­den.
  • In den letz­ten Jah­ren haben sich auch viele andere Fach­leute aus der Region Gedan­ken gemacht, wie eine zukunfts­fä­hige Ver­kehrs­pla­nung im See­land aus­se­hen könnte. Die «kleine See­land­tan­gente» etwa, wie sie der Archi­tekt und Raum­pla­ner Kurt Roh­ner im Inter­view vom 6. Okto­ber 2017 skiz­ziert hat, liegt seit Mona­ten auf dem Tisch.

 

  • Das Glei­che gilt für die Abklas­sie­rung der A5 zu einer Natio­nal­strasse 3. Klasse. Die Archi­tek­ten Jürg Rihs und Rudolf Leisi haben dazu im Som­mer und Herbst 2016 kon­krete Vor­schläge an das Kan­to­nale Tief­bau­amt geschickt – mit Kopien an die Stadt­ver­wal­tun­gen von Biel und Nidau. 
  • Der Pro­jekt­ent­wick­ler und Raum­pla­ner Didier Bar­det hat seine Ide­en­skizze «West­Ast Anders» mit Aus­füh­run­gen und Plä­nen Ende März 2017 an die Behör­den und an ver­schie­dene Inter­es­sen­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­schickt. 
  • Eine Stu­die der Zür­cher Hoch­schule für Archi­tek­tur (zhaw) hatte 2010 auf­ge­zeigt, wie der Ver­kehr nach Eröff­nung des Ost­asts auch ohne West­ast bewäl­tigt wer­den könnte. Diese span­nende Arbeit wurde in einer frü­he­ren Ver­sion der A5-Web­site des Kan­tons Bern erwähnt – mit dem Hin­weis, man habe die­sen Ansatz nicht wei­ter ver­folgt.

Dabei zeigt gerade diese Stu­die auf, in wel­che Rich­tung eine moderne und zukunfts­fä­hige Stadt- und Ver­kehrs­pla­nung gehen müsste. So betont etwa Klaus Zwei­brü­cken, Pro­fes­sor für Ver­kehrs­pla­nung an der Hoch­schule Rap­pers­wil, dass Ver­kehrs­pro­bleme heute nicht mehr mit dem ver­al­te­ten «Infra­struk­tur-Ansatz» ange­gan­gen wer­den soll­ten. Er plä­diert für den Ansatz «Len­ken statt Bauen», wie er in immer mehr Agglo­me­ra­ti­ons­ge­bie­ten mit Erfolg prak­ti­ziert wird.

Und der Wie­ner Ver­kehrs­ex­perte Her­mann Kno­fla­cher meint zum Bie­ler West­ast-Pro­jekt: «Typisch für diese Art von Pro­jekt­be­schrieb ist, dass hier aus­schliess­lich aus der Lenk­rad­per­spek­tive gedacht und gehan­delt wird. Nicht aber aus der Per­spek­tive von Men­schen, die eine lebens­werte Stadt haben wol­len.»

Höchste Zeit also, für einen brei­ten Dis­kurs über die Ent­wick­lung der Region Biel! Es braucht einen ech­ten demo­kra­ti­schen Pro­zess. Keine Ali­bi­übun­gen, wie kürz­lich die Mit­wir­kungs­farce «Stadt­idee» in Biel. Son­dern einen ech­ten Pro­zess, wo alle Inter­es­sier­ten die Mög­lich­keit haben, sich ein­zu­brin­gen.

Wie solch ein Pro­zess initi­iert wer­den könnte, zeigt Kurt Roh­ner auf: Ein run­der Tisch, mode­riert von einem renom­mier­ten Fach­büro, nota­bene unab­hän­gig und ohne Inter­es­sen­bin­dung im Kan­ton Bern und der Region See­land. Der Moment ist ideal: Das Inter­esse der Bevöl­ke­rung an der Ent­wick­lung der Stadt und der Region ist geweckt.

Viele Leute sind sen­si­bi­li­siert und haben sich mit der West­ast-Frage aus­ein­an­der­ge­setzt. Eine Mehr­heit hat klare Vor­stel­lun­gen und Visio­nen, wie und in wel­che Rich­tung sich die Region ent­wi­ckeln soll. Die Men­schen wol­len mit­re­den, mit­den­ken und mit­ge­stal­ten – und nicht bloss dele­gie­ren.

Text: © Gabriela Neu­haus, 9.10.2017

 

 


 

ES GIBT VARIANTEN ZUM A5-WESTAST

Der Archi­tekt und Raum­pla­ner Kurt Roh­ner ist ein pro­fun­der Ken­ner und vehe­men­ter Kri­ti­ker des vor­lie­gen­den A5-West­astpro­jekts. Er for­dert, dass man die Zeit bis zu den Ein­spra­che-Ent­schei­den nutzt, um gemein­sam nach Alter­na­ti­ven zu suchen:

«Ein­spra­chen sind Teil des Ver­fah­rens: Das Gesetz sieht vor, dass die Betrof­fe­nen bei der Auf­lage die Mög­lich­keit haben ihr Recht gel­tend zu machen. In letz­ter Instanz sind es weder die Poli­ti­ker noch die Inge­nieure mit Tun­nel­blick, die über das Pro­jekt urtei­len, son­dern Juris­ten. Diese müs­sen ent­schei­den, ob das vor­lie­gende Pro­jekt die Auf­la­gen erfüllt, wel­che die heu­tige Gesetz­ge­bung ver­langt.

Bis es soweit ist, kann es noch Jahre dau­ern. Wir haben die Wahl: Wäh­rend das Ver­fah­ren läuft, kön­nen wir uns wei­ter­hin alle gegen­sei­tig die Schuld zuwei­sen und mit roten Köp­fen auf­ein­an­der los­ge­hen. Oder aber, wir set­zen uns end­lich gemein­sam an einen Tisch und initi­ie­ren einen demo­kra­ti­schen Pro­zess. Dafür hät­ten wir jetzt genü­gend Zeit, da in den kom­men­den Jah­ren, bis die Ein­spra­che-Ent­scheide gefällt sind, eh nichts läuft.»

Kurt Roh­ner hat klare Vor­stel­lun­gen, wie solch ein Pro­zess auf­ge­gleist wer­den müsste – und bringt sel­ber gleich zwei Vari­an­ten ins Spiel:

«Ich erwarte von der Stadt Biel, dass sie ein neu­tra­les Büro mit der Mode­ra­tion des Pro­zes­ses beauf­tragt. Um die Unab­hän­gig­keit zu gewähr­leis­ten, müsste es wohl ein Büro aus dem Aus­land sein. Es braucht einen demo­kra­ti­schen Pro­zess, bei dem die Bevöl­ke­rung mit ein­be­zo­gen wird. Und nicht, wie in der Ver­gan­gen­heit, ein­fach eine Kom­mis­sion, die von den Her­ren Stöckli oder Fehr gelei­tet wird und bloss eine tech­no­kra­ti­sche Übung dar­stellt.»

(…)

«Mit der «klei­nen See­land­tan­gente» könnte man gleich drei Flie­gen auf einen Schlag erwi­schen: 1. Ver­hin­dert sie, dass die Stadt Biel ver­saut wird, 2. kann man die Stras­sen­ka­pa­zi­tät Biel-Lyss auf vier Spu­ren aus­bauen und 3. erhält man eine ver­nünf­tige Lösung für den Anschluss der T10 an die A1

(…)

«Wäh­rend der Expo haben Fuss­gän­ger und Velo­fah­rer die Strasse über eine 20 Meter breite Brü­cke über­quert – das hat wun­der­bar funk­tio­niert. Neu könnte man zusätz­lich zu den que­ren­den Brü­cken auch auf der Längs­achse, über der Fahr­bahn, eine zweite Ebene errich­ten. Mit viel Grün­raum, für den Velo- und Fuss­ver­kehr.»

Das Inter­view und Kurt Roh­ners West­ast-Vari­an­ten

 

 


 

BLUFF STATT ARGUMENTE

West­ast-Befür­wor­te­rIn­nen wer­fen den Kri­ti­ke­rIn­nen gerne vor, sie wür­den mit Ängs­ten spie­len, fal­sche Tat­sa­chen ver­brei­ten und hät­ten keine Argu­mente.  So gesche­hen auch im BT-Sams­tags-Inter­view vom 30. Sep­tem­ber 2017.

Was HIV-Geschäfst­füh­rer und SVP-Gross­rat Lars Gug­gis­berg aus Kirch­lin­dach sowie Gil­bert Hüsch, Geschäfts­füh­rer der Wirt­schafts­kam­mer Biel-See­land aus Port in die­sem Gespräch behaup­ten, kann nicht unwi­der­spro­chen blei­ben.

Hier nach­zu­le­sen: Kor­rek­tu­ren und Rela­ti­vie­run­gen zu den Behaup­tun­gen der bei­den West­astbe­für­wor­ter, was hin­ter der Mär mit den 40’000 Unter­schrif­ten steckt – sowie eine Reihe von Leser­brie­fen mit stich­hal­ti­gen Argu­men­ten. 

 

 


 

72% GEGEN DEN WESTAST

Über 3000 Teil­neh­me­rIn­nen an der Demo gegen das West­astpro­jekt – soviele Bür­ge­rIn­nen gin­gen in Biel schon lange nicht mehr auf die Strasse! Aus die­sem Anlass wid­mete das Bie­ler Tag­blatt letzte Woche seine «Frage der Woche» ein­mal mehr der West­ast-Auto­bahn. Wie bereits in der Ver­gan­gen­heit, zei­tigte die Online-Abstim­mung auch dies­mal ein deut­li­ches Resul­tat:  Gegen den West­ast spre­chen sich 72% aus. 

WEITERE INFOS

 

 


 

EIN MERKWÜRDIGES ANGEBOT

War es die Anti-West­ast-Demo? War es das Nidauer Wahl­er­geb­nis – oder gar bei­des zusam­men?

Wie auch immer: Was Erich Fehr bereits in den letz­ten Wochen im einen oder ande­ren Inter­view leise ange­deu­tet hat, wie­der­holte er heute im Regio­nal­jour­nal des Schwei­zer Radios SRF klar und deut­lich: Falls jemand dem Bie­ler Gemein­de­rat eine Alter­na­tive zum aktu­el­len A5-West­astpro­jekt vor­lege, wel­che «die glei­chen ver­kehr­li­chen Wir­kun­gen» zei­ti­gen würde wie das vor­lie­gende Pro­jekt, sei man bereit, die­ses an die zustän­di­gen Stel­len beim Kan­ton und beim Bund wei­ter­zu­lei­ten.

Nur – was heisst das?

Die von Behör­den­sei­ten wie­der­holt ver­spro­che­nen Ver­bes­se­run­gen für die Ver­kehrs­si­tua­tion auf Biels Stras­sen, sind mit dem vor­lie­gen­den Pro­jekt nicht zu errei­chen. Dies beto­nen nicht nur Fach­leute aus Nah und Fern. Auch Ver­kehrs­mo­delle Ver­kehrs­pro­gno­sen von offi­zi­el­ler Seite machen deut­lich: Was der Bevöl­ke­rung von den Bie­ler und Nidauer Behör­den ver­spro­chen wird, ist reine Augen­wi­sche­rei: Die West­ast-Auto­bahn bringt für die Region keine Ent­las­tung vom moto­ri­sier­ten Ver­kehr – im Gegen­teil.

Dazu gibt es deut­li­che Zah­len: Im Wohn­quar­tier ent­lang der Orpund­strasse etwa zählt man heute 11’600 Autos und Last­wa­gen pro Tag – laut offi­zi­el­len Pro­gno­sen wären es 2040 – nach Fer­tig­stel­lung der A5-Westastau­to­bahn  –18’300! Mehr­be­las­tun­gen sind auf zahl­rei­chen Stras­sen zu erwar­ten. Nicht ein­mal die See­vor­stadt oder das Stedtli Nidau könn­ten mit einer Abnahme des moto­ri­sier­ten Ver­kehrs rech­nen, sollte der A5-West­ast tat­säch­lich gebaut wer­den.

Die Behör­den wis­sen das. In den Unter­la­gen zur städ­ti­schen Begleit­pla­nung, die im Januar die­ses Jah­res zur Mit­wir­kung vor­ge­legt wur­den, ist zum Bei­spiel nach­zu­le­sen:

«Die im Ein­fluss­be­reich des West­as­tes der A5 zum Teil zu erwar­tende hohe Ver­kehrs­be­las­tung führt zu Kon­flik­ten, deren Lösung in einem über­ge­ord­ne­ten Rah­men und in Zusam­men­hang mit der wei­te­ren Pro­jek­tie­rung der A5 ange­gan­gen wer­den muss. Dazu sind aus Sicht der von der städ­te­bau­li­chen Begleit­pla­nung bear­bei­te­ten Gebiete fol­gende wich­tigste Schlüsse zu zie­hen und Ver­tie­fungs­an­sätze zu for­mu­lie­ren: Ohne eine kon­se­quente Ver­rin­ge­rung der Ver­kehrs­er­zeu­gung im Zen­trum der Agglo­me­ra­tion und ohne eine geziel­ten Ver­la­ge­rung des MIV auf alter­na­tive Ver­kehrs­trä­ger kön­nen die erkann­ten künf­ti­gen Pro­bleme nicht gelöst wer­den.»  Quelle: Städ­te­bau­li­ches Ent­wick­lungs­kon­zept A5-West­ast, S. 44

Warum also nicht gleich auf die kon­se­quente Ver­rin­ge­rung der Ver­kehrs­er­zeu­gung set­zen? Das geht aller­dings viel bes­ser ohne West­ast-Auto­bahn!

Will man eine Region zukunfts­fä­hig und men­schen­freund­lich ent­wi­ckeln, lau­tet das oberste Gebot: Keine neuen Stras­sen bauen, denn wer Stras­sen baut, ern­tet bekannt­lich Mehr­ver­kehr.

Mit ande­ren Wor­ten: Stadt­prä­si­dent Erich Fehr täte gut daran, nicht ein Alter­na­tiv­pro­jekt zu for­dern, das eine «glei­che ver­kehr­li­che Wir­kung» wie das vor­lie­gende Mons­ter­pro­jekt ver­spricht. Son­dern auf eines, das tat­säch­lich zur Ver­kehrs­be­ru­hi­gung und damit zur Siche­rung der Lebens­qua­li­tät in Biel und der gan­zen Region bei­trägt.

Denk­an­sätze und Alter­na­ti­ven in diese Rich­tung gibt es. Höchste Zeit, dass sie ins Gespräch kom­men!

 

 


 

NIDAU ZEIGT, WAS BIEL BRAUCHT

Noch immer scheint der Gemein­de­rat der Stadt Biel nicht rea­li­siert zu haben, um was es geht: Er hält am A5-West­ast fest, obschon sich die Bevöl­ke­rung immer lau­ter und stär­ker dage­gen wehrt – und obschon man unter Fach­leu­ten den Kopf schüt­telt über das Ansin­nen, im 21. Jahr­hun­dert so etwas über­haupt noch zu bauen.

Nichts­des­to­trotz betont der Gemein­de­rat in sei­ner Stel­lung­nahme von letz­ter Woche noch immer, dass man ein­zig mit dem «Hoch­leis­tungs­stras­sen­netz» die Ver­kehrs­si­tua­tion in der Stadt Biel ver­bes­sern könne. Unver­dros­sen und ein­sam ver­tei­digt SP-Stadt­prä­si­dent Erich Fehr die ver­al­te­ten Pläne. Im Kurz­in­ter­view mit dem Jour­nal du Jura schwa­dro­niert er ein­mal mehr von angeb­li­chen «Ängs­ten» der Bevöl­ke­rung. Ohne zu hören oder ver­ste­hen zu wol­len, dass es wirk­lich hand­feste Argu­mente gibt, wes­halb der A5-West­ast so nicht gebaut wer­den darf.

Bei den Bie­ler Wah­len 2016 war der A5-West­ast bloss ein Thema am Rande. Doch dies hat sich in der Zwi­schen­zeit gewal­tig geän­dert. In drei Jah­ren wird in Biel wie­der gewählt. Spä­tes­tens dann kommt die Quit­tung – wie es am letz­ten Wochen­ende in Nidau gesche­hen ist.

Im tra­di­tio­nell bür­ger­li­chen Nidau haben die Grü­nen näm­lich drei zusätz­li­che Sitze erobert und stel­len künf­tig sechs der ins­ge­samt 30 Stadt­räte. – Die Grü­nen haben als ein­zige Par­tei klar und deut­lich kom­mu­ni­ziert, dass sie die A5-Westastau­to­bahn ableh­nen… Dies hat zu ihrem guten Wahl­re­sul­tat bei­ge­tra­gen.

Doch auch aus ande­ren Par­teien wur­den einige neue Ver­tre­te­rIn­nen gewählt, die der A5-Westastau­to­bahn kri­tisch gegen­über­ste­hen, so zum Bei­spiel die SVP-Ver­tre­te­rin Ursula Win­geyer. Das Kräf­te­ver­hält­nis zuguns­ten der West­ast-Kri­ti­ke­rIn­nen hat sich aber fol­ge­rich­tig nicht nur im  Stadt­rat ver­scho­ben:

Plötz­lich gibt es im Nidauer Gemein­de­rat keine Mehr­heit mehr für das A5-Westat­pro­jekt, das von den Behör­den der bei­den Städte Biel und Nidau bis anhin gemein­sam gepusht wor­den ist!

Die bei­den frisch gewähl­ten SP-Gemein­de­räte Marc Eyer und San­dra Friedli haben sich im Vor­feld der Wah­len dezi­diert kri­tisch zum West­ast-Pro­jekt geäus­sert, das Glei­che gilt für den SVP-Gemein­de­rat Roland Lutz, wäh­rend sich Kurt Schwab (SP) im Nidauer Wahlo­mat nicht fest­le­gen wollte und eine «neu­trale Hal­tung» ver­kün­det hat. So blei­ben als Befür­wor­ter des Mons­ter­pro­jekts ein­zig Stadt­prä­si­den­tin San­dra Hess (FDP) und ihr Par­tei­kol­lege Mar­tin Fuh­rer sowie EVP-Gemein­de­rat Phil­ippe Mes­serli.

Im Klar­text:  In Nidau hat sich eine grosse Anzahl von Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern für West­ast-kri­ti­sche Kan­di­da­tIn­nen ent­schie­den.

Wahl­tag ist immer Zahl­tag. Auch in Biel. Dort dau­ert es noch drei Jahre, dann erhal­ten die Poli­ti­ke­rIn­nen die Quit­tung für ihre Leis­tun­gen. Gesprächs­ver­wei­ge­rung in Sachen A5-West­ast und das Nicht-ernst-neh­men der Bevöl­ke­rung wird fri­schen Wind in das Bie­ler Par­la­ment und ins Rat­haus brin­gen.

Die Demons­tra­tion vom letz­ten Wochen­ende war ein kla­res Zei­chen: Über 3000 Demons­trie­rende sind für Biel eine enorme Zahl! Wenn man bedenkt, dass hin­ter jeder demons­trie­ren­den Per­son meh­rere Per­so­nen ste­hen, die das Anlie­gen der Demons­tran­tIn­nen glei­cher­mas­sen unter­stüt­zen, aber (noch) nicht mit Trans­pa­ren­ten öffent­lich durch die Stras­sen zie­hen.

Die Demons­tra­tion war auch ein Gesprächs­an­ge­bot an die Behör­den. Lei­der wurde es nicht ange­nom­men.

 

 


 

«DIE LÖSUNG HEISST: LENKUNG»

Zweibrücken
©Hoch­schule für Tech­nik Rap­pers­wil (HSR), Bild: Adrian Guntli

Klaus Zwei­brü­cken, Pro­fes­sor für Ver­kehrs­pla­nung an der Hoch­schule Rap­pers­wil, kann über das A5-West­astpro­jekt nur den Kopf schüt­teln. Im Inter­view, das wir mit ihm letzte Woche geführt haben, sagt er dazu:

«Ich wurde schon häu­fi­ger mit sol­chen Pro­jek­ten kon­fron­tiert, bei denen städ­ti­sche Ver­kehrs­pro­bleme mit dem Bau gros­ser Stras­sen gelöst wer­den sol­len. Die bei­den letz­ten waren der Stadt­tun­nel in Rap­pers­wil und die Stadt­durch­fahrt in Zug. Beide Pro­jekte wur­den jedoch an der Urne abge­lehnt. 

Der A5 West­ast in Biel weist ähn­li­che Pla­nungs­mus­ter auf, wie die ver­wor­fe­nen Pro­jekte: Das Herz­stück ist ein Tun­nel, zunächst unter der gan­zen Stadt hin­durch, um den Auto­ver­kehr zu ent­sor­gen. Dann merkt man plötz­lich, dass auch noch Anschlüsse nötig wären, weil sonst  nur der Durch­gangs­ver­kehr den Tun­nel nutzt.

Und der Durch­gangs­ver­kehrs­an­teil ist meist gering – in Rap­pers­wil etwa beträgt er in der Innen­stadt gerade mal 13%.

Dafür lohnt sich eine so auf­wän­dige Bau­mass­nahme nicht. Des­halb die Idee, Anschlüsse zu bauen, um das Stadt­netz mehr­fach und bes­ser an die Auto­bahn anzu­bin­den. Was natür­lich nicht funk­tio­niert.

(…) In solch gut erschlos­se­nen Gebie­ten  sollte man Woh­nun­gen bauen, keine Auto­bah­nen. Auch in Biel wür­den zen­trale Teile der Stadt mit Ver­kehrs­bau­ten kaputt gemacht. Da muss ich mei­nem Kol­le­gen Kno­fla­cher schon recht geben: Das ist 1960er Jahre – nicht 21. Jahr­hun­dert. Heute ver­sucht man, den Ver­kehr zu regu­lie­ren und nicht, im besie­del­ten Bereich noch mehr Ange­bote für den Auto­ver­kehr zu schaf­fen.»

Len­ken statt bauen – die­ser Ansatz wäre sogar im Tran­sit­ver­kehr not­wen­dig und mög­lich, betont Klaus Zwei­brü­cken. Damit könnte etwa auch die A5 ent­lang des Bie­ler­sees ent­las­tet wer­den, wäh­rend der Bau des A5-West­asts auf die­ser Stre­cke mas­sive Zusatz­be­las­tun­gen zur Folge hätte.

Das Exklu­siv-Inter­view in vol­ler Länge

 

 


 

EINSPRACHEN: NUN IST DER KANTON BERN AM ZUG

 

    Am Diens­tag, 19. Sep­tem­ber fand in Bern ein wich­ti­ges Tref­fen in Sachen A5-West­ast statt: Die Ver­tre­te­rIn­nen des UVEK-Rechts­diensts haben die A5-Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen des kan­to­nal­ber­ni­schen Tief­bau­amts zu einer Sit­zung ein­ge­la­den. Laut Infor­ma­tio­nen aus dem UVEK soll­ten die 650 Ein­spra­chen, die frist­ge­recht beim UVEK ein­ge­gan­gen sind, dem Kan­ton zur Stel­lung­nahme über­reicht wer­den. Ob diese Über­gabe tat­säch­lich erfolgt ist, wurde  nicht kom­mu­ni­ziert. 

In den letz­ten Mona­ten hat das UVEK sämt­li­che Ein­spra­chen gesich­tet und geord­net. Yas­min Hostett­ler, die Juris­tin, die beim UVEK für das Pro­jekt ver­ant­wort­lich ist, stand ange­sichts des Umfangs und der Viel­schich­tig­keit der Ein­spra­chen vor kei­ner ein­fa­chen Auf­gabe: «Ich suchte lange nach einer Struk­tur, wie das Ganze bewäl­tigt wer­den kann. Nun haben wir, glaub’ ich, einen Weg gefun­den», sagte sie im Sep­tem­ber.

Weil das Pro­jekt unge­wöhn­lich umfang­reich ist und über­durch­schnitt­lich viele Ein­spra­chen ein­ge­gan­gen sind, dau­ert beim A5-West­ast alles län­ger als üblich. So wird auch der Kan­ton Bern, der nun als Gesuch­stel­ler für das Natio­nal­stras­sen­pro­jekt Stel­lung zu den Ein­spra­chen Stel­lung neh­men muss, nicht bloss wie üblich ein Monat zuge­stan­den. Yas­min Hostett­ler spricht von einer Frist von 6 bis 12  Mona­ten.

Fest steht für die Ver­ant­wort­li­chen beim UVEK, dass die Ein­spra­chen ernst zu neh­men und detail­liert zu beant­wor­ten sind. Sie erwarte vom Kan­ton Bern eine seriöse, gut begrün­dete und fun­dierte Stel­lung­nahme, betont Hostett­ler. Nöti­gen­falls kann des­halb der Kan­ton sei­ner­seits wie­der eine Frist­er­stre­ckung ver­lan­gen.

Yas­min Hostett­ler geht davon aus, dass das Ver­fah­ren viel Zeit in Anspruch neh­men wird. Nebst dem Kan­ton, der sich in den kom­men­den Jah­ren mit den Ein­spre­chen­den eini­gen müsste, wer­den auch eine Reihe von Bun­des­äm­tern für Stel­lung­nah­men bei­ge­zo­gen: All jene Bun­des­äm­ter, deren Fach­ge­biete in den Ein­spra­chen ange­spro­chen wer­den. Dazu gehö­ren nebst dem Bun­des­amt für Umwelt BAFU, des­sen Fach­gut­ach­ten zu Fra­gen wie Lärm, Grund­was­ser und Natur­schutz ein­ge­holt wer­den müs­sen, auch die Bun­des­äm­ter ARE (Raum­pla­nung), BAV (Bun­des­amt für Ver­kehr), ERI (eidg. Rohr­lei­tungs­in­spek­to­rat) und EST (eidg. Stark­strom­in­spek­to­rat).

Erst wenn beim UVEK alle Stel­lung­nah­men ein­ge­gan­gen sind – von Sei­ten des Kan­tons wie von den Bun­des­äm­tern, wer­den Yas­min Hostett­ler und ihr Team einen Ent­scheid betref­fend das vor­lie­gende A5-West­astpro­jekt fäl­len. Ihr Ziel, dass der Ent­scheid bis in fünf Jah­ren vor­liegt, bezeich­net sie sel­ber als sport­lich.

Die­sen Ent­scheid des UVEK kann dann, wer damit nicht ein­ver­stan­den ist, ans Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und schliess­lich ans Bun­des­ge­richt wei­ter­zie­hen.

Aller­dings: Einige der 650 Ein­spre­chen­den dürf­ten bereits in abseh­ba­rer Zeit nega­tive Post erhal­ten. Aus Sicht der Behör­den sind nicht alle, die eine Ein­spra­che ver­fasst haben, auch zur Ein­spra­che berech­tigt. «Wer mehr als einen Kilo­me­ter von der geplan­ten Bau­stelle ent­fernt wohnt, hat keine Legi­ti­ma­tion mehr», sagt Yas­min Hostett­ler. Frag­lich sei auch, ob Mie­te­rin­nen und Mie­ter ein­sprache­be­rech­tigt seien, gibt sie zu beden­ken. Ange­sichts der zu erwar­ten­den lan­gen Bau­zeit und mas­si­ven Ein­griffe, handle es sich hier um Prä­ze­denz­fälle, die der Kan­ton noch ein­mal prü­fen soll.

Wir mei­nen: Es ist äus­serst stos­send, dass bei einem der­ar­ti­gen Pro­jekt, das die ganze Stadt und Tau­sende von Bewoh­ne­rIn­nen betrifft, nur die Grund­ei­gen­tü­me­rIn­nen in nächs­ter Nähe zur Ein­spra­che berech­tigt sein sol­len.  Aber so ist das Gesetz. Oder, prä­zi­ser: So wird es aus­ge­legt.

Des­halb braucht es auch andere Wege, um das Mons­ter-Pro­jekt zu bekämp­fen!

Es ist wich­tig, dass auch die Ver­ant­wort­li­chen beim Tief­bau­amt in Bern end­lich mer­ken, dass wir alle unsere Ein­spra­chen und unse­ren Pro­test ernst mei­nen!!! 

 
 

 

VERKEHRSCHAOSWEM NÜTZT’S?

Am 27. Okto­ber 2017 wird der A5-Ost­ast bei Biel eröff­net. Sechs Wochen zuvor, am 9. Sep­tem­ber, lud die Bau­herr­schaft alle Inter­es­sier­ten ein, einen «Blick hin­ter die Kulis­sen die­ses Pro­jekts» zu täti­gen. So steht es neus­tens auf der A5-Web­site des Kan­tons. – Ob dabei nur Tun­nel und Anschluss-Krei­sel besich­tigt wer­den kön­nen, oder auch die zwin­gend not­wen­di­gen flan­kie­rende Mass­nah­men, bleibt offen.

Viele schauen der Ost­ast-Eröff­nung näm­lich mit gemisch­ten Gefüh­len ent­ge­gen. Zum einen winkt für grosse Teile der Stadt – vor allem im Nord­os­ten – eine Ent­las­tung. Ein Ver­spre­chen, das vor­aus­sicht­lich ein­ge­löst wer­den kann.

Gleich­zei­tig malen die Behör­den schwarz. Sie pro­gnos­ti­zie­ren eine durch die Auto­bah­ner­öff­nung ver­ur­sachte mas­sive Über­las­tung von zahl­rei­chen Stras­sen­ab­schnit­ten; nament­lich der Guido Mül­ler Platz oder der Krei­sel Kreuz­weg in Nidau seien beson­ders stark betrof­fen, heisst es.

Fest steht: Für die ver­spro­chene ent­las­tende Wir­kung braucht es zwin­gend flan­kie­rende Mass­nah­men. Sonst pro­du­ziert der Ost­ast am einen Ort die gewünschte Ent­las­tung und in andern Stadt­quar­tie­ren ein neues Ver­kehrs­chaos. – Das hat man von Anfang an gewusst und auch immer wie­der betont.

Bloss: Was für flan­kie­rende Mass­nah­men wer­den Ende Okto­ber, bei der Eröff­nung des Ost­asts, umge­setzt? Eine Ant­wort auf diese Frage blie­ben die Behör­den bis anhin schul­dig.

Eine Jour­na­lis­tin bekam auf ihre Anfrage sowohl vom Pro­jekt­lei­ter des Kan­to­na­len Tief­bau­amts wie von der Geschäfts­stelle des Ver­eins See­land Biel/Bienne als Ant­wort: «Viele Mass­nah­men des Gesamt­mo­bi­li­täts­kon­zepts Zustand Ost­ast benö­ti­gen eine mehr­jäh­rige Pla­nungs- und Rea­li­sie­rungs­zeit. Um bereits ab dem Eröff­nungs­zeit­punkt des N5-Ost­asts hand­lungs­fä­hig zu sein, ist ein Umset­zungs­pro­gramm Sofort­mass­nah­men defi­niert wor­den.»

Genauso steht es auch in besag­tem Umset­zungs­pro­gramm. Mit dem ergän­zen­den Hin­weis, dass als «Umset­zungs­ziel» das Jahr 2020 anvi­siert werde – also geschla­gene drei Jahre nach der Eröff­nung des Ost­asts…

Die Frage, die sich die auf­merk­same Bür­ge­rin stellt: Zehn Jahre lang wurde am Ost­ast gebaut. Warum wurde nicht längst, par­al­lel zum Auto­bahn­bau, diese offen­bar meh­rere Jahre bean­spru­chende «Pla­nungs- und Rea­li­sie­rungs­zeit» in Angriff genom­men?

Ein böser Ver­dacht kommt auf: Viel­leicht steckt da eine Absicht dahin­ter? Viel­leicht kommt es den Behör­den und Bau­her­ren ganz gele­gen, wenn der Ver­kehr nach der Eröff­nung des A5-Ost­asts in der Region des geplan­ten West­asts zu Stau und Rekla­ma­tio­nen führt ? Just dort, wo sich aktu­ell der Wider­stand gegen den West­ast am stärks­ten mani­fes­tiert…

Dann end­lich hät­ten sie näm­lich – dies die schlaue Tak­tik – ein Argu­ment, um den West­ast vor­an­zu­trei­ben: Je grös­ser das Ver­kehrs­chaos, desto lau­ter der Ruf nach neuen Stras­sen; diese Rech­nung ist noch immer auf­ge­gan­gen.

Funk­tio­niert das Ver­kehrs­re­gime nach Inbe­trieb­nahme des Ost­asts und der not­wen­di­gen flan­kie­ren­den Mass­nah­men jedoch zu gut, dürfte die Bereit­schaft in der Bevöl­ke­rung wei­ter­hin schwin­den, für den Bau der über­di­men­sio­nier­ten A5-Westastau­to­bahn wei­tere 15 Jahre dre­ckige und lär­mige Bau­stel­len, zusätz­li­ches Ver­kehrs­chaos, immense Grund­was­ser­ri­si­ken sowie die end­gül­tige Ver­schan­de­lung wei­ter Teile der Stadt in Kauf zu neh­men.

Im Brügg­moss blieb beim Bau des Ost­asts kein Stein auf dem andern…

 
 

 

TATSACHEN

Platt­ma­chen in Biel – Was alles unter den Abbruch­ha­mer kom­men soll

 
 

     VOM WESTAST-ABBRUCHHAMMER BEDROHT!

Eine gut versteckte traurige Wahrheit. Hier die Facts.
 
 

 

«NICHT VON GROSSEM BELANG»

Hans Wer­der war in der Zeit von 1996 bis 2010 Gene­ral­se­kre­tär des UVEK – und damit obers­ter Chef des Bun­des­am­tes für Stras­sen (ASTRA), das für den Bau der Auto­bah­nen zustän­dig ist. Er war bekannt für sein enga­gier­tes Gestal­ten, wenn es um poli­tisch wich­tige Geschäfte ging.

In seine Amts­zeit fie­len unter ande­rem auch eine Reihe wich­ti­ger Ent­schei­dun­gen in Sachen A5: 1996 gab der Bun­des­rat zwar grü­nes Licht für den Bau des Ost­asts in Biel, das Pro­jekt für den West­ast wurde hin­ge­gen zurück­ge­wie­sen. Der zustän­dige Bun­des­rat Leu­en­ber­ger setzte sich damals per­sön­lich dafür ein, dass noch ein­mal eine Vari­ante durchs See­land – die soge­nannte See­land­tan­gente – geprüft wurde, wegen der hohen Kos­ten des West­asts und sei­ner pro­ble­ma­ti­schen Lini­en­füh­rung. Und eigent­lich die ein­zig ver­nünf­tige Vari­ante, wenn schon.

Die Initia­tive von Moritz Leu­en­ber­ger blieb aller­dings ohne Erfolg. 1999 bewil­ligte der Bun­des­rat eine nur leicht opti­mierte West­ast-Vari­ante.

Diese musste aller­dings ab 2004 total über­ar­bei­tet wer­den, da infolge der Tun­nel­brände am Gott­hard und Mont Blanc die Auf­la­gen für Auto­bahn-Anschlüsse dras­tisch ver­schärft wur­den. Das neue Gene­relle Pro­jekt wurde aller­dings, wegen der bis zu 600 Meter lan­gen offe­nen Schnei­sen mit­ten in der Stadt, von den Gemein­den vor­erst abge­lehnt. 2010 box­ten die Gemein­de­be­hör­den der Region unter der Lei­tung von Schwer­ge­wicht Hans Stöckli die heute noch gül­tige vier­spu­rige West­ast-Vari­ante durch, mit zwei gross dimen­sio­nier­ten Anschlüs­sen und offe­nen Schnei­sen mit­ten in der Stadt. Die­ses Gene­relle Pro­jekt wurde 2014 vom Bun­des­rat geneh­migt.

Eine lange, bewegte Geschichte, an die sich der Gene­ral­se­kre­tär bestimmt erin­nert, würde man den­ken. Ins­be­son­dere an die von Bun­des­rat Leu­en­ber­ger ange­ord­nete Vari­an­ten-Prü­fung, waren die bei­den doch ein star­kes Duo, das eng zusam­men­ar­bei­tete. Nicht von unge­fähr hatte man ihnen den Über­na­men «Der Dich­ter und sein Len­ker» ver­passt…

«Ein ein­ge­spiel­tes Team: Moritz Leu­en­ber­ger und sein Stabs­chef Hans wer­der» in Der Bund, 9.7.2010

Doch weit gefehlt!

Alt-UVEK-Gene­ral­se­kre­tär Hans Wer­der will sich nicht mehr erin­nern. Seine Ant­wort auf die Anfrage der IG «Häb Sorg zur Stadt» ist trotz­dem auf­schluss­reich. Sie zeigt ein­mal mehr die geringe Bedeu­tung, die das Bie­ler Auto­bahn­pro­jekt aus gesamt­schwei­ze­ri­scher Per­spek­tive hat.

Wer­der schreibt in sei­ner Mail: «Vie­len Dank für Ihre Anfrage. Lei­der kann ich Ihnen zur Geschichte der Umfah­rung Biel wenig sagen. Als Gene­ral­se­kre­tär des UVEK habe ich mich nicht seriös mit die­sem Pro­jekt befasst, denn das ASTRA ist eines von sie­ben UVEK-Ämtern und die Umfah­rung Biel war eines von vie­len Stras­sen­pro­jek­ten. Die Feder­füh­rung für das Pro­jekt lag klar beim ASTRA und beim Kan­ton Bern. Ich mag mich ein­zig daran erin­nern, dass das Pro­jekt Biel extrem lang­sam voran kam und zeit­lich immer wie­der hin­aus­ge­scho­ben wurde, weil man  sich nicht auf eine Lini­en­füh­rung eini­gen konnte. Da der Kno­ten Biel aus natio­na­ler Sicht keine zen­trale stra­te­gi­sche Bedeu­tung hatte, war diese Ver­spä­tung zwar ärger­lich, aber gesamt­schwei­ze­risch nicht von gros­sem Belang.»

 
 

 

DER WESTASTEINE FEHLPLANUNG

Im Bie­ler Tag­blatt vom 20. Juli kon­tert Leo Hor­la­cher mit deut­li­chen Wor­ten die Vor­würfe von FDP-Stadt­rat und TCS-Prä­si­dent Peter Boh­nen­blust an die Adresse der West­ast-Kri­ti­ke­rIn­nen: In sei­ner Carte Blan­che vom 17. Juni hatte er den Geg­ne­rIn­nen des aktu­el­len Auto­bahn­pro­jekts vor­ge­wor­fen, sie wür­den ver­su­chen, «mit Ein­spra­chen und fal­schen Argu­men­ten das Ganze zu ver­zö­gern.»

Wei­ter­le­sen

 
 

 

ENTEIGNUNG AUF VORRAT

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Auf Kos­ten der ande­ren…

Jetzt zeigt der Bie­ler Gemein­de­rat sein wah­res Gesicht! So klar und deut­lich, wie im heu­ti­gen Bund-Arti­kel wurde die «ver­steckte Agenda» hin­ter dem über­ris­se­nen West­ast-Auto­bahn­pro­jekt noch nie zusam­men­ge­fasst: Gestützt auf die Ein­spra­che der Stadt Biel betref­fend das Auf­la­ge­pro­jekt, deckt Reto Wiss­mann auf, dass die Stadt Biel nicht nur mit Bun­des­gel­dern ihre haus­ge­mach­ten Ver­kehrs­pro­bleme lösen will. Nein – viel dreis­ter noch: Biel for­dert den Kan­ton auf, zusätz­li­che Grund­stü­cke zu ent­eig­nen, und diese dann zu einem güns­ti­gen Preis an die Stadt abzu­tre­ten. «Die Natio­nal­strasse ist so zu dimen­sio­nie­ren, dass die Erstel­lung von Bau­ten mit bis zu zwölf Ober- und zwei Unter­ge­schos­sen mög­lich ist. Mehr­kos­ten fal­len zulas­ten der Natio­nal­strasse», zitiert der Bund die Ein­spra­che der Stadt Biel.

Die Absicht ist klar – wie schon in der städ­te­bau­li­chen Begleit­pla­nung dar­ge­legt: Die Stadt­be­hör­den träu­men von einem Klein-Frank­furt, rund um die offene Schneise des Auto­bahn­an­schlus­ses Bienne-Centre – mit Hoch­häu­sern à dis­cre­tion. Dafür brau­chen sie aber mehr Land, als für den Auto­bahn­bau ent­eig­net wer­den dürfte. Bis­her hat sich der Kan­ton die­sen For­de­run­gen gegen­über zurück­hal­tend gezeigt.

Aus­ser in einem Fall: Das Hoch­haus an der Mur­ten­strasse 71 soll laut den Auto­bahn­plä­nen des Kan­tons ent­eig­net wer­den. Obschon es aus­ser­halb des Bau­li­ni­en­pe­ri­me­ters steht – und es (vor­läu­fig) nicht abge­ris­sen wer­den soll… Der Besit­zer hat dage­gen Ein­spra­che erho­ben. Man darf gespannt sein, auf die Ant­wort des UVEK!

 

 
 

SCHÖNE REPORTAGE IM «BUND»

 
 

 
  FRAGE DES MONATS

A5-WESTAST AUF DER ABSCHUSSLISTE?

 

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ÜBER 1’800 BÜRGERINNEN UND BÜRGER SIND SICH EINIG:

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