WEST­AST NEWS

 

 

WEST­AST NEWS

LANG­SA­MES ERWA­CHEN AUS DER CORONA-STARRE 

«Jetzt öff­net sich ein Mög­lich­keits­fens­ter für Ver­kehrs­an­bie­ter, das diese drin­gend nut­zen soll­ten, bevor alle wie­der in die alten Ver­hal­tens­rou­ti­nen ver­fal­len», sagt Mobi­li­täts­for­scher Tho­mas Sau­ter-Ser­vaes im heu­ti­gen Tages Anzei­ger

Die letz­ten Wochen haben gezeigt, dass neue Mög­lich­kei­ten und Wege durch­aus mach­bar sind –  und das Poten­zial haben, die Lebens­qua­li­tät vie­ler Men­schen zu ver­bes­sern. Jetzt besteht die ein­ma­lige Chance, sie in die Über­le­gun­gen für die Zukunft ein­zu­be­zie­hen und umzu­set­zen.

Im West­ast-Dia­log scheint diese Ein­sicht noch nicht ange­kom­men zu sein. Im Gegen­teil: Aktu­ell ver­su­chen die Pro­zess-Betei­lig­ten genau dort anzu­knüp­fen, wo man vor zwei Mona­ten ste­hen geblie­ben ist.

Wir erin­nern uns: Am 13. März wid­mete das Bie­ler Tag­blatt dem West­ast-Dia­log noch eine Titel­ge­schichte und lobte die Mit­glie­der der Kern­gruppe dafür, dass sie die Dis­kus­sion über die «Beton­va­ri­an­ten» nun in Angriff neh­men wür­den: das für den glei­chen Tag ange­sagte Hea­ring mit Autoren ver­schie­de­ner West­ast-Vor­schläge wurde wegen des Ver­samm­lungs­ver­bots abge­sagt. Alle für das Früh­jahr geplan­ten Kern- und Dia­log­grup­pen­sit­zun­gen muss­ten gecan­celt wer­den, der Pro­zess wurde auf unbe­stimmte Zeit ver­scho­ben.

Lange Zeit gab es kein Lebens­zei­chen von Pro­zess­lei­ter Wer­der, keine Info, ob und wie der «Dia­log» nach dem Corona-beding­ten Unter­bruch wei­ter­ge­führt wer­den soll… Wäh­rend andere via Video­kon­fe­renz wei­ter funk­tio­nier­ten, herrschte beim West­ast-Dia­log Funk­stille. – Bis letzte Woche end­lich ein Jour­na­list der Ber­ner Zei­tung bei Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus nach­fragte. 

Die Ende Juni ablau­fende Frist werde um rund zwei Monate bis Ende August oder Mitte Sep­tem­ber ver­län­gert, stellte der Bau­di­rek­tor gegen­über der Zei­tung in Aus­sicht und ergänzte: «Wir hal­ten den Ter­min­druck auf­recht, damit nicht ewig wei­ter­dis­ku­tiert wird.»

Den defi­ni­ti­ven Ent­scheid, wie lange der Dia­log-Pro­zess noch wei­ter geführt wer­den kann, dürfte die Behör­den­de­le­ga­tion anläss­lich ihres geplan­ten Tref­fens am 2. Juni fäl­len. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass auch die­ses Gre­mium auf einen zügi­gen Abschluss des Dia­logs drän­gen wird.

Ein bal­di­ges Ende wäre in der Tat mög­lich und wünsch­bar. Dies setzt aller­dings vor­aus, dass die Dia­log­gruppe die aus der Zeit gefal­le­nen Beton­va­ri­an­ten und Auto­bahn­lö­sun­gen end­lich ent­schlos­sen und defi­ni­tiv vom Tisch fegt. Und damit den Weg frei­macht für smarte und zukunfts­fä­hige Mobi­li­täts­lö­sun­gen, wie dies momen­tan vie­ler­orts bereits geschieht. 

Der Fahr­plan, den die vor eini­gen Tagen aus der Corona-Starre erwachte Pro­zess­lei­tung den Mit­glie­dern des Run­den Tischs ges­tern prä­sen­tierte, deu­tet aller­dings in eine andere Rich­tung. Hans Wer­der + Co hal­ten – zumin­dest vor­läu­fig – am vor­ge­se­hen Pro­ze­dere fest und erhö­hen den Druck:

Der ursprüng­lich für eine Dia­log­grup­pen­sit­zung reser­vierte Ter­min vom 27. Mai soll in eine «Sit­zung der Redak­ti­ons­gruppe» umfunk­tio­niert wer­den, die bereits am Ent­wurf des Schluss­do­ku­ments her­um­wer­kelt (Kurz- mit­tel- und lang­fris­tige Emp­feh­lun­gen…). Am 10. Juni  soll dann – nach fast drei Mona­ten Pause – die nächste Kern­grup­pen­sit­zung statt­fin­den, und am 23. Juni ein Tref­fen der Dia­log­gruppe…

Das Mitte März abge­sagte «Hea­ring» wird bereits heute Diens­tag,  12. Mai nach­ge­holt – in Form einer Zoom-Kon­fe­renz. Von den fünf Ver­fas­sern der Pro­jekte, die im Dia­log­raum prä­sen­tiert und per Video über­tra­gen wer­den, fehlt aller­dings Kurt Roh­ner, der Autor der Klei­nen See­landt­an­gente. Er hat die Prä­sen­ta­tion sei­nes Pro­jekts an Fritz Kobi dele­giert – und dafür seine Gedan­ken zu den Chan­cen und Mög­lich­kei­ten des Pro­jekts noch ein­mal zusam­men­ge­fasst und aktua­li­siert.

Auch Robert Merz hat seine Vari­ante «West­ast light» wei­ter ent­wi­ckelt – und prä­sen­tiert anläss­lich des Hea­rings span­nende neue Zah­len, Zusam­men­hänge und Über­le­gun­gen.

Diese aktu­el­len Inputs fin­det man, wie auch die Vor­schläge «Axe Ouest autre­ment» von Didier Bar­det  sowie die «Scha­dens­be­gren­zung» von Tonio Gaf­fino, wel­che eben­falls am Hea­ring zur Debatte ste­hen, auf unse­rer Web­site unter ALTER­NA­TI­VEN  – zusam­men mit einer Reihe wei­te­rer Vor­schläge, Ideen und Lösungs­an­sätze, die von Wer­der und sei­nen Man­nen nicht ins Hea­ring auf­ge­nom­men wur­den. 

Dazu gehört nicht zuletzt auch das Inter­view mit Tho­mas Sau­ter-Ser­vaes, der in Sachen West­ast bereits 2017 Klar­text sprach und for­derte: Klicks statt Bricks – Ver­zicht auf teure Beton­lö­sun­gen.

 


 

LUZERN WILL
MOBI­LITY-PRI­CING TES­TEN

Die Luzer­ner Stadt­re­gie­rung sieht im Mobi­lity-Pri­cing ein gros­ses Poten­zial. Dies steht in ihrer  Ant­wort auf einen Vor­stoss der Grün­li­be­ra­len, in der sie sich zu einem ent­spre­chen­den Pilot­pro­jekt äus­sert.

Nebst der Ent­las­tung von ver­stopf­ten Stras­sen wäh­rend Stoss­zei­ten und lang­fris­ti­ger Ein­nah­men für die Finan­zie­rung von Stras­sen­in­fra­struk­tur, habe Mobi­lity-Pri­cing auch das Poten­zial einer öko­lo­gi­schen Len­kungs­wir­kung, sagt der  Luzer­ner Umwelt- und Mobi­li­täts­di­rek­tor Adrian Bor­gula gegen­über zen­tralplus: «Es kann dazu bewe­gen, vom Indi­vi­dual- auf den öffent­li­chen Ver­kehr oder das Velo umzu­stei­gen, vor allem dann, wenn die exter­nen Kos­ten umfas­send ein­be­zo­gen wer­den.»

Aller­dings mache es kei­nen Sinn, so Bor­gula, Mobi­lity-Pri­cing ein­zig auf dem  Stadt­ge­biet von Luzern ein­zu­füh­ren. Viel­mehr müsse die gesamte Region in ein ent­spre­chen­des Sys­tem ein­be­zo­gen wer­den. Er befür­wor­tet zudem die Auf­nahme von Mobi­lity-Pri­cing  ins Gesamt­mo­bi­li­täts­kon­zept des Kan­tons als eine «zen­trale Mass­nahme». 

Der Luzer­ner Stadt­rat will das Pilot­pro­jekt aber auch über den Kan­ton hin­aus mit wei­te­ren Städ­ten und Agglo­me­ra­tio­nen koor­di­nie­ren. Dafür gelangt er an den Städ­te­ver­band mit sei­nen 132 Mit­glie­dern. Es ist also damit zu rech­nen, dass auch der Bie­ler Stadt­prä­si­dent Erich Fehr in die­ser Sache nächs­ter Zeit Post erhal­ten wird.

Höchste Zeit, dass auch in der Region Biel-See­land inten­si­ver über Mobi­lity-Pri­cing nach­ge­dacht wird. Das dürfte ziel­füh­ren­der und zukunfts­fä­hi­ger sein, als das wei­tere Dre­hen-im-Kreis rund um West­ast- und Tun­nel­va­ri­an­ten. Wann kommt der Vor­stoss der GLP im Bie­ler und Nidauer Stadt­rat?

 


 

«CORONA» BAHNT DEN WEG:

DIE VER­KEHRS­ZU­KUNFT HAT BEGON­NEN

Die Corona-Krise hat auch posi­tive Sei­ten. Dank dem dras­ti­schen Rück­gang des Ver­kehrs und dem weit­ge­hen­den Groun­ding der Flug­flot­ten ist nicht nur Ruhe ein­ge­kehrt, auch die Luft ist bes­ser gewor­den. Vie­ler­orts wer­den sich die Men­schen erst jetzt bewusst, was Lebens­qua­li­tät auch noch bedeu­ten könnte; wie zer­mür­bend die Dau­er­be­schal­lung ist, und wie weit der Him­mel wird, ohne Kon­dens­strei­fen…

Wer aber in die­sen Tagen zu Fuss oder mit dem Velo unter­wegs ist, stellt immer wie­der fest: Der Platz auf den Trot­toirs und Wegen ist eng. Der gefor­derte Abstand von zwei Metern kann kaum ein­ge­hal­ten wer­den, wenn sich Fuss­gän­ge­rIn­nen kreu­zen, wenn Velos und Jog­ge­rIn­nen sich die engen Bah­nen, die für den «Lang­sam­ver­kehr» reser­viert sind, tei­len müs­sen.

Quelle: The Guar­dian

Des­halb schafft die Stadt­re­gie­rung von Mai­land mit zukunfts­wei­sen­den Sofort­mass­nah­men jetzt Abhilfe: 35 Stras­sen­ki­lo­me­ter wer­den ab sofort in Velo- und Fuss­wege umfunk­tio­niert – um die Bevöl­ke­rung auch nach der Auf­he­bung des Lock­downs wei­ter­hin vor Anste­ckun­gen zu schüt­zen. «Wenn alle mit dem Auto unter­wegs sind, hat es zu wenig Platz für die Men­schen, es gibt kei­nen Raum um sich zu bewe­gen», fasst Marco Gra­nelli, Vize­bür­ger­meis­ter und Ver­kehrs­di­rek­tor von Milano zusam­men.

Die Haupt­stadt der Lom­bar­dei hat schwere Wochen hin­ter sich, hier wütete das Corona-Virus beson­ders hef­tig. Der rigo­rose Lock­down – Ita­lie­ne­rin­nen und Ita­lie­ner dür­fen das Haus nach wie vor nur für dring­li­che Geschäfte und mit Erlaub­nis ver­las­sen – leerte die Stras­sen und ver­min­derte die Luft­ver­schmut­zung.

Der «Piano Strade Aperte», den die Stadt­re­gie­rung am 21. April der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt hat, soll ab sofort bis im Som­mer umge­setzt wer­den. Er sieht auch aus­ge­dehnte Tempo 30-Zonen vor sowie dras­ti­sche Restrik­tio­nen für den moto­ri­sier­ten Ver­kehr in aus­ge­wähl­ten Quar­tie­ren.

«Natür­lich wol­len wir die Wirt­schaft wie­der hoch­fah­ren, aber wir sind über­zeugt, dass wir dies auf einer ande­ren Basis machen müs­sen, als zuvor», erklärte Vize­bür­ger­meis­ter Gra­nelli gegen­über den Medien. «Wir müs­sen Mai­land neu den­ken. Wenn alles vor­bei ist, sind jene Städte im Vor­teil, die die­sen Schritt als erste mach­ten. Und Mai­land will zu die­ser Kate­go­rie gehö­ren.»

Anfang Mai soll mit der Umset­zung ange­fan­gen wer­den. Als ers­tes wird zum Bei­spiel der 8 Kilo­me­ter lange Corso Bue­nos Aires, eine der wich­tigs­ten Ein­kaufs­stras­sen von Milano, einen neuen Velo­weg sowie erwei­terte Trot­toirs erhal­ten.

Ein Vor­bild, auch für andere Städte, wie Janette Sadik-Khan betont. Die Ver­kehrs­fach­frau aus New York City berät aktu­ell zahl­rei­che Städte im Umgang mit der Krise. Sie erklärte gegen­über der Zei­tung «The Guar­dian»: «Der Plan von Mai­land ist sehr wich­tig, weil er ein gutes Dreh­buch dafür ist, wie wir unsere Städte wie­der in Betrieb neh­men kön­nen. Uns bie­tet sich eine his­to­ri­sche Gele­gen­heit, die Stras­sen mit fri­schem Blick zu sehen und  dafür zu sor­gen, dass wir unsere Ziele errei­chen: Es geht nicht bloss darum, Autos so schnell wie mög­lich von Punkt A zu Punkt B zu bewe­gen. Alle müs­sen die Mög­lich­keit haben, sich sicher fort­zu­be­we­gen.»

Eine Ein­sicht, die viel­leicht irgend­ein­mal auch in der Schweiz, in Bern – und sogar im Ber­ner See­land ankommt. Jetzt ist der Moment, die Wei­chen defi­ni­tiv umzu­stel­len – und dem soge­nann­ten «Lang­sam­ver­kehr» den erfor­der­li­chen Raum zu schaf­fen.

 


 

KEIN «WEI­TER-WIE-BIS­HER»

Das Mit­tel­län­di­sche Schwing­fest, wel­ches Mitte Mai in Rig­gis­berg hätte statt­fin­den sol­len, wurde abge­sagt – dies wurde bereits Anfang April kom­mu­ni­ziert, genau wie die Annul­lie­rung der Tour de Suisse 2020, die für  Juni geplant war. Ja, sogar die für die Zukunft unse­res Pla­ne­ten so wich­tige UN-Kli­ma­kon­fe­renz vom Novem­ber die­ses Jah­res in Glas­gow, ist wegen der Corona-Pan­de­mie auf 2021 ver­scho­ben wor­den…

Und der Ent­scheid zum A5-West­ast? – Seit das Dia­log­se­kre­ta­riat am 13. März die Annul­lie­rung des ange­dach­ten Hea­rings, der Kern­grup­pen­tref­fen für März und April sowie der geplan­ten Dia­log­grup­pen­sit­zung vom 16. April bekannt­ge­ge­ben hatte, herrschte Funk­stille.

Kein Mucks von Sei­ten der Behör­den­de­le­ga­tion, ob sie ihre Dead­line von Ende Juni 2020 auf­hebt – und eine Frist­ver­län­ge­rung gewährt. Ein­zig Bau­di­rek­tor Chris­toph Neu­haus hat  – bereits Mitte März – einen radi­ka­len Ent­scheid gefasst und die­sen auf Social Media kund­ge­tan: Kahl­schlag auf sei­nem Kopf…

Quelle: face­book

Einen der­art muti­gen Ent­scheid wünschte man sich auch für das wei­tere Vor­ge­hen in Sachen West­ast. Wir plä­die­ren hier eben­falls für einen radi­ka­len Kahl­schlag: Die für das unnö­tige Stras­sen­pro­jekt reser­vier­ten 2,2 Mil­li­ar­den Fran­ken sind ange­sichts der aktu­el­len Situa­tion sehr will­kom­men. Aller­dings nicht, um ver­locht zu wer­den, son­dern als drin­gend not­wen­dige Inves­ti­tion in die Zukunft und die Neu­be­le­bung der Wirt­schaft.

Nie wurde so deut­lich, wie in den ver­gan­ge­nen vier Wochen, wie drin­gend und not­wen­dig ein Umden­ken sowie die Abkehr vom bis­he­ri­gen Wachs­tums­den­ken sind. Ja, es braucht jetzt Unter­stüt­zung, viel Unter­stüt­zung für die Wirt­schaft. Aber für eine Wirt­schaft, die nach­hal­tig ist. Ein «Wei­ter-wie-bis­her» geht nicht mehr.

Es ist trau­rig und tra­gisch, dass es die­ses töd­li­che Virus brauchte, um Mass­nah­men in die Wege zu lei­ten, die uns aktu­ell erle­ben las­sen, wie eine men­schen­freund­li­chere Welt aus­se­hen könnte. Nun müs­sen wir alles dar­an­set­zen, dass diese Erleb­nisse nicht blosse Epi­sode blei­ben, son­dern dass wir unsere Leh­ren dar­aus zie­hen.

 

Soweit scheint aller­dings die Pro­zess­lei­tung des West­astdia­logs lei­der noch nicht zu sein: Nach der lan­gen Funk­stille ist letzte Woche doch noch eine Mit­tei­lung ein­ge­trof­fen: Sie beinhal­tete die Absage der für den 27. Mai geplan­ten Dia­log­grup­pen­sit­zung und stellte in Aus­sicht: «Sobald das wei­tere Vor­ge­hen, bzw. die nächs­ten Schritte plan­bar sind, wer­den wir uns wie­der bei Ihnen mel­den.»

Hin­ter den Kulis­sen hin­ge­gen, scheint sich sehr wohl etwas zu regen: Das ver­scho­bene Hea­ring soll, so hört man, Ende April per Video­kon­fe­renz durch­ge­führt wer­den. Und am 27. Mai soll sich, anstelle der Dia­log­gruppe, die Kern­gruppe tref­fen, um über das wei­tere Vor­ge­hen zu bera­ten. Als Option stehe im Raum, so ist zu hören, dass man den Pro­zess doch noch bis Ende Juni durch­pau­ken will. Oder, wenn es denn gar nicht anders geht, den Dia­log­pro­zess pau­sie­ren lässt, bis nach den Bie­ler Wah­len vom Sep­tem­ber 2020.

Wir blei­ben dabei: Nicht nur die Welt, auch der Kan­ton Bern und die Region Biel haben in die­sen Tagen und in Zukunft wich­ti­gere Pro­bleme zu lösen, als über ein über­flüs­si­ges Stück Auto­bahn und Tun­nel­bau­ten, die Mil­li­ar­den veschlin­gen, zu dis­ku­tie­ren.

Mehr noch: Ange­sichts der aktu­el­len Not ist es gera­dezu zynisch, sich wei­ter­hin mit Auto­bahn- und Tun­nel­plä­nen aus dem letz­ten Jahr­tau­send her­um­zu­schla­gen. Vor­wärts­bli­cken heisst, neue Wege und Lösun­gen suchen. Radi­kal neue Lösun­gen. Wie der Kopf­putz des Bau­di­rek­tors, den er hof­fent­lich bis zum Ende sei­ner Amts­zeit tra­gen wird.  

 

 


 

 

 

WILL­KOM­ME­NER ZWI­SCHEN­HALT
IM DIA­LOG­PRO­ZESS

Die Corona-Krise hat auch den West­ast-Dia­log erfasst: Das «Hea­ring» mit ver­schie­de­nen Autoren von Alter­na­tiv­va­ri­an­ten wurde abge­sagt, respek­tive auf unbe­stimmte Zeit ver­scho­ben.

Statt­des­sen – so berich­tete das Bie­ler Tag­blatt in sei­ner Aus­gabe vom 13. März aus­führ­lich – kam es in der Kern­gruppe bereits zu einer «Vari­an­ten­dis­kus­sion» – basie­rend auf der von der Firma Tran­sitec erstell­ten man­gel­haf­ten und pro­ble­ma­ti­schen Aus­le­ge­ord­nung ver­schie­de­ner Tun­nel­va­ri­an­ten.

Diese Vari­an­ten­dis­kus­sion ist nun auch unter­bro­chen, wie das Dia­log­se­kre­ta­riat mit­teilte: Sowohl die für die kom­men­den Wochen geplan­ten Sit­zun­gen der Kern­gruppe wur­den abge­sagt, wie als Folge davon auch das geplante Tref­fen der Dia­log­gruppe vom 16. April.

Das ist über­haupt kein Unglück, son­dern viel­mehr eine Chance für den wei­te­ren Pro­zess: Die Zwangs­pause gibt allen Betei­lig­ten die Mög­lich­keit, sich end­lich genau und ver­tieft mit der aktu­el­len Ver­kehrs­si­tua­tion und den vor­lie­gen­den Zah­len aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Statt in gehetz­tem Akti­vis­mus eif­rig Beton­va­ri­an­ten mit­ein­an­der zu ver­glei­chen, um auf Teu­fel komm raus der Behör­den­de­le­ga­tion Ende Juni eine «breit abge­stützte Auto­bahn­lö­sung» zu prä­sen­tie­ren, haben die Mit­glie­der der Kern­gruppe jetzt Zeit, sorg­fäl­tig abzu­klä­ren, ob es über­haupt Hand­lungs­be­darf für einen Auto­bahn­aus­bau gibt. Und mit wel­chen Mit­teln die punk­tu­el­len Pro­bleme am effi­zi­en­tes­ten zu lösen sind.

Damit wäre auch die ursprüng­lich für den Dia­log­pro­zess ange­dachte Ord­nung end­lich wie­der her­ge­stellt: Zuerst Ana­lyse des Sta­tus quo – inklu­sive sorg­fäl­ti­ger Bedarfs­ab­klä­rung betref­fend Auto­bahn. Die Ver­kehrs­zah­len lie­gen vor, wenn auch nicht lücken­los. Immer­hin erlau­ben sie die klare Aus­sage, dass die Region Biel gegen alle Behaup­tun­gen keine Ver­kehrs­über­las­tung kennt. 

Aus­ge­hend von die­ser Tat­sa­che, müsste die Haupt­emp­feh­lung des Run­den Tisches an die Behör­den­de­le­ga­tion, basie­rend auf einer nüch­ter­nen und ehr­li­chen Betrach­tung der aktu­el­len Situa­tion in der Region Biel, lau­ten, dass es kei­ner­lei Tun­nel­lö­sun­gen braucht — im Gegen­teil: Mit ande­ren Mass­nah­men wie Ver­kehrs­ma­nage­ment sowie För­de­rung von ÖV, Fuss- und Velover­kehr kön­nen wesent­lich schnel­ler, nach­hal­ti­ger und kos­ten­güns­ti­ger Resul­tate erzielt wer­den, die das bestehende Ver­kehrs­netz sowie die Ansprü­che an eine Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät opti­mie­ren.

Kurzum:  Die Kern­grup­pen­mit­glie­der — Fach­leute, Lob­by­is­ten und Poli­ti­ke­rIn­nen — haben aktu­ell die Chance, in Ruhe das ganze Sze­na­rio noch ein­mal für sich durch­zu­ge­hen. Viel­leicht kom­men sie ja zur Ein­sicht und zum längst fäl­li­gen Ent­scheid, dass die ange­dach­ten soge­nann­ten kurz- und mit­tel­fris­ti­gen Mass­nah­men die eigent­li­che Lösung sind – womit man sich die zähe Dis­kus­sion um all die Tun­nel­va­ri­an­ten, die eh aus der Zeit gefal­len sind, erspa­ren kann.

Damit könnte – trotz oder dank Corona-Unter­bruch – sogar der ambi­tiöse Zeit­plan ein­ge­hal­ten wer­den.

 

 


 

 

 

MIT TEMPO IN DIE SACK­GASSE

Die Mit­glie­der der A5-West­ast-Kern­gruppe haben im Januar 2020 viel gear­bei­tet. Zudem wur­den teure Stu­dien erstellt, «Emp­feh­lun­gen» ent­wor­fen, und Hans Wer­der, der vom Kan­ton ein­ge­setzte Lei­ter des Dia­log­pro­zes­ses, lud Ver­tre­te­rIn­nen der Befür­wor­ter des West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekts sowie der Geg­ner­schaft und der Behör­den zu je sepa­ra­ten Gesprä­chen. Flan­kiert wurde er dabei von den bei­den «Fach­ex­per­ten» Fritz Kobi und Han van de Wete­ring.

Rundum ist zu spü­ren: Jetzt soll es vor­wärts gehen. Auf Bie­gen und Bre­chen muss eine Lösung her, für Juni 2020. So will es die A5-Behör­den­de­le­ga­tion. Wer­der und die Kern­grup­pen­mit­glie­der schei­nen denn auch wild ent­schlos­sen, dem Begeh­ren Folge zu leis­ten – und für Ende Juni eine Stoss­rich­tung für die  Vari­an­ten­wahl in Sachen Auto­bahn sowie Emp­feh­lun­gen für «kurz- und mit­tel­fris­tige Mass­nah­men» zu lie­fern.

Dies alles, obschon in Tat und Wahr­heit in der Region Biel keine nen­nens­wer­ten Ver­kehrs­pro­bleme aus­zu­ma­chen sind. Die Erhe­bun­gen, die von der Pro­zess­lei­tung in Auf­trag gege­ben wur­den und nun end­lich vor­lie­gen, zei­gen klipp und klar: Im gesam­ten unter­such­ten Peri­me­ter gibt es keine über­las­te­ten Stras­sen.

Natür­lich kann man die Ver­kehrs­si­tua­tion in und um Biel opti­mie­ren – da gibt es gros­ses Poten­zial, dage­gen ist auch nichts ein­zu­wen­den. Unred­lich ist jedoch, akute Ver­kehrs­pro­bleme und Ver­kehrs­über­las­tun­gen her­bei­zu­re­den und zu ‑schrei­ben, wenn die Zah­len das Gegen­teil bewei­sen. 

Nun sol­len nun also die Mit­glie­der der Dia­log­gruppe eine ellen­lange Liste von «kurz- und mit­tel­fris­ti­gen Mass­nah­men» ver­ab­schie­den. Dies der Plan von Wer­der + Co, unter­stützt von der «Kern­gruppe», in der erstaun­li­che Einig­keit zwi­schen den Ver­tre­te­rIn­nen der unter­schied­li­chen Inter­es­sen­grup­pen herr­schen soll.

Wie aber kann man kurz- und mit­tel­fris­tige Mass­nah­men am Guido Mül­ler Platz pla­nen, ohne zu wis­sen, ob eine Auto­bahn vor­ge­se­hen ist und wenn ja, wel­che Vari­ante? Bis auf wei­te­res bleibt auch offen, ob Wer­der und die Kern­gruppe die geplan­ten inner­städ­ti­schen Auto­bahn­an­schlüsse in ihre Vor­schläge mit­ein­be­zie­hen oder ver­wer­fen.

Der «Chef­ar­chi­tekt Wer­der» und seine Kern­truppe emp­feh­len also zuerst die Farbe und Form der Dach­zie­gel, bevor klar ist,  ob das Haus über­haupt gebaut wer­den soll, und ob es ein Flach- oder ein Gie­bel­dach kriegt. Unglaub­lich.

Die Absichts­er­klä­run­gen gegen­über den Medien nach der Kern­grup­pen­sit­zung vom Frei­tag, 21. Februar, las­sen auch sonst die Alarm­glo­cken schril­len: Das im letz­ten Som­mer ver­ab­schie­dete Arbeits­pa­pier für den Dia­log­pro­zess ist längst unter den Tisch gefal­len. Statt Schritt für Schritt vor­zu­ge­hen und zuerst eine Bedarfs­ana­lyse zu erstel­len sowie all­fäl­lige Mass­nah­men in Zusam­men­ar­beit mit den Betrof­fe­nen zu bestim­men, will die Kern­gruppe ihre zahl­rei­chen «Emp­feh­lun­gen» nun schnellst­mög­lich von der Dia­log­gruppe in cor­pore abseg­nen las­sen.

Dies, weil sich der Dia­log­pro­zess anschlies­send sei­ner «zen­tra­len» Auf­gabe wid­men soll. Das heisst im Klar­text: Nun kommt die Vari­an­ten-Dis­kus­sion. Als Basis soll ein vom Con­sul­ting­büro Tran­sitec erstell­tes Paper die­nen. 

Darin wer­den ver­schie­dene Auto­bahn­va­ri­an­ten ein­an­der gegen­über­ge­stellt – die Aus­wahl ist will­kür­lich und die Bewer­tung der unter­schied­li­chen Skiz­zen nicht kohä­rent. Nicht nach­voll­zieh­bar ist zum Bei­spiel – wenn man schon Auto­bahn­va­ri­an­ten ins Spiel bringt – wes­halb der Vor­schlag «Axe Ouest autre­ment» von Didier Bar­det nicht auf­ge­führt wird. Auch die Vari­ante «West­ast light» von Robert Merz sucht man in die­sem Paper ver­geb­lich.

Dafür figu­riert der Vor­schlag eines «dop­pel­stö­cki­gen Bou­le­vards» von Kurt Roh­ner unter dem Titel «Null+ – ober­ir­disch-teil­ver­senkt».  Was  auf­fällt: Der Vari­an­ten­fä­cher ent­hält nur noch «Auto­bahn-Lösun­gen». Das wider­spricht der glas­kla­ren For­de­rung der West­ast-Geg­ner­schaft, dass auch eine «Null­va­ri­ante» zu prü­fen sei. 

Geht es nach Wer­der + Co, soll diese Mög­lich­keit nun gänz­lich und defi­ni­tiv unter den Tisch gekehrt wer­den. Weil der Bund 2,2 Mil­li­ar­den für den Bau der Auto­bahn gespro­chen habe. Die­ses Geld sei nur dafür reser­viert und könne nicht anders ein­ge­setzt wer­den, so Wer­der. Damit macht er sich stark für ein klas­si­sches Dana­er­ge­schenk.

Ein Skan­dal – und ein Déjà-vu: Genauso ging vor acht Jah­ren die «Arbeits­gruppe Stöckli» vor. Damals gaben die West­astgeg­ner klein bei und begnüg­ten sich in der Folge damit, das von ihnen ursprüng­lich bekämpfte Auto­bahn­pro­jekt zu «opti­mie­ren». 

Das darf nicht noch ein­mal gesche­hen! Im Rah­men des West­ast-Dia­logs muss zwin­gend die Vari­ante «Intel­li­genz statt Beton» geprüft wer­den. Sonst kann man die Übung gleich abbre­chen.

Will man nach­hal­tige kurz- und län­ger­fris­tige Mass­nah­men ein­lei­ten, braucht es zuvor ein kla­res State­ment betref­fend Auto­bahn. Die­ses lau­tet: Ver­zicht, da durch die Exper­ten und Fak­ten nach­ge­wie­sen kein Bedarf und nicht ziel­füh­rend.

Die IG Häb Sorg schlägt der Dia­log­gruppe des­halb fol­gende drei ein­fa­chen und kla­ren Emp­feh­lun­gen zuhan­den der Behör­den­de­le­ga­tion vor:

 

1.    Das aktu­elle Aus­füh­rungs­pro­jekt «A5-West­ast Biel/Bienne» muss defi­ni­tiv begra­ben wer­den, weil es die Ent­wick­lung der Region Biel auf Jahr­zehnte hin­aus blo­ckiert. Auf natio­na­ler Ebene ist der sog. Netz­be­schluss 1960 abzu­än­dern, unter Berück­sich­ti­gung der fol­gen­den Ziel­set­zun­gen:

2.   Biel/Bienne bil­det das Herz einer Region mit Zukunft. Stadt­ent­wick­lung, Wirt­schafts­stand­ort und Mobi­li­täts­kon­zept rund um den Bie­ler­see sind mit obers­ter Prio­ri­tät unter Anwen­dung der 4V-Stra­te­gie zu gestal­ten:

            1. Ver­kehr ver­mei­den
            2. Ver­kehr ver­la­gern
            3. Ver­kehr ver­träg­lich aus­ge­stal­ten
            4. Ver­kehr ver­net­zen

3.   Um in der Stadt Biel die Pla­nungs­blo­ckade zwi­schen Bahn und See auf­zu­he­ben, sind die mit Ent­eig­nungs­bann beleg­ten Grund­stü­cke im West­ast-Peri­me­ter von die­ser Mass­nahme defi­ni­tiv zu befreien. Auf die­ser Grund­lage kann die Stadt ein urba­nes Quar­tier – unter Ein­be­zug von Bestehen­dem – pla­nen, das aus Sicht der Region eine attrak­tive Adresse hin­sicht­lich Woh­nen, Dienst­leis­tun­gen, Bil­dung, Woh­nen, Frei­zeit­an­ge­bot etc. bil­den wird.

 

Wei­tere Infos zum Run­den Tisch und zum A5-West­astdia­log – von den Anfän­gen bis heute:

HIER

 

 


 

 

A5-Behör­den­de­le­ga­tion – 13. Februar 2020:

FRIEDE, FREUDE, EIER­KU­CHEN?

Im See­land nichts Neues: Die Behör­den­de­le­ga­tion A5 zeigte sich an ihrer  Sit­zung «erfreut über die geleis­tete Arbeit und die kon­struk­tive Zusam­men­ar­beit im Dia­log­pro­zess.» Dies ist einer am 13.02.2020 vom Kan­ton Bern ver­schick­ten Medi­en­mit­tei­lung zu ent­neh­men.

Das war zu erwar­ten, nach­dem bereits Anfang Februar der vom Kan­ton ein­ge­setzte Pro­zess­lei­ter Hans Wer­der nach bila­te­ra­len Gesprä­chen mit den ver­schie­de­nen Inter­es­sens­grup­pen auf Zweck­op­ti­mis­mus machte. In kur­zen Wor­ten wird in der Mit­tei­lung des Kan­tons zusam­men­ge­fasst, was er vor der Dele­ga­tion über den aktu­el­len Stand der Kon­sens­fin­dung in Sachen West­ast rap­por­tiert hat: 

So zeichne sich, laut Wer­ders Bericht­erstat­tung, «inner­halb der Kern­gruppe ein grund­sätz­li­cher Kon­sens bei den kurz- und mit­tel­fris­ti­gen Mass­nah­men» ab. Zudem seien alle Betei­lig­ten gewillt, auch bei den lang­fris­ti­gen Mass­nah­men «eine unter den betei­lig­ten Orga­ni­sa­tio­nen breit abge­stützte und zweck­mäs­sige Lösung anzu­stre­ben.» 

Auf Basis die­ser Infor­ma­tion wie­der­holte die Behör­den­de­le­ga­tion ihre For­de­rung vom Novem­ber, dass bis Ende Juni 2020 eine «Emp­feh­lung der Gruppe zur Lösung der Kon­tro­verse um den West­ast» vor­zu­lie­gen habe.

Soweit das Com­mu­ni­qué. Wesent­lich auf­schluss­rei­cher ist jedoch, wor­über es sich aus­schweigt:

Die heisse Kar­tof­fel  A5-West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekt.

Was soll die Dis­kus­sion über kurz- und mit­tel­fris­tige Mass­nah­men (wie Regio­tram, Auf­wer­tung der Quar­tiere,  etc.), bevor das aktu­elle West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekts nicht end­gül­tig vom Tisch ist. Das ist nun wirk­lich das Pferd vom Schwanz her auf­ge­zäumt und wie­der­spricht jeg­li­cher pla­ne­ri­schen Logik.

Zudem ist wohl auch den Mit­glie­dern der Behör­den­de­le­ga­tion klar, dass es mit dem Kon­sens vor­bei sein dürfte, sobald kon­krete Mass­nah­men wie etwa Tempo 30 auf Stadt­ge­biet oder ein Tran­sit­ver­bot für den Schwer­ver­kehr zur Debatte ste­hen.

Noch schwie­ri­ger wird die Kon­sens­fin­dung in der Dia­log­gruppe bei den «lang­fris­ti­gen Mass­nah­men». Hier geht es – nach den Vor­stel­lun­gen von Wer­der und Co – um die Frage, auf wel­che Auto­bahn­va­ri­ante man sich eini­gen könne. Auch die­ses Pro­blem ist unlös­bar, solange das Aus­füh­rungs­pro­jekt – an dem zumin­dest ein Teil der Befür­wor­t­erschaft nach wie vor fest­hält – nicht defi­ni­tiv ver­wor­fen wird.

Auch das dürfte der Behör­den­de­le­ga­tion klar sein.  Genauso, wie davon aus­zu­ge­hen ist, dass die Ver­tre­te­rIn­nen der Gemein­den rund um den Bie­ler­see sehr wohl wis­sen, dass der umstrit­tene Twann­tun­nel und die West­astfrage in einem engen Zusam­men­hang zuein­an­der ste­hen. 

Doch auch dazu schweigt die Behör­den­de­le­ga­tion – zumin­dest gegen­über der Öffent­lich­keit.

Dabei hat die Stif­tung Land­schafts­schutz Schweiz in ihrer gest­ri­gen Medi­en­mit­tei­lung in die­ser Sache ein­mal mehr Klar­text geschrie­ben:

«Statt den Mehr­ver­kehr in Tun­nels abzu­lei­ten, sollte der Ver­kehr auf der gan­zen Achse am Bie­ler­see mit­tels Manage­ment­mass­nah­men auf ein für die Bevöl­ke­rung erträg­li­ches Mass beschränkt wer­den, zumal der SBB-Dop­pel­spur­aus­bau in Lig­erz für einen bes­se­ren Bahn­ver­kehr sorgt. Zu die­sem Zweck soll­ten die Gemeinde und Region bei Kan­ton und Bund erwir­ken, dass der Abschnitt der N5 am lin­ken Bie­ler­see­ufer in die Liste der Stras­sen gemäss Anhang 3 der Natio­nal­stras­sen­ver­ord­nung auf­ge­nom­men wird, für die Kan­tone Ver­kehrs­ma­nage­ment­pläne zu erstel­len haben. Damit würde auch der Druck auf den Stadt­raum Biel redu­ziert.»

 

 


 

 

                  

 

 


Häb Sorg zur Stadt freut sich:

Todes­stoss für den A5-West­ast

Die Zukunft beginnt. Der Güter­ver­kehr in der Schweiz kommt zu gros­sen Tei­len unter den Boden. Das Auto­bahn­stras­sen­netz wird mar­kant ent­las­tet. Der A‑5 West­ast wird voll­ends über­flüs­sig. Am gan­zen Nord­west­ufer  des Bie­ler­sees braucht es statt Auto­bahn­aus­bau mit teu­ren Tun­neln ein Tran­sit­ver­bot für den über­re­gio­na­len Schwer­ver­kehr.

Der Runde Tisch zum A5-West­ast wird diese bahn­bre­chende Neu­aus­rich­tung der Schwei­zer Ver­kehrs­po­li­tik in sei­nen Emp­feh­lun­gen berück­sich­ti­gen müs­sen.

 

 


 

 

AUS­BLICK AUF DEN JAH­RES­RÜCK­BLICK 2020

Ein ver­gleichs­wei­ses stil­les Jahr geht zu Ende, in Sachen West­ast. Wir erin­nern uns, dass im Novem­ber 2018 noch Tau­sende auf die Strasse gin­gen, um gegen das Mons­ter­pro­jekt zu demons­trie­ren. Heute fra­gen sich viele, ob der West­ast über­haupt noch zur Debatte stehe. Mit (vor­läu­fi­gem) Erfolg: Statt den Auto­bahn­bau mit Gewalt an der Bevöl­ke­rung vor­bei durch­zu­pau­ken, hat der dama­lige Ber­ner Regie­rungs­prä­si­dent und Bau­di­rek­tor Chris­toph Neu­haus einen Dia­log­pro­zess ver­ord­net.

Die­ser ist heute an einem Punkt, wo man wie­der ein­mal Pro­gno­sen wagen darf: Zwar debat­tie­ren die Ver­tre­te­rIn­nen von Behör­den und Orga­ni­sa­tio­nen vor­läu­fig über «kurz­fris­tige Mass­nah­men» – doch die Vor­schläge, die dis­ku­tiert wer­den, wei­sen durch­aus in Rich­tung Zukunft. So, dass wir Ende 2019 bereits einen Jah­res­rück­blick 2020 wagen:

WEI­TER­LE­SEN

 

 


 

 

VOR­STÖSSE ZUM TWANN­TUN­NEL:

IM BUN­DES­HAUS ABGE­BLITZT!

In der Fra­ge­stunde des Natio­nal­rats vom 16. Dezem­ber 2019 musste Bun­des­rä­tin Simo­netta Som­ma­ruga die Vor­stösse von Mat­thias Aebi­scher und Jürg Gros­sen zum Twann­tun­nel beant­wor­ten. Ihre Stel­lung­nahme wurde nament­lich am lin­ken Bie­ler­see­ufer und dar­über hin­aus in der gan­zen Region mit gros­ser Span­nung erwar­tet.

Schliess­lich geht es beim Ost­por­tal des Twann­tun­nels und der geplan­ten mons­trö­sen Bau­stel­len­in­stal­la­tion um nichts weni­ger als um die wei­tere Beein­träch­ti­gung wenn nicht gar Zer­stö­rung einer geschütz­ten Land­schaft von natio­na­ler Bedeu­tung. Zur Debatte ste­hen die Lebens­qua­li­tät der Men­schen am lin­ken Bie­ler­see­ufer, die Exis­tenz von Wein­bäue­rIn­nen und Wir­tIn­nen sowie die Grund­satz­frage nach der künf­ti­gen Ver­kehrs­füh­rung in der Region Biel-See­land.

Zur Erin­ne­rung: Jürg Gros­sen ver­wies in sei­nem Vor­stoss dar­auf, dass das Vor­an­trei­ben des Twann­tun­nels Fak­ten schaffe, die dem aktu­el­len West­ast-Dia­log­pro­zess zuwi­der­lau­fen und fragte, wie sich die­ses Vor­ge­hen recht­fer­ti­gen lasse. – Mat­thias Aebi­scher stellte in sei­nem Vor­stoss die Grund­satz­frage nach der Nach­hal­tig­keit der Aus­bau­pläne für die N5 durch die schüt­zens­werte Land­schaft und wollte wis­sen, wel­che Mass­nah­men der Bun­des­rat plane, um die Lebens­qua­li­tät für die Bewoh­ne­rIn­nen und die Schön­heit des nörd­li­chen Bie­ler­see­ufers zu erhal­ten.

Bun­des­rä­tin Simo­netta Som­ma­ruga, dies die Hoff­nung,  könnte als zustän­dige Che­fin des UVEK den aktu­el­len Pla­nungs- und Umset­zungs­pro­zess für das Tun­nel­pro­jekt zumin­dest wäh­rend der Zeit des West­ast-Dia­logs stop­pen, um des­sen Aus­gang abzu­war­ten. Dadurch wäre der Weg frei gewe­sen für eine ganz­heit­li­che Pla­nung und nach­hal­tige echte Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs­si­tua­tion in der Region. Lei­der hat sich diese Hoff­nung (vor­läu­fig) zer­schla­gen… 

Um es gleich vor­weg zu neh­men: Bun­des­rä­tin Som­ma­ruga hat die in sie gesetz­ten Hoff­nun­gen nicht erfüllt. Im Gegen­teil: Die Ant­wort auf die bei­den Vor­stösse ist ein Schlag ins Gesicht sowohl für die  direkt Betrof­fe­nen wie für alle, die im Rah­men des Dia­log­pro­zes­ses und dar­über hin­aus um umwelt- und men­schen­freund­li­che Lösun­gen kämp­fen.

Bun­des­rä­tin Som­ma­ruga hielt es nicht ein­mal für nötig, die von ihrem Amt erar­bei­tete Stel­lung­nahme vor dem Natio­nal­rat per­sön­lich zu ver­tre­ten. «Aus Zeit­grün­den» wurde die abschlä­gige, auf der gan­zen Linie ent­täu­schende magis­trale Ant­wort ledig­lich schrift­lich ver­öf­fent­licht. So behaup­tet der Bun­des­rat etwa in der Ant­wort auf den Vor­stoss von Jürg Gros­sen: «Das Pro­jekt Twann­tun­nel hat kei­nen Zusam­men­hang mit dem Pro­jekt West­ast in Biel» – und ver­langt kon­se­quen­ter­weise: «Die Pro­jekte in Twann und in Biel müs­sen sepa­rat von­ein­an­der betrach­tet wer­den: Der Twann­tun­nel soll das Win­zer­dorf Twann von Durch­gangs­ver­kehr befreien.»

Fest steht: Das ist zu kurz gedacht. Je nach Mass­nah­men oder Vari­an­ten, für die man sich im Lauf des West­ast-Dia­log­pro­zes­ses  ent­schei­det, könn­ten Twann und das gesamte linke Bie­ler­see­ufer auch ohne teure und zer­stö­re­ri­sche Tun­nel­bau­ten, dafür nach­hal­tig und auf der gesam­ten Stre­cke, von Durch­gangs­ver­kehr befreit wer­den… Umge­kehrt schafft man mit dem Bau des Twann­tun­nel ein Prä­ju­diz, das die aktu­elle, unbe­frie­di­gende Ver­kehrs­füh­rung in der Region zemen­tiert.

In der Ant­wort auf den Vor­stoss Aebi­scher weist der Bun­des­rat dar­auf hin, dass «die Betrof­fe­nen, die Umwelt­schutz- und Land­schafts­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie das Bun­des­amt für Umwelt» ihre Inter­es­sen wäh­rend der Erar­bei­tung des Pro­jekts sowie dem Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren ein­brin­gen kön­nen. Fest steht: Bis zur Plan­auf­lage wuss­ten die direkt Betrof­fe­nen nicht, was auf sie zukommt. Bis heute wird nicht klar und trans­pa­rent kom­mu­ni­ziert, wie die mit­tel- und län­ger­fris­ti­gen Stras­sen-Aus­bau­pläne am lin­ken Bie­ler­see­ufer aus­se­hen. Es ist aber davon aus­zu­ge­hen, dass das Astra eine Auf­klas­sie­rung der N5 zwi­schen Biel und La Neu­ve­ville zu einer Auto­bahn 2. Klasse anstrebt. Die Folge sind Mehr­ver­kehr sowie wei­tere Zer­stö­run­gen und Emis­sio­nen in der geschütz­ten Land­schaft.

Warum hält man ohne wenn und aber daran fest? – War Bun­des­rä­tin Simo­netta Som­ma­ruga in die­ser Sache mög­li­cher­weise schlecht bera­ten? Oder ist der Wider­stand gegen den mons­trö­sen Instal­la­ti­ons­platz, die jah­re­lange Bau­stelle und die mas­si­ven Ein­griffe in die geschützte Land­schaft (noch) zu klein, um im Bun­des­haus ernst genom­men zu wer­den?

Ver­ständ­nis­los reagier­ten die Ver­ant­wort­li­chen von «N5 Bie­ler­see – so nicht!» auf die bun­des­rät­li­chen Ant­wor­ten. In der Stel­lung­nahme des Komi­tees wird u.a. dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es für das Ost­por­tal Twann­tun­nel nie einen ech­ten par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zess gege­ben habe. Kri­ti­siert wird zudem die 15jährige Bau­zeit in geschütz­ter Land­schaft sowie der Fokus auf ein­zelne Schau­plätze, wel­cher ver­hin­dert, dass Zusam­men­hänge gese­hen und ganz­heit­li­che Lösun­gen gesucht wer­den. 

In sei­nem Leser­brief vom Sams­tag, 21. Dezem­ber 2019 bringt es Boris Fis­ta­rol, Prä­si­dent von «N5 Bie­ler­see – so nicht!» auf den Punkt, wenn er schreibt: «Wenn man die vor­han­de­nen Vas­ri­an­ten zum West­ast Biel objek­tiv stu­diert hat, grenzt es an Dia­log­ver­wei­ge­rung und Arro­ganz, wenn das Eid­ge­nös­si­sche Depar­te­ment für Umwelt, Ver­kehr, Ener­gie  und KOm­mu­ni­ka­tion behaup­tet, der West­ast und der Twann­tun­nel stün­den in kei­nem Zusam­men­hang. Es geht hier immer­hin um die Lini­en­füh­rung ein und der­sel­ben Natio­nal­strasse.»

Hier der äus­serst lesens­werte Text  in vol­ler Länge – click and read:

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Wei­tere Infos und Geschich­ten über das Bie­ler­see-Nord­ufer:
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TWANN-TÜSCHERZ:

SOLI­DA­RI­TÄT MIT WING­REI­SE­RIN­NEN

Sel­ten ist die Gemein­de­ver­samm­lung so gut besucht wie am  Mon­tag, 25. Novem­ber 2019. Der Grund war ein Thema, das nicht ein­mal auf der Trak­tan­den­liste stand, son­dern unter Varia behan­delt wer­den sollte: Das lau­fende Ein­spra­che­ver­fah­ren im Zusam­men­hang mit dem geplan­ten Ost­por­tal und Instal­la­ti­ons­platz des Twann­tun­nels.

Die Gemeinde Twann-Tüscherz hat juris­tisch keine Mög­lich­keit, das Por­tal zu ver­än­dern. Sie könnte höchs­tens auf die gesamte Tun­ne­l­um­fah­rung des Dorf­kerns Twann ver­zich­ten. Eine Umfah­rung, auf die viele Twan­ne­rin­nen und Twan­ner  seit Jahr­zehn­ten war­ten.

Diese Aus­gangs­lage nach dem Motto «Vogel friss oder stirb» zog rund 90 Stimm­bür­ge­rin­nen und Stimm­bür­ger in die Reb­halle, dies ent­spricht fast 10 Pro­zent der Stimm­be­rech­tig­ten. Das Bud­get 2020 sowie ein paar wei­tere Inves­ti­tio­nen und neue Ver­ord­nun­gen wur­den von den Anwe­sen­den dis­kus­si­ons­los und in Rekord­zeit durch­ge­wun­ken. Unter dem Trak­tan­dum Varia kam dann end­lich jenes Thema zur Spra­che, das am lin­ken Bie­ler­see­ufer aktu­ell die Wogen hoch­ge­hen lässt.

Trotz der äus­serst kon­tro­ver­sen Aus­gangs­lage, blieb die Dis­kus­sion sach­lich. Die Votan­tin­nen und Votan­ten von Wing­reis, dem Wei­ler der am meis­ten unter dem Bau des Twann­tun­nels lei­den würde, fühl­ten sich am Ende des Abends in ihren Ängs­ten und Sor­gen gehört und ver­stan­den.

Einen for­mel­len Ent­scheid der Ver­samm­lung konn­ten sie zwar nicht ein­for­dern, da das Thema nicht trak­tan­diert wurde. Gemein­de­prä­si­den­tin Mar­grit Boh­nen­blust ver­sprach jedoch ver­bind­lich, alle Anlie­gen der betrof­fe­nen Wing­rei­se­rIn­nen in die Bau­ein­spra­che der Gemeinde Twann-Tüscherz ein­flies­sen zu las­sen. 

Das Fazit der Gemein­de­ver­samm­lung: Alle sind vom Lärm geplagt, alle wol­len end­lich Ruhe. Wie dies erreicht wer­den soll, ob mit der vor­lie­gen­den Tun­nel­va­ri­ante oder im Gegen­teil, indem man dar­auf ver­zich­tet, dürfte künf­tig noch zu eini­gen Dis­kus­sio­nen Anlass geben.

So oder so steht fest: Ob Stück­werk oder Gesamt­lö­sung dürfte der Stras­sen­lärm die Dör­fer noch jah­re­lang pla­gen. Um Abhilfe zu schaf­fen, braucht es kluge Len­kungs­mass­nah­men zum Schutz von Bevöl­ke­rung und Natur. 

Noch bis Ende Woche sind all jene, die vom Bau des Twann­tun­nels irgend­wie betrof­fen sind auf­ge­for­dert, beim UVEK ihre Ein­spra­che ein­zu­rei­chen. So kön­nen etwa auch Anwoh­ne­rIn­nen der Neu­en­burg­strasse in Biel einen Nach­teil durch die geplante Bau­stelle gel­tend machen, da diese zu einer mar­kan­ten Zunahme von LKW-Fahr­ten auf der N5 zwi­schen Biel und Wing­reis füh­ren würde. 

Text: © Anne­kä­thi Zweid­ler

Bericht­erstat­tung im Bie­ler Tag­blatt – click and read

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NOCH MEHR WIDER­STAND AM BIE­LER­SEE 

Der frisch reno­vierte Saal im alten Gemein­de­haus von Tüscherz war am letz­ten Sams­tag, 23. Novem­ber 2019, bre­chend voll: Rund 90 Per­so­nen folg­ten der Ein­la­dung zum Info-Anlass des Akti­on­ko­mi­tees «N5 Bie­ler­see – so nicht!». Die­ses kämpft aktu­ell gegen den vom Astra geplan­ten Twann­tun­nel-Instal­la­ti­ons­platz in Wing­reis, dem Lie­gen­schaf­ten und kost­bare Reb­berge geop­fert wer­den sol­len.

Das grosse Inter­esse ins­be­son­dere der Bevöl­ke­rung von Lig­erz, Twann und Tüscherz kommt nicht von unge­fähr: Die N5 beein­träch­tigt seit Jah­ren die Lebens­qua­li­tät am lin­ken Bie­ler­see­ufer. Der geplante Twann­tun­nel würde für einen klei­nen Teil der Bevöl­ke­rung zwar Abhilfe schaf­fen, gleich­zei­tig hätte des­sen Bau aber im Wei­ler Wing­reis zer­stö­re­ri­sche Fol­gen.

Das geplante Bau­vor­ha­ben für das Tun­nel-Ost­por­tal, müsse unbe­dingt ver­hin­dert wer­den, so der Tenor an der Ver­an­stal­tung. Man könne die Fehl­pla­nung von vor 60 Jah­ren nicht mit noch mehr Beton kor­ri­gie­ren.

Einige tra­ten dafür ein, dass nur ein durch­ge­hen­der Tun­nel von Biel bis La Neu­ve­ville den lärm­ge­plag­ten Dör­fern wie­der mehr Lebens­qua­li­tät brin­gen würde. Andere spra­chen sich für die kleine See­landt­an­gente aus. Und wie­der andere möch­ten den moto­ri­sier­ten Ver­kehr redu­zie­ren, indem man die Stre­cke mit einem LKW-Tran­sit­ver­bot belegt und den ÖV gezielt för­dert. 

Der Umwelt­ju­rist Rein­hard Zweid­ler ermun­terte die Anwe­sen­den, gegen das Bau­vor­ha­ben in Wing­reis Ein­spra­che ein­zu­rei­chen. Er betonte, dass ent­ge­gen der Aus­ünfte des Astra, jede Per­son, die durch das Pro­jekt beein­träch­tigt würde, befugt sei, eine Ein­spra­che zu schrei­ben. Punkte, die dabei auf­ge­führt wer­den kön­nen, sind zum Bei­spiel die Zunahme von Lärm und Staub durch die Bau­stelle, die lang­jäh­ri­gen und teil­weise gefähr­li­chen Umlei­tun­gen von Velo- und Wan­der­we­gen und nicht zuletzt der Ver­lust von Bio­di­ver­si­tät. 

Das Komi­tee rief des­halb die Bevöl­ke­rung auf, mög­lichst zahl­rei­che, indi­vi­du­ell begrün­dete Ein­spra­chen gegen das Twann­tun­nel Ost­por­tal  zu ver­fas­sen und diese bis spä­tes­tens am Sams­tag, 30. Novem­ber an das UVEK abzu­schi­cken. Es stellte dafür auch eine Mus­ter­ein­spra­che zur Ver­fü­gung:thumbnail of N5Bielersee_mustereinsprache

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Wich­tig sind die Ein­spra­chen nicht nur, damit der über­di­men­sio­nierte Instal­la­ti­ons­platz für das Twann­tun­nel­por­tal in Wing­reis ver­hin­dert wer­den kann. Dar­über hin­aus geht es auch darum, die Sala­mi­tak­tik des Astra zu stop­pen, wel­ches alles daran zu set­zen scheint, die Auto­strasse 3. Klasse am Bie­ler­see mit­tel­fris­tig zu einer Auto­bahn 2. Klasse aus­zu­bauen.

Ein Ansin­nen nota­bene, das in engem Zusam­men­hang mit der West­ast-Pla­nung in Biel steht: Würde die West­ast-Auto­bahn tat­säch­lich gebaut, wie es Kan­ton und Astra plan­ten, wäre ein Kapa­zi­täts­aus­bau am lin­ken Bie­ler­see­ufer wohl unum­gäng­lich. Weil über den West­ast zwangs­läu­fig noch mehr Ver­kehr  in die sen­si­ble Reb­land­schaft gelenkt würde…

Text: ©Anne­kä­thi Zweid­ler

 

 


 

 

GROSS­AN­GRIFF IM REB­BERG

Am 1. Novem­ber beginnt die öffent­li­che Plan­auf­lage für das Twann­tun­nel Ost­por­tal und den vom Astra geplan­ten Bau­in­stal­la­ti­ons­platz. Dafür wur­den in den letz­ten Tagen die not­wen­di­gen Aus­ste­ckun­gen im Gelände vor­ge­nom­men. 

Erin­ne­run­gen an die West­ast-Aus­ste­ckung vom Früh­jahr 2017 wer­den wach: Die klei­nen Holz­pföst­chen im Gelände fal­len kaum auf – und ste­hen in kras­sem Gegen­satz zu dem, was sie ankün­di­gen: Die Mar­kie­run­gen zei­gen das rie­sige Aus­mass der Zer­stö­rung, wel­che am Wing­rei­ser Reb­hang und bis ins Dorf hin­ein droht.

Noch im Som­mer hat­ten die Stif­tung Land­schafts­schutz Schweiz SLS und der Kan­ton den gemein­sam aus­ge­han­del­ten Kom­pro­miss für das Tun­nel-Ost­por­tal als «modell­haft» gefei­ert.  Im Inter­view, das auf der Web­site der Bau‑, Ver­kehrs- und Ener­gie­di­rek­tion des Kan­tons Bern publi­ziert ist, äus­sert SLS-Geschäfts­füh­rer Rai­mund Rode­wald die Hoff­nung, dass man sich nun sicher auch noch über die Lage der Instal­la­ti­ons­plätze einig werde.

Erst jetzt, mit der bevor­ste­hen­den Plan­auf­lage, wird der Bevöl­ke­rung klar, was der Bau des Twann­tun­nels für die Reb­land­schaft für fatale Fol­gen hätte. Noch ist es nicht zu spät: In de kom­men­den Tagen fin­det in Twann eine Aus­spra­che zum Bau­stel­len­in­stal­la­ti­ons­platz in Wing­reis zwi­schen den Ver­ant­wort­li­chen des Tief­bau­amts des Kan­tons Bern, der Gemeinde und den Betrof­fe­nen statt. 

Vom 1. bis 30. Novem­ber fin­det anschlies­send die öffent­li­che Plan­auf­lage statt. Die Pläne kön­nen auf der Gemein­de­ver­wal­tung in Twann sowie online ein­ge­se­hen wer­den. Ein­sprache­be­rech­tigt sind aller­dings, wie üblich in sol­chen Ver­fah­ren, nur direkt Betrof­fene sowie die Schutz­ver­bände.

Umso wich­ti­ger ist es, dass die Wing­rei­ser Bevöl­ke­rung aus der gan­zen Region Unter­stüt­zung und Soli­da­ri­tät erfährt. Es geht um mehr, als um einen Instal­la­ti­ons­platz: Mit dem Ost­por­tal des Twann­tun­nels droht eine wei­tere dau­er­hafte Zer­stö­rung in einer der schöns­ten Land­schaf­ten der Schweiz – die nota­bene auf der natio­na­len Liste der schüt­zens­wer­ten Land­schaf­ten auf­ge­führt ist. 

Wei­tere Infor­ma­tio­nen zum Ver­fah­ren sowie zu den Akti­vi­tä­ten des neu gegrün­de­ten Ver­eins «N5 Bie­ler­see – so nicht!» sind auf des­sen Face­book-Site zu fin­den – ein Blick dar­auf lohnt sich! 

Zudem: Die heu­tige Aus­gabe der Bau­ern­zei­tung wid­met dem Thema eine ganze Seite! Mit einem tol­len Inter­view mit der Bio­win­ze­rin Anne-Claire Schott, die einen Teil ihrer Reben an das Bau­pro­jekt ver­lie­ren würde. Sie sagt unter ande­rem: «Es ist nicht nur mein per­sön­li­cher Ver­lust, son­dern ein Ver­lust für die ganze Gesell­schaft. Hier ist es para­die­sisch. Doch bereits der Bau der Bahn­li­nie hat die Häu­ser vom See getrennt, dann kam in den 60er Jah­ren noch die Strasse hinzu. Die Seele der Land­schaft wird kaputt gemacht. Die Bau­ten wer­den Mehr­ver­kehr brin­gen und damit Lärm für die Anwoh­ner. Mit dem geplan­ten Tun­nel will man uns ledig­lich ein «Zück­erli» geben, damit wir besänf­tigt sind.» 

Anne-Claire Schott ist Grün­dungs­mit­glied des Komi­tees «N5 Bie­ler­see – so nicht!» – zu des­sen Ziel­set­zung sagt sie: «Wir müs­sen auf­rüt­teln, so dass nicht jeder nur an sich und sein eige­nes Dörfli denkt. Wir wol­len klar machen, dass die­ses schwei­ze­ri­sche Kul­tur­gut, wel­ches auch einen gros­sen tou­ris­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und his­to­ri­schen Wert hat, geschützt wer­den muss.»

Der voll­stän­dige Arti­kel in der Bau­ern­zei­tung vom 25. Okto­ber 2019 mit Inter­view und Zusatz­in­for­ma­tio­nen:

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DER WEST­AST-WIDER­STAND
ALS VOR­BILD

 

«Wie stoppt man ein Auto­bahn­pro­jekt?» lau­tete  der Front­auf­ma­cher im Bund. Nach wochen­lan­gen Recher­chen ist der von lan­ger Hand ange­kün­digte dop­pel­sei­tige Arti­kel end­lich erschie­nen. Darin ver­su­chen zwei Ber­ner Jour­na­lis­ten zu rekon­stru­ie­ren, wie es zur aktu­el­len Sis­tie­rung des offi­zi­el­len West­ast-Pro­jekts gekom­men ist.

Ihre Moti­va­tion: Mitt­ler­weile ist der Wider­stand gegen den A5-West­ast zum Vor­bild für Akti­vis­tIn­nen in der gan­zen Schweiz gewor­den. Des­halb gin­gen sie der Frage nach, wie die­ser Erfolg in einem anfäng­lich aus­sichts­los erschei­nen­den Kampf über­haupt mög­lich war.

Fleis­sig haben die bei­den Jour­na­lis­ten laut eige­nen Anga­ben gegen 30 Per­so­nen befragt. Vie­les haben sie zusam­men­ge­tra­gen, mit­ein­an­der in Bezie­hung gebracht. Und trotz­dem das Wich­tigste ver­ges­sen…

Hier des­halb — für alle, die nach einer «Anlei­tung» für erfolg­rei­chen Wider­stand gegen unsin­nige Stras­sen­pro­jekte suchen — einige Ergän­zun­gen und Kor­rek­tu­ren. Denn das Herz und die Basis für den Erfolg des Wider­stands sind die unzäh­li­gen enga­gier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die sich mit immer neuer Eigen­in­itia­tive, unglaub­li­cher Krea­ti­vi­tät, Hart­nä­ckig­keit – vor allem aber auch mit viel Lebens­freude und Opti­mis­mus – der Zer­stö­rung ihres Lebens­raums wider­set­zen.

Die Stadt­wan­de­run­gen ent­lang der Zer­stö­rungs­achse, die ab Früh­jahr 2016 durch­ge­führt wur­den, waren nicht, wie dies der Bund-Arti­kel sug­ge­riert, eine Erfin­dung medi­en­ver­sier­ter Komi­te­e­mit­glie­der – im Gegen­teil: Die Stadt­wan­de­run­gen ziel­ten dar­auf, dass sich inter­es­sierte Bür­ge­rin­nen und Bür­ger vor Ort sel­ber infor­mier­ten. Unter kun­di­ger Füh­rung von Akti­vis­tIn­nen, wel­che die Pläne minu­tiös stu­diert hat­ten und nun ent­lang der geplan­ten Auto­bahn­achse mit detail­lier­ten Zah­len und Fak­ten das Bau­vor­ha­ben erläu­ter­ten.  Dank Mund-zu-Mund-Pro­pa­ganda wur­den diese Orts­ter­mine schnell zum Erfolg. Aller­dings dau­erte es sehr lange, bis sich regio­nale Medi­en­ver­tre­te­rIn­nen für diese Orts­ter­mine inter­es­sier­ten…

Wäh­rend die Medien noch schwie­gen, ver­teil­ten enga­gierte Akti­vis­tIn­nen Flyer in Tau­sende von Brief­käs­ten in Biel und den umlie­gen­den Gemein­den, um die Bevöl­ke­rung auf die­sem Weg über das geplante Mons­ter­pro­jekt zu infor­mie­ren. Sie waren tage- und wochen­lang unter­wegs und erreich­ten, dass die Bevöl­ke­rung der Stadt, die gröss­ten­teils bis anhin noch nie etwas vom «West­ast» gehört hatte, über die Aus­masse der geplan­ten Ein­griffe infor­miert wurde. 

Wäh­rend sich Jour­na­lis­tIn­nen immer noch schwer taten, die wach­sende Bewe­gung ernst zu neh­men und über den West­astwi­der­stand zu berich­ten, sorg­ten uner­müd­li­che Leser­brief­schrei­be­rIn­nen dafür, dass die geplante Auto­bahn nun regel­mäs­sig ihren Platz in den Zei­tun­gen erhielt.  Pen­sio­nierte Inge­nieure, krea­tive Mit­den­ke­rIn­nen prä­sen­tier­ten alter­na­tive Ideen und Vari­an­ten – und tru­gen ihrer­seits dazu bei, dass die Behör­den ihre Auto­bahn­pläne nicht län­ger unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit vor­an­trei­ben konn­ten.

Im Vor­feld der öffent­li­chen Plan­auf­lage tauch­ten dann plötz­lich über­all in Biel und Nidau – ja sogar in Port Stopp-West­astpla­kate und Bla­chen auf. Mitt­ler­weile war der West­ast zu einem Stadt­thema gewor­den, was dazu führte, dass beim UVEK über 650 Ein­spra­chen ein­gin­gen – sowohl von Pri­va­ten wie von gros­sen Ver­bän­den wie dem VCS oder der Stif­tung Land­schafts­schutz Schweiz.

Quasi im Allein­gang orga­ni­sierte eine West­ast-Kri­ti­ke­rin im Mai 2017 einen Velo­flashmob: Innert weni­ger Tage schaffte sie es, über ihre Netz­werke und soziale Medien mehr als 1200 Men­schen zu mobi­li­sie­ren. Die fried­li­che Demons­tra­tion, die in guter Zusam­men­ar­beit mit der Bie­ler Poli­zei durch­ge­führt wurde, war ein Schlüs­sel­mo­ment im West­ast-Wider­stand und ermu­tigte die Teil­neh­me­rIn­nen, sich wei­ter zu enga­gie­ren. So schuf der Flashmob die Basis, wel­che die gros­sen Demos im Herbst 2017 und 2018 erst ermög­licht hat.

Als publik wurde, dass 745 Bäume für den West­ast gefällt wer­den sol­len,  ent­stan­den spon­tan, aus der Mitte der Bevöl­ke­rung, neue Aktio­nen. Sie wur­den weder von einer Orga­ni­sa­tion gelei­tet noch von einem Komi­tee gesteu­ert: Akti­vis­tIn­nen mar­kier­ten auf eigene Faust wie­der­holt jene Bäume mit Pla­ka­ten, die dem West­ast geop­fert wür­den. Diese Baum­ak­tio­nen hat­ten eine über­wäl­ti­gende Wir­kung: Für viele Bür­ge­rIn­nen wurde erst jetzt deut­lich, wel­che Zer­stö­rungs­di­men­sio­nen der West­ast hat. – Und die Baum­ak­tio­nen gehen wei­ter: Vor weni­gen Wochen hat eine junge Frau, zusam­men mit Gleich­ge­sinn­ten, aus eige­nem Antrieb zahl­rei­chen bedroh­ten Bäu­men «ein Gesicht ver­lie­hen».

Man könnte unzäh­lige wei­tere Aktio­nen auf­zäh­len, die von immer wie­der ande­ren Akti­vis­tIn­nen initi­iert wur­den. Um nur einige zu nen­nen: Die  Unter­schrif­ten­samm­lung für eine Peti­tion gegen den West­ast, das Fest im Mül­ler Museum oder die Tavo­lata, wo Akti­vis­tIn­nen gemein­sam mit Quar­tier­be­woh­ne­rIn­nen ein Stras­sen­fest fei­er­ten – genau dort, wo die West­astschneise der­einst die Stadt zer­schnei­den würde.

Fazit: Der bis­he­rige Erfolg des West­ast-Wider­stands basiert auf einer brei­ten Bewe­gung, die immer wie­der neue krea­tive Ideen umsetzt – und so auch immer wie­der neue Men­schen zum Mit­ma­chen ermu­tigt. Weil es genau genom­men um weit mehr geht, als um das Ver­hin­dern eines Beton­mons­ters…

Genauso so, wie der viel­fäl­tige Wider­stand funk­tio­niert, müsste übri­gens auch die Lösungs­su­che erfol­gen, soll sie lang­fris­tig Erfolg haben: Es braucht einen trans­pa­ren­ten offe­nen Pro­zess,  wo krea­tive Ideen aus der Bevöl­ke­rung und aus ver­schie­de­nen Genera­tio­nen ein­flies­sen. Vari­an­ten hin­ge­gen, die von Pla­nern unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit erstellt wer­den, sind weder zeit­ge­mäss noch ziel­füh­rend. 

Dies eine kurze aber wich­tige Ergän­zung zum oben erwähn­ten Bund-Arti­kel… 

 

 


 

 

ASTRA-ZAH­LEN­AKRO­BA­TIK

 

Jahr für Jahr erscheint ein Bericht des Bun­des­amts für Stras­sen (ASTRA), gespickt mit Zah­len und Gra­fi­ken. Das Ganze kommt sehr wis­sen­schaft­lich daher, die Stau- und Ver­kehrs­zah­len jeweils auf eine Stelle hin­ter dem Komma gerun­det. Das heisst: auf einen Tau­sends­tel genau.

Schon vor einem Jahr haben wir auf die Zah­len­akro­ba­tik des ASTRA hin­ge­wie­sen. Auch die­ses Jahr gibt es dar­über wie­der eini­ges zu berich­ten:

 

In der Öffent­lich­keit erscheint in der Regel eine kon­den­sierte SDA-Zusam­men­fas­sung. Wer jedoch den gan­zen Bericht genau liest, stellt sich Fra­gen über Fra­gen. Denn Zah­len in eine Excel-Tabelle abfül­len und mit einer For­mel ein Ergeb­nis, auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau gene­rie­ren, ist das eine. Viel wich­ti­ger aber und ent­schei­dend sind die ver­wen­de­ten Daten: Wenn diese nicht stim­men und/oder wich­tige Mess­zah­len feh­len, stimmt das Resul­tat noch weni­ger. Dass die­ses mit Stel­len hin­ter dem Komma ver­se­hen wird, kommt einem Ross­täu­scher­trick ähn­lich.  Das ASTRA beschreibt das dann so:  



Im Klar­text: Bis im Jahr 2015 wur­den auf­grund einer unge­nauen Mess­me­thode das Ver­kehrs­auf­kom­men um 4–5% zu hoch aus­ge­wie­sen. Sogar beim Ein­ge­ständ­nis der Fehl­leis­tung klam­mert sich das ASTRA eisern an die Stel­len hin­ter dem Komma.

Wei­te­res Bei­spiel: Mess­stel­len. Das ASTRA ver­brei­tet tat­säch­lich Zah­len über den Ver­kehr auf der A1 (auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau) und  tut gleich­zei­tig kund:

 

 

Im Klar­text: Man ope­riert mit Kenn­zah­len (auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau), obschon die Mess­ap­pa­rate an Schlüs­sel­stel­len seit Jah­ren kaputt oder wegen Bau­ar­bei­ten nicht in Betrieb sind. Was das taugt? – Nichts.

Aber halt! Die Ver­kehrs­in­ge­nieure wis­sen mit sol­chen Män­geln prag­ma­tisch um zu gehen. Das Zau­ber­wort heisst: PLAU­SI­BI­LI­SIE­REN. Wie­derum: Auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau:

«Täg­lich wer­den die auf Stun­den aggre­gier­ten Ver­kehrs­werte von den Zähl­stel­len zur zen­tra­len Ver­kehrs­da­ten­bank VMON des ASTRA über­tra­gen. Dort wer­den die Daten plau­si­bi­li­siert und dar­aus abge­lei­tete Kenn­zah­len publi­ziert (www.verkehrsdaten.ch).»   Quelle: Rosen­thal und Part­ner AG

 

Wei­te­res Bei­spiel: Das Astra ver­brei­tet Zah­len über soge­nannte «Stau­tage» und erklärt uns, was es damit meint:

Im Klar­text:  Egal ob ein ein­ma­li­ger 5‑minütiger Stau  (oder sogar bloss sto­cken­der Kolon­nen­ver­kehr) oder stun­den­lan­ger, wie­der­hol­ter Stop-and-go-Ver­kehr – bei­des wird vom ASTRA unter «Stau­tag» sub­su­miert. Da wird eine Kate­go­rie geschaf­fen, die Kraut und Rüben ent­hält und ver­meint­lich «beweist», dass die halbe moto­ri­sierte Schweiz täg­lich per­ma­nent im Stau steht.

Wer­den wenigs­tens die «Stau­stun­den» (eine wei­tere ASTRA-Kate­go­rie) prä­zise defi­niert und erfasst? Fehl­an­zeige. Auch das haben die ASTRA-Leute nicht im Griff: Der Ein­fach­heit hal­ber wer­fen sie näm­lich Stau und Kolon­nen­ver­kehr in den sel­ben Topf. Die Quel­len: Poli­zei­be­ob­ach­tun­gen, Via­su­isse-Ver­kehrs­mel­dun­gen, pri­vate Stau­mel­der – ein Jekami: alles kommt in die  Daten­wurst und wird plau­si­bi­li­siert.

 


 

Im gan­zen Bericht: Wohin man schaut, wird mit Grund­la­gen­da­ten ope­riert, für die man keine har­ten Fak­ten hat. Das Mate­rial ist plau­si­bi­li­sier­bar und wird folg­lich plau­si­bi­li­siert.

Das ist die Basis, auf wel­cher im Schwei­z­er­land Ver­kehrs­pro­gno­sen erstellt wer­den: Im Qua­drat plau­si­bi­li­sierte Zah­len­akro­ba­tik.

Und nun soll auf­grund die­ser Zah­len­akro­ba­tik der Bau eines A5-West­asts begrün­det oder ver­wor­fen wer­den…

Im Raum Biel mes­sen ASTRA und Kan­ton den Ver­kehr an die­sen Stel­len:

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Wir sind gespannt, wel­che Qua­li­tät die Ver­kehrs­mes­sun­gen auf­wei­sen, die dem Run­den Tisch A5-West­ast zur Ver­fü­gung ste­hen:  Han­delt es sich um aus­sa­ge­kräf­tige Hard Facts, oder ein­mal mehr um plau­si­bi­li­sierte Zah­len, auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau.

Für den Dia­log­pro­zess und die Lösungs­fin­dung ist es ent­schei­den, dass die bei­gezo­ge­nen Ver­kehrs­ex­per­ten die Daten auf Herz und Nie­ren prü­fen und nöti­gen­falls neue, aus­sa­ge­kräf­tige Daten über die aktu­el­len Ver­kehrs­flüsse beschaf­fen las­sen.

 

 


 

 

IN ALTER­NA­TI­VEN DEN­KEN

© Bri­gitte Marti

Regula Rytz gehört zu den erfah­rends­ten Ver­kehrs­po­li­ti­ke­rIn­nen hier­zu­lande. Im Exklu­siv­in­ter­view mit Gabriela Neu­haus zeigt sie auf, was es braucht, um die Ver­kehrs­po­li­tik in nach­hal­tige Bah­nen zu len­ken. Von ihrem rei­chen Erfah­rungs­schatz könnte auch der Runde Tisch zum A5-West­ast pro­fi­tie­ren.

Regula Rytz, Prä­si­den­tin der Grü­nen Par­tei Schweiz, Natio­nal­rä­tin und Stän­de­rats­kan­di­da­tin für den Kan­ton Bern, for­dert ein radi­ka­les Umden­ken in der Ver­kehrs­po­li­tik: «Wir müs­sen die Logik umdre­hen und fra­gen: Wie­viel Ver­kehr ver­tra­gen wir? Wie­viel ist gut für unsere Gesund­heit und unsere Lebens­qua­li­tät? Wie­viel kön­nen wir – rein phy­si­ka­lisch – über­haupt bewäl­ti­gen? Was hat Platz, und was sind die Alter­na­ti­ven?»

Als lang­jäh­rige Ver­kehrs­di­rek­to­rin der Stadt Bern hat sie bewie­sen, dass Alter­na­ti­ven zu den her­kömm­li­chen Beton­lö­sun­gen mög­lich sind. Was sie in Bern erprobt hat, würde auch in Biel funk­tio­nie­ren:  «Das Rück­grat der Alter­na­tive zum Stras­sen­bau ist der öffent­li­che Ver­kehr. Die­ser muss über das Zen­trum hin­aus in der gan­zen Region funk­tio­nie­ren, und er muss attrak­tiv sein. Ich bin ja im Ver­wal­tungs­rat der Ver­kehrs­be­triebe Biel und finde es sehr schade, dass man das Regio-Tram­pro­jekt aufs Eis legen musste. Ein Tram ist so leis­tungs­fä­hig und attrak­tiv, dass auch Leute umstei­gen, die zuvor nicht mit dem ÖV unter­wegs waren.»

Sie ist beein­druckt vom Enga­ge­ment der Bie­le­rIn­nen und unter­stützt die West­ast-Oppo­si­tion. Zum Run­den Tisch sagt Regula Rytz: «Für den Pro­zess ist es sicher sinn­voll, dass man noch ein­mal genau hin­schaut, ob man etwas über­se­hen hat. Das gehört zu einer sorg­fäl­ti­gen Ana­lyse. Ich würde aber drin­gend emp­feh­len, genü­gend Zeit und Denk­ka­pa­zi­tät in neue Lösun­gen zu inves­tie­ren. Man darf nicht nur die Infra­struk­tur­va­ri­an­ten anschauen, son­dern muss sich auch die Frage stel­len: Gibt es Alter­na­ti­ven? Wie kön­nen wir das Geld, das für den Kapa­zi­täts­aus­bau reser­viert wurde, für bes­sere Ver­kehrs­lö­sun­gen auf städ­ti­scher und regio­na­ler Ebene ein­set­zen? In die­sem Sinn sollte man den Fächer über eine blosse Beton-Vari­an­ten­dis­kus­sion hin­aus öff­nen. Erst dann wird es wirk­lich span­nend. Dabei ist es ganz wich­tig, dass die Leute über die Gemein­de­gren­zen hin­weg mit­re­den kön­nen.»

 

DAS VOLL­STÄN­DIGE INTER­VIEW

WEI­TER­LE­SEN

 

 


 

 

INNO­VA­TIVE ANSÄTZE
FÜR DEN GÜTER­VER­KEHR

Ein Zulas­sungs­ver­bot für fos­sil betrie­bene Last­wa­gen ab 2030 sowie ab 2035 ein Fahr­ver­bot auf alpen­que­ren­den Rou­ten – eine ent­spre­chende Volks­in­itia­tive könnte schon bald Rea­li­tät wer­den, wie der Tages­an­zei­ger  vom 6. Juni 2019 berich­tet:

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Dabei geht es in ers­ter Linie um Umwelt- und Kli­ma­schutz. Jon Pult, Prä­si­dent der Alpen­in­itia­tive und SP-Natio­nal­rat begrün­det: «Geht es im Bun­des­rat und Par­la­ment jetzt nicht rasch genug vor­wärts, wer­den wir das Heft sel­ber in die Hand neh­men.» 

Bereits im letz­ten Dezem­ber hatte der Ver­ein Alpen-Initia­tive eine in ihrem Auf­trag erstellte Stu­die publi­ziert, die zeigte, dass bei den Last­wa­gen in Sachen Reduk­tion der CO2-Emis­sio­nen seit 1990 wenig Fort­schritte gemacht wur­den. Schon damals for­derte Jon Pult: «Es ist eine ver­passte Chance, dass der Stras­sen­gü­ter­ver­kehr bei der lau­fen­den CO2-Geset­zes­re­vi­sion im Par­la­ment über­haupt kein Thema ist.  Last­wa­gen dür­fen nicht aus dem Gesetz aus­ge­klam­mert wer­den. Die Zeit drängt: Um die Kli­ma­er­wär­mung zu stop­pen und die Reduk­ti­ons­ziele des Pari­ser Abkom­mens zu erfül­len, müs­sen die Treib­haus­gas­emis­sio­nen in allen Bereich redu­ziert wer­den.»

Mit der ange­kün­digte Initia­tive liegt nun ein kon­kre­ter Vor­schlag auf dem Tisch. Nebst dem vor­ge­schla­ge­nen Zulas­sungs- und Tran­sit­ver­bot für fos­sil betrie­bene Last­wa­gen, schlägt die Initia­tive auch bei der Schwer­ver­kehrs­ab­gabe (LSVA) Neue­run­gen vor: Ab 2020 soll die sich die LSVA nach dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip rich­ten: Je grös­ser der CO2-Aus­stoss eines Last­wa­gens ist, desto mehr muss er bezah­len.

Sol­che Inno­va­tio­nen kom­men bei der Trans­port­bran­che nicht gut an. Sie lie­gen aber im Trend: Eine Abstu­fung der Last­wa­gen­steu­ern nach CO2-Emis­sio­nen ist auch in der EU ein Thema. In Nor­we­gen sol­len schon ab 2025 keine Neu­wa­gen mit Ver­bren­nungs­mo­tor mehr zuge­las­sen wer­den. Schwe­den und Däne­mark pei­len für 2030 ein Ver­bot für Die­sel und Ben­zi­ner an. 

Mit dem ange­dach­ten Tran­sit­ver­bot für Die­sel-Las­ter geht die Alpen-Initia­tive aller­dings noch einen Schritt wei­ter. Doch sogar da könnte man den Faden noch wei­ter spin­nen: Wes­halb nur ein Fahr­ver­bot im alpen­tra­ver­sie­ren­den Ver­kehr? Auch die Städte und Dör­fer im Mit­tel­land könn­ten auf­at­men, wenn künf­tige Güter­trans­porte auf der Strasse gestanks­frei und lärm­arm erfolg­ten. 

Das alles sind Denk­an­stösse, die in die rich­tige Rich­tung zei­gen. Es lohnt sich, sie wei­ter zu ver­fol­gen…

 

 


 

 

GESUCHT:
LAST­WA­GEN­KA­RA­WANE

Seit die marode Wehr­brü­cke zwi­schen Brügg und Port für den Schwer­ver­kehr gesperrt ist, schla­gen die Nidauer Behör­den Alarm: Die Stadt Nidau müsse nun einen Gross­teil des umge­lei­te­ten Schwer­ver­kehrs auf­neh­men, das Städt­chen werde vom Ver­kehr gera­dezu über­schwemmt.

Wie im Bie­ler Tag­blatt vom 21. Mai zu lesen war, haben sich die Gemein­den Ipsach, Port, Brügg und Nidau beim Lei­ter des Run­den Tischs erneut dafür stark gemacht, dass der Bau der neuen Brü­cke und des Port­tun­nels des­halb – rest­li­cher Auto­bahn-West­ast hin oder her – vor­zu­zie­hen sei.

Ein­mal mehr mit dem Haupt­ar­gu­ment: «Stark betrof­fen ist die Stadt Nidau, wel­che den Gross­teil des Schwer­ver­kehrs auf­neh­men muss.»

Wer sich aller­dings vor Ort umschaut und umhört, erhält ein ande­res Bild: Der Ver­kehr in Nidau scheint sich nicht gross ver­än­dert zu haben. Bei einer klei­nen, nicht reprä­sen­ta­ti­ven Umfrage bestä­tigt denn auch nie­mand die Behaup­tung, dass der Last­wa­gen­ver­kehr seit der Teil-Sper­rung der Wehr­brü­cke zuge­nom­men habe. «Ich arbeite in Nidau und habe keine Ver­än­de­rung bemerkt» oder «Ich bin oft in Nidau ent­lang der Haupt­strasse unter­wegs, mir ist nichts auf­ge­fal­len», sind Ant­wor­ten von Bewoh­ne­rIn­nen und Pend­le­rIn­nen auf die Frage nach der angeb­lich unhalt­ba­ren Ver­kehrs­si­tua­tion.

Freund­li­cher­weise hat die Gemeinde auf dem Schloss­turm eine Web­cam instal­liert. Mit wun­der­ba­rem Blick auf die Haupt­strasse. Alle 60 Sekun­den lie­fert sie ein aktu­el­les Bild zur Ver­kehrs­si­tua­tion.

Also machen wir die Probe aufs Exem­pel: Wäh­rend Stun­den haben wir die Web­cam auf­ge­schal­tet. Und war­ten auf die Last­wa­gen­ka­ra­wane.

Doch was wir sehen: Nur wenig Ver­kehr, sogar wäh­rend der soge­nann­ten Stoss­zei­ten am Mor­gen, über Mit­tag und am Fei­er­abend. Regel­mäs­sig ein Bus, hie und da ein Lie­fer­wa­gen. Aber wo blei­ben die berüch­tig­ten 40-Tön­ner?

Ist die Web­cam etwa mit einem Last­wa­gen­fil­ter ver­se­hen?

Da, end­lich taucht einer auf! Ob er frü­her den Weg über die Wehr­brü­cke genom­men hätte, lässt sich lei­der nicht sagen.

Und wie­der: War­ten, war­ten, war­ten auf das nächste Bild mit 40t-LKW. An einem ganz gewöhn­li­chen Werk­tag Vor­mit­tag.

Wie so man­ches im Zusam­men­hang mit dem A5-West­ast: Statt zuver­läs­sig Daten zu erhe­ben, behaup­ten viele Auto­bahn­be­für­wor­te­rIn­nen frisch drauf los, was in der Rea­li­tät ein­fach nicht stimmt. End­lo­ser Stau hier, grau­sa­mer Stau dort…

Oder eben: Unhalt­ba­rer, über­bor­den­der Last­wa­gen­ver­kehr im Städt­chen Nidau, seit der Teil­sper­rung der Wehr­brü­cke. Eine Mär. Die ein­zig und allein erfun­den wurde, um im West­ast-Dis­put voll­endete Tat­sa­chen zuguns­ten des umstrit­te­nen Aus­füh­rungs­pro­jekts zu schaf­fen.

 

 


 

 

BYPASS A5-WEST­AST
NEIN DANKE!

 


Kli­cken für Ani­ma­tion

Das linke Bie­ler­see­ufer gehört zu den geschütz­ten Land­schaf­ten der Schweiz. Die Lini­en­füh­rung der A5 ent­lang dem See und durch die Reb­berge war ein Fehl­ent­scheid – dar­über sind sich heute alle einig.

Der Tran­sit­ver­kehr scha­det den Men­schen und der fra­gi­len Umwelt in den Win­zer­dör­ferna am Jurasüd­fuss.

Der Bau des West­asts hätte zur Folge, dass noch mehr Autos und Last­wa­gen diese Route wäh­len, was die Situa­tion dras­tisch ver­schär­fen würde…

 

 


 

 

ANGST­HA­SEN UND
BEVOR­MUN­DER

 

Wie lei­der nicht anders zu erwar­ten, ist das Bie­ler Par­la­ment samt Stadt­re­gie­rung ein­ge­knickt. Wort­reich wurde ges­tern Abend der Bie­ler Bevöl­ke­rung die Mög­lich­keit ver­wei­gert, ein für alle Mal dem unsin­ni­gen A5-Aus­füh­rungs­pro­jekt den Todes­stoss zu ver­set­zen. Gross­zü­gig hat das Mäus­lein dar­auf ver­zich­tet, den Ele­fan­ten anzu­grei­fen.

Des­halb gibt es für die Men­schen in der Stadt Biel/Bienne nur eines:

  • kurz­fris­tig: Biel/Bienne muss wie­der laut wer­den auf – auf der Strasse

 

  • mit­tel­fris­tig: an der Wahl­urne mutige Volks­ver­tre­te­rIn­nen wäh­len und keine Mäus­lein und Angst­ha­sen.

 

 

 


 

 

DIE STAU­SCHLAU­MEIER
VOM ASTRA

 

 

Der Runde Tisch zum A5-West­ast soll eine fak­ten­ba­sierte Aus­le­ge­ord­nung zur heu­ti­gen und künf­ti­gen Ver­kehrs­si­tua­tion in der Region See­land lie­fern. So weit, so gut.  

Es ist zu hof­fen, dass die geballte Exper­ten­power, die am Run­den Tisch zum Ein­satz kom­men soll (Bud­get über 1 Mil­lion CHF), auf­räumt mit gewis­sen Zah­len, die her­um­ge­bo­ten wer­den. Bei­spiels­weise, wenn sie vom ASTRA kom­men und von den Medien gerne und unge­prüft über­nom­men wer­den.

 

Zu was tau­gen Zah­len zur Stau-Erfas­sung, wenn das ASTRA, ohne rot zu wer­den, erklärt:

«Bei der Stau­er­fas­sung wird in der VSS-Norm SN 671 921 zwi­schen Ver­kehrs­si­tua­tio­nen mit «Stau» oder «sto­cken­dem Ver­kehr» unter­schie­den. Im Stau­be­richt wer­den dage­gen beide erfass­ten Zustände als «Stau» bezeich­net, da die für eine genaue Unter­schei­dung not­wen­di­gen netz­wei­ten dyna­mi­schen Ver­kehrs- und Geschwin­dig­keits­da­ten heute noch nicht ver­füg­bar sind. Die Anzahl Stau­stun­den ist die Dauer der Staus von deren Beginn bis zu deren Auf­lö­sung in Stun­den.»* 

Wie bitte???

Sto­cken­der Ver­kehr wird also ein­fach dem Stau zuge­rech­net. Das muss man wirk­lich zwei­mal lesen.  So wird «Zah­len­ma­te­rial» zu Pro­pa­ganda ver­wan­delt.

Sollte der Runde Tisch sich auf sol­che Fak(e)ten stüt­zen, sägt er sich die Beine ab, auf denen er steht. Sein «Ergeb­nis» würde nicht akzep­tiert wer­den und ver­käme zu  teu­rer Maku­la­tur.

* https://www.astra.admin.ch/astra/de/home/themen/nationalstrassen/verkehrsfluss-stauaufkommen/definitionen

Die Probe aufs Exem­pel:

Wie aus sto­cken­dem Ver­kehr «sta­tis­ti­scher» STAU gemacht wird:

 

Noch mehr über ASTRA-Zah­len­akro­ba­tik: hier lesen und stau­nen

 

 


 

 

OFFI­ZI­ELL UND INOF­FI­ZI­ELL

 

Was sagt die Bie­ler Regie­rung offi­zi­ell?

 

 


 

 

BUNTE EINIG­KEIT

Die Viel­falt der West­astop­po­si­tion ist ihre Stärke

 

Die Spat­zen pfei­fen es von den Bie­ler Dächern: Die West­ast-Oppo­si­tion sei sich nicht einig. Und es gibt Jour­na­lis­ten, die gar einen Streit her­bei­pfei­fen wol­len. Ein auf­ge­reg­tes Gezwit­scher, das völ­lig aus der Luft gegrif­fen ist und an den Rea­li­tä­ten vor­bei­zielt.

Im Gegen­satz zum West­ast-JA-Lager, das eine simple Mes­sage ver­tritt («bald­mög­lichste Umset­zung des Aus­füh­rungs­pro­jekts»), gibt es auf Sei­ten der Geg­ner­schaft eine inter­es­sante Viel­falt von Ideen, Vor­schlä­gen und Vari­an­ten.

Das liegt in der Natur der Sache: Seit Jah­ren beschäf­ti­gen sich viele aus der West­ast-Oppo­si­tion mit der Suche nach Alter­na­ti­ven. Es ist ein­drück­lich, wie viele Ideen, wie viel Krea­ti­vi­tät in den letz­ten Jah­ren frei­ge­setzt wor­den ist – immer mit dem glei­chen Ziel: Die dro­hende Stadt­zer­stö­rung zu ver­hin­dern und andere, zukunfts­fä­hige Lösungs­wege auf­zu­zei­gen.

Gerade in die­ser Viel­falt, liegt die Stärke der Oppo­si­tion: Sie bringt eine breite Palette von Kom­pe­ten­zen in den Dia­log­pro­zess. Es braucht die Viel­stim­mig­keit der ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen für den von Regie­rungs­rat Neu­haus ange­stos­se­nen «ergeb­nis­of­fe­nen Dia­log». Wer diese Viel­falt weg­dis­ku­tie­ren will, kann sich gera­de­so­gut mit zwei Leu­ten – ein­mal pro, ein­mal kon­tra – an den Run­den Tisch set­zen.

Am Run­den Tisch sind aber 13 Orga­ni­sa­tio­nen ver­tre­ten:

      • Ber­ner Hei­mat­schutz
      • Fuss­ver­kehr Kan­ton Bern
      • IG Häb Sorg zur Stadt
      • Komi­tee «Biel notre Amour»
      • Komi­tee «West­ast so nicht»
      • Ver­ein «Biel wird laut»
      • Ver­ein «Gruppe S»
      • Ver­ein LQV – Lebens­qua­li­tät
      • Pro Natura
      • Pro Velo
      • Stif­tung Land­schafts­schutz Schweiz
      • VCS Bern
      • WWF Bern

Diese alpha­be­ti­sche Auf­zäh­lung zeigt: Die Geg­ner­schaft ist breit auf­ge­stellt. Es ver­steht sich von sel­ber, dass eine natio­nal tätige Schutz­or­ga­ni­sa­tion andere Prio­ri­tä­ten setzt als ein Quar­tier­ver­ein. In einem Punkt sind sie sich aber zu hun­dert Pro­zent einig: Sie wer­den nie Hand bie­ten zu den zwei offe­nen Auto­bahn­schnei­sen mit­ten in der Stadt.

Klar­heit und Viel­falt sind gewollt für einen Run­den Tisch, der nicht eine Ali­bi­übung dar­stel­len soll: Jede Grup­pie­rung bringt ihre Facet­ten, ihre Stär­ken in den Dia­log. Es braucht sie alle, um die Breite der Oppo­si­tion gegen das Aus­füh­rungs­pro­jekt zu wider­spie­geln. Damit ist die Basis für eine echte Par­ti­zi­pa­tion der Bevöl­ke­rung gelegt.

All jene, die immer wie­der ver­su­chen, einen Streit in der Geg­ner­schaft her­bei­zu­re­den oder zu ‑schrei­ben müs­sen wir des­halb ent­täu­schen: Der Kampf gegen die dro­hende Stadt­zer­stö­rung wird in bun­ter Einig­keit und mit vol­ler Kraft geführt. Auch in Zukunft. Wenn die PRO-West­ast-Anhän­ger keine ande­ren Argu­mente bei­brin­gen kön­nen, als der Oppo­si­tion Unei­nig­keit anzu­dich­ten, dann ist es gut mög­lich, dass der A5-West­ast hoch­kant vom Run­den Tisch flie­gen wird.

 

 


 

 

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WIRT­SCHAFT
GEGEN A5-WEST­AST

 

 

Nun mel­den sich mehr und mehr West­ast-Geg­ne­rIn­nen aus der Wirt­schaft zu Wort! Zwar haben sich bereits in der Ver­gan­gen­heit ver­ein­zelt Unter­neh­me­rIn­nen und Wirt­schafts­füh­re­rIn­nen gegen das ver­al­tete und viel zu teure Auto­bahn­pro­jekt aus­ge­spro­chen.  Allen voran Michel Mul­ler, CEO der Mul­ler Machi­nes SA, deren ein­ma­li­ges Maschi­nen­mu­seum dem West­ast wei­chen müsste.

Nach­dem nun aber die Wirt­schafts­ver­bände HIV Kan­ton Bern, KMU Bern und WIBS Ende letz­ten Jah­res eine voll­mun­dige Kam­pa­gne Pro-West­ast lan­ciert hat­ten, gibt es nun mas­sive Kri­tik an die­sem Vor­ge­hen – und eine Gegen­kam­pa­gne:

So schreibt  WIBS-Grün­dungs­mit­glied Lukas Weiss in sei­nem Leser­brief im «Biel-Bienne»: «Ich bin ent­setzt, mit wel­cher Dreis­tig­keit die­ses wich­tige lokale Forum als Platt­form für eine ein­sei­tig geführte Kam­pa­gne miss­braucht wird. Als Mit­glied der WIBS wurde ich nie zu mei­ner Mei­nung zum West­ast befragt.» 

Auch der ehe­ma­lige HIV-Prä­si­dent und CEO der Biella AG, Rudolf Bürgi, spricht im Inter­view mit Mario Cor­tesi Klar­text: «Der wirt­schaft­li­che Nut­zen die­ser 2,2 Mili­ar­den Fran­ken-Inves­ti­tion ist nicht belegt. Es ist befrem­dend, dass die Befür­wor­ter dar­auf drän­gen, die bereit­ge­stellte Inves­ti­ti­ons­summe jetzt aus­zu­ge­ben.» 

Ver­tre­te­rIn­nen der Wirt­schaft haben nun, in Zusam­men­ar­beit mit dem Komi­tee «West­ast so nicht!» ihrer­seits eine Inse­ra­ten­kam­pa­gne gestar­tet, um ihre Oppo­si­tion gegen das Aus­füh­rungs­pro­jekt und das Vor­ge­hen der Wirt­schafts­ver­bände publik zu machen.

 

 


 

 

 

 

 

 

VON WEGEN:
«DA KANN MAN NICHTS MACHEN»

Wer vor einem Jahr 2018 vor­aus­ge­sagt hätte, dass der neue Ber­ner Bau­di­rek­tor Chris­toph Neu­haus der­einst zum run­den Tisch in Sachen West­ast ein­la­den würde, wäre als Spin­ner aus­ge­lacht wor­den. Noch weni­ger hätte man geglaubt, dass Erich Fehr, Bie­ler Stadt­prä­si­dent und lang­jäh­ri­ger West­astpro­mo­tor, eine 180-Grad-Pirou­ette hin­legt und für 2019 die Prü­fung einer See­landt­an­gente for­dert.

In der Ver­gan­gen­heit waren genau diese Vor­schläge aus der Bevöl­ke­rung immer ins Leere gelau­fen. Vom Kan­ton und den Gemein­de­be­hör­den hörte man stets das glei­che Man­tra: Am vor­lie­gen­den West­ast-Pro­jekt sei nicht mehr zu rüt­teln. Es sei die beste Lösung, bau­reif und wich­tig. 

Noch ist das offi­zi­elle West­ast-Pro­jekt nicht gebo­digt. Die neue Gesprächs­be­reit­schaft und der Gesin­nungs­wan­del der Exe­ku­tiv­po­li­ti­ker zei­gen aber deut­lich, dass Argu­mente, Wider­stand und Enga­ge­ment von Sei­ten der Bevöl­ke­rung etwas bewir­ken kön­nen. – Es hat lange gedau­ert, bis die «Volks­ver­tre­te­rIn­nen» es für nötig erach­te­ten, ihre Wäh­le­rIn­nen ernst zu neh­men. – Doch Anfang 2019 ste­hen die Chan­cen für eine zukunfts­fä­hige Ver­kehrs­ent­wick­lung in der Region bes­ser denn je.

Dies nicht zuletzt dank der uner­müd­li­chen Infor­ma­ti­ons­ar­beit der West­ast-Kri­ti­ke­rIn­nen. Dank unzäh­li­ger Leser­briefe, Recher­chen, Infor­ma­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tun­gen, dank Demons­tra­tio­nen gegen das Mons­ter­pro­jekt oder Aktio­nen wie der Tavo­lata. Die­ses Enga­ge­ment führte schliess­lich zum ein­deu­ti­gen Resul­tat der Demo­scope-Umfrage, die zeigt, dass gerade mal 21 Pro­zent der Bevöl­ke­rung in der Region noch hin­ter dem offi­zi­el­len West­astpro­jekt ste­hen.

Schon der Wech­sel an der Spitze der Ber­ner Bau­di­rek­tion hatte Eini­ges in Bewe­gung gebracht: Im Gegen­satz zu sei­ner Vor­gän­ge­rin Bar­bara Egger stellt sich Bau­di­rek­tor Chris­toph Neu­haus immer­hin der Dis­kus­sion. Und auch im Bun­des­haus weht ein fri­scher Wind: Mit der neuen Depar­te­ments­chefin Simo­netta Som­ma­ruga an der Spitze des Uvek ste­hen die Zei­chen bes­ser für das Aus­han­deln von neuen, umwelt­freund­li­che­ren und zukunfts­fä­hi­ge­ren Ver­kehrs­lö­sun­gen.

Jetzt gilt es, mit dem 2018 in Bewe­gung gekom­me­nen Schwung das aktu­elle West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekt in den nächs­ten Mona­ten defi­ni­tiv in der Ver­sen­kung ver­schwin­den zu las­sen. Es ist höchste Zeit, dass Biel und Nidau ihre Zukunft anpa­cken kön­nen, ohne dau­ernd mit dem Damo­kles­schwert der Stadt­zer­stö­rung rech­nen zu müs­sen.

Trotz der bis­he­ri­gen Erfolge im Kampf gegen den West­ast darf näm­lich nicht ver­ges­sen wer­den: Das Auto­bahn­pro­jekt hat bereits jetzt viel Scha­den ange­rich­tet.

So sind auch 2018 wie­der zahl­rei­che Men­schen, die in vom West­ast bedroh­ten Lie­gen­schaf­ten wohn­ten, aus ihrem gelieb­ten Daheim fort­ge­zo­gen. Sie haben die nun seit über 20 Jah­ren andau­ernde Unsi­cher­heit nicht mehr aus­ge­hal­ten. Man­che haben ihre Häu­ser dem Kan­ton abge­tre­ten, weil Inves­ti­tio­nen in die Lie­gen­schaft unter dem Ent­eig­nungs­bann nicht abge­gol­ten wer­den.  Resi­gna­tion und Sta­gna­tion machen sich in lebens­wer­ten Quar­tie­ren an bes­ter Lage breit. Dem kann nur ein rascher West­ast-Übungs­ab­bruch ein Ende set­zen. Auf dass es am 1. Januar 2021 heisst: Biel und Nidau defi­ni­tiv west­astfrei.

 

 


 

 

FEHR: SEE­LANDT­AN­GENTE
MUSS GEPRÜFT WER­DEN!

«Es ist wich­tig, den Mut zu haben, Rich­tungs­än­de­run­gen vor­zu­neh­men, wenn man sieht, dass frü­here Ent­scheide nicht mehr den Bedürf­nis­sen von heute und viel­leicht noch weni­ger jenen von mor­gen ent­spre­chen.» Mit die­sen Wor­ten lässt sich Stadt­prä­si­dent Fehr im  BT-Sams­tags­in­ter­view vom 29.12.2018 zitie­ren.

Nach mona­te­lan­gem Schwei­gen und Lavie­ren von Sei­ten der Bie­ler Stadt­re­gie­rung reibt man sich erst ein­mal die Augen: Da hat sich einer bewegt und spricht Klar­text! Das lässt hof­fen, für die geplan­ten Dis­kus­sio­nen…

Im Hin­blick auf den von Regie­rungs­prä­si­dent Chris­toph Neu­haus ange­kün­dig­ten «run­den Tisch» stellt der Bie­ler Stadt­prä­si­dent näm­lich klar: «Es muss mehr gemacht wer­den als nur ein Vari­an­ten­ver­gleich zwi­schen offi­zi­el­lem Pro­jekt und «West­ast – so bes­ser». Ich gehe nicht davon aus, dass die Alter­na­ti­v­i­dee in die­ser Form tat­säch­lich ein­mal gebaut wird. Es gibt The­men wie die See­landt­an­gente. (…)

Die See­landt­an­gente würde den Ver­kehr gross­räu­mig anders len­ken. Das Haupt­pro­blem ist his­to­risch bedingt: Die Natio­nal­strasse drit­ter Klasse führt am Nord­ufer des Bie­ler­sees ent­lang, wo sie eigent­lich gar kei­nen Platz hat. Des­halb muss der Ver­kehr durch das besie­delte Gebiet Biels dort­hin gelenkt wer­den. Es muss nun geklärt wer­den, ob es nicht andere Mög­lich­kei­ten gibt.»

Das gesamte, äus­serst lesens­werte BT-Sams­tags­in­ter­view vom 29. Dezem­ber 2018 – kli­cken und lesen

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DIE RICH­TIGE FRAGE STEL­LEN

Nicht immer füh­ren Umfra­gen zum erwar­te­ten Resul­tat. So dürf­ten sich die West­ast-Befür­wor­ter nach der Demo­scope-Umfrage die Augen gerie­ben haben: Gerade mal 21% der Befrag­ten hat­ten sich für das Aus­füh­rungs­pro­jekt mit den bei­den inner­städ­ti­schen Anschlüs­sen aus­ge­spro­chen.

Damit hatte man ganz offen­sicht­lich nicht gerech­net.  Wie sonst ist zu erklä­ren, dass die Prä­sen­ta­tion der Umfrage-Resul­tate als High­light einer Lobby-Ver­an­stal­tung gedacht war?

Nun, die­ser Schuss ging nach hin­ten los. Seit­her wer­den West­ast-Befür­wor­ter nicht müde, die Fra­ge­stel­lung in Frage zu stel­len. Aller­dings hat von ihnen noch kei­ner gesagt, wie denn anders hätte gefragt wer­den müs­sen…

Letzt­end­lich geht es um eine ein­fa­che Frage, die lau­tet: Aus­füh­rungs­pro­jekt ja oder nein? Punkt. Schluss.

Diese Frage könnte dem­nächst nicht per Tele­fon, son­dern via Stimm­zet­tel beant­wor­tet wer­den. Stadt­rats­prä­si­den­tin Ruth Ten­nen­baum und vier wei­tere Mit­glie­der des Stadt­rats ver­lan­gen näm­lich mit einer dring­li­chen Motion, die sie im Novem­ber ein­ge­reicht haben, eine mög­lichst bal­dige Kon­sul­ta­tiv­ab­stim­mung über den West­ast.

Diese Abstim­mung hätte zwar für die Auto­bahn­bauer keine bin­dende Wir­kung. Es darf aber davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass weder das ASTRA noch der Kan­ton gegen den Wil­len der Bevöl­ke­rungs­mehr­heit vor­ge­hen wird.

Umso wich­ti­ger ist, dass die Frage bei der Kon­sul­ta­tiv­ab­stim­mung ein­deu­tig und rich­tig gestellt wird. Kein Wunsch­kon­zert mit der Aus­wahl «WEST­ASTof­fi­zi­ell» oder  «WEST­AST-so-bes­ser» oder «WEST­ASTva­ri­ante XYZ». Bevor man über irgend­wel­che ande­ren Vari­an­ten dis­ku­tie­ren kann, braucht es einen kla­ren Grund­satz­ent­scheid. Beim zu erwar­ten­den Nein liegt der Ball wie­der bei der Poli­tik, die – in Zusam­men­ar­beit mit der inter­es­sier­ten Bevöl­ke­rung – zeit­ge­mässe, akzep­ta­ble Kon­zepte prä­sen­tie­ren soll.

Die Frage bei einer all­fäl­li­gen Kon­sul­ta­tiv­ab­stim­mung lau­tet daher klar und sim­pel: Wollt ihr das Aus­füh­rungs­pro­jekt «A5-West­um­fah­rung Biel» – JA oder NEIN?

 

 


 

 

OST­AST SCHAFFT WEST­AST AB

Ende Okto­ber 2018 wur­den die Resul­tate der Ver­kehrs­zäh­lun­gen, die seit der Ost­ast-Eröff­nung erho­ben wur­den, publik. Sie bestä­ti­gen, was Beob­ach­te­rIn­nen schon lange fest­ge­stellt haben: Das pro­gnos­ti­zierte Ver­kehrs­chaos im Bereich der geplan­ten West­ast-Auto­bahn ist aus­ge­blie­ben.

Mehr noch: Statt der ange­droh­ten Mehr­be­las­tung hat sogar auf dem Guido-Mül­ler-Platz, auf der Länd­te­strasse oder im Stedtli Nidau die Zahl der an einem durch­schnitt­li­chen Werk­tag gezähl­ten Fahr­zeuge abge­nom­men, wie der heute im Bie­ler Tag­blatt publi­zier­ten Tabelle zu ent­neh­men ist.

Dar­aus zie­hen wir zwei Schlüsse:

1. Die vor der Ost­ast-Eröff­nung erstell­ten Ver­kehrs­pro­gno­sen waren dane­ben: Die von den Auto­bahn­be­für­wor­tern her­auf­be­schwo­re­nen Chaos-Sze­na­rien sind aus­ge­blie­ben. Das den Berech­nun­gen zugrunde lie­gende Modell geht von fal­schen Annah­men aus. Mit dem glei­chen Modell soll auch der Bau des West­asts gerecht­fer­tigt wer­den.

2. Der West­ast ist defi­ni­tiv über­flüs­sig – in der Region Biel braucht es keine wei­te­ren Stras­sen­ka­pa­zi­tä­ten. Die Ver­kehrs­si­tua­tion kann und muss wei­ter opti­miert wer­den durch die Umset­zung der noch aus­ste­hen­den flan­kie­ren­den Mass­nah­men sowie wei­te­rer Len­kungs­mass­nah­men und Ver­bes­se­run­gen beim ÖV und für den Fuss- und Velover­kehr.

Nicht nur Biel, auch die umlie­gen­den Gemein­den pro­fi­tie­ren lang­fris­tig von einem Ver­zicht auf den West­ast! Eine zukunfts­fä­hige Ent­wick­lung der Region trägt der Land­schaft Sorge. Denn fest steht: Der Ost­ast bringt zwar Ent­las­tung für die Stadt und dar­über hin­aus – doch schön und men­schen­freund­lich ist auch die­ses Infra­struk­tur­bau­werk nicht. Dazu Marc Meich­try, Gemein­de­prä­si­dent von Brügg gegen­über dem Bie­ler Tag­blatt: «Wenn man dem Brüg­ger Wald­rand ent­lang spa­ziert, dann sieht man den mas­si­ven Ein­schnitt in die Natur. Bis weit in den Wald hin­ein ist das Rau­schen der Auto­bahn zu hören.»

Des­halb gilt es nun mit allen Mit­teln, den unnö­ti­gen, zer­stö­re­ri­schen West­ast zu ver­hin­dern! 

 

 


 

 

ÜBUNGS­AB­BRUCH!

 

In ihrer Medi­en­mit­tei­lung vom 8. Okto­ber 2018 bringt es die SL auf den Punkt: «Die amt­li­che West­ast-Vari­ante ist in gros­sen Tei­len der Bevöl­ke­rung nicht akzep­tiert und aus Umwelt­sicht auch nicht bewil­li­gungs­fä­hig.» Sie schlägt des­halb vor, «ein ‹Reset› in Form einer par­ti­zi­pa­ti­ven, zukunfts­ge­rich­te­ten Ver­kehrs­pla­nung zu star­ten, die der Bevöl­ke­rung und dem Stadt­bild gerech­ter wird.»

WEI­TER­LE­SEN

 

 


 

 

KÄMP­FEN LOHNT SICH!

Marc Meich­try, Gemein­de­prä­si­dent von Brügg, wurde vor vier Jah­ren nicht zuletzt dank sei­nes lang­jäh­ri­gen Enga­ge­ments gegen das erste Ost­astpro­jekt gewählt. Zur Erin­ne­rung: Die ursprüng­lich im Brügg­moos geplan­ten Auto­bahn­an­schluss­bau­ten waren noch wesent­lich grös­ser dimen­sio­niert und hät­ten die betrof­fe­nen Gemein­den noch viel stär­ker beein­träch­tigt, als dies mit dem heu­ti­gen, auch nicht gerade dis­kre­ten, Bau­werk der Fall ist.

«Wir haben Unter­schrif­ten gesam­melt. Als wir Ein­spra­che ein­ge­legt haben, war die Aus­gangs­lage die glei­che wie jetzt beim West­ast. Das Aus­füh­rungs­pro­jekt lag bereits auf, als wir sag­ten: so nicht. Und dann wurde es neu geplant», berich­tet Meich­try im heu­ti­gen Bie­ler Tag­blatt und ermu­tigt die West­astgeg­ne­rIn­nen: «Es ist nie zu spät. Was da in Biel geplant ist, ist genauso über­di­men­sio­niert, wie das Pro­jekt damals in Brügg.»

Das voll­stän­dige Inter­view im Bie­ler Tag­blatt:

kli­cken und lesen

 


 

 

BIEL WAR WIE­DER LAUT!

 

Anläss­lich der Medi­en­prä­sen­ta­tion pro­tes­tier­ten rund 350 Men­schen laut­stark vor dem Ein­gang des Kon­gress­hau­ses gegen den ein­sei­ti­gen «Ver­gleich» zuguns­ten des Aus­füh­rungs­pro­jekts für den A5-West­ast durch Biel.

Immer­hin: Am Schluss der Ver­an­stal­tung zeigte sich Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus gesprächs­be­reit – und stellte sich der Dis­kus­sion mit den besorg­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­gern. Es bleibt zu hof­fen, dass dies ein ers­ter Schritt war – und das Ganze nicht als Ali­bi­übung ver­san­det…

 

klick den Film!      CON­CERTO FÜR REGIE­RUNGS­RAT NEU­HAUS

 


 

 

DIE PRO­TEST­SONGS
GEGEN DAS AUTO­BAHN­PRO­JEKT

Zwei Songs, eine Mes­sage: Vor einer Woche die Urauf­füh­rung an der  TAVO­LATA STOPP WEST­AST – und nun auch zum Nach­hö­ren und Mit­sin­gen: Jetzt hat die Wider­standts­be­we­gung gegen die Westastau­to­bahn auch zwei Pro­test­lie­der!

Wir durf­ten die bei­den Kon­zerte von Los Her­ma­nos Per­di­dos und Stu­deyeah mit­schnei­den – hier das Resul­tat:

 

 

Los Her­ma­nos Per­di­dos klei­de­ten mit ihrem neuen Song «Keni Autos ir Stadt» den Pro­test gegen die Domi­nanz des moto­ri­sier­ten Ver­kehrs in mit­reis­sende Musik. Und Stu­deyeah prä­sen­tier­ten mit «West­ast so nicht – Null­va­ri­ante» eben­falls einen Pro­test­song mit Hit­po­ten­zial…

 

 


 

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ASTRA ÜBER­HOLT SATIRE!

Ob’s an der Hitze liegt? – In der NZZ am Sonn­tag vom 29. Juli, und als saure Gurke sofort von allen Medien dank­bar auf­ge­nom­men: «Bund prüft dop­pel­stö­ckige Auto­bah­nen».

Der Grund: Laut Astra-Direk­tor Jürg Röth­lis­ber­ger lei­den Auto­fah­re­rIn­nen in der Schweiz unter zu viel Stau, ihre Geduld werde über Gebüh­ren stra­pa­ziert. Laut Sta­tis­tik gab es  2017 auf Schwei­zer Auto­bah­nen ins­ge­samt 26’000 Stau­stun­den. Bricht man diese grosse Zahl jedoch auf die 6,1 in der Schweiz imma­tri­ku­lier­ten Motor­fahr­zeuge hin­un­ter, ergibt sich pro Fahr­zeug gerade noch eine Stau­zeit von 15,34 Sekun­den – pro Jahr!

Doch Röth­lis­ber­ger sorgt sich um seine Kund­schaft und führt ins Feld, auch Auto­fah­re­rIn­nen hät­ten – gleich wie Bahn­fah­re­rIn­nen – ein «Anrecht auf ver­läss­li­che Ver­bin­dun­gen».  

Des­halb sol­len in nicht allzu fer­ner Zukunft wei­tere Stras­sen­ka­pa­zi­tä­ten geschaf­fen wer­den. Etwa mit dem Bau einer vier­ten(!) Röhre am Bar­egg – womit das Astra die wil­des­ten Vor­stel­lun­gen der Sati­ri­ker rechts über­holt!

Aller­dings weiss Röth­lis­ber­ger sogar diese Gedan­ken­spiele noch zu top­pen: Mit der Aus­sicht auf einen neuen Tun­nel mit­ten durchs Mit­tel­land – und eben der ein­gangs erwähn­ten dop­pel­stö­cki­gen Ver­kehrs­füh­rung durchs Lim­mat­tal…

WEI­TER­LE­SEN

 

thumbnail of Schweizer Autobahn

 

NACH­TRAG:

Der Auto­bahn-Aus­bau­wahn des Astra-Direk­tors sorgt auch am Fol­ge­tag der Inter­view-Publi­ka­tion für Schlag­zei­len. Tame­dia-Bun­des­haus­re­dak­tor Mar­kus Brot­schi kon­tert in sei­nem lesens­wer­ten Kom­men­tar mit den Wor­ten: «Wer brei­tere Stras­sen baut, ern­tet noch mehr Ver­kehr» und weist dar­auf hin, dass die Ant­wort auf den Mobi­li­täts­drang nicht nur Beton sein könne… 

Der Kom­men­tar im TA vom 30.7.2018:

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INTER­VIEW MIT KURT ROH­NER:

GROSSE RESO­NANZ

 

«Meine Idee löst im See­land drei Pro­bleme», wurde der Bie­ler Archi­tekt und Raum­pla­ner Kurt Roh­ner im Sams­tags­in­ter­view vom 7. Juli im Bie­ler Tag­blatt zitiert. 

Seit über einem Jahr wird der Doyen der Raum­pla­nung im See­land nicht müde, einen run­den Tisch zu for­dern, um die Ver­kehrs­zu­kunft der Region neu zu dis­ku­tie­ren. Seit Jah­ren denkt und plant Kurt Roh­ner zudem an Alter­na­ti­ven zum stadt­zer­stö­re­ri­schen West­ast… Gut, dass seine Stimme nun end­lich auch vom Bie­ler Tag­blatt gehört und wei­ter ver­brei­tet wurde!

Viele haben das Inter­view gele­sen – letzte Woche war es in Biel immer wie­der Gesprächs­thema. Davon zeugt auch der heu­tige Leser­brief von Hans Erb, der auf inter­es­sante Aspekte hin­weist.

So schreibt er unter ande­rem: «Es sieht also so aus, als ob vor allem die sich gerne selbst der Weit­sicht rüh­mende Stöckli-Begleit­kom­mis­sion ihren Job lau­sig gemacht hat, und nicht die Pla­ner. Die dürf­ten nüäm­lich ein­fach geplant haben, was man ihnen auf Basis von 60er Jahre-Ideen vor­ge­ge­ben hat.»

 Und wei­ter: «Auch Roh­ners Alter­na­ti­ven zur Ver­kehrs­fürung See­vor­stadt – Brügg­moss sowie seine ‹kleine See­landt­an­gente› ver­die­nen es, noch­mals geprüft zu wer­den. ‹Das dau­ert vil zu lange und ist viel zu teuer› wird dann gerne als Argu­ment vor­ge­bracht. Echt jetzt? Mei­ner Mei­nung nach ist kein Preis zu hoch und keine Dauer zu lang, um Roh­ners im Inter­view geäus­ser­tes Motto ‹Gutes erhal­ten, Ver­bes­ser­ba­res ver­bes­sern, Irrever­si­bles mög­lichst ver­hin­dern› zu berück­sich­ti­gen.»

Der Leser­brief vom 16.7.2018:

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Jura-Ver­kehrs­kor­rek­tion 
Jetzt!

 
 

Mass­nahme Nr. 1

Ab 1.12.2020:

Fahr­ver­bot für Tran­sit-Schwer­ver­kehr über 7.5 Ton­nen auf der A5 zwi­schen Thielle und Stadt­grenze  Biel. 

 

Mass­nahme Nr. 2

Fer­tig­stel­lung Auto­bahn­ver­bin­dung A5-A1 zwi­schen Thielle und Ker­zers bis Ende 2028.

 

Mass­nahme Nr. 3

Rück­klas­sie­rung und Rück­bau A5 zwi­schen Thielle und Biel. Auf dem moder­ni­sier­ten Tras­see: Ein­rich­tung der gesamt­schwei­ze­risch ers­ten Test­stre­cke für selbst­fah­rende Elek­tro­fahr­zeuge bis 2023.

 

 


 

 

745 BÄUME
WOL­LEN DIE  FÄL­LEN

 

 

 

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LINK zu den Baum­ak­tio­nen vom Juni 2016

 


 

 

 

 


 

 

VER­EIN
«NETZ­WERK BIE­LER­SEE»
GEGEN A5-WEST­AST

 

Zur Auf­fri­schung: es gibt 100 gute Gründe gegen das Auto­bahn­pro­jekt aus dem letz­ten Jahr­hun­dert. Hier die Argu­mente des Ver­eins «Netz­werk Bie­ler­see».

 

 

 


 

 

aus dem Posi­ti­ons­pa­pier der Grün­li­be­ra­len Biel/Bienne:

A5-WEST­AST

 Die Grün­li­be­ra­len sind 
 grund­sätz­lich der Ansicht, 
 dass auf den A5-West­ast
ver­zich­tet wer­den sollte. 

Statt­des­sen soll ent­we­der eine unter­ir­di­sche Nord­um­fah­rung der Stadt Biel oder eine Vari­ante mit kom­plet­ter Stre­cken­füh­rung am Süd­ufer ange­strebt wer­den.

Die Stras­sen­füh­rung am nörd­li­chen See­ufer soll zwei­spu­rig umge­setzt wer­den. Das Gebiet am Süd­ufer soll mit­tels Port­tu­nel erschlos­sen wer­den.

Das Pro­blem mit dem inner­städ­ti­schen Ver­kehr soll nicht mit einer Umfah­rung, son­dern mit geeig­ne­ten Len­kungs­mass­nah­men wie Park-and-Ride oder einer geziel­ten Reduk­tion der Park­plätze gelöst wer­den.

Die vom Bund ange­strebte Lösung, der West­ast, birgt schwer­wie­gende Ein­bus­sen der Lebens­qua­li­tät in Wohn­quar­tie­ren.

Durch die grosse Anzahl an Anschlüs­sen im Stadt­ge­biet wird das Stadt­bild unwie­der­bring­lich zer­stört. Aus tech­ni­scher und stadt­pla­ne­ri­scher Sicht sind Teile des Bienne-Centre Anschlus­ses im Raum Mur­ten­stras­se/­Guido-Mül­ler-Platz kaum rea­li­sier­bar. Falls der West­ast den­noch beschlos­sen wird, unter­stüt­zen wir eine Vari­ante mit unter­ir­di­scher Lini­en­füh­rung und zwei Halb­an­schlüsse (An der Bern­strasse in Rich­tung Bern und im Gebiet See­vor­stadt in Rich­tung Neu­châ­tel).

 

 


 

 

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