POLI­TIK

PAR­TEI­PO­LI­TIK

 

 

 

SP BIEL:
RESO­LU­TION GEGEN
A5WESTAST

An der Mit­glie­der­ver­samm­lung der SP Gesamt­par­tei Stadt Biel vom 8. Novem­ber 2017 wurde mit gros­ser Mehr­heit eine Reso­lu­tion ver­ab­schie­det, mit der die Par­tei einen Marsch­halt in Sachen A5-West­ast for­dert:

 

Die Sozi­al­de­mo­kra­ten spre­chen Klar­text!  

«Die SP Gesamt­par­tei der Stadt Biel lehnt das heu­tige Aus­füh­rungs­pro­jekt West­ast A5 mit zwei Auto­bahn­an­schlüs­sen (Biel Centre, See­vor­stadt) ab.(…) Die SP Gesamt­par­tei Stadt Biel unter­stützt das Komi­tee „West­ast so nicht!“ und alle ande­ren Akteure beim Erar­bei­ten einer sinn­vol­len Alter­na­tive zum heu­ti­gen Aus­füh­rungs­pro­jekt.»

Über das Ver­hält­nis der abge­ge­ben Stim­men pro und kon­tra A5-West­ast ist nichts bekannt, ebenso über die wahr­schein­li­che (Ent-) Hal­tung des Genos­sen Erich Fehr.

Wie alles begann: (wei­ter­le­sen)

 


 

 

NO COM­MENT

 

«Als Stadt­prä­si­dent einer stol­zen Indus­trie­stadt stelle ich immer wie­der fest, dass bei der ein­fa­chen Arbei­ter­schaft der Besitz eines Autos immer noch ein wich­ti­ges Sta­tus­sym­bol ist. Wer sich ein Auto leis­ten kann, hat es geschafft; so eine weit ver­brei­tete Über­zeu­gung. Der frei­wil­lige Ver­zicht auf ein Auto und der Besitz eines Gene­ral­abon­ne­ments sind eher Sym­bol höhe­rer Schich­ten aus dem Bil­dungs­bür­ger­tum.(..)

Es gibt immer wie­der Leute, wel­che davon aus­ge­hen, dass man den Auto­ver­kehr quasi per Dekret redu­zie­ren kann. Daran glaubt der Gemein­de­rat der Stadt Biel nicht.»

aus der Eröff­nungs­an­spra­che zum A5-Ost­ast, 27.10.2017

 

Ein­spruch oder doch eine Art Kom­men­tar:

«In der Tat: das Motor­fahr­zeug ist für den klei­nen Mann ein Sym­bol ver­meint­li­cher Frei­heit ( Frei­heit ver­stan­den als Mobi­li­tät). Je unfreier er wird, je unzu­kömm­li­cher die Wohn­ver­hält­nisse, Arbeits­wege, Arbeits­be­din­gun­gen, je ein­ge­eng­ter, abhän­gi­ger der Mensch schon von Kind­heit an leben muss, desto ver­zwei­fel­ter klam­mert er sich an die Schein­frei­heit sei­nes pri­va­ten Vehi­kels. Thema Nr. 1 des heu­ti­gen Klein­bür­gers ist des­halb immer wie­der das Auto, sind die Ver­kehrs­ver­hält­nisse, der Ärger über die Ver­kehrs­er­schwer­nisse und (man­gelnde) Park­plätze. Das Auto ist zum Opium des Vol­kes gewor­den, das die Bewusst­wer­dung der poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Ursa­chen unse­rer zuneh­men­den Unfrei­heit ver­ne­belt.»

Kurt Marti, Ber­ner Schrit­stel­ler-Pfar­rer, Noti­zen und Details, S.456

 

 

 


 

 

DIE GRÜNEN
UND DER A5-WEST­AST

 

mal so…

22.08.2017 Reso­lu­tion Dele­gier­ten­ver­samm­lung Grüne Kan­ton Bern

Mit dem A5-West­ast will der Kan­ton Bern erneut Ver­kehrs­pro­bleme mit neuen Stras­sen lösen. Ein Ansatz, der ins letzte Jahr­hun­dert gehört, denn unter­des­sen hat sich gezeigt: Wer Stras­sen sät, ern­tet Ver­kehr. (..)

Die Grü­nen for­dern daher in einer Reso­lu­tion ein­stim­mig die Ver­kehrs­wende im Kan­ton Bern. Die Ver­kehrs­wende bei der Mobi­li­tät folgt dem glei­chen Prin­zip wie die Ener­gie­wende: Ein­spa­rung, Effi­zi­enz und 100% Erneu­er­bar. Aus die­sem Grund leh­nen die Grü­nen Kan­ton den A5-West­ast in Biel ab und for­dern den Regie­rungs­rat auf, sich beim Bund für den Stopp des Pro­jekts ein­zu­set­zen (..)

 

mal so…

07.11.2017 Medi­en­mit­tei­lung Grüne des Kan­tons Bern

Die Grü­nen Kan­ton Bern begrüs­sen grund­sätz­lich den kon­struk­ti­ven Vor­schlag des Komi­tees „West­ast so nicht“. Der vor­ge­schla­gene zwei­spu­rige Tun­nel ohne inner­städ­ti­sche Anschlüsse, zusam­men mit der Sanie­rung der ober­ir­di­schen Strasse nach Ber­ner Modell löst viele Pro­bleme – wenn auch nicht alle.

Der Vor­schlag des Komi­tees «West­ast so nicht» ist jedoch ein akzep­ta­bler und umsetz­ba­rer Kom­pro­miss. Er wider­spricht nicht dem Netz­be­schluss und dem gene­rel­len Pro­jekt, hal­biert die Kos­ten und erhöht die Lebens­qua­li­tät in der Stadt.

 

mal so…

bis dato

 

Die grüne (?) Gemein­de­rä­tin distan­ziert sich immer noch nicht von der offi­zi­el­len Vari­ante. 

 

 


 

WIE WÄRE ES, WENN DIE BIE­LER STADT­RE­GIE­RUNG KÄMP­FEN WÜRDE

…für die Strei­chung der bei­den schäd­li­chen Auto­bahn-Anschlüsse Bienne Centre und See­vor­stadt?

…für Biel/Bienne als Modell­re­gion mit dem ers­ten erfolg­rei­chen Mobi­lity-Pri­cing-Pro­jekt  der Schweiz?

 

Die Stadt­re­gion Biel würde damit die Stadt­re­gion Bern über­flü­geln, den Ver­kehr um 15–20% redu­zie­ren und sich Ein­nah­men in drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­höhe ver­schaf­fen.

Damit könnte Biel end­lich einen moder­nen ÖV aus­bauen und allen Steu­er­zah­lern zusätz­lich einen all­jähr­li­chen Steu­er­bo­nus aus­zah­len. Das ist keine Fik­tion son­dern kan­to­nal­ber­nisch über­prüft, berech­net und hier nach­zu­le­sen: 

«Mit der Ein­füh­rung einer Stras­sen­be­nut­zungs­ab­gabe von 5 CHF pro Tag könnte eine Ver­kehrs­re­duk­tion von 15–20% erreicht wer­den. Dabei wür­den Net­to­ein­nah­men in der Höhe von über 200 Mio. CHF gene­riert, die für die Moder­ni­sie­rung der Ver­kehrs­in­fra­struk­tu­ren oder die Ent­las­tung der Steu­er­zah­ler ver­wen­det wer­den könn­ten.»

Kan­ton Bern et al.: Road­pri­cing in der Region Bern: Ver­kehr­li­che, finan­zi­elle und recht­li­che Aspekte 28. Februar 2012

Wann erwacht das Stadt­par­la­ment und macht der Bie­ler Stadt­re­gie­rung Beine?

 

Ende Sep­tem­ber 2017

NIDAU ZEIGT, WAS BIEL BRAUCHT

Noch immer scheint der Gemein­de­rat der Stadt Biel nicht rea­li­siert zu haben, um was es geht: Er hält am A5-West­ast fest, obschon sich die Bevöl­ke­rung immer lau­ter und stär­ker dage­gen wehrt – und obschon man unter Fach­leu­ten den Kopf schüt­telt über das Ansin­nen, im 21. Jahr­hun­dert so etwas über­haupt noch zu bauen.

Nichts­des­to­trotz betont der Gemein­de­rat in sei­ner Stel­lung­nahme Ende Sep­tem­ber 2017 noch immer, dass man ein­zig mit dem «Hoch­leis­tungs­stras­sen­netz» die Ver­kehrs­si­tua­tion in der Stadt Biel ver­bes­sern könne. Unver­dros­sen und ein­sam ver­tei­digt SP-Stadt­prä­si­dent Erich Fehr die ver­al­te­ten Pläne. Im Kurz­in­ter­view mit dem Jour­nal du Jura schwa­dro­niert er ein­mal mehr von angeb­li­chen «Ängs­ten» der Bevöl­ke­rung. Ohne zu hören oder ver­ste­hen zu wol­len, dass es wirk­lich hand­feste Argu­mente gibt, wes­halb der A5-West­ast so nicht gebaut wer­den darf.

Bei den Bie­ler Wah­len 2016 war der A5-West­ast bloss ein Thema am Rande. Doch dies hat sich in der Zwi­schen­zeit gewal­tig geän­dert. In drei Jah­ren wird in Biel wie­der gewählt. Spä­tes­tens dann kommt die Quit­tung – wie es am letz­ten Wochen­ende in Nidau gesche­hen ist.

Im tra­di­tio­nell bür­ger­li­chen Nidau haben die Grü­nen näm­lich drei zusätz­li­che Sitze erobert und stel­len künf­tig sechs der ins­ge­samt 30 Stadt­räte. – Die Grü­nen haben als ein­zige Par­tei klar und deut­lich kom­mu­ni­ziert, dass sie die A5-Westastau­to­bahn ableh­nen… Dies hat zu ihrem guten Wahl­re­sul­tat bei­getra­gen.

Doch auch aus ande­ren Par­teien wur­den einige neue Ver­tre­te­rIn­nen gewählt, die der A5-Westastau­to­bahn kri­tisch gegen­über­ste­hen, so zum Bei­spiel die SVP-Ver­tre­te­rin Ursula Win­geyer. Das Kräf­te­ver­hält­nis zuguns­ten der West­ast-Kri­ti­ke­rIn­nen hat sich aber fol­ge­rich­tig nicht nur im  Stadt­rat ver­scho­ben:

Plötz­lich gibt es im Nidauer Gemein­de­rat keine Mehr­heit mehr für das A5-Westat­pro­jekt, das von den Behör­den der bei­den Städte Biel und Nidau bis anhin gemein­sam gepusht wor­den ist!

Die bei­den frisch gewähl­ten SP-Gemein­de­räte Marc Eyer und San­dra Friedli haben sich im Vor­feld der Wah­len dezi­diert kri­tisch zum West­ast-Pro­jekt geäus­sert, das Glei­che gilt für den SVP-Gemein­de­rat Roland Lutz, wäh­rend sich Kurt Schwab (SP) im Nidauer Wahlomat nicht fest­le­gen wollte und eine «neu­trale Hal­tung» ver­kün­det hat. So blei­ben als Befür­wor­ter des Mons­ter­pro­jekts ein­zig Stadt­prä­si­den­tin San­dra Hess (FDP) und ihr Par­tei­kol­lege Mar­tin Fuh­rer sowie EVP-Gemein­de­rat Phil­ippe Mes­serli.

Im Klar­text:  In Nidau hat sich eine grosse Anzahl von Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern für West­ast-kri­ti­sche Kan­di­da­tIn­nen ent­schie­den.

Wahl­tag ist immer Zahl­tag. Auch in Biel. Dort dau­ert es noch drei Jahre, dann erhal­ten die Poli­ti­ke­rIn­nen die Quit­tung für ihre Leis­tun­gen. Gesprächs­ver­wei­ge­rung in Sachen A5-West­ast und das Nicht-ernst-neh­men der Bevöl­ke­rung wird fri­schen Wind in das Bie­ler Par­la­ment und ins Rat­haus brin­gen.

Die Demons­tra­tion vom 23.09.2017 war ein kla­res Zei­chen: Über 3000 Demons­trie­rende sind für Biel eine enorme Zahl! Wenn man bedenkt, dass hin­ter jeder demons­trie­ren­den Per­son meh­rere Per­so­nen ste­hen, die das Anlie­gen der Demons­tran­tIn­nen glei­cher­mas­sen unter­stüt­zen, aber (noch) nicht mit Trans­pa­ren­ten öffent­lich durch die Stras­sen zie­hen.

Die Demons­tra­tion war auch ein Gesprächs­an­ge­bot an die Behör­den. Lei­der wurde es nicht ange­nom­men.