FAK­TEN

 

 

FAK­TEN STATT GEPLAU­DER

In einem Monat – am 8. Februar 2019 will Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus am «Run­den Tisch» über das wei­tere Vor­ge­hen in Sachen West­ast dis­ku­tie­ren.

  • Was ist das Ziel?
  • Was sind die mög­li­chen Resul­tate die­ser Gesprä­che und des ange­kün­dig­ten «trans­pa­ren­ten und par­ti­zi­pa­ti­ven Ver­fah­rens»?
  • Was sind die Chan­cen, wo lie­gen die Gefah­ren?
  • Was heisst der ange­kün­digte Pro­zess für die direkt betrof­fe­nen Eigen­tü­me­rIn­nen, für die Ein­spre­chen­den?
  • Wer ist Hans Wer­der, der «Mode­ra­tor des run­den Tischs»?

 

www.westast.ch legt Fak­ten auf den Tisch:

 

FAKT 1:

Was heisst Sis­tie­rung?

Im Vor­feld des run­den Tischs for­dern viele – so etwa der Gemein­de­rat der Stadt Biel oder das Komi­tee «West­ast so nicht» – eine Sis­tie­rung des Ein­spra­che- und Pla­nungs­ver­fah­rens. Auch Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus wünscht sich eine Sis­tie­rung des Auto­bahn­pro­jekts. Im Bie­ler Tag­blatt vom 22. Dezem­ber 2018 lässt er sich wie folgt zitie­ren: «Das wäre ehr­li­cher: Wir kön­nen nicht auf der einen Seite einen run­den Tisch abhal­ten und auf der ande­ren Seite vor­ge­ben, es sei nichts pas­siert und das Pro­jekt wei­ter­drü­cken.»

FAKT:

Vor­aus­set­zung für eine Sis­tie­rung ist, dass der Bau­herr – in die­sem Fall der Kan­ton Bern ­– beim Bun­des­amt für Umwelt, Ver­kehr und Kom­mu­ni­ka­tion UVEK einen ent­spre­chen­den Antrag stellt. Bis zum heu­ti­gen Datum ist dort aller­dings kein sol­cher ein­ge­gan­gen, wes­halb das A5-Bewil­li­gungs­fah­ren wei­ter­hin in den vor­ge­se­he­nen Bah­nen läuft.

Das heisst: Das Tief­bau­amt des Kan­tons Bern muss seine Stel­lung­nah­men zu den 650 Ein­spra­chen, die im Mai 2017 gegen den West­ast ein­ge­reicht wor­den sind, in den kom­men­den Wochen beim UVEK frist­ge­mäss ablie­fern. Des­sen Rechts­ab­tei­lung prüft anschlies­send die Ant­wor­ten und lei­tet diese an die Ein­spre­che­rIn­nen oder – wo ange­zeigt – an die invol­vier­ten Bun­des­äm­ter für deren Stel­lung­nah­men wei­ter.

Sobald aber der Kan­ton einen Antrag auf Sis­tie­rung stellt und die­ser gut­ge­heis­sen wird (was ange­sichts der aktu­el­len Situa­tion zu erwar­ten ist), stoppt das UVEK das lau­fende Ver­fah­ren für den Zeit­raum der bean­trag­ten Sis­tie­rung. Das heisst: Die vor­lie­gen­den Pläne des Aus­füh­rungs­pro­jekts wie auch die Ein­spra­chen behal­ten ihre Gül­tig­keit, sie sind ein­fach vor­läu­fig auf Eis gelegt.  

 

Der von Regie­rungs­rat Neu­haus ange­regte «trans­pa­rente, par­ti­zi­pa­tive Pro­zess» hat zum Ziel, im Gespräch Lösun­gen für die ver­fah­rene Situa­tion im Streit um die A5-Westastau­to­bahn in der Region Biel zu fin­den. Dabei gibt es nur zwei mög­li­che Resul­tate:

Ent­we­der kommt man auf­grund der Gesprä­che, Abklä­run­gen und Prü­fun­gen wäh­rend der Zeit der Sis­tie­rung zum Schluss, dass das aktu­elle West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekt nicht durch­set­zungs­fä­hig ist und des­halb abge­bro­chen wird – oder man nimmt das Ver­fah­ren an der Stelle wie­der auf, wo man es unter­bro­chen hat und ver­sucht allen­falls mit par­ti­zi­pa­tiv aus­ge­han­del­ten kos­me­ti­schen Ände­run­gen das offi­zi­elle Pro­jekt mit zwei inner­städ­ti­schen Anschlüs­sen wie­der in Fahrt zu brin­gen. Als Option könnte man sich etwa die Begrü­nung der Beton­schnei­sen-Wände mit CO2-kom­pen­sie­ren­der Pflan­zen­aus­wahl vor­stel­len, denn das Gene­relle Pro­jekt lässt prak­tisch kei­nen Spiel­raum für grund­sätz­li­che Abän­de­run­gen am Auto­bahn­pro­jekt zu.

Auf­grund der bis­he­ri­gen Erfah­run­gen besteht die Gefahr, dass die Behör­den nach den geplan­ten Debat­ten am «run­den Tisch» und der «Prü­fung» von Alter­na­ti­ven erneut auf das Aus­füh­rungs­pro­jekt zurück­grei­fen, um die­ses defi­ni­tiv durch­zu­drü­cken. So, wie es mit dem soge­nann­ten Fak­ten­check im letz­ten Jahr gelau­fen ist.

Anders würde sich die Situa­tion prä­sen­tie­ren, wenn der Kan­ton Bern beim UVEK den Abbruch der West­ast-Übung for­dern würde, wie dies im letz­ten Herbst u.a. die Stif­tung Land­schafts­schutz gefor­dert hatte: Damit wäre das aktu­elle Aus­füh­rungs­pro­jekt end­gül­tig vom Tisch.

 

FAKT 2: 

Alter­na­tive Stadt-Tran­sit-Vari­ante erfor­dert zwin­gend neues Gene­rel­les Pro­jekt

Gegen­über den Medien hat Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus wie­der­holt klar und deut­lich gesagt, die Auto­bahn werde nicht gegen den Wil­len der Bevöl­ke­rungs­mehr­heit gebaut, es gehe nicht darum, «das Aus­füh­rungs­pro­jekt um jeden Preis durch­zu­drü­cken.» Gleich­zei­tig betont der Bau­di­rek­tor mit Nach­druck, dass er den Bau der West­ast-Auto­bahn als rich­tig und not­wen­dig erachte und unter­stützt öffent­lich die von Ber­ner Wirt­schafts­krei­sen lan­cierte Peti­tion «Jetzt – A5 West­ast», die eine rasche Umset­zung des aktu­el­len Aus­füh­rungs­pro­jekts ver­langt.

Genauso wider­sprüch­lich ver­hält sich die Bie­ler Stadt­re­gie­rung, ange­führt von Stadt­prä­si­dent Erich Fehr: In ihrer Medi­en­mit­tei­lung begrüsste die Stadt am 21. Dezem­ber die Ankün­di­gung eines run­den Tischs, will aber eine zeit­li­che Beschrän­kung der Dis­kus­sio­nen, «damit die­ses Pro­jekt, das sich auch auf eine grosse Anzahl wei­te­rer Pro­jekte in der Stadt Biel aus­wirkt, nicht noch jah­re­lang ver­scho­ben wird.» Wie diese For­de­rung mit der von Fehr ins Spiel gebrach­ten erneu­ten Prü­fung einer See­landt­an­gente unter einen Hut zu brin­gen ist, bleibt offen.

Das Komi­tee «West­ast so nicht» begrüsste in sei­nem Com­mu­ni­qué, «dass jetzt doch noch ein Dia­log zur Gestal­tung eines stadt­ver­träg­li­chen A5-West­asts geführt wer­den soll» – und bekräf­tigte ein­mal mehr: «keine Anschlüsse im Stadt­zen­trum, also auch keine über­dach­ten Anschlüsse und auch nicht einen statt zwei Anschlüsse.»

 

FAKT:

Wesent­li­che Ände­run­gen am vor­lie­gen­den Pro­jekt füh­ren zwin­gend dazu, dass ein neues Gene­rel­les Pro­jekt erar­bei­tet und dem Bun­des­rat zur Geneh­mi­gung vor­ge­legt wer­den muss.

Das gilt ins­be­son­dere auch für den Bau einer Westastau­to­bahn ohne inner­städ­ti­sche Anschlüsse, wie das UVEK unmiss­ver­ständ­lich klar­stellt.

Das Glei­che gilt für andere wesent­li­che Modi­fi­ka­tio­nen am Aus­füh­rungs­pro­jekt, wie etwa die von Regie­rungs­rat Neu­haus ins Gespräch gebrachte Redi­men­sio­nie­rung des Voll­an­schlus­ses Bienne Centre in einen Halb­an­schluss – oder eine voll­stän­dige Über­de­ckung der Anschlüsse. Auch die Aus­ar­bei­tung einer alter­na­ti­ven neuen Stre­cken­füh­rung, wie dies bei der See­landt­an­gente der Fall wäre, erfor­dert ein neues – vom Bun­des­rat geneh­mig­tes – Gene­rel­les Pro­jekt.

Kurzum: Jeg­li­che Modi­fi­ka­tio­nen am Aus­füh­rungs­pro­jekt, die mehr als blosse Kos­me­tik beinhal­ten, füh­ren zum defi­ni­ti­ven Abbruch des aktu­el­len Ver­fah­rens.

 

Regie­rungs­rat Neu­haus hat die Sach­lage bereits im Sep­tem­ber letz­ten Jah­res auf den Punkt gebracht, als er sagte: «Ohne Anschlüsse braucht es ein neues Gene­rel­les Pro­jekt – das heisst: Zurück auf Feld 1.»

Daran führt kein Weg vor­bei, nur scheuen sich aktu­ell die meis­ten Player im See­land davor, das so deut­lich zu sagen. Warum?

Nach jah­re­lan­gem Her­um­fli­cken an einer letzt­end­lich unlös­ba­ren Auf­gabe, braucht es jetzt die­sen Befrei­ungs­schlag. Nur schon, um die momen­tane Blo­ckade zu durch­bre­chen – und den Weg für zeit­ge­mässe Lösun­gen zu öff­nen.

 

FAKT 3: 

Ent­eig­nungs­bann heisst nicht Ver­kaufs­ver­bot

Seit im April 2017 das West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekt im Rah­men des Ein­spra­che­ver­fah­rens öffent­lich auf­ge­legt wurde, sind all jene Häu­ser, die für die A5-Westastau­to­bahn abge­bro­chen wer­den müss­ten, mit einem Ent­eig­nungs­bann belegt.

Diese Lie­gen­schaf­ten könn­ten folg­lich – mit der Ein­t­eig­nungs­dro­hung im Genick – nur noch an den Kan­ton (=Bau­herr des A5-West­asts) ver­kauft wer­den, wird immer wie­der geklagt. Das stimmt aller­dings nur bedingt:

FAKT:

Eine Lie­gen­schaft, die unter Ent­eig­nungs­bann steht, kann sehr wohl saniert, umge­baut oder ver­kauft wer­den. Der Eigen­tü­mer, die Eigen­tü­me­rin muss jedoch für jeg­li­che Hand­lun­gen die ent­eig­nen­den Behör­den – im Fall des A5-West­ast den Kan­ton Bern – infor­mie­ren.

Beim Ver­kauf einer Lie­gen­schaft unter Ent­eig­nungs­bann wird letz­te­rer an den Käu­fer, die Käu­fe­rin über­tra­gen. Eine Lie­gen­schaft unter Ent­eig­nungs­bann lässt sich des­halb in der Regel nur zu einem stark redu­zier­ten Preis ver­kau­fen – wenn über­haupt. Eine Ent­schä­di­gung für Inves­ti­tio­nen, die nach Ver­fü­gung des Ent­eig­nungs­banns getä­tigt wer­den, kann im Falle einer tat­säch­li­chen Ent­eig­nung nicht gel­tend gemacht wer­den.

Wenn jemand seine Lie­gen­schaft im Ein­fluss­pe­ri­me­ter der geplan­ten West­ast-Auto­bahn ver­kauft, ver­fällt auch sein Ein­spra­che­recht. Wer jedoch recht­zei­tig eine Ein­spra­che ein­ge­reicht hat, kann diese an seine(n) Rechtsnachfolger/Rechtsnachfolgerin im Haus oder in der Woh­nung über­tra­gen. Somit ver­bleibt die Ein­spra­che unver­än­dert im Ver­fah­ren und wird von den neuen Mie­te­rIn­nen resp. Haus­be­sit­ze­rIn­nen wei­ter geführt. 

Gedan­ken­spiel: Stra­te­gisch gele­gene Lie­gen­schaf­ten könn­ten – etwa von der Stadt Biel oder vom Komi­tee  «West­ast so nicht» – zusam­men mit der vom bis­he­ri­gen Eigen­tü­mer ein­ge­reich­ten Ein­spra­che erwor­ben wer­den. Damit wür­den diese Lie­gen­schaf­ten vor­erst dem Zugriff des Ent­eig­ners ent­zo­gen und die Ein­spra­chen wür­den auf­recht erhal­ten und könn­ten auch wei­ter gezo­gen wer­den…

 

FAKT 4:  

Run­der Tisch (1) – Der Mode­ra­tor

Mit der Ein­la­dung zu einem «Run­den Tisch» und der Wahl des ehe­ma­li­gen UVEK-Gene­ral­se­kre­tärs und heu­ti­gen Prä­si­den­ten der Platt­form «Ave­nir Mobi­lité» Hans Wer­der als Mode­ra­tor, hat Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus eine neue Phase in der Aus­ein­an­der­set­zung um den A5-West­ast ein­ge­läu­tet.

Der Ex-UVEK-Gene­ral­se­kre­tär Wer­der gilt als umsich­ti­ger Len­ker und ist ein hoch­ka­rä­ti­ger Ver­kehrs­fach­mann. Von ver­schie­de­nen Sei­ten wer­den ihm hohe soziale Kom­pe­ten­zen und ein gros­ses Bewusst­sein für Nach­hal­tig­keit attes­tiert.

Aller­dings gibt es zu sei­ner neuen Rolle auch kri­ti­sche Stim­men. So wirft ein Kri­ti­ker ein: «Hans Wer­der ist nicht geeig­net als Gesprächs­lei­ter – er war zu lange zu Ver­kehrs- und Bun­des-nah und ist es immer noch.» In der Tat befasste sich der heute 73jährige Hans Wer­der prak­tisch wäh­rend sei­nes gan­zen Berufs­le­bens mit Ver­kehrs­fra­gen.

FAK­TEN:

Von 1987–1996 war Hans Wer­der Gene­ral­se­kre­tär der Bau-, Ver­kehrs- und Ener­gie­di­rek­tion des Kan­tons Bern. 1990 ent­schied sich diese – gegen den Wil­len der Stadt Biel – für die soge­nannte Süd­um­fah­rung von Biel mit dem Ost- und dem West­ast.

1996–2010 amtete Wer­der – unter Bun­des­rat Moritz Leu­en­ber­ger – als Gene­ral­se­kre­tär des UVEK.

1997 ver­wei­gerte Bun­des­rat Leu­en­ber­ger dem dama­li­gen Gene­rel­len Pro­jekt für den West­ast die Zustim­mung und ver­langte zusätz­li­che Abklä­run­gen über die Mach­bar­keit einer See­landt­an­gente. Ohne Erfolg, wie er sich 2017 erin­nerte: «Der Vor­schlag führte indes zu Pro­tes­ten, nicht nur von den Seeländer(-innen), son­dern auch inner­halb der Ver­wal­tung.»

Hans Wer­der sitzt im Ver­wal­tungs­rat der BLS AG sowie seit 2011 im Ver­wal­tungs­rat der Swiss­com AG.

Wer­der ist zudem Prä­si­dent und Grün­dungs­mit­glied der «Dia­log-Platt­form Ave­nir Mobi­lité». In deren Vor­stand sind u.a. auch ASTRA-Direk­tor Jürg Röth­lis­ber­ger ver­tre­ten sowie Ben­ja­min Witt­wer, Direk­tor der Dach­or­ga­ni­sa­tion der Schwei­zer Bau­wirt­schaft bau­en­schweiz und wei­tere Wirt­schafts- und Behör­den­ver­tre­te­rIn­nen.https://www.zukunft-mobilitaet.ch/ueber-uns/vorstandsmitglieder 

In Bezug auf die West­ast-Pla­nung in den 1990er Jah­ren und danach hielt Hans Wer­der im Som­mer 2017 fest: «Als Gene­ral­se­kre­tär des UVEK habe ich mich nicht seriös mit die­sem Pro­jekt befasst, denn das ASTRA ist eines von sie­ben UVEK-Ämtern und die Umfah­rung Biel war eines von vie­len Stras­sen­pro­jek­ten. Die Feder­füh­rung für das Pro­jekt lag klar beim ASTRA und beim Kan­ton Bern. Ich mag mich ein­zig daran erin­nern, dass das Pro­jekt Biel extrem lang­sam voran kam und zeit­lich immer wie­der hin­aus­ge­scho­ben wurde, weil man sich nicht auf eine Lini­en­füh­rung eini­gen konnte. Da der Kno­ten Biel aus natio­na­ler Sicht keine zen­trale stra­te­gi­sche Bedeu­tung hatte, war diese Ver­spä­tung zwar ärger­lich, aber gesamt­schwei­ze­risch nicht von gros­sem Belang.»

Ab dem 8. Februar 2019 liegt die Lei­tung des Run­den Tischs in Wer­ders Hän­den. Er wird ihn – im Rah­men des vom Kan­ton Bern vor­ge­ge­be­nen Zeit- und Kos­ten­rah­mens – sel­ber orga­ni­sie­ren.

Zur­zeit ist völ­lig unklar, ob am Ende die­ses «ergeb­nis­of­fe­nen» Pro­zes­ses über­haupt ein Ergeb­nis erzielt wird. Und was die­ses Ergeb­nis oder Nicht­er­geb­nis für Aus­wir­kun­gen auf das aktu­elle Auto­bahn­pro­jekt hat: Wei­ter wie geplant oder Übungs­ab­bruch mit Neu­an­fang? – Ent­we­der oder…

 

FAKT 5: 

Run­der Tisch (2) – Die Ein­ge­la­de­nen

Gleich nach dem Tref­fen der Behör­den­de­le­ga­tion zum A5-West­ast vom 21. Dezem­ber 2018, ver­schickte Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus per Mail die Ein­la­dun­gen zum «Run­den Tisch».

Ein­ge­la­den wur­den 22 Orga­ni­sa­tio­nen und Gemein­den für einen zwei­stün­di­gen run­den Tisch am Frei­tag, 8. Februar 2019. Ziel die­ses Tref­fens: In einem ers­ten Schritt soll bestimmt wer­den, wie der ange­strebte «trans­pa­rente, par­ti­zi­pa­tive Pro­zess» aus­se­hen könnte, der den Weg zu einer Lösung im A5-West­astkon­flikt ebnen soll.

Auf Sei­ten der Befür­wor­te­rIn­nen des aktu­el­len Aus­füh­rungs­pro­jekt wur­den der TCS Sek­tion Biel-See­land ein­ge­la­den, sowie die Wirt­schafts­kam­mer Biel-See­land WISB, der Han­dels- und Indus­trie­ver­ein des Kan­tons Bern und die Ber­ner KMU, PME Ber­noi­ses. Diese drei Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen hat­ten im letz­ten Novem­ber die Platt­form «Jetzt – A5-West­ast» gegrün­det und eine Peti­tion lan­ciert, mit der sie die rasche Umset­zung des vor­lie­gen­den Pro­jekts ver­lan­gen. Eben­falls an den run­den Tisch ein­ge­la­den ist das bereits seit Jah­ren bestehende Komi­tee «Pro West­ast», wo u.a. TCS-Prä­si­dent und FDP-Stadt­rat Peter Boh­nen­blust und FDP-Gross­rat Peter Moser als Co-Prä­si­den­ten figu­rie­ren.

Die­ses Komi­tee setzt sich eben­falls für eine «rasche Rea­li­sie­rung der A5-West­um­fah­rung» ein – und hält in sei­nem Leit­bild zudem fest, es sei als «Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­tion der 1991 gegrün­de­ten Koor­di­na­ti­ons­kon­fe­renz zu ver­ste­hen.» – Eine Rolle, die wohl keine der ein­ge­la­de­nen Orga­ni­sa­tio­nen für sich alleine bean­spru­chen dürfte! Sol­che Ansa­gen las­sen wenig Spiel­raum für die ange­strebte ergeb­nis­of­fene Dis­kus­sion am Run­den Tisch…

Auf Sei­ten der Geg­ne­rIn­nen des Aus­füh­rungs­pro­jekts sind ins­ge­samt 12 Orga­ni­sa­tio­nen ein­ge­la­den: Nebst dem Komi­tee «West­ast so nicht!» die IG «Häb Sorg zur Stadt» sowie die Ver­eine «Biel notre Amour», «Biel wird laut!», «Gruppe S» und «LQV» – sie alle wur­den gegrün­det, um die dro­hende Stadt­zer­stö­rung durch die Auto­bahn zu bekämp­fen. Unter­stützt wer­den sie vom Ber­ner Hei­mat­schutz, der Stif­tung «Land­schafts­schutz Schweiz SLS», dem «Ver­kehrs­club der Schweiz VCS», «Pro Velo», «Pro Natura» und «Fuss­ver­kehr Schweiz».

Auch ein­ge­la­den sind zudem Ver­tre­te­rIn­nen der Gemein­den Biel, Nidau, Port und Ipsach sowie der Ver­ein «seeland.biel/bienne».

FAK­TEN:

Am Frei­tag, 8. Februar fin­det in der Aula der Weid­teile-Schule in Nidau das erste Tref­fen des von Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus initi­ier­ten Runde Tischs statt. Ein­ge­la­den sind 22 Dele­ga­tio­nen, dar­un­ter Inter­es­sen­grup­pen und betrof­fene Gemein­den.

Die Zahl der Teil­neh­men­den pro Orga­ni­sa­tion ist auf je zwei limi­tiert. Schi­cken alle Ein­ge­la­de­nen zwei Ver­tre­te­rIn­nen, ergibt dies eine sehr grosse Tisch­runde von rund 50 Teil­neh­men­den.

Der Runde Tisch vom 8. Februar ist der Auf­takt zu einem «trans­pa­ren­ten, par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zess», des­sen Ziel eine Lösung in Sachen A5-West­ast ist.

Mode­riert wird der Pro­zess vom ehe­ma­li­gen UVEK-Gene­ral­se­kre­tär Hans Wer­der.

Regie­rungs­rat Neu­haus wünscht einen «ergeb­nis­of­fe­nen Pro­zess». Der Kan­ton setzt einen finan­zi­el­len wie zeit­li­chen Rah­men, will die­sen aber fle­xi­bel hal­ten.

Was auf­fällt: Die Gemeinde Twann-Tüscherz, die vom geplan­ten A5-West­ast stark betrof­fen wäre – u.a. weil auf deren Boden das West­por­tal des Vin­g­el­z­tun­nels gebaut wer­den soll – wurde für den 8. Februar nicht ein­ge­la­den. Auch die Gemeinde Brügg, die eben­falls vom Bau des West­asts betrof­fen ist, figu­riert nicht auf dem Ein­la­dungs­ver­tei­ler.

Dies erstaunt. Zu hof­fen, ist, dass im Lauf des Pro­zes­ses alle Betrof­fe­nen die Mög­lich­keit haben, mit­zu­den­ken, sich ein­zu­brin­gen und gehört zu wer­den. Über die bereits ein­ge­la­de­nen Orga­ni­sa­tio­nen und Gemein­den hin­aus gibt es zudem eine Reihe von enga­gier­ten Ein­zel­per­so­nen und wei­te­ren Grup­pie­run­gen, die ange­hört und mit ein­ge­zo­gen wer­den soll­ten. Dies nicht zuletzt, weil sie  den Pro­zess wei­ter befruch­ten könn­ten. Dazu gehö­ren etwa Kurt Roh­ner und seine Vision einer Kom­bi­na­tion von Stras­sen­bau und Jura­ge­wäs­ser­kor­rek­tion – vor allem aber auch Ver­tre­te­rIn­nen der jun­gen Genera­tion, die bis­her in Sachen A5-West­ast noch kaum zu Wort gekom­men sind. Immer­hin geht es um ihre Zukunft…

 

FAKT 6: Wo der Abbruch­ham­mer droht

Das aktu­elle Aus­füh­rungs­pro­jekt für den A5-West­ast droht ganze Quar­tiere in Biel, Nidau und Port für immer zu zer­stö­ren.

Zahl­rei­che Par­zel­len und Lie­gen­schaf­ten, die im Pla­nungs­pe­ri­me­ter der geplan­ten Auto­bahn lie­gen, hat der Kan­ton Bern in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren bereits erwor­ben. – Es gibt aber nach wie vor auch zahl­rei­che Eigen­tü­me­rIn­nen, die sich gegen die Zer­stö­rung ihrer Lie­gen­schaf­ten zur Wehr set­zen und gegen die dro­hende Ent­eig­nung Ein­spra­che erho­ben haben.  

FAKT:  

Über 100 Lie­gen­schaf­ten – dar­un­ter zahl­rei­che statt­li­che Wohn- und Geschäfts­häu­ser sowie denk­mal­ge­schützte Gebäude – sind von der Zer­stö­rung bedroht:

Im Peri­me­ter des Halb­an­schlus­ses City droht rund 60 Häu­sern der Abbruch­ham­mer – u.a. dem gesam­ten Wyden­au­quar­tier mit dem Maschi­nen­mu­seum Mül­ler, das einem Bau­stel­len-Instal­la­ti­ons­platz wei­chen soll. Wo für der Halb­an­schluss See­vor­stadt eine tiefe Schneise geplant ist, steht heute u.a. das als «schüt­zens­wert» qua­li­fi­zierte eins­tige Gast­haus «zum Schiff»,  Bau­jahr 1814.

Dem Voll­an­schluss Bienne-Centre sol­len rund 30 Gebäude wei­chen, dar­un­ter ver­schie­dene erhal­tens­werte Lie­gen­schaf­ten im idyl­li­schen Gurn­igel­quar­tier sowie die unter Denk­mal­schutz ste­hen­den ehe­ma­li­gen GM-Lager­hal­len, deren Umnut­zung für die BBZ Biel 2016 mit dem «Prix Enga­ge­ment Eco­no­mi­que» aus­ge­zeich­net wor­den ist

Dem Teil­pro­jekt Weid­teile müss­ten 10 Gebäude wei­chen, und der Zubrin­ger rech­tes Bie­ler­see­ufer erfor­dert in Port den Abbruch von ca zehn wei­te­ren Gebäu­den.

ABBRUCH­OB­JEKTE (Aus­wahl):

Ins­ge­samt plant der Staat, für den Bau der A5-Westastau­to­bahn, 864’576 Qua­drat­me­ter Boden dau­er­haft erwer­ben*:

Ver­gleichs­grösse:  Fuss­bal­feld Tisso­tArena = 7’140 Qua­drat­me­ter

  • Für den Vin­g­el­z­tun­nel in Twann und Biel 26’524 Qua­drat­me­ter
  • Für den Halb­an­schluss mit City-Tun­nel in Biel 106’371 Qua­drat­me­ter – sowie zusätz­li­che 49’534 Qua­drat­me­ter vor­über­ge­hend, für Bau­stel­len­instala­tio­nen.
  • Für den Voll­an­schluss Bienne-Centre in Nidau und Biel 61’402 Qua­drat­me­ter – sowie zusätz­li­che 38’689 Qua­drat­me­ter vor­über­ge­hend
  • Für den Abschnitt Weid­teile in Biel und Nidau 73’389 Qua­drat­me­ter
  • Für den Zubrin­ger rech­tes Bie­ler­see­ufer mit Port­tun­nel in Ipsach, Nidau, Port und Brügg 71’773 Qua­drat­me­ter – sowie auch hier grosse Flä­chen vor­über­ge­hend, nament­lich in Brügg und Port.
  • Am meis­ten Platz bean­spru­chen mit 525’117 Qua­drat­me­tern die Depo­nien für das Aus­hub­ma­te­rial in Leu­zi­gen und Brügg (= 73(!) Fuss­ball­plätze wie Tisso­tArena).

*Quelle: Tech­ni­scher Bericht Aus­füh­rungs­pro­jekt vom 30.9.2016

 

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FAKT 7:

Sala­mi­tak­tik am Nord­ufer

 

Nächste Folge:

FAKT 8 Netz­be­schluss nicht sakro­sankt