ALTER­NA­TI­VEN ZUM WEST­AST

 

ALTER­NA­TI­VEN

 

LÖSUNG STATT LOCH

Man­che bezeich­nen das Quar­tier öst­lich des Bie­ler Bahn­hofs als «Unort». Des­halb sei es kein Ver­lust, so ver­kün­den man­che Poli­ti­ker, dass dort, wo die Biel-Täuf­fe­len-Ins-Bahn am ehe­ma­li­gen Schlacht­haus vor­bei Rich­tung Nidau fährt,  der mons­tröse Auto­bahn­an­schluss Biel-Centre gebaut wer­den soll.

Die­ses wert­volle Areal in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Bahn­hof könnte aber auch anders – sinn­voll und nach­hal­tig – genutzt wer­den: Als Bus­bahn­hof!

 


 

ÜBER DEN
BIE­LER TEL­LER­RAND
HIN­AUS

 

©Patrick Gas­s­mann

«Ich finde es extrem wich­tig ALLE Alter­na­ti­ven zum offi­zi­el­len Pro­jekt auf­zu­zei­gen. Vor­erst ein­fach um Denk­fes­seln zu spren­gen und spä­ter um die Dis­kus­sio­nen mit zusätz­li­chen Ideen zu belie­fern.»

 


 

A5-DIRECT

wider die A5-Hor­noch­sen­route

©Leo Hor­la­cher

 

 


 


Ver­sion française

©Didier Bar­det

 

 


 

KLEINE SEE­LAND­TAN­GENTE

©Kurt Roh­ner

 


 

 

WEST­AST SO BES­SER
©Pro­jekt­gruppe «West­ast so nicht!»

 


 

LEN­KEN
STATT WEST­AST BAUEN

©com­mon sense

Lesen Sie hier wie:

 


 

DEUX ALTER­NA­TI­VES
©Oli­vier Cor­tat

 

 


A5-WEST­AST
©Pro­jekt Kan­ton Bern

 


 

KLICKS STATT BRICKS

DAS INTER­VIEW ZUR ZUKUNFT DER MOBI­LI­TÄT:

Photo by Vanessa Pün­te­ner

In der Stadt der Zukunft braucht es keine Park­plätze mehr und viel weni­ger Autos. Mög­lich wird dies dank selbst­fah­ren­der Fahr­zeuge. Im gros­sen Zukunfts-Inter­view zeigt der Ver­kehrs­for­scher Tho­mas Sau­ter-Ser­vaes, wie Geld und Krea­ti­vi­tät in die «neue Mobi­li­tät» inves­tiert wer­den könn­ten, und wes­halb auf Beton­lö­sun­gen ver­zich­tet wer­den sollte:

Tho­mas Sau­ter-Ser­vaes: Die Grund­frage ist: Wie pla­nen wir in der Poli­tik? Man kann, basie­rend auf dem aktu­el­len Ver­kehr, eine Hoch­rech­nung machen und zum Schluss kom­men, dass es mehr Kapa­zi­tä­ten braucht. Oder aber man fragt sich, was für eine Mobi­li­tät man 2030 oder 2035 haben will – und wie man die­ses Ziel errei­chen könnte. – Etwa, indem wir statt auf die alte Beton­lö­sung auf «Klicks statt Bricks» set­zen.

GN: Was heisst das kon­kret?

Tho­mas Sau­ter-Ser­vaes: Staus sind in ers­ter Linie ein Aus­las­tungs­pro­blem: In der Haupt­ver­kehrs­zeit sit­zen im Durch­schnitt in jedem Fahr­zeug nur 1,1 Per­so­nen. Das könnte sich bald ändern: Wir wer­den in Zukunft mehr Digi­ta­li­sie­rung und mehr Robo­ter­tech­nik haben. Die Ent­wick­lung geht in Rich­tung auto­nome Fahr­zeuge, die man effi­zi­en­ter ein­set­zen kann. Zudem wer­den wir uns nicht mehr für alles phy­sisch von A nach B bewe­gen, son­dern einen Teil des heu­ti­gen Ver­kehrs vir­tu­ell abwi­ckeln.

(…)

Bis­her haben wir uns viel zu wenig mit der Frage befasst: Was wäre ein alter­na­ti­ves Mobi­li­täts­bild, ein alter­na­ti­ves Stadt­bild? Wir las­sen uns von Trends und Pro­gno­sen trei­ben, statt dass wir uns fra­gen: Wo wol­len wir hin? Was ist unsere Vision vom Leben 2040? – Davon aus­ge­hend müss­ten wir uns über­le­gen: Wie nut­zen wir die neuen Tech­no­lo­gien, um diese Vision zu errei­chen?

(…)

Dank der neuen Tech­no­lo­gien wer­den wir für den Ver­kehr weni­ger Flä­chen­be­darf haben. Für Lis­sa­bon etwa gibt es Berech­nun­gen, die zei­gen, dass das heu­tige Mobi­li­täts­vo­lu­men mit 10% der Autos abge­deckt wer­den kann: Dank selbst­fah­ren­der Fahr­zeuge, die gesha­red wer­den und nicht mehr in Ein­zel­be­sitz sind, kom­bi­niert mit star­ken ÖV-Ach­sen. Zudem braucht es keine Park­plätze mehr, so dass allein in der Innen­stadt von Lis­sa­bon Flä­chen in der Grösse von 210 Fuss­ball­fel­dern frei wer­den.

Diese frei wer­den­den Flä­chen müs­sen wir nut­zen, um die Auf­ent­halts­qua­li­tät im öffent­li­chen Raum sowie die Bedin­gun­gen für den «mus­kel­ge­trie­be­nen Ver­kehr» zu ver­bes­sern. Warum kön­nen heute zwei Leute im Auto geruh­sam neben­ein­an­der sit­zen und mit­ein­an­der reden? Als Fahr­rad­fah­rer ist mir das ver­wehrt. Da geht es keine drei Minu­ten, bis hin­ter mir einer hupt, wenn wir zu zweit neben­ein­an­der radeln. Zudem ist es ver­bo­ten und lebens­ge­fähr­lich. Obschon man diese Qua­li­tät doch gerade in jenem Ver­kehr anbie­ten müsste, der viel gesün­der ist, der weni­ger Abgase pro­du­ziert und zudem noch den Nah­raum stärkt. Das ist die Rich­tung, in die wir uns bewe­gen müs­sen.

 

Das Exklu­siv-Inter­view in vol­ler Länge

 


 

VIER STOSS­RICH­TUN­GEN

Der A5-Ost­ast ist eröff­net, in den kom­men­den Wochen und Mona­ten wer­den auch die Mass­nah­men zur Ver­kehrs­steue­rung umge­setzt. – Wäh­rend sich die zustän­di­gen Behör­den nun mit den all­seits erwar­te­ten Stau­si­tua­tio­nen und deren Um- und Ablei­tungs­sze­na­rien her­um­schla­gen, gilt es, vor­aus zu den­ken.

Und zwar intel­li­gent, demo­kra­tisch und inno­va­tiv – auf dass uns ein wei­te­res Chaos infolge Bau und Eröff­nung einer neuen unnö­ti­gen Auto­bahn (A5-West­ast) – dies­mal mit­ten durch die Stadt – erspart bleibt.

Die Behaup­tung, nur das sich gegen­wär­tig im Ein­spra­che­ver­fah­ren befind­li­che Pro­jekt komme für die Rea­li­sie­rung in Frage, ist schlicht falsch. Denn es gibt sehr wohl ver­schie­denste Mög­lich­kei­ten, wie die Ver­kehrs­pro­bleme der Stadt und Region Biel/Nidau ange­gan­gen wer­den kön­nen. Die Dro­hung, für neue Vari­an­ten und grund­le­gende Ver­bes­se­run­gen sei es zu spät, hat man frü­her schon gehört. Sie ist genauso hohl wie dumm.

Auf dem Tisch liegt bekannt­lich eine Anzahl von Vari­an­ten mit unter­schied­li­chen Ansät­zen und pro­gnos­ti­zier­ten Wir­kun­gen. Seit dem fata­len Ent­scheid der Arbeits­gruppe Stöckli im Jahr 2010, hat sich die jedoch Poli­tik gewei­gert, über Alter­na­ti­ven zu dis­ku­tie­ren.

Erst in den letz­ten Wochen sind die Ver­ant­wort­li­chen bei der Stadt und beim Kan­ton von die­ser Hal­tung abge­wi­chen – und haben – nicht ganz frei­wil­lig – Dis­kus­si­ons­be­reit­schaft signa­li­siert.

Diese Situa­tion sollte genutzt wer­den. Nicht für eine erneute Ent­we­der-Oder-Lösung. Son­dern dafür, dass die ver­schie­de­nen Vari­an­ten, die in den letz­ten Jah­ren von diver­sen enga­gier­ten Fach­leu­ten ent­wor­fen wur­den, end­lich genauer ange­schaut und gegen­ein­an­der abge­wo­gen wer­den. Dabei gilt es auch zu berück­sich­ti­gen, dass Ver­kehrs­pla­nung gross­räu­mig ange­gan­gen wer­den muss und nicht an den Stadt­gren­zen von Biel und Nidau halt­ma­chen darf.

Es braucht jetzt einen demo­kra­ti­schen, par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zess, der die­sen Namen ver­dient. Mit einer unab­hän­gi­gen, neu­tra­len Mode­ra­tion.

Genau genom­men sind es vier Stoss­rich­tun­gen, die auf dem Tisch lie­gen:

  1. Das Aus­füh­rungs­pro­jekt «A5-West­um­fah­rung Biel» mit den bei­den inner­städ­ti­schen Anschlüs­sen und vier­spu­ri­ger, offe­ner Ver­kehrs­füh­rung durchs Stadt­zen­trum. Die Fort­set­zung Rich­tung Bern (T6) sowie Rich­tung Neu­en­burg (A5) bleibt zwei­spu­rig.
  2. A5-West­ast – ohne inner­städ­ti­sche Auto­bahn­an­schlüsse – als durch­ge­hen­der Tun­nel im Gegen­ver­kehr, vom Brügg­moos bis Vin­g­elz.
  3. Kleine See­land­tan­gente: Ver­la­ge­rung der Haupt­achse Ost-West vom Bie­ler­see-Nord­ufer durchs Grosse Moos. Aus­bau der Ver­bin­dungs­stre­cke nach Thielle. Rück­bau der A5 am Bie­ler­see-Nord­ufer zwi­schen Thielle Biel/Kreisel Strand­bo­den, mit Fahr­ver­bot für Tran­sit­schwer­ver­kehr. LKWs über 7.5 t nur für die Lokal­ver­sor­gung zuge­las­sen.
  4. Len­ken statt aus­bauen: Gezielte Mass­nah­men zur Steue­rung des Ver­kehrs. Ein­rich­tung eines zukunfts­fä­hi­gen Ver­kehrs­re­gimes ohne Kapa­zi­täts­aus­bau.

Auf­grund der zahl- und umfang­rei­chen Ein­spra­chen rech­net man beim UVEK mit min­des­tens fünf Jah­ren, bis der Ent­scheid zum aktu­el­len Aus­füh­rungs­pro­jekt gefällt wer­den kann. Bis das Ganze juris­tisch abschlies­send behan­delt und bau­reif ist, könnte gar noch wesent­lich mehr Zeit ver­strei­chen.

Auch die Gemein­den Nidau und Biel haben umfang­rei­che Ein­spra­chen ein­ge­reicht. Dies zeigt: Das vor­lie­gende Pro­jekt befrie­digt eigent­lich nie­man­den. Ange­zeigt und ehr­li­cher wäre in die­ser Situa­tion eigent­lich Übungs­ab­bruch. Damit würde der Weg defi­ni­tiv frei für den oben skiz­zier­ten par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zess.

 


Wei­ter­füh­rende Texte zu den West­ast-Alter­na­ti­ven: