AKTIO­NEN

 

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STOPP WEST­ASTÜBER­ALL

 


 

 

 

POE­TI­SCHER PRO­TEST GEGEN
DIE WEST­AST-AUTO­BAHN

Das Gefühl, jemand beob­ach­tet dich. Ein Augen­paar folgt dir, wie du auf der Neu­en­burg­strasse stadt­aus­wärts radelst. Gesich­ter lachen dich an, auf dem Weg durchs Pas­quart in die Stadt. Bli­cke von allen Sei­ten, beim Über­que­ren des Kraut­ku­chen-Park­plat­zes…

Plötz­lich waren sie da, die Baum-Kobolde in der See­vor­stadt. Uner­war­tet, unge­ru­fen. Wie aus dem Nichts. Seit Ende Juli beob­ach­ten sie das Trei­ben der Men­schen. Und erin­nern uns daran, dass Bäume genauso leben­dige Wesen sind wie unser­eins. 

alle Fotos: © Rosanna Brom­ba­cher

 

Die Kobolde haben sich ihre Bäume gezielt aus­ge­wählt. Jeder Baum, der uns mit einem nach­denk­li­chen, fröh­li­chen, über­mü­ti­gen, ver­schmitz­ten, trau­ri­gen, fre­chen, geheim­nis­vol­len Baum­ge­sicht anschaut, ist bedroht. Vom A5-West­ast, dem man bekannt­lich – falls er tat­säch­lich gebaut würde – über 745 Stadt­bäume opfern würde.

Gut zwei Jahre ist es her, dass Akti­vis­tIn­nen all diese Bäume in Nidau und Biel mit Pla­ka­ten mar­kiert hat­ten, um die Bevöl­ke­rung auf den dro­hen­den Kahl­schlag auf­merk­sam zu machen. Diese Aktion hat damals auch Rosanna Brom­ba­cher bewegt. Und nicht mehr los­ge­las­sen.

Die junge Musik­leh­re­rin hat damals in Biel Rhyth­mik stu­diert – und ihr Herz an die Stadt ver­lo­ren.  Die West­astop­po­si­tion sei eine wich­tige Bewe­gung, sagt sie. Biel habe eine bes­sere Zukunft ver­dient, die nicht durch West­astbau­stel­len und die Auto­bahn zer­stört wer­den dürfe. Sie sei froh, um den Wider­stand gegen das Pro­jekt.  «Im Moment ist es aller­dings still gewor­den, um den West­ast – wahr­schein­lich, weil jetzt am Run­den Tisch ver­han­delt wird», ver­mu­tet die Wahl­bie­le­rin. Und ergänzt: «Obschon diese Ver­hand­lun­gen gut und wich­tig sind, ist es schade, dass es für die breite Bevöl­ke­rung den Anschein macht, als ob die West­ast-The­ma­tik ein­ge­schla­fen sei.»

Rosanna Brom­ba­cher ist eine Frau der lei­sen Töne. So suchte sie nach eige­nen Wegen, um den bedroh­ten Bäu­men erneut die not­wen­dige Auf­merk­sam­keit zu schen­ken.  «Eines Tages, als ich mit dem Fahr­rad der Allee von Vin­g­elz Rich­tung Biel ent­lang flitzte, kam die Idee, die­sen Bäu­men Gesich­ter zu geben», erin­nert sie sich. 

Fest stand für sie auch: Es wer­den Gesich­ter aus Lehm. Weil sich das Mate­rial wun­der­bar für die künst­le­ri­sche Gestal­tung eig­net. Aber auch, weil es die Bäume nicht ver­letzt, aus der Region stammt und voll­stän­dig bio­lo­gisch abbau­bar ist.

Freun­dIn­nen gefiel die Idee. So mach­ten sich an einem Nach­mit­tag in den Som­mer­fe­rien rund ein Dut­zend Akti­vis­tIn­nen an die Arbeit. Mit viel Hin­gabe hät­ten sie die Gesich­ter gestal­tet, man­che seien gar bis in den Abend hin­ein geblie­ben. Solange, bis die Lehm­kü­bel alle leer waren, erzählt Rosanna Brom­ba­cher.

Mit der Zeit wer­den Wind und Regen dafür sor­gen, dass die Baum­ge­sich­ter nach und nach ver­wit­tern und ver­schwin­den. Anders als die Bäume – dies die Hoff­nung und letzt­end­lich das Ziel die­ser Aktion.

Aktu­ell zei­gen die Bäume aber noch ihre Gesich­ter! – Des­halb die Emp­feh­lung für all jene, die noch nie einem Baum­ko­bold begeg­net sind und die Bli­cke der Baum­geis­ter nicht scheuen: Ein Spa­zier­gang ent­lang der Neu­en­burg­strasse, durch die See­vor­stadt und über den Kraut­ku­chen­park­platz lohnt sich…

Wei­tere Bil­der und ein Kurz­be­richt über die Aktion von Rosanna Brom­ba­cher unter: www.vision2035.ch

 

 


 

 

KAHL­SCHLAG UNTER DER PLA­TANE
oder
ORD­NUNG MUSS SEIN!

In den letz­ten Mona­ten ent­wi­ckelte sich am Gurn­igel­krei­sel – «hin­ter den sie­ben Glei­sen» – eine bunte Blu­men­pracht. An die­sem geschichts­träch­ti­gen Ort, an der Grenze zwi­schen Nidau und Biel, erblühte um den einst kah­len, häss­li­chen Schlacht­haus-Park­platz ein klei­ner, fei­ner Urban Gar­den.

Hum­meln und Bie­nen summ­ten um die Wette. Eine leben­dige Insel, inmit­ten des Stadt­ver­kehrs. Ein Kleinod, genau dort, wo die Westastau­to­bahn­pla­ner das Tun­nel­por­tal der Auto­bahn­ein- und Aus­fahrt «Biel Centre» vor­ge­se­hen haben.

Bereits im Früh­jahr, als die jun­gen Blät­ter der mäch­ti­gen Pla­tane noch kei­nen Schat­ten spen­de­ten, bil­dete sich zwi­schen Trot­toir und Park­platz ein sam­te­ner Tep­pich aus ver­heis­sungs­vol­lem Grün. Sogar aus den Rit­zen ent­lang der Mau­ern spross fri­sches Leben. Rot leuch­te­ten die Tul­pen…

Ein Gar­ten, ange­legt von unbe­kann­ten Geis­tern, erst­mals gepflanzt anläss­lich der Tavo­lata im August 2018. Um der von Auto­bahn­lob­by­is­ten als «Unort» ver­schrie­nen Ecke ein freund­li­che­res Gesicht zu geben. Enga­gierte Gärt­ne­rIn­nen haben damals gegra­ben, gehä­ckelt, gesät und gepflanzt. Und seit­her die Pflan­zen gehegt, gepflegt und gegos­sen. Eine rüs­tige Rent­ne­rin war regel­mäs­sig mit der Spritz­kanne zum Gurn­igel Urban Gar­den  unter­wegs.

Bereits nach weni­gen Tagen dann ein ers­tes Mas­sa­ker: Was hoff­nungs­voll gepflanzt wor­den war, wurde ratsch-ratsch weg­ge­mäht. Von einem Mit­ar­bei­ter der Stif­tung Con­tact, die im Auf­trag der Stadt für die Sau­ber­keit des Park­plat­zes ver­ant­wort­lich ist.

Die Gärt­ne­rIn­nen such­ten damals das Gespräch mit Stadt und Stif­tung. Man kam über­ein, dass das Urban Gar­de­ning eigent­lich nie­man­den störe. Im Gegen­teil: Dass sol­che Aktio­nen posi­tiv und erfreu­lich seien.

Umso grös­ser die Kon­ster­na­tion Anfang die­ser Woche. Die Nach­ba­rin, wel­che die Blu­men bei Tro­cken­heit und Hitze giesst, begeg­net eines Mor­gens erneut einem Sen­sen­mann. Die Hälfte der Blu­men ist bereits umge­mäht…

URBAN GAR­DEN 3 – WEG­RA­SIERT

Sie ver­sucht, ihn von sei­ner wei­te­ren Zer­stö­rungs­ar­beit abzu­hal­ten – ver­geb­lich. Nur gerade die Pflan­zen, die im abge­steck­ten Beet am Pla­ta­nen­stamm wach­sen, lässt er ste­hen.

«Er sagte mir, es tue ihm im Her­zen weh – aber er müsse sei­nen Auf­trag erfül­len, sonst ver­liere er sei­nen Job», berich­tet die Nach­ba­rin. Geschockt zückt sie ihr Handy und foto­gra­fiert, was soeben noch gelebt, geblüht und erfreut hat. 

URBAN GAR­DEN 4 – KAPUTT

«Ich bin wütend und trau­rig», sagt sie. Doch ein klei­ner Trost, eine Hoff­nung bleibt: «Er hat die schö­nen gel­ben Rin­gel­blu­men, den Mohn und all die ande­ren Pflan­zen mit einer Sense abge­mäht. Die Wur­zeln sind noch in der Erde…»

Unver­ständ­lich und unver­zeih­lich: Ein unschein­ba­res klei­nes Stück Stadt, von Frei­wil­li­gen gehegt und gepflegt, wird mit Steu­er­gel­dern mut­wil­lig zer­stört. Grund­los, aus einem Ord­nungs- und Sau­ber­keits­wahn.

Hat man in Biel immer noch nicht erkannt, wel­chen Wert die Natur in der Stadt hat? Ein Blick nach Zürich würde die Stadt­obe­ren eines Bes­se­ren beleh­ren: Hier grünt und blüht es wild.

URBAN GAR­DEN 5 – ZÜRICH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mal­ven bis 2 Meter hoch, Wie­sen­sal­bei, Mohn und Nes­seln in vol­ler Grösse und Blü­ten­pracht. Auf allen mög­li­chen Frei­flä­chen den Trot­toirs ent­lang. Zur Freude von Bewoh­ne­rIn­nen, Pas­san­tIn­nen, Hum­meln und Bie­nen.

Grün Stadt Zürich (das städ­ti­sche Gar­ten­bau­amt) lässt auch Pri­vate gewäh­ren, sogar soge­nannte Gue­ril­la­gärt­ne­rIn­nen. Und das in der sprö­den Zwing­li­stadt.

 

URBAN GAR­DEN 6 – ZÜRICH

Aber viel­leicht will man das alles gar nicht, in Biel. Viel­leicht gehört ja gar zur poli­ti­schen Schlau­meier-Tak­tik der Behör­den, dass ein zum «Unort» dekla­rier­ter Ort ein «Unort» blei­ben muss? Damit sie ein ein­fa­che­res Spiel haben, wenn das Stadt­zer­stö­rungs­pro­jekt A5-West­ast schliess­lich doch noch in die Tat umge­setzt wer­den soll?

 

 


 

DIE RÜCK­EROBE­RUNG
DES ÖFFENT­LI­CHEN RAUMS

Bunte Fah­nen im Wind, fröh­li­che Farb­tup­fer auf dem grauen Asphalt. Wo sonst par­kierte Autos den Stras­sen­rand ver­sper­ren, leuch­ten pinke und signal­gelbe Tep­pi­che. Tische, Stühle – ja, sogar Lie­ge­stühle laden zum Ver­wei­len. Ganz ohne Kon­sum­zwang.

Bei schö­nem Wet­ter nut­zen Men­schen jeden Alters und unter­schied­lichs­ter Her­kunft das Ange­bot. Die Stras­sen­rän­der, und am Unte­ren Quai auch ein kur­zer ver­kehrs­be­frei­ter Stras­sen­ab­schnitt, erwa­chen zum Leben: Kin­der spie­len, Hunde tol­len herum. Jemand hat sei­nen Lap­top mit­ge­bracht und sich ein tem­po­rä­res Frei­luft­büro ein­ge­rich­tet. Ein ver­lieb­tes Paar am Schä­kern, zwei Freun­din­nen tref­fen sich auf einen Schwatz – Schü­le­rIn­nen zum gemein­sa­men Pick­nick und Ler­nen.

Das Pro­jekt «Som­mer­in­seln» in der Bie­ler Innen­stadt zeigt, was man eigent­lich schon lange weiss: Der öffent­li­che Raum lädt zum Ver­wei­len und ermög­licht Begeg­nun­gen, die für den Zusam­men­halt, das Zusam­men­le­ben einer Gesell­schaft so wich­tig sind. – Aller­dings kön­nen Stras­sen und Plätze diese Funk­tion nur erfül­len, wenn die Rah­men­be­din­gun­gen stim­men.

Die «Som­mer­in­seln» die­nen als Test­la­bor für die künf­tige Auf­wer­tung der Stadt als Begeg­nungs­ort. Natür­lich ruft das auch Kri­ti­ke­rIn­nen auf den Plan. Allen voran mäkelt TCS-Sek­ti­ons­prä­si­dent und FDP-Stadt­rat Peter Boh­nen­blust am zeit­lich auf wenige Wochen beschränk­ten Expe­ri­ment herum. Er und ein paar wei­tere Ewig­gest­rige wol­len nicht wahr­ha­ben, dass auch in Biel Moder­ni­sie­rung und Stadt­ent­wick­lung nicht län­ger bedeu­tet, dass der moto­ri­sierte Ver­kehr immer und über­all Vor­tritt hat.

Die Rech­nung ist näm­lich schnell gemacht und leuch­tet ein: Je weni­ger Autos in einer Stadt, desto mehr Raum gibt es für Begeg­nun­gen, Krea­ti­vi­tät – Leben. Wo hin­ge­gen Motor­fahr­zeuge vor­bei­don­nern, Last­wa­gen manö­vrie­ren und par­kierte Autos die Plätze ver­stel­len, bleibt nie­mand frei­wil­lig län­ger als nötig.

Nur sel­ten wird den Men­schen bewusst, wie­viel öffent­li­cher Raum dem moto­ri­sier­ten Ver­kehr geop­fert wird und wie sehr der moto­ri­sierte Ver­kehr die Atmo­sphäre, ihren Lebens­raum prägt und beherrscht. Wer nichts ande­res kennt, nimmt den Lärm, die Gefahr, die Ver­schan­de­lung meist klag­los in Kauf.

Mitt­ler­weile gibt es aller­dings unzäh­lige Bei­spiele, die zei­gen, wie­viel Lebens­qua­li­tät zu gewin­nen ist, wo Men­schen ihre Dör­fer, Quar­tiere und Plätze zurück­er­obern. Die Bie­ler Som­mer­in­seln sind ein Schritt in diese Rich­tung und zei­gen, dass sol­che Ange­bote im öffent­li­chen Raum von Stadt­be­woh­ne­rIn­nen und Pas­san­tIn­nen rege genutzt wer­den und ein Gewinn sind, für die Ambi­ance in der Stadt.

Vor einem Jahr genos­sen sogar die Bewoh­ne­rIn­nen des Müh­le­feld- und Gurn­igel­quar­tiers die Qua­li­tä­ten des öffent­li­chen Raums in ihrer unmit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft. Ganz ohne Gefahr und Moto­ren­lärm:  Für die Dauer eines Sonn­tags­brunchs waren damals die Aebi- und die Gurn­igel­strasse am Gurn­igel­krei­sel für den moto­ri­sier­ten Ver­kehr gesperrt.

Gross und Klein traf sich zur Tavo­lata mit­ten auf der Strasse – genau dort, wo der­einst zahl­rei­che Häu­ser der A5-Westastau­to­bahn wei­chen müss­ten. Die Tat­sa­che, dass der Auto­bahn­an­schluss Bienne Centre mit der offe­nen Auto­bahn­schneise das beliebte Wohn­quar­tier für immer ver­un­stal­ten, ver­pes­ten und ver­l­är­men würde, stört West­ast-Befür­wor­ter Boh­nen­blust hin­ge­gen nicht – im Gegen­satz zu den tem­po­rär ange­leg­ten Som­mer­in­seln… 

Das Tavo­lata-Fest war viel mehr, als eine simple Pro­test-Aktion gegen den Bau der West­ast-Auto­bahn. Es zeigte, was im öffent­li­chen Raum alles mög­lich wird – sobald er vom moto­ri­sier­ten Ver­kehr befreit ist:

Quar­tier­be­woh­ne­rIn­nen kamen mit­ein­an­der ins Gespräch, lang­jäh­rige Nach­ba­rIn­nen lern­ten sich end­lich ken­nen – auf der Strasse wurde Fuss­ball gespielt, am Krei­sel gab es Kon­zerte, eine Gruppe von Gärt­ne­rIn­nen ver­schö­nerte den Park­platz…

«Ich habe die­sen tol­len Raum bis­her gar nie wahr­ge­nom­men – erst heute, ohne Ver­kehr wird mir bewusst, in welch schö­nem Quar­tier wir leben, mit was für tol­len Leu­ten», kom­men­tierte eine Besu­che­rin fast ein wenig weh­mü­tig, als die Tische weg­ge­räumt wer­den musste, um die Strasse wie­der dem Ver­kehr zu über­las­sen.

Die Gurn­igel- und Aebi­strasse dau­er­haft ganz ohne moto­ri­sier­ten Ver­kehr – das wird wohl (zumin­dest vor­läu­fig) ein Traum blei­ben. Trotz­dem gilt auch für die­sen Teil der Stadt: Der Auto­ver­kehr darf nicht zuneh­men – weder ober- noch unter­ir­disch. Und es dür­fen ihm keine wei­te­ren Flä­chen geop­fert wer­den!

Auf dass das Som­mer­in­sel-Gefühl sich dau­er­haft immer wei­ter über die ganze Stadt, die ganze Region ver­brei­ten kann… 

 


 

An der Bie­ler Fas­nacht: 

WEST­AST GEFUN­DEN

 © swis­s­pho­to­wil­helm

 


 

3. Novem­ber 2018:  

BIEL GEWINNT!
A5-WEST­AST AUF DER
VER­LIE­RER­STRASSE

Das Video zur Demo… 

HIER KLI­CKEN

 


 

DER WIDER­STAND WÄCHSTUNAUF­HALT­SAM

Doch einer hat gefehlt…

 

 

«STOP WEST­AST» – «AXE OUEST – C’EST LA PESTE» – «AUTO­BAHN NO PASA­RAN». Die Bot­schaft war deut­lich: Die Men­schen, die am 3. Novem­ber in Biel auf die Strasse gin­gen, wol­len keine Auto­bahn im Zen­trum der Stadt! Und es waren viele – deut­lich mehr noch als im Sep­tem­ber 2017 an der ers­ten Demo «Biel wird laut» – dies­mal sind es laut SRF Tages­schau oder Tele­Bärn gegen 5000 gewe­sen.

Und wich­tig: Es war ein Quer­schnitt der gesam­ten Bevöl­ke­rung ver­tre­ten: Jung und Alt, Fami­lien mit Kin­dern, Grup­pen von Jugend­li­chen aus Biel und der Umge­bung. Sogar ein paar Unter­stüt­ze­rIn­nen, die von St. Gal­len, Zürich, Luzern oder Bern ange­reist waren. Ein Demons­trant trug gar ein Schild mit der Auf­schrift «BERN gegen den West­ast» mit sich…

Auch wenn einige Medien jetzt ver­brei­ten, dass die West­ast-Geg­ne­rIn­nen, die ges­tern auf die Strasse gin­gen, anstelle des Aus­füh­rungs­pro­jekts mit den inner­städ­ti­schen Anschlüs­sen einen durch­ge­hen­den West­ast-Tun­nel woll­ten – an der Demo sel­ber war davon keine Rede! Ein Beob­ach­ter stellte fest: «Nie­mand hat für den ‹WEST­AST so bes­ser› gewor­ben!» In Biel ist man längst einen Schritt wei­ter: West­ast STOPP heisst die Devise, und ALLE Vari­an­ten auf den Tisch – auch eine Null­va­ri­ante.

Es gibt inno­va­ti­vere, kos­ten­güns­ti­gere und vor allem ziel­füh­ren­dere Lösun­gen als den Bau von Auto­bah­nen durch die Stadt oder unter der Stadt hin­durch. «Mehr Beton oder mehr Grün?» stand auf einem Trans­pa­rent. Seine Trä­ge­rin führte einen Strauss Schilf­halme mit – eines von vie­len fei­nen aber kla­ren Voten im lau­ten Spek­ta­kel gegen den West­ast.

Ivo Thal­mann wies als Spre­chers des Komi­tees «West­ast so nicht!» unter lau­tem Applaus der Anwe­sen­den dar­auf hin, dass es sich beim vor­lie­gen­den Auto­bahn­pro­jekt um eine längst über­holte Pla­nung «aus den 1950er Jah­ren» handle. Er for­derte den Abbruch des Mons­ter­pro­jekts, das «von alten Män­nern erar­bei­tet und beschlos­sen wurde. Die Pla­nung der Zukunft, sagte er, gehöre in die Hände der Jun­gen. Und die hät­ten andere Ideen. Erneut ein Rie­sen­ap­plaus.

Wei­tere Ein­drü­cke, hier kli­cken:

LEO’S DEMOGA­LE­RIE

 

 

 

STAU­PRO­GNOSE
FÜR BIEL / BIENNE:

KEIN NEN­NENS­WER­TER STAU
BIS AM 3.11.18

 

 

BIEL WIRD WIE­DER LAUT

Seit Don­ners­tag, 20. Sep­tem­ber macht die Nach­richt in den sozia­len Medien die Runde: Spä­tes­tens am 3. Novem­ber wird es in Biel wie­der rich­tig laut. Unter dem Motto «Keine Auto­bahn­an­schlüsse im Stadt­zen­trum» ruft der Ver­ein «Biel wird laut» erneut zu einer Demo, um der For­de­rung nach dem Ver­zicht auf das aktu­elle West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekt Gehör zu ver­schaf­fen.

Eine For­de­rung, die von immer mehr Men­schen in der Region Biel bereits heute laut­stark  und mit stich­hal­ti­gen Argu­men­ten unter­stützt wird. Seit der Ver­öf­fent­li­chung des ein­sei­ti­gen und rudi­men­tä­ren «Fak­ten­checks» zwi­schen den bei­den West­astpro­jek­ten, ist die kan­to­nale Auto­bahn­pla­nung immer stär­ker unter Beschuss gera­ten. Es kam zu teil­weise hit­zi­gen Gesprä­chen, die Medien haben berich­tet, Leser­briefe wur­den ver­fasst, in den sozia­len Medien wurde dis­ku­tiert.

Nur einer schweigt beharr­lich: Der Bie­ler Stadt­prä­si­dent und seine Gemein­de­rats­kol­le­gIn­nen geben sich wei­ter­hin bedeckt. Seit Tagen sind sie auf Tauch­sta­tion. Dabei möchte man gerne wis­sen: Wie haben sie anläss­lich ihres Gesprächs mit Bau­di­rek­tor Neu­haus die Inter­es­sen ihrer Bür­ge­rIn­nen ver­tre­ten? Wie stel­len sie sich zum Ver­gleich? Und zur For­de­rung nach einem Ver­zicht auf die bei­den stadt­zer­stö­re­ri­schen Anschlüsse?

Die Bevöl­ke­rung von Biel hat ein Anrecht auf eine Ant­wort. Nicht erst im Novem­ber! Herr Fehr, Sie wur­den in den letz­ten Tagen viel­fach auf­ge­for­dert, Stel­lung zu bezie­hen. Wann hören wir von Ihnen? – Die grosse Frage, die man sich heute in Biel stellt: Wer­den Sie am 3. Novem­ber mit ihren Wäh­le­rIn­nen durch die Stadt zie­hen und einen Ver­zicht auf inner­städ­ti­sche Auto­bahn­an­schlüsse for­dern – oder immer noch schwei­gen?

 

 


 

  31. August 2018:  

Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus im Dia­log mit Bie­le­rin­nen und Bie­lern

klick den Film!      CON­CERTO FÜR REGIE­RUNGS­RAT NEU­HAUS


 

 

  19. August 2018:  

 

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Ver­sion F

 

DIE TAVO­LATA

EIN ZAU­BER LAG ÜBER DEM QUAR­TIER

Schon am frü­hen Mor­gen geht’s los – die Aebi­strasse wird vom Ver­kehr befreit, auf der Gurn­igel­strasse wird auf­ge­deckt…

© Bil­der Ste­fan Hof­mann, Anita Vozza, Samuel Tuor – Gruppe B5

 

Schnell fül­len sich die Bänke

 

Gärt­ne­rIn­nen ver­wan­deln
den Park­platz unter der Pla­tane in einen Urban Gar­den

Los Her­ma­nos Per­di­dos, Chris­toph Borer und Stu­deyeah
ver­zau­bern das Quar­tier, das dem West­ast zum Opfer fal­len soll…

End­lich ein­mal Schutte uf der Aebi-Stross!

 

Auch die Medien waren vor Ort

 

Bie­ler Tag­blatt und Jour­nal du Jura

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RTS Radio:

 

 

 

 


 

 17. Mai 2018: 

 

 

 

 

 


 

 28. Okto­ber 2017: 

 

Tag der offe­nen Tür im Maschi­nen­mu­seum Centre Mül­ler 

DIE SCHÖ­NEN SEI­TEN VON BIEL

 

Feine Dreh­or­gel­klänge am Sams­tag­mor­gen im Wyden­au­quar­tier: Peter X. Bür­gis­ser macht mit sei­nem nost­al­gi­schen Instru­ment den pas­sen­den Auf­takt zum Tag der offe­nen Tür im Maschi­nen­mu­seum Centre Mül­ler. Er ist extra aus Kai­ser­augst ange­reist, um sei­nen Bei­trag zum Erhalt des Muse­ums zu leis­ten. Kaum öff­ne­ten sich die Türen des  Muse­ums um 10 Uhr, tra­fen auch schon die ers­ten Besu­che­rIn­nen ein. Das Inter­esse und die Fas­zi­na­tion der alten, oft ton­nen­schwe­ren Maschi­nen lock­ten im Lauf des Tages Hun­derte.

Die fach­kun­di­gen Muse­ums­füh­rer – alles Ange­stellte der Mul­ler Machi­nes SA – wuss­ten unzäh­lige span­nende Geschich­ten zu den kost­ba­ren Ein­zel­stü­cken zu erzäh­len. Der Ein­blick in die Anfänge der Indus­tria­li­sie­rung beein­druckt auch heute noch Gross und Klein. «Diese alten Maschi­nen sind echte Kunst­werke», bemerkte eine begeis­terte Besu­che­rin.

 

DIE FIRMA UND IHR MUSEUM

Dass die his­to­ri­schen Maschi­nen über­haupt noch exis­tie­ren, ist der Weit­sicht der Fami­lie Mül­ler zu ver­dan­ken. Vor vol­lem Saal fasste der heu­tige CEO Michel Mül­ler die Geschichte des Unter­neh­mens, die eng mit der­je­ni­gen des Muse­ums ver­knüpft ist, zusam­men

Ange­fan­gen hatte alles 1917, als Charles Mül­ler, der Gross­va­ter von Michel Mül­ler, seine erste Maschine kaufte. Das Beson­dere: Es han­delte sich um eine Occa­sion-Maschine… Bald zeigte sich, dass ihn sein Gespür nicht getäuscht hatte: Die Geschäfte lie­fen gut, der Han­del mit Occa­sion-Maschi­nen war ein Erfolg.

Als die Räum­lich­kei­ten in Bévil­ard für das Unter­neh­men zu klein wur­den, zogen Mul­ler Machi­nes 1929 nach Biel. Nach dem Tod des Fir­men­grün­ders führ­ten des­sen Söhne Felix und Serge 1942 das Unter­neh­men in eine neue Epo­che und grün­de­ten eine AG. 1966 wurde in Brügg ein Erwei­te­rungs­bau erstellt, 1982 beschloss die Fir­men­lei­tung einen wei­te­ren Bau sowie den Umzug des Fir­men­sit­zes nach Brügg. Heute gehört Mul­ler Machi­nes SA zu den welt­weit füh­ren­den Händ­lern von Werk­zeug­ma­schi­nen. Die Firma hat sich auf den schlüs­sel­fer­ti­gen Ver­kauf von hoch­prä­zi­sen Werk­zeug­ma­schi­nen spe­zia­li­siert. Auf 15’000 Qua­drat­me­tern Aus­stel­lungs­flä­che prä­sen­tiert sie heute in Brügg rund 3000 Maschi­nen, die zum Ver­kauf ste­hen.

Schon vor 70 Jah­ren hät­ten sein Vater und sein Onkel ver­al­tete mecha­ni­sche Maschi­nen, die nicht mehr zum Ver­kauf stan­den, vor dem Ver­schrot­ten geret­tet, um diese Klein­ode der ers­ten Genera­tion von Indus­trie­ma­schi­nen der Nach­welt zu erhal­ten, erzählte Michel Mül­ler. Damals kamen viele Occa­sion-Maschi­nen aus den Anfän­gen des 20. Jahr­hun­derts auf den Markt, weil die Fir­men von den mit Trans­mis­si­ons­rie­men ange­trie­be­nen Maschi­nen auf neue, mit Ein­zel­mo­to­ren betrie­bene Maschi­nen umrüs­te­ten. 

Den lange geheg­ten Traum vom Museum ver­wirk­lich­ten die Mül­lers schliess­lich im Vor­feld der Expo 02: Die Mul­ler Machi­nes SA liess ihre Lie­gen­schaft im Wyden­au­quar­tier zu einem moder­nen Aus­stel­lungs­ge­bäude umbauen. Damals hät­ten ihnen die Behör­den ver­si­chert, dass der Muse­ums­stand­ort vom A5-West­ast nicht tan­giert werde, sagte Michel Mül­ler und schloss seine Aus­füh­run­gen mit den Wor­ten: «Dass nun das Museum nicht ein­mal der Auto­bahn sel­ber, son­dern ein­zig und allein der Bau­stelle geop­fert wer­den soll, kann ich schlicht nicht glau­ben!»

 

VER­ÄN­DE­RUN­GEN

Die Bie­ler His­to­ri­ke­rin Mar­grit Wick nahm das Publi­kum mit auf eine Zeit­reise. Anhand von Kar­ten und Bil­dern aus den Anfän­gen des 19. Jahr­hun­derts bis heute zeigte sie, wel­che Ver­än­de­run­gen Biel und ins­be­son­dere das See­quar­tier in die­ser Zeit­spanne durch­lau­fen hat.

Bis zur Jura­ge­wäs­ser­kor­rek­tion war das See­ufer regel­mäs­sig über­schwemmt. Die Ent­wick­lung der Stadt Biel Rich­tung See begann erst Mitte des 19. Jahr­hun­derts und ver­lief wäh­rend lan­ger Zeit in klei­nen Schrit­ten. Eine Beschleu­ni­gung erfolgte mit dem Bau der ers­ten Bahn­li­nie nach Biel, die 1857 eröff­net wurde und am Zen­tral­platz endete. Von dort gab es eine Ver­bin­dung zum See, wo die Rei­sen­den Rich­tung Neu­en­stadt und Neu­en­burg aufs Schiff umge­stie­gen sind. 1860 wurde dann die Bahn­li­nie Biel-Neu­en­burg, ent­lang dem lin­ken Bie­ler­see­ufer, ein­ge­weiht. Damals ver­lief das Bahn­trasse jedoch noch eben­erdig. Der Damm, der heute das See­quar­tier vom Rest der Stadt trennt, wurde erst spä­ter auf­ge­schüt­tet: Mit der Bahn­ver­bin­dung in den Jura und in der Folge mit dem Bau des neuen Bie­ler Bahn­hofs.

Das zusätz­li­che Land am See, das man dank Jura­ge­wäs­ser­kor­rek­tion und Auf­schüt­tun­gen dazu­ge­won­nen hatte, nutzte man bis weit ins 20. Jahr­hun­dert vor allem für Gewerbe und Indus­trie. Zum Bei­spiel befand sich dort, wo heute die Über­bau­ung Agglo­lac geplant ist, das rie­sige Holz­la­ger einer Säge­rei. Die Lie­gen­schaft, wo heute das Maschi­nen­mu­seum Centre Mül­ler unter­ge­bracht ist, war ursprüng­lich eine Gies­se­rei, die zwi­schen 1901 und 1905 gebaut wurde.

Mar­grit Wick erin­nerte auch daran, dass die See­ufer erst mit der Ent­wick­lung unse­rer Wohl­stands- und Frei­zeit­ge­sell­schaft jene Bedeu­tung erlang­ten, die wir ihnen heute bei­mes­sen. Frü­her, als die Leute noch sechs Tage die Woche und zehn Stun­den am Tag arbei­te­ten, hätte nie­mand Zeit und Musse gehabt, am Nach­mit­tag, nach der Arbeit und bis in die Nacht hin­ein das Strand­bad zu genies­sen. – Immer­hin, der Strand­bo­den wurde schon in der ers­ten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts als Park ange­legt, und spä­ter mehr­mals umge­stal­tet.

Trotz­dem: Das See­quar­tier galt lange als Indus­trie- und Gewer­be­quar­tier. Mög­li­cher­weise sei man bei der ursprüng­li­chen Pla­nung des A5-West­asts davon aus­ge­gan­gen, dass hier der­einst bloss Indus­trie­bra­chen tan­giert wür­den, gab Mar­grit Wick zu beden­ken. Dass sich nicht nur die Ver­hält­nisse, son­dern auch die Sicht auf die Dinge im Lauf der Zeit stark ver­än­dert haben, zeigte ihr letz­tes Bild von der Expo 2002, wo das See­be­cken als Frei­zeit­land­schaft zele­briert wurde…

 

VER­BOR­GENE SCHÄTZE

Was sich in der Stadt Biel hin­ter so man­cher Tür, im Trep­pen­haus an Kunst ver­birgt, ahnen die wenigs­ten Bie­le­rin­nen und Bie­ler. Denk­mal­pfle­ger Rolf Weber wies ein­gangs sei­nes Refe­rats dar­auf hin, dass das Trep­pen­haus eigent­lich die Visi­ten­karte eines jeden Hau­ses ist.

Dem tru­gen Bau­her­ren in frü­he­ren Jah­ren Rech­nung: Bis weit ins 20. Jahr­hun­dert hin­ein wur­den Trep­pen­häu­ser kunst­voll gestal­tet, die Wände oft bemalt. Vie­les davon ist in Biel erhal­ten geblie­ben – nicht zuletzt, weil es ab Mitte des 20. Jahr­hun­derts in der Stadt Biel an Geld für Erneue­rung in gros­sem Stil fehlte. Ein Glück: Was in ande­ren Städ­ten unwie­der­bring­lich ver­lo­ren ging, fin­det man heute in Biel noch. Die Stadt gilt unter Fach­leu­ten als die «Haupt­stadt der bemal­ten Trep­pen­häu­ser».

Auf dem vir­tu­el­len Rund­gang, den Rolf Weber den Gäs­ten im Centre Mül­ler prä­sen­tierte, fie­berte man rich­tig mit: Der Denk­mal­pfle­ger öff­nete Tür um Tür, die nor­ma­ler­weise neu­gie­ri­gen Augen ver­schlos­sen blei­ben. Zum Vor­schein tra­ten unge­ahnte Schätze, viele davon wur­den erst in den letz­ten Jah­ren neu ent­deckt.

Ins­be­son­dere seit der Expo 02, wur­den viele der alten Lie­gen­schaf­ten, die wäh­rend Jahr­zehn­ten ver­nach­läs­sigt wor­den waren, sorg­fäl­tig reno­viert und soweit mög­lich und sinn­voll wie­der in den Ori­gi­nal­zu­stand ver­setzt. «Die heu­tige Genera­tion schätzt den Sinn für das Schöne aus der alten Zeit», freute sich Rolf Weber und schloss seine bunte Prä­sen­ta­tion mit dem Auf­ruf: «Biel ist eine wun­der­schöne Stadt – wir müs­sen ihr Sorge tra­gen!»

 

MUSIK, RACLETTE UND UNTER­SCHRIF­TEN

Als Des­sert hatte der Denk­mal­pfle­ger dann noch eine wei­tere Ent­de­ckung bereit: Der 1938 ent­stan­dene Dok­film über den Bau des Olym­pia­hau­ses an der Mur­ten­strasse ist gleich­zei­tig ein his­to­ri­sches Doku­ment und eine fil­mi­sche Perle.

Für die musi­ka­li­sche Umrah­mung der Ver­an­stal­tung sorgte Zimi’s Hot Swing Trio. Die vier Musi­ker (ja, sie waren zu viert!) waren extra aus Bern ange­reist, um den Über­le­bens­kampf des Muse­ums zu unter­stüt­zen. Mit ihrem schwung­vol­len French Jazz sorg­ten sie für musi­ka­li­sche Höhe­punkte und fröh­li­che, unbe­schwerte Stim­mung.

Trotz­dem: Beim anschlies­sen­den Apéro, beim Raclette im Zelt und am Infor­ma­ti­ons­stand im Ein­gang war natür­lich die Bedro­hung des Muse­ums durch die Auto­bahn­pläne Thema Num­mer eins. Die Tat­sa­che, dass die wei­tere Exis­tenz des Muse­ums an sei­nem jet­zi­gen, idea­len Stand­ort (in fünf Minu­ten Geh­di­stanz vom Bahn­hof und vom See) durch den A5-West­ast akut bedroht ist, sorgte bei den Besu­che­rIn­nen für Kopf­schüt­teln und Unver­ständ­nis. Des­halb erhält der Gemein­de­rat der Stadt Biel in den nächs­ten Tagen einen Brief mit hun­der­ten von Unter­schrif­ten, die am Tag der offe­nen Tür im Centre Mül­ler gesam­melt wur­den. Titel der Peti­tion: «DAS MASCHI­NEN­MU­SEUM CENTRE MÜL­LER DARF NICHT DEM A5-WEST­AST GEOP­FERT WER­DEN

Bil­der: © Michael Gie­zen­d­an­ner; Angelo Scu­de­letti; Prä­sen­ta­tio­nen Mar­grit Wick und Rolf Weber

Text: © Gabriela Neu­haus, 30.10.2017

Bericht und Bil­der zum Tag der offe­nen Tür auch auf:

Biel im Bild

 

 


 

 27. Okto­ber 2017 

ÜBER 10’000 UNTER­SCHRIF­TEN GEGEN DEN A5-WEST­AST BEIM UVEK EIN­GE­REICHT

 

 

WEI­TER SO!

 

 


 

 23. Sep­tem­ber 2017: 

 

Bil­der: © Samuel Tuor

Ein Fest für Biel/Bienne

«Car­ton statt Beton» stand auf einem Trans­pa­rent. «Ras­tatt lässt grüs­sen» auf einem ande­ren. Tril­ler­pfeif­fen, Trom­pe­ten und Pfan­nen­de­ckel sorg­ten für den Sound­track. Die Bahn­hofstrasse: Ein wogen­des Meer von Fah­nen, Men­schen – fröh­lich, fried­lich – und alle mit der glei­chen Bot­schaft: Biel darf nicht zer­stört wer­den. Wir wol­len und wir brau­chen kein West­ast-Beton­mons­ter!

Seit Jah­ren hat es in Biel keine sol­che Demons­tra­tion gege­ben! Viele der Teil­neh­me­rIn­nen waren zum ers­ten Mal in ihrem Leben an einer Demons­tra­tion. Jung und Alt – aus Biel und aus der Region. Ein Pro­test­marsch und ein Fest für Biel, das auch von den natio­na­len Medien end­lich wahr­ge­nom­men wurde: So z.B. am Sams­tag in der Tages­schau auf SRF ein Bericht über die Demo in Biel. Der bunte Pro­test­an­lass auch auf zahl­rei­chen New­s­por­ta­len von Zei­tun­gen, Blogs, Face­book… So, dass auch die Poli­ti­ke­rIn­nen, die der gest­ri­gen Demo fern­ge­blie­ben sind, trotz­dem erfah­ren haben, dass über 3000 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger für ihre Stadt auf die Strasse gegan­gen sind – wegen das West­ast-Mons­ter.

 

 

 Sep­tem­ber 2017: 

Schü­le­rin­nen und Schü­ler zeich­ne­ten für Bun­des­rä­tin Doris Leu­thard…

… und viele wei­tere Briefe hat unsere Bun­des­prä­si­den­tin aus der Region Biel erhal­ten – von Gross und Klein. Bis Anfang August 2017 waren es über hun­dert…

Zur Erin­ne­rung: Im Anschluss an den Flashmob gegen den A5-West­ast  wur­den die Ein­la­dun­gen von Jung und Alt an die Che­fin des UVEK ver­schickt. Mit dem char­man­ten Ange­bot woll­ten die Absen­de­rIn­nen errei­chen, dass sich die oberste Ver­ant­wort­li­che für die Natio­nal­stras­sen ein­mal nach Biel kommt, um sich vor Ort sel­ber ein Bild über die mas­si­ven Ein­griffe zu machen, die die geplante Auto­bahn zur Folge hätte…

 

Lange war­te­ten wir auf eine Ant­wort aus Bern. Vor den Som­mer­fe­rien dann ein Tele­fon­an­ruf aus dem UVEK: Lei­der seien zahl­rei­che Ein­la­dun­gen ohne Absen­der ein­ge­trof­fen, wes­halb sich Bun­des­rä­tin Leu­thard noch nicht gemel­det habe, erklärte die mit dem A5-West­ast betraute UVEK-Juris­tin Yas­min Hostett­ler. Da man aber alle Bür­ge­rIn­nen gleich behan­deln wolle, suche man nun nach einer Form, auch alle zu errei­chen…

Gleich­zei­tig betonte Frau Hostett­ler, dass die Bun­des­prä­si­den­tin die Schrei­ben sehr ernst nehme – und sich durch­aus vor­stel­len könne, trotz dich­tem Ter­min­ka­len­der im Spät­herbst ein­mal für einen Aus­tausch mit der Bie­ler Bevöl­ke­rung ins See­land zu rei­sen.

Das freute uns natür­lich sehr. Mit dem UVEK wurde ein Ter­min ver­ein­bart, um das Pro­gramm für den Besuch in Biel zu kon­kre­ti­sie­ren. – Die ers­ten Schritte  für den «Aus­tausch bei Kaf­fee und Kuchen» waren schon in die Wege gelei­tet, als der Rück­zie­her kam:

Nach wie­der­hol­ter Über­prü­fung der Situa­tion sei man zum Schluss gekom­men, dass Bun­des­prä­si­den­tin Leu­thard sich zum jet­zi­gen Zeit­punkt aus juris­ti­schen Grün­den auf kein Gespräch über den A5-West­ast ein­las­sen könne, teilte Yvonne Hostett­ler mit. Das bis ins letzte Detail regle­men­tierte Ver­fah­ren beim Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren für eine Natio­nal­strasse beraub­ten sie jeg­li­cher Hand­lungs­frei­heit. Das schreibt die Bun­des­prä­si­den­tin auch im Brief, den sie Ende letz­ter Woche an die bekann­ten Absen­der der Kaf­fee-und-Kuchen-Ein­la­dung ver­schickte:

Bun­des­prä­si­den­tin Doris Leu­thard «muss» absa­gen

«Da das UVEK in die­ser Ange­le­gen­heit Geneh­mi­gungs­be­hörde ist, hat es die recht­li­chen Ver­fah­rens­grund­sätze ein­zu­hal­ten. Es ist mir somit nicht mög­lich, wäh­rend des lau­fen­den Ver­fah­rens Gesprä­che aus­ser­halb des vor­ge­se­he­nen Ver­fah­rens­ab­lau­fes zu füh­ren. Den­noch geniesst das Pro­jekt bei mir grosse Auf­merk­sam­keit und ich kann Ihnen ver­si­chern, dass das Ver­fah­ren nach den gel­ten­den Vor­schrif­ten und mit der nöti­gen Sorg­falt geführt wird.»

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FAZIT:   Ein Gespräch mit Frau Leu­thard ist für Men­schen aus der Region Biel, die sich gegen das vor­lie­gende A5-West­astpro­jekt weh­ren,  aus «juris­ti­schen Grün­den» nicht mög­lich…

Doch: auf­ge­scho­ben ist nicht auf­ge­ho­ben. Bald schon ist die Bun­des­prä­si­den­tin eine freie Frau – viel­leicht dür­fen wir sie ja nach Ihrem Rück­tritt auf dem Strand­bo­den begrüs­sen? – Das Ver­fah­ren ist dann­zu­mal noch längst im Gang…

Wir wür­den uns auf alle Fälle sehr freuen, über einen Besuch von Doris Leu­thard im Som­mer oder Früh­herbst 2019!

 


 
 

 16. Juni 2017: 

Baum­ak­tion Nr. 1  – Bedrohte Bäume end­lich mar­kiert

Foto: ©2017 Anita Vozza

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Mehr Bil­der hier: FOTO­GA­LE­RIE BAUM-BLITZ­AK­TION 16.06.2017 

 


 

 21. Juni 2017: 

Oops … Die Pla­kate sind weg!

Am Mitt­woch, im Mor­gen­grauen,  haben die Behör­den zuge­schla­gen: Die Baum­mar­kie­run­gen sind weg, der Trau­er­kranz mit der schö­nen Schleife wurde  von sei­nem Baum her­un­ter­ge­ris­sen!

Offen­bar sol­len die Leute nicht sehen, wie­viele und wel­che Bäume dem West­ast geop­fert wür­den…

Gerade ein­mal vier Tage lang hatte die Bevöl­ke­rung in Biel und Nidau Zeit, sich ein Bild vom Aus­mass der geplan­ten Abhol­zun­gen zu machen. Weil die Behör­den, die Bevöl­ke­rung nicht auf­schre­cken wol­len, haben wir das Heft sel­ber in die Hand genom­men und die tod­ge­weih­ten Bäume mar­kiert.

Die Baum­pla­kat-Blitz­ak­tion  vom 18. Juni 2017 stiess auf breite Zustim­mung. Man kam mit­ein­an­der ins Gespräch. Viele Leute reagier­ten nach­denk­lich, ent­setzt über das Aus­mass der geplan­ten Zer­stö­rung. «Mir ist erst durch die Pla­ka­tie­rung der Bäume bewusst gewor­den, was da vor sich geht!» sagte etwa ein alt­ein­ge­ses­se­ner Bie­ler.

Ganz alle Bäume übri­gens haben die Ent­fer­nungs­trupps dann doch nicht erwischt: Hier und da fin­det sich noch ein Pla­kat.


30. Juni 2017: Baum­ak­tion Nr.2 – Bedrohte Bäume erneut mar­kiert

Die Medi­en­mit­tei­lung zur Aktion:

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 Vor Ort sind die Pla­kate beson­ders ein­drück­lich, ste­chen ins Auge, machen klar und deut­lich, was hier auf dem Spiel steht. Des­halb: Sel­ber hin­ge­hen und schauen!

… solange sie noch hän­gen. Es ist damit zu rech­nen, dass die Behör­den nach dem Wochen­ende wie­der räu­men las­sen. Wie beim letz­ten Mal…


 

04. Juli 2017: Oops … Die Pla­kate sind wie­der weg! Aber nur in BIEL.

NIDAU ist baum­freund­li­cher.

(Mehr zum Thema):  Hin­ter­grund­ar­ti­kel zur Baum­mar­kie­rung

 


 

 20. Mai 2017: 

FLASHMOB

SCHÖN WAR ES!

Süs­ser die Veloglo­cken nie klin­geln…

FlashMob-Film

 

… und jetzt freut sich Biel auf den Besuch von Doris Leu­thard!