DER WESTAST VON STRASBOURG

Der Radweg von Soultz-les-Bains nach Strasbourg entlang dem Canal de la Bruche führt durch eine einmalige, romantische Gegend. Die Ufer der einstigen Wasserstrasse sind gesäumt von Schilf und Trauerweiden, in den Gärten der ehemaligen Schleusenwärter-Häuschen blüht es auch im Herbst noch in üppigen Farben.

Die idyllische Landschaft ist geprägt von Wald, Feldern und schönen alten Dörfern. Man wähnte sich in einer anderen, heilen Welt – wären da nicht die Plakate am Wegrand, die uns in regelmässigen Abständen Denkstoff liefern. «La terre ne se vende pas – elle se travaille et elle se défend» steht da etwa. Und immer wieder: «NON au GCO».

GCO steht für Grand Contournement Ouest – gemeint ist die geplante Autobahn-Westumfahrung von Strasbourg. Sozusagen ein Westast à la française. In der Tat weist das Projekt zahlreiche Parallelen zum Bieler Westast-Projekt auf: Auch die GCO-Planung ist fast 40 Jahre alt. Mit der geplanten Westumfahrung sollen die regelmässigen Staus um Strasbourg vermindert werden. Allerdings würde die neue Autobahn, laut offiziellen Angaben, gerade mal eine Verkehrsreduktion von 5% auf den bestehenden Achsen bewirken.

Zu wenig, finden die GegnerInnen der geplanten 24 Kilometer langen, vierspurigen Autobahn. Sie haben sich im Kollektiv GCO NON MERCI zusammengeschlossen. Mit von der Partie sind auch zahlreiche Behördenmitglieder und BürgermeisterInnen der betroffenen Gemeinden im Westen von Strasbourg.

Fakt ist: Bereits 2006 hatten sich in einer Umfrage über 80 Prozent der Bevölkerung gegen die geplante Westumfahrung ausgesprochen. Seither sind es nicht weniger geworden. Zudem erhielt das Autobahnprojekt auch von Seiten staatlich mandatierter Experten schlechte Noten. Trotzdem gab der Präfekt im Sommer grünes Licht für den Beginn der Bauarbeiten, denen rund 200 Hektar Ackerland geopfert werden sollen.

Besonders betroffen von der zerstörerischen Wirkung des Mammutprojekts ist die Gemeinde Kolbsheim, rund 10 Kilometer westlich von Strasbourg. Dort würde ein Viadukt direkt über den Park des denkmalgeschützten Schlosses führen, ein Stück Wald soll abgeholzt und die alte Mühle abgebrochen werden. Seit Jahren kämpft die Gemeinde gegen diese Bedrohung – an vorderster Front deren Bürgermeister Dany Karcher.

Er war auch vor Ort, als die Polizei Mitte September die im Sommer 2017 errichtete ZAD (Zone à Défendre) gewaltsam und mit Einsatz von Tränengas räumte. Im Anschluss an den Polizeieinsatz demonstrierten im 800-Seelendorf Kolbsheim am 18. September über 2000 Menschen gegen die Fortsetzung der Bauarbeiten. Mit vorläufigem Erfolg: Das Verwaltungsgericht stoppte die Bauarbeiten – provisorisch. Ob der lange Kampf gegen die sinnlose Strassburger-Westumfahrung langfristig gewonnen werden kann, ist allerdings offen.

Fakt ist: In der Innenstadt von Strasbourg hat man den Autoverkehr erfolgreich reduziert. Dies unter anderem mit Lenkungsmassnahmen, die den Fuss- und Veloverkehr fördern. So werden unter anderem Geschäfte und Restaurants in der Innenstadt mit Velotransportern beliefert. Lastwagen müssen draussen bleiben.

Der nächste Schritt ist nun, dieses fortschrittliche Konzept weiter zu denken und auch auf neue, klima- und umweltverträgliche Wege für den Pendler- und Fernverkehr hinzuwirken. Genau das haben anlässlich von «Klima-Demos» BürgerInnen in Strasbourg und Mulhouse gefordert. Mit konkreten Vorschlägen. Dazu gehört auch die definitive Einstellung der Bauarbeiten für die GCO – die Strasbourger Westumfahrung.

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