WEST­AST NEWS

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DIA­LOG GEHT ANDERS

Am Mitt­woch, 18. Sep­tem­ber 2019 traf sich die Dia­log­gruppe A5-West­ast zum vier­ten Mal am Run­den Tisch. Die posi­tive Mel­dung: Dies­mal war der Tisch tat­säch­lich annä­hernd rund und damit über­sicht­lich. Aller­dings gab es erneut akus­ti­sche Pro­bleme. Bei einer so gros­sen Runde, dies das erneute Fazit, muss zwin­gend mit Mikro­fo­nen gear­bei­tet wer­den.

Dar­auf haben die Orga­ni­sa­ti­ons­ver­ant­wort­li­chen des Run­den Tisches expli­zit ver­zich­tet. Weil das Her­um­rei­chen von Mikro­fo­nen müh­sam sei, wie der Vor­sit­zende Hans Wer­der bekannt gab. Statt­des­sen for­derte er alle dazu auf, mit lau­ter Stimme zu spre­chen…

Aller­dings lag es nicht an der schlech­ten Akus­tik, dass erneut kein Dia­log zustande kam. Schon die Trak­tan­den­liste liess erah­nen: «Mode­ra­tor» Wer­der und seine Man­nen woll­ten in ers­ter Linie infor­mie­ren statt dis­ku­tie­ren – gewis­ser­mas­sen ein Ein­bahn-Dia­log sollte es sein. Den Mit­tei­lun­gen und Prä­sen­ta­tio­nen von Mode­ra­tor, Exper­ten und Sekre­ta­riat räum­ten man folg­lich mehr als genug Zeit ein. Inhalt­li­che Dis­kus­sio­nen hin­ge­gen waren gar nicht erst ein­ge­plant.

So infor­mierte etwa Fritz Kobi in sei­ner Funk­tion als «stän­di­ger Experte Ver­kehr», dass für die Umset­zung von Arbeits­schritt 1 (Pro­blem­wahr­neh­mung und Stand­ort­be­stim­mung) bei den bei­den Ver­kehrs­pla­nungs­bü­ros Kon­text­plan und Tran­sitec Stu­dien bestellt wer­den sol­len. Die bei­den Büros, so Kobi wei­ter, seien gut aus­ge­las­tet und könn­ten des­halb ihre Offer­ten nicht vor Mitte Okto­ber ein­rei­chen. Das Ein­ho­len von Kon­kur­renz­of­fer­ten, wie dies anläss­lich der letz­ten Dia­log­grup­pen­sit­zung gefor­dert und von Mode­ra­tor Wer­der ver­spro­chen wor­den war, war kein Thema mehr. Auf Anfrage erklärte Kobi, die bei­den Büros seien bereits mit der Mate­rie bekannt und könn­ten effi­zi­ent Resul­tate lie­fern. Des­halb mache es kei­nen Sinn, wei­tere Offer­ten ein­zu­ho­len.

 

Unnö­tige Zusatz­stu­dien

Unklar blieb aller­dings, was genau in die­sen neuen Stu­dien unter­sucht wer­den, und wel­che Fra­gen im Auf­trag und somit auf Kos­ten des Dia­log­pro­zes­ses beant­wor­tet wer­den sol­len. Fakt ist: Die Beob­ach­tung und Ana­lyse der Ver­kehrs­ent­wick­lung in der Region Biel obliegt den Behör­den. Sie haben denn auch in der Ver­gan­gen­heit bereits zahl­rei­che Erhe­bun­gen und Stu­dien in Auf­trag gege­ben – unter ande­rem bei den oben genann­ten Büros.

So erstellte zum Bei­spiel Tran­sitec eine Stu­die zu den ver­kehr­li­chen Aus­wir­kun­gen des Ost­asts, die im letz­ten Okto­ber publi­ziert wurde. Im Auf­trag der Stadt Biel führ­ten Firma Emch+Berger im August 2018 qua­li­ta­tive Ver­kehrs­zäh­lun­gen durch – auf deren Resul­tate war­tet die Öffent­lich­keit bis heute.

Umso ärger­li­cher, dass nun im Rah­men des Dia­log­pro­zes­ses Geld und Zeit ver­schwen­det wer­den sol­len für Fra­gen, auf wel­che die Ant­wor­ten längst vor­lie­gen. Statt auf das vor­han­dene Mate­rial zurück­zu­grei­fen und die­ses dem Dia­log­pro­zess als Grund­lage zur Ver­fü­gung zu stel­len, will man nun noch ein­mal Stu­dien anfer­ti­gen las­sen, die unnö­tig Zeit und Geld kos­ten sowie Inter­pre­ta­tio­nen und Gewich­tun­gen pro­du­zie­ren, die der Dia­log­gruppe mit ihrem reich­lich vor­han­de­nen Sach­ver­stand vor­be­hal­ten sein müs­sen.

Wäh­rend sich von Sei­ten der West­astgeg­ne­rIn­nen ver­schie­dene Stim­men zur geplan­ten Ver­gabe der Auf­träge an Kon­text­plan und Tran­sitec in der Höhe von maxi­mal CHF 50’000 kri­tisch äus­ser­ten, war von den Pro­jekt­be­für­wor­tern nichts zu hören. Ein Schema, das sich nota­bene prak­tisch durch die ganze Sit­zung zog: Immer wie­der enga­gierte Voten von den West­astkri­ti­ke­rIn­nen, die eine Debatte hät­ten anstos­sen kön­nen. Von der ande­ren Seite war jedoch kaum etwas zu ver­neh­men – man mochte sich ganz offen­sicht­lich nicht auf eine Dis­kus­sion über Sinn und Unsinn der Ver­gabe von Stu­dien oder die Gewich­tung der ver­schie­de­nen Arbeits­schritte ein­las­sen. Und von Sei­ten der Mode­ra­tion wur­den inhalt­li­che Fäden eben­falls nicht wei­ter­ge­spon­nen, im Gegen­teil: Mit dem Hin­weis auf die knappe Zeit, klemmte der Mode­ra­tor immer wie­der ab und wies Votan­tIn­nen in die Schran­ken. – Dia­log geht anders…

 

Bud­get inak­zep­ta­bel

Nach­dem das von der Pro­zess­lei­tung vor­ge­legte Bud­get vor­gän­gig bereits in der Kern­gruppe zurück­ge­wie­sen wor­den war, hätte man sich auch zu die­sem Thema einen Dia­log in der soge­nann­ten Dia­log­gruppe gewünscht. Mode­ra­tor Hans Wer­der sah das anders: Auch die Finan­zen waren als blosse Infor­ma­tion trak­tan­diert. Den offen­kun­di­gen Dis­sens über das Bud­get, der in der Kern­gruppe herrschte, wollte er ele­gant im klei­nen Kreis berei­ni­gen. Dies, obschon gemäss Finanz­ver­ein­ba­rung die Ver­ant­wor­tung für das Bud­get klar der Dia­log­gruppe zuge­ord­net ist.

Im Anschluss an die Sit­zung stimmte Mode­ra­tor Wer­der immer­hin der Ver­öf­fent­li­chung des Bud­get­ent­wurfs zu, damit sich alle Inter­es­sier­ten direkt infor­mie­ren kön­nen – kli­cken und lesen:

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Die Bud­get­frage dul­det auch des­halb kei­nen wei­te­ren Auf­schub, weil ihr eine zen­trale Bedeu­tung zukommt: Die Frage, für was wie­viel Geld und wann aus­ge­ge­ben wird, ist match­ent­schei­dend. Des­halb kann man nicht, wie Stadt­prä­si­dent Fehr in der Dia­log­gruppe gefor­dert hat, «jetzt ein­fach ein­mal los­le­gen», Auf­träge ver­ge­ben – und das Bud­get in einem spä­te­ren Schritt berei­ni­gen. Bei einem sol­chen Geba­ren in der Stadt Biel, würde die Finanz­di­rek­to­rin dem Stadt­prä­si­den­ten wohl gehö­rig auf die Fin­ger hauen.  

Schon die Tat­sa­che, dass es sie­ben Monate gedau­ert hat, bis die Pro­zess­lei­tung einen ers­ten Bud­get­ent­wurf vor­ge­legt hat, ist uner­hört und jen­seits von Good Gover­nance. Was dabei beson­ders auf­stösst: Obschon es sich bei die­sem Bud­get erst um einen Ent­wurf han­delt, ist bereits sehr viel Geld fix ver­plant und ver­trag­lich ver­spro­chen. Aus­ser zur Ver­pflich­tung des Sekre­ta­ri­ats konnte sich die Dia­log­gruppe zu kei­nem der bereits fest­ge­leg­ten Bud­get­pos­ten je äus­sern.

So betra­gen etwa der Bud­get­pos­ten «stän­di­ger Experte Ver­kehr Fritz Kobi» CHF  121’000 und der­je­nige für den «Exper­ten Städ­te­bau» Han de Wete­ring und sein Büro CHF 175’000. Nahezu beschei­den erscheint in die­sem Kon­text das Hono­rar für Mode­ra­tor Hans Wer­der in der Höhe von CHF 80’000.

Und so wird das bud­ge­tierte Geld kon­kret aus­ge­ge­ben: Die Her­ren Kobi und de Wete­ring ver­rech­nen ihre Arbeit zu einem Stun­den­an­satz von CHF 200.—. Ein Bei­spiel: Für eine Dia­log­grup­pen­sit­zung ver­an­schlagt Inge­nieur Kobi einen Arbeits­auf­wand von 21 Stun­den.  Die Rech­nung ist schnell gemacht: Pro Dia­log­grup­pen­sit­zung kos­tet Ver­kehrs­ex­perte Kobi sage und schreibe CHF 4’200. – 

Damit nicht genug: Für die Kern­grup­pen­sit­zun­gen hat Kobi eine Abgel­tung von 24 Stun­den für eine Ein­zel- und 36 Stun­den für eine Dop­pel­sit­zung bud­ge­tiert. Das heisst: Er kas­siert für eine Ein­zel­sit­zung CHF 4’800 – für eine Dop­pel­sit­zung CHF 7’200.

Auch wenn Fritz Kobi, wie er anläss­lich der Dia­log­grup­pen­sit­zung erklärte, die­ses Bud­get nicht voll aus­schöp­fen sollte: Allein die Tat­sa­che, dass in einem Gre­mium, wo ein Gross­teil der Teil­neh­men­den Stun­den um Stun­den an Frei­wil­li­gen­ar­beit leis­tet, «Exper­ten» im Ren­ten­al­ter sol­che Hono­rare abkas­sie­ren, ist stos­send. Und dem Dia­log nicht för­der­lich.

 

Fal­sche Gewich­tung

Ins­ge­samt ste­hen für den Dia­log­pro­zess 1,2 Mil­lion Fran­ken zur Ver­fü­gung. Das ist viel Geld – wenn man es rich­tig ein­setzt. Aller­dings geht beim aktu­el­len Bud­get schon über ein Drit­tel weg für «vor­aus­sicht­li­che Fix­kos­ten» wie Sekre­ta­riat, Sit­zungs­gel­der und das Hono­rar des Prä­si­den­ten sowie «Neben­kos­ten» wie Raum­mie­ten, Cate­ring, Web­site etc.

Für die Ver­gabe von Auf­trä­gen sind CHF 579’000 bud­ge­tiert. Davon sol­len allein für Ver­kehrs­ex­per­ten CHF 241’000 aus­ge­ge­ben wer­den – für den Städ­te­bau wur­den CHF 185’000 ein­ge­setzt (davon sind 175’000 für das Büro de Wete­ring bereits reser­viert).

Die The­men Umwelt und Wirt­schaft hin­ge­gen wer­den im Bud­get nur mar­gi­nal berück­sich­tigt, das Thema «Zukunft» fehlt gänz­lich, ebenso wie der wich­tigste Pos­ten im Bud­get eines DIA­LOG­PRO­ZES­SES: Für die ver­spro­chene und drin­gend not­wen­dige Par­ti­zi­pa­tion wur­den kaum Mit­tel reser­viert. Es reicht nicht, einen Dia­log­raum ein­zu­rich­ten und etwas an des­sen Manage­ment zu bezah­len.

Damit der DIA­LOG­PRO­ZESS die­sen Namen auch ver­dient, braucht es einen Bud­get­pos­ten, der es erlaubt, ent­spre­chende Fach­leute zu ver­pflich­ten sowie par­ti­zi­pa­tive Pro­zesse und Anlässe in den Quar­tie­ren und Regio­nen zu ermög­li­chen und zu unter­stüt­zen. Die­sem Anlie­gen müsste unse­res Erach­tens abso­lute Prio­ri­tät ein­ge­räumt wer­den.

Statt­des­sen wird der Mam­mut-Anteil des Bud­gets für Exper­ti­sen zu Ver­kehrs­fra­gen reser­viert. In der Ver­gan­gen­heit wur­den bereits Mil­lio­nen genau in die­sem Bereich ver­bra­ten – was dabei her­aus­ge­kom­men ist, wis­sen wir. Das Pro­blem der bis­he­ri­gen Pla­nung war ja gerade, dass man stets viel zu stark bloss auf Ver­kehrs­fra­gen fokus­siert hat.

Nach der Kern­gruppe hat des­halb auch die Dia­log­gruppe den Bud­get­ent­wurf zurück­ge­wie­sen. Der Auf­trag an die Pro­zess­lei­tung: Das Bud­get müsse noch ein­mal gründ­lich über­ar­bei­tet wer­den, unter Berück­sich­ti­gung der Inter­ven­tio­nen aus der Dia­log­gruppe.

 

Umstrit­tene Par­ti­zi­pa­tion

Die Zeit war bereits fort­ge­schrit­ten, als der von der Kern­gruppe vor­be­rei­tete Antrag für die Ein­rich­tung eines Dia­log­raums ohne grosse Dis­kus­sion gut­ge­heis­sen wurde. Künf­tig sol­len alle Orga­ni­sa­tio­nen und Gemein­den, die am Run­den Tisch teil­neh­men, den ehe­ma­li­gen A5-Pavil­lon in der See­vor­stadt für Infor­ma­ti­ons- und Par­ti­zi­pa­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen nut­zen kön­nen. Eine wei­tere Öff­nung, etwa für Schu­len und wei­tere Bevöl­ke­rungs­kreise, steht noch zur Debatte. Die kon­krete Aus­ge­stal­tung und die Nut­zungs­be­din­gun­gen sol­len von der Kern­gruppe dem­nächst defi­niert wer­den.

Nach die­sem wich­ti­gen Trak­tan­dum wollte Mode­ra­tor Hans Wer­der zügig die Sit­zungs­pla­nung von 2020 bekannt­ge­ben. Ohne Inter­ven­tion von Sei­ten der Dia­log­gruppe wäre das wich­tige Thema Par­ti­zi­pa­tion nicht wei­ter dis­ku­tiert wor­den. Dies, obschon die Mit­glie­der der Kern­gruppe an ihrer letz­ten Sit­zung, auf­grund einer Prä­sen­ta­tion von Media­ti­ons­spe­zia­list Paul Krum­me­n­acher sich dafür aus­ge­spro­chen hat­ten, ihn und seine Firma «Fri­scher Wind» für die Dia­log­för­de­rung am Run­den Tisch mög­lichst bald ein­zu­be­zie­hen.

Nach einer ent­schie­de­nen Inter­ven­tion von West­astgeg­ne­rIn­nen wie ‑befür­wor­te­rIn­nen konnte die Dia­log­gruppe schliess­lich durch­set­zen, dass die Kern­gruppe den ver­bind­li­chen Auf­trag erhielt, zusam­men mit Paul Krum­me­n­acher ein Kon­zept zu erar­bei­ten, wel­ches den Bei­zug von «Fri­scher Wind» bereits in der nächs­ten Sit­zung der Dia­log­gruppe vom 3. Dezem­ber ermög­licht.

Damit besteht die Hoff­nung, dass am nächs­ten Run­den Tisch end­lich ein Dia­log mög­lich wird. Sollte dies nicht gelin­gen, stellt sich zum Jah­res­ende die Frage, ob es Sinn macht, wei­ter­hin soviel Zeit und Geld in eine Übung zu ste­cken, die sich je län­ger desto mehr als Ali­bi­übung ent­larvt.

Es ist augen­fäl­lig: Die Pro­zess­lei­tung um Hans Wer­der, Fritz Kobi und Han de Wete­ring steht einer ech­ten Par­ti­zi­pa­tion skep­tisch bis nega­tiv gegen­über. Das Glei­che gilt auch für Ver­tre­te­rIn­nen ver­schie­de­ner Orga­ni­sa­tio­nen und Behör­den. Für die IG Häb Sorg zur Stadt hin­ge­gen steht fest: Ohne echte Par­ti­zi­pa­tion, bei der inter­es­sierte Kreise nicht bloss infor­miert wer­den, son­dern auch die Mög­lich­keit haben, sich ein­zu­brin­gen, mit­zu­den­ken und mit­zu­ge­stal­ten, macht das Ganze kei­nen Sinn, und ein Übungs­ab­bruch rückt in den Bereich des Mög­li­chen.

 

Wei­tere Infor­ma­tio­nen:

  • Das Pro­to­koll der letz­ten Dia­log­grup­pen­sit­zung vom 4. Juli 2019 wurde ver­ab­schie­det und ist somit öffent­lich:

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  • Die nächs­ten Kern­grup­pen­sit­zun­gen sind für den 4. Okto­ber sowie für den 7. und 14. Novem­ber ter­mi­niert, neu fin­den sie jeweils im Dia­log­raum statt.
  • In die­sem Jahr gibt es noch eine Sit­zung der Dia­log­gruppe – am 3. Dezem­ber.
  • In vor­gän­gi­ger Abspra­che von Mode­ra­tor Wer­der mit der Stadt­prä­si­den­tin von Nidau sowie dem Bie­ler Stadt­prä­si­den­ten wur­den für 2020 drei Sit­zungs­ter­mine für die Dia­log­gruppe bestimmt: 26. Februar, 27. Mai und 23. Juni – jeweils von 16 bis 19 Uhr.

Alle Infos rund um den WEST­AST-DIA­LOG­PRO­ZESS in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­folge

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«DER MENSCH IST EIN
NAH­MO­BI­LI­TÄTS­WE­SEN»

Die gesamte Mobi­li­täts­bran­che ist im Umbruch. Für viele gilt der Umstieg von Ben­zin- und Die­sel­fahr­zeu­gen auf Elek­tro­au­tos und ‑last­wa­gen als Weg in die Zukunft. – Aller­dings greift dies zu kurz, viel zu kurz, wie ein span­nen­der The­men­schwer­punkt zum E‑Auto in der WOZ zeigt. Was es braucht sind nicht bloss andere Fahr­zeuge, son­dern einen neuen Umgang mit Mobi­li­tät.

So sagt zum Bei­spiel der deut­sche Autor, Fil­me­ma­cher und Sozi­al­wis­sen­schaft­ler Klaus Gie­tin­ger, der in sei­nem Buch «Voll­brem­sung» nichts weni­ger als eine Ver­kehrs­re­vo­lu­tion for­dert, der Mensch sei eigent­lich ein Nah­mo­bi­li­täts­we­sen: «Wei­ter weg fah­ren wir doch höchs­tens in den Urlaub oder für einen wich­ti­gen Geschäfts­ter­min, aber ansons­ten lebt man vor allem im Nah­be­reich. Und wenn ich nun die Geschwin­dig­keit und die Stre­cken redu­ziere, stärke ich damit zugleich die­sen Nah­be­reich: Neue Geschäfte und Jobs könn­ten dort ent­ste­hen, wo die Men­schen auch leben.»

Ein span­nen­der Ansatz, der auch dem heu­ti­gen Zeit­geist ent­spre­che – dies das Fazit des äus­serst lesens­wer­ten Arti­kels zum Thema E‑Auto:

 

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VON DER AUTO-
ZUR MEN­SCHEN­GE­RECH­TEN STADT

In Paris kann man wie­der schwel­gen und träu­men: Genau dort, wo bis vor kur­zem Staus, Lärm und Gestank für Frust und Unmut sorg­ten, lädt heute ein ein­drück­li­cher Ufer­park zum Fla­nie­ren, Ver­wei­len und Genies­sen.

Die visio­näre Pari­ser Bür­ger­meis­te­rin Anne Hidalgo treibt die Trans­for­ma­tion von der auto- zur men­schen­ge­rech­ten Stadt vol­ler Enthu­si­as­mus voran. Die Still­le­gung der inner­städ­ti­schen Auto­bahn ent­lang der Seine sorgte welt­weit für Schlag­zei­len. Sie setzte das zukunfts­wei­sende Pro­jekt dank Unter­stüt­zung durch die Pari­ser Bevöl­ke­rung gegen den teils hef­ti­gen Wider­stand von Pend­lern und der Auto­lobby durch. 

Der Erfolg gibt ihr recht: Im Her­zen von Paris ist der Gewinn an Lebens­qua­li­tät augen­fäl­lig. Doch der Wan­del hin zu einer nach­hal­ti­gen, men­schen­freund­li­chen Mobi­li­tät beschränkt sich nicht allein auf das Sei­neufer – es braucht umfas­sende Mass­nah­men und regio­na­les Den­ken. Das weiss man auch in Paris.

Des­halb wer­den zum Bei­spiel aktu­ell zahl­rei­che wei­tere Stras­sen­ab­schnitte in der Stadt umge­baut. Damit sie attrak­ti­ver und siche­rer wer­den für Fuss­gän­ge­rIn­nen sowie für Rad- und Scoo­ter­fah­re­rIn­nen. ..

Vor­bei sind die Zei­ten, als in Paris das Auto Mass aller Dinge war – das zeigt sich nicht zuletzt auch an den inno­va­ti­ven Signa­li­sa­tio­nen, die das Zen­trum zie­ren und mit­un­ter auch Auto­mo­bi­lis­tIn­nen nach­denk­lich stim­men dürf­ten…

 

WEI­TER­LE­SEN

 


 

MUT ZUR TAT

 

Es braucht nicht mehr Stras­sen, son­dern eine neue Orga­ni­sa­tion der öffent­li­chen Räume. Dies zei­gen zahl­rei­che Bei­spiele im In- und Aus­land. Zah­len und Fak­ten zu einem aktu­el­len Bei­spiel waren in der Süd­deut­schen Zei­tung vom 6. Sep­tem­ber nach­zu­le­sen: Als 2015 auf einem Teil­stück der Gabels­ber­ger­strasse in Mün­chen eine Auto­spur auf­ge­ho­ben und in eine Velo­spur ver­wan­delt wurde, schrie­ben die Kri­ti­ke­rIn­nen die­ser Mass­nahme eine «Stau­falle in der Max­vor­stadt» her­bei.

Von einem dro­hen­den dau­er­haf­ten Ver­kehrs­chaos war die Rede und von län­ge­ren Fahr­zei­ten für die Autos. Vier Jahre spä­ter zeigt sich: Nichts von alle­dem trat ein – im Gegen­teil. Eine minu­tiöse Aus­wer­tung von Tom­Tom-Daten beweist: Die neue Rad­spur hat zwar den Ver­kehrs­fluss ver­än­dert, sich aber nir­gends – auch nicht in den umlie­gen­den Quar­tie­ren – nega­tiv auf den Ver­kehr aus­ge­wirkt.

«Wenn wir über das Thema Ver­kehr spre­chen, las­sen wir uns oft von unse­ren eige­nen Wahr­neh­mun­gen oder Annah­men lei­ten, die nicht auf Fak­ten und objek­ti­ven Mess­ergeb­nis­sen basie­ren», sagte Tom­Tom-Spre­che­rin Sarah Schwei­ger gegen­über der Süd­deut­schen Zei­tung – die Gabels­ber­ger­strasse  in der Münch­ner Max­vor­stadt sei ein schö­nes Bei­spiel dafür.

Wir erin­nern uns: Ähn­li­ches geschah in der Region Biel, wo die Ver­kehrs­pro­gnos­ti­ker von Stadt, Kan­ton und TCS Schre­ckens­bil­der von Dau­er­stau, Ver­stop­fun­gen und einem Ver­kehrs­chaos an die Wand mal­ten. Ohne West­ast werde es nach der Eröff­nung des Ost­asts zu dra­ma­ti­schen Eng­päs­sen kom­men, hiess es damals. Heute wis­sen wir: Nichts von dem geschah…

Fazit: Um die Ver­kehrs­flüsse zu opti­mie­ren und den nicht-moto­ri­sier­ten Ver­kehr zu för­dern, braucht es unbe­dingt len­kende Mass­nah­men auf den bestehen­den Stras­sen – eine Erwei­te­rung der Stras­sen­ka­pa­zi­tä­ten ist nicht nötig. Und vor allem wäre sie nicht ziel­füh­rend. Weil mehr Stras­sen immer mehr Ver­kehr bedeu­ten…

Für den Dia­log­pro­zess zum West­ast heisst das letzt­end­lich, dass es drin­gend eine fak­ten­ba­sierte Aus­wer­tung der aktu­el­len Ver­kehrs­zah­len braucht – als Basis für die Suche nach Len­kungs­mass­nah­men, für eine Opti­mie­rung der Mobi­li­tät in der Region.

Süd­deut­sche Zei­tung vom 6. Sep­tem­ber 2019 – click and read:

 


 

VON OSLO BIS MADRID:
VOR­TRITT FÜR DIE «NEUE MOBI­LI­TÄT»

Eine inspi­rie­rende Aus­le­ge­ord­nung auf Spie­gel Online: Immer mehr Gemein­den und Städte befreien ihre öffent­li­chen Räume von der Vor­herr­schaft des moto­ri­sier­ten Ver­kehrs.

Der Arti­kel zeigt diese Ent­wick­lung am Bei­spiel des Ham­bur­ger Stadt­teils Otten­sen auf:  Unter dem Motto «Otten­sen macht Platz» ist das Zen­trum des Quar­tiers seit Anfang Sep­tem­ber 2019 gross­flä­chig auto­frei. Damit schaffe man «Platz für Men­schen, für Fuss­gän­ge­rin­nen und Fuss­gän­ger, für Rad­fah­rende, für Kin­der, Fami­lien, für Ältere. Für nach­bar­schaft­li­che Begeg­nun­gen, für ent­spann­tes Fla­nie­ren und Ver­wei­len, für krea­tive und neue Nut­zun­gen. Platz für ein neues Erle­ben des öffent­li­chen Rau­mes und neue Per­spek­ti­ven auf Mobi­li­tät», lau­tet die Begrün­dung auf der Web­site des Pro­jekts.

© Sebas­tian Clau­sen

Das Pro­jekt ist vor­erst auf 6 Monate begrenzt und wird wis­sen­schaft­lich beglei­tet. Dies nicht zuletzt, weil die Prio­ri­sie­rung des nicht-moto­ri­sier­ten Ver­kehrs auch in Otten­sen nicht unum­strit­ten ist.

Prak­tisch über­all stos­sen Mass­nah­men zur Reduk­tion von Park­plät­zen und inner­städ­ti­schem Auto­ver­ker anfäng­lich auf Wider­stand. Die­ser ver­fliegt aber jeweils schnell, da über­all dort, wo die Domi­nanz des moto­ri­sier­ten Ver­kehrs zurück­ge­bun­den wurde, die Lebens­qua­li­tät steigt. «Mir ist kein Pro­jekt die­ser Art bekannt, das fehl­ge­schla­gen ist», zitiert der Spie­gel Phi­line Gaf­fron, Ober-Inge­nieu­rin für Ver­kehrs­pla­nung und Logis­tik an der TU Ham­burg.

Der Trend ist ein­deu­tig – von Oslo bis Madrid: Die Rück­erobe­rung des öffent­li­chen Raums ist in vol­lem Gang. Das Modell der auto­freund­li­chen Stadt  mit Auto­bahn-Zubrin­ger­ach­sen direkt ins Stadt­zen­trum, dem das offi­zi­elle West­ast-Pro­jekt immer noch hul­digt, hat aus­ge­dient. Die Zukunft gehört jenen Ver­kehrs­mo­del­len, die Men­schen, Umwelt und Natur ins Zen­trum stel­len. Das rech­net sich auch wirt­schaft­lich, wie sich vie­ler­orts bereits gezeigt hat…

 

Der Spie­gel-Arti­kel mit zahl­rei­chen Bei­spie­len – click and read

 


 

DER WEST­AST-WIDER­STAND
ALS VOR­BILD

 

«Wie stoppt man ein Auto­bahn­pro­jekt?» lau­tete am letz­ten Sams­tag der Front­auf­ma­cher im Bund. Nach wochen­lan­gen Recher­chen ist der von lan­ger Hand ange­kün­digte dop­pel­sei­tige Arti­kel end­lich erschie­nen. Darin ver­su­chen zwei Ber­ner Jour­na­lis­ten zu rekon­stru­ie­ren, wie es zur aktu­el­len Sis­tie­rung des offi­zi­el­len West­ast-Pro­jekts gekom­men ist.

Ihre Moti­va­tion: Mitt­ler­weile ist der Wider­stand gegen den A5-West­ast zum Vor­bild für Akti­vis­tIn­nen in der gan­zen Schweiz gewor­den. Des­halb gin­gen sie der Frage nach, wie die­ser Erfolg in einem anfäng­lich aus­sichts­los erschei­nen­den Kampf über­haupt mög­lich war.

Fleis­sig haben die bei­den Jour­na­lis­ten laut eige­nen Anga­ben gegen 30 Per­so­nen befragt. Vie­les haben sie zusam­men­ge­tra­gen, mit­ein­an­der in Bezie­hung gebracht. Und trotz­dem das Wich­tigste ver­ges­sen…

Hier des­halb — für alle, die nach einer «Anlei­tung» für erfolg­rei­chen Wider­stand gegen unsin­nige Stras­sen­pro­jekte suchen — einige Ergän­zun­gen und Kor­rek­tu­ren. Denn das Herz und die Basis für den Erfolg des Wider­stands sind die unzäh­li­gen enga­gier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die sich mit immer neuer Eigen­in­itia­tive, unglaub­li­cher Krea­ti­vi­tät, Hart­nä­ckig­keit – vor allem aber auch mit viel Lebens­freude und Opti­mis­mus – der Zer­stö­rung ihres Lebens­raums wider­set­zen.

Die Stadt­wan­de­run­gen ent­lang der Zer­stö­rungs­achse, die ab Früh­jahr 2016 durch­ge­führt wur­den, waren nicht, wie dies der Bund-Arti­kel sug­ge­riert, eine Erfin­dung medi­en­ver­sier­ter Komi­te­e­mit­glie­der – im Gegen­teil: Die Stadt­wan­de­run­gen ziel­ten dar­auf, dass sich inter­es­sierte Bür­ge­rin­nen und Bür­ger vor Ort sel­ber infor­mier­ten. Unter kun­di­ger Füh­rung von Akti­vis­tIn­nen, wel­che die Pläne minu­tiös stu­diert hat­ten und nun ent­lang der geplan­ten Auto­bahn­achse mit detail­lier­ten Zah­len und Fak­ten das Bau­vor­ha­ben erläu­ter­ten.  Dank Mund-zu-Mund-Pro­pa­ganda wur­den diese Orts­ter­mine schnell zum Erfolg. Aller­dings dau­erte es sehr lange, bis sich regio­nale Medi­en­ver­tre­te­rIn­nen für diese Orts­ter­mine inter­es­sier­ten…

Wäh­rend die Medien noch schwie­gen, ver­teil­ten enga­gierte Akti­vis­tIn­nen Flyer in Tau­sende von Brief­käs­ten in Biel und den umlie­gen­den Gemein­den, um die Bevöl­ke­rung auf die­sem Weg über das geplante Mons­ter­pro­jekt zu infor­mie­ren. Sie waren tage- und wochen­lang unter­wegs und erreich­ten, dass die Bevöl­ke­rung der Stadt, die gröss­ten­teils bis anhin noch nie etwas vom «West­ast» gehört hatte, über die Aus­masse der geplan­ten Ein­griffe infor­miert wurde. 

Wäh­rend sich Jour­na­lis­tIn­nen immer noch schwer taten, die wach­sende Bewe­gung ernst zu neh­men und über den West­astwi­der­stand zu berich­ten, sorg­ten uner­müd­li­che Leser­brief­schrei­be­rIn­nen dafür, dass die geplante Auto­bahn nun regel­mäs­sig ihren Platz in den Zei­tun­gen erhielt.  Pen­sio­nierte Inge­nieure, krea­tive Mit­den­ke­rIn­nen prä­sen­tier­ten alter­na­tive Ideen und Vari­an­ten – und tru­gen ihrer­seits dazu bei, dass die Behör­den ihre Auto­bahn­pläne nicht län­ger unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit vor­an­trei­ben konn­ten.

Im Vor­feld der öffent­li­chen Plan­auf­lage tauch­ten dann plötz­lich über­all in Biel und Nidau – ja sogar in Port Stopp-West­astpla­kate und Bla­chen auf. Mitt­ler­weile war der West­ast zu einem Stadt­thema gewor­den, was dazu führte, dass beim UVEK über 650 Ein­spra­chen ein­gin­gen – sowohl von Pri­va­ten wie von gros­sen Ver­bän­den wie dem VCS oder der Stif­tung Land­schafts­schutz Schweiz.

Quasi im Allein­gang orga­ni­sierte eine West­ast-Kri­ti­ke­rin im Mai 2017 einen Velo­flashmob: Innert weni­ger Tage schaffte sie es, über ihre Netz­werke und soziale Medien mehr als 1200 Men­schen zu mobi­li­sie­ren. Die fried­li­che Demons­tra­tion, die in guter Zusam­men­ar­beit mit der Bie­ler Poli­zei durch­ge­führt wurde, war ein Schlüs­sel­mo­ment im West­ast-Wider­stand und ermu­tigte die Teil­neh­me­rIn­nen, sich wei­ter zu enga­gie­ren. So schuf der Flashmob die Basis, wel­che die gros­sen Demos im Herbst 2017 und 2018 erst ermög­licht hat.

Als publik wurde, dass 745 Bäume für den West­ast gefällt wer­den sol­len,  ent­stan­den spon­tan, aus der Mitte der Bevöl­ke­rung, neue Aktio­nen. Sie wur­den weder von einer Orga­ni­sa­tion gelei­tet noch von einem Komi­tee gesteu­ert: Akti­vis­tIn­nen mar­kier­ten auf eigene Faust wie­der­holt jene Bäume mit Pla­ka­ten, die dem West­ast geop­fert wür­den. Diese Baum­ak­tio­nen hat­ten eine über­wäl­ti­gende Wir­kung: Für viele Bür­ge­rIn­nen wurde erst jetzt deut­lich, wel­che Zer­stö­rungs­di­men­sio­nen der West­ast hat. – Und die Baum­ak­tio­nen gehen wei­ter: Vor weni­gen Wochen hat eine junge Frau, zusam­men mit Gleich­ge­sinn­ten, aus eige­nem Antrieb zahl­rei­chen bedroh­ten Bäu­men «ein Gesicht ver­lie­hen».

Man könnte unzäh­lige wei­tere Aktio­nen auf­zäh­len, die von immer wie­der ande­ren Akti­vis­tIn­nen initi­iert wur­den. Um nur einige zu nen­nen: Die  Unter­schrif­ten­samm­lung für eine Peti­tion gegen den West­ast, das Fest im Mül­ler Museum oder die Tavo­lata, wo Akti­vis­tIn­nen gemein­sam mit Quar­tier­be­woh­ne­rIn­nen ein Stras­sen­fest fei­er­ten – genau dort, wo die West­astschneise der­einst die Stadt zer­schnei­den würde.

Fazit: Der bis­he­rige Erfolg des West­ast-Wider­stands basiert auf einer brei­ten Bewe­gung, die immer wie­der neue krea­tive Ideen umsetzt – und so auch immer wie­der neue Men­schen zum Mit­ma­chen ermu­tigt. Weil es genau genom­men um weit mehr geht, als um das Ver­hin­dern eines Beton­mons­ters…

Genauso so, wie der viel­fäl­tige Wider­stand funk­tio­niert, müsste übri­gens auch die Lösungs­su­che erfol­gen, soll sie lang­fris­tig Erfolg haben: Es braucht einen trans­pa­ren­ten offe­nen Pro­zess,  wo krea­tive Ideen aus der Bevöl­ke­rung und aus ver­schie­de­nen Genera­tio­nen ein­flies­sen. Vari­an­ten hin­ge­gen, die von Pla­nern unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit erstellt wer­den, sind weder zeit­ge­mäss noch ziel­füh­rend. 

Dies eine kurze aber wich­tige Ergän­zung zum oben erwähn­ten Bund-Arti­kel… 

 


 

DIE RÜCK­EROBE­RUNG
DES ÖFFENT­LI­CHEN RAUMS

Bunte Fah­nen im Wind, fröh­li­che Farb­tup­fer auf dem grauen Asphalt. Wo sonst par­kierte Autos den Stras­sen­rand ver­sper­ren, leuch­ten pinke und signal­gelbe Tep­pi­che. Tische, Stühle – ja, sogar Lie­ge­stühle laden zum Ver­wei­len. Ganz ohne Kon­sum­zwang.

Bei schö­nem Wet­ter nut­zen Men­schen jeden Alters und unter­schied­lichs­ter Her­kunft das Ange­bot. Die Stras­sen­rän­der, und am Unte­ren Quai auch ein kur­zer ver­kehrs­be­frei­ter Stras­sen­ab­schnitt, erwa­chen zum Leben: Kin­der spie­len, Hunde tol­len herum. Jemand hat sei­nen Lap­top mit­ge­bracht und sich ein tem­po­rä­res Frei­luft­büro ein­ge­rich­tet. Ein ver­lieb­tes Paar am Schä­kern, zwei Freun­din­nen tref­fen sich auf einen Schwatz – Schü­le­rIn­nen zum gemein­sa­men Pick­nick und Ler­nen.

Das Pro­jekt «Som­mer­in­seln» in der Bie­ler Innen­stadt zeigt, was man eigent­lich schon lange weiss: Der öffent­li­che Raum lädt zum Ver­wei­len und ermög­licht Begeg­nun­gen, die für den Zusam­men­halt, das Zusam­men­le­ben einer Gesell­schaft so wich­tig sind. – Aller­dings kön­nen Stras­sen und Plätze diese Funk­tion nur erfül­len, wenn die Rah­men­be­din­gun­gen stim­men.

Die «Som­mer­in­seln» die­nen als Test­la­bor für die künf­tige Auf­wer­tung der Stadt als Begeg­nungs­ort. Natür­lich ruft das auch Kri­ti­ke­rIn­nen auf den Plan. Allen voran mäkelt TCS-Sek­ti­ons­prä­si­dent und FDP-Stadt­rat Peter Boh­nen­blust am zeit­lich auf wenige Wochen beschränk­ten Expe­ri­ment herum. Er und ein paar wei­tere Ewig­gest­rige wol­len nicht wahr­ha­ben, dass auch in Biel Moder­ni­sie­rung und Stadt­ent­wick­lung nicht län­ger bedeu­tet, dass der moto­ri­sierte Ver­kehr immer und über­all Vor­tritt hat.

Die Rech­nung ist näm­lich schnell gemacht und leuch­tet ein: Je weni­ger Autos in einer Stadt, desto mehr Raum gibt es für Begeg­nun­gen, Krea­ti­vi­tät – Leben. Wo hin­ge­gen Motor­fahr­zeuge vor­bei­don­nern, Last­wa­gen manö­vrie­ren und par­kierte Autos die Plätze ver­stel­len, bleibt nie­mand frei­wil­lig län­ger als nötig.

Nur sel­ten wird den Men­schen bewusst, wie­viel öffent­li­cher Raum dem moto­ri­sier­ten Ver­kehr geop­fert wird und wie sehr der moto­ri­sierte Ver­kehr die Atmo­sphäre, ihren Lebens­raum prägt und beherrscht. Wer nichts ande­res kennt, nimmt den Lärm, die Gefahr, die Ver­schan­de­lung meist klag­los in Kauf.

Mitt­ler­weile gibt es aller­dings unzäh­lige Bei­spiele, die zei­gen, wie­viel Lebens­qua­li­tät zu gewin­nen ist, wo Men­schen ihre Dör­fer, Quar­tiere und Plätze zurück­er­obern. Die Bie­ler Som­mer­in­seln sind ein Schritt in diese Rich­tung und zei­gen, dass sol­che Ange­bote im öffent­li­chen Raum von Stadt­be­woh­ne­rIn­nen und Pas­san­tIn­nen rege genutzt wer­den und ein Gewinn sind, für die Ambi­ance in der Stadt.

Vor einem Jahr genos­sen sogar die Bewoh­ne­rIn­nen des Müh­le­feld- und Gurn­igel­quar­tiers die Qua­li­tä­ten des öffent­li­chen Raums in ihrer unmit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft. Ganz ohne Gefahr und Moto­ren­lärm:  Für die Dauer eines Sonn­tags­brunchs waren damals die Aebi- und die Gurn­igel­strasse am Gurn­igel­krei­sel für den moto­ri­sier­ten Ver­kehr gesperrt.

Gross und Klein traf sich zur Tavo­lata mit­ten auf der Strasse – genau dort, wo der­einst zahl­rei­che Häu­ser der A5-Westastau­to­bahn wei­chen müss­ten. Die Tat­sa­che, dass der Auto­bahn­an­schluss Bienne Centre mit der offe­nen Auto­bahn­schneise das beliebte Wohn­quar­tier für immer ver­un­stal­ten, ver­pes­ten und ver­l­är­men würde, stört West­ast-Befür­wor­ter Boh­nen­blust hin­ge­gen nicht – im Gegen­satz zu den tem­po­rär ange­leg­ten Som­mer­in­seln… 

Das Tavo­lata-Fest war viel mehr, als eine simple Pro­test-Aktion gegen den Bau der West­ast-Auto­bahn. Es zeigte, was im öffent­li­chen Raum alles mög­lich wird – sobald er vom moto­ri­sier­ten Ver­kehr befreit ist:

Quar­tier­be­woh­ne­rIn­nen kamen mit­ein­an­der ins Gespräch, lang­jäh­rige Nach­ba­rIn­nen lern­ten sich end­lich ken­nen – auf der Strasse wurde Fuss­ball gespielt, am Krei­sel gab es Kon­zerte, eine Gruppe von Gärt­ne­rIn­nen ver­schö­nerte den Park­platz…

«Ich habe die­sen tol­len Raum bis­her gar nie wahr­ge­nom­men – erst heute, ohne Ver­kehr wird mir bewusst, in welch schö­nem Quar­tier wir leben, mit was für tol­len Leu­ten», kom­men­tierte eine Besu­che­rin fast ein wenig weh­mü­tig, als die Tische weg­ge­räumt wer­den musste, um die Strasse wie­der dem Ver­kehr zu über­las­sen.

Die Gurn­igel- und Aebi­strasse dau­er­haft ganz ohne moto­ri­sier­ten Ver­kehr – das wird wohl (zumin­dest vor­läu­fig) ein Traum blei­ben. Trotz­dem gilt auch für die­sen Teil der Stadt: Der Auto­ver­kehr darf nicht zuneh­men – weder ober- noch unter­ir­disch. Und es dür­fen ihm keine wei­te­ren Flä­chen geop­fert wer­den!

Auf dass das Som­mer­in­sel-Gefühl sich dau­er­haft immer wei­ter über die ganze Stadt, die ganze Region ver­brei­ten kann… 

 


 

 

 

POE­TI­SCHER PRO­TEST GEGEN
DIE WEST­AST-AUTO­BAHN

Das Gefühl, jemand beob­ach­tet dich. Ein Augen­paar folgt dir, wie du auf der Neu­en­burg­strasse stadt­aus­wärts radelst. Gesich­ter lachen dich an, auf dem Weg durchs Pas­quart in die Stadt. Bli­cke von allen Sei­ten, beim Über­que­ren des Kraut­ku­chen-Park­plat­zes…

Plötz­lich waren sie da, die Baum-Kobolde in der See­vor­stadt. Uner­war­tet, unge­ru­fen. Wie aus dem Nichts. Seit Ende Juli beob­ach­ten sie das Trei­ben der Men­schen. Und erin­nern uns daran, dass Bäume genauso leben­dige Wesen sind wie unser­eins. 

alle Fotos: © Rosanna Brom­ba­cher

 

Die Kobolde haben sich ihre Bäume gezielt aus­ge­wählt. Jeder Baum, der uns mit einem nach­denk­li­chen, fröh­li­chen, über­mü­ti­gen, ver­schmitz­ten, trau­ri­gen, fre­chen, geheim­nis­vol­len Baum­ge­sicht anschaut, ist bedroht. Vom A5-West­ast, dem man bekannt­lich – falls er tat­säch­lich gebaut würde – über 745 Stadt­bäume opfern würde.

Gut zwei Jahre ist es her, dass Akti­vis­tIn­nen all diese Bäume in Nidau und Biel mit Pla­ka­ten mar­kiert hat­ten, um die Bevöl­ke­rung auf den dro­hen­den Kahl­schlag auf­merk­sam zu machen. Diese Aktion hat damals auch Rosanna Brom­ba­cher bewegt. Und nicht mehr los­ge­las­sen.

Die junge Musik­leh­re­rin hat damals in Biel Rhyth­mik stu­diert – und ihr Herz an die Stadt ver­lo­ren.  Die West­astop­po­si­tion sei eine wich­tige Bewe­gung, sagt sie. Biel habe eine bes­sere Zukunft ver­dient, die nicht durch West­astbau­stel­len und die Auto­bahn zer­stört wer­den dürfe. Sie sei froh, um den Wider­stand gegen das Pro­jekt.  «Im Moment ist es aller­dings still gewor­den, um den West­ast – wahr­schein­lich, weil jetzt am Run­den Tisch ver­han­delt wird», ver­mu­tet die Wahl­bie­le­rin. Und ergänzt: «Obschon diese Ver­hand­lun­gen gut und wich­tig sind, ist es schade, dass es für die breite Bevöl­ke­rung den Anschein macht, als ob die West­ast-The­ma­tik ein­ge­schla­fen sei.»

Rosanna Brom­ba­cher ist eine Frau der lei­sen Töne. So suchte sie nach eige­nen Wegen, um den bedroh­ten Bäu­men erneut die not­wen­dige Auf­merk­sam­keit zu schen­ken.  «Eines Tages, als ich mit dem Fahr­rad der Allee von Vin­g­elz Rich­tung Biel ent­lang flitzte, kam die Idee, die­sen Bäu­men Gesich­ter zu geben», erin­nert sie sich. 

Fest stand für sie auch: Es wer­den Gesich­ter aus Lehm. Weil sich das Mate­rial wun­der­bar für die künst­le­ri­sche Gestal­tung eig­net. Aber auch, weil es die Bäume nicht ver­letzt, aus der Region stammt und voll­stän­dig bio­lo­gisch abbau­bar ist.

Freun­dIn­nen gefiel die Idee. So mach­ten sich an einem Nach­mit­tag in den Som­mer­fe­rien rund ein Dut­zend Akti­vis­tIn­nen an die Arbeit. Mit viel Hin­gabe hät­ten sie die Gesich­ter gestal­tet, man­che seien gar bis in den Abend hin­ein geblie­ben. Solange, bis die Lehm­kü­bel alle leer waren, erzählt Rosanna Brom­ba­cher.

Mit der Zeit wer­den Wind und Regen dafür sor­gen, dass die Baum­ge­sich­ter nach und nach ver­wit­tern und ver­schwin­den. Anders als die Bäume – dies die Hoff­nung und letzt­end­lich das Ziel die­ser Aktion.

Aktu­ell zei­gen die Bäume aber noch ihre Gesich­ter! – Des­halb die Emp­feh­lung für all jene, die noch nie einem Baum­ko­bold begeg­net sind und die Bli­cke der Baum­geis­ter nicht scheuen: Ein Spa­zier­gang ent­lang der Neu­en­burg­strasse, durch die See­vor­stadt und über den Kraut­ku­chen­park­platz lohnt sich…

Wei­tere Bil­der und ein Kurz­be­richt über die Aktion von Rosanna Brom­ba­cher unter: www.vision2035.ch

 

 


 

DER RUNDE TISCH
VOR DEN SOM­MER­FE­RIEN

 

Don­ners­tag, 4. Juli – ein präch­ti­ger Som­mer­tag. Pünkt­lich um 16 Uhr fin­den sich die Mit­glie­der der soge­nann­ten Dia­log­gruppe zum A5-West­ast in der Aula des BFB-Schul­hau­ses am Wal­ser­platz ein. Auf der Trak­tan­den­liste des drit­ten Run­den Tischs ste­hen zwei wich­tige Geschäfte: Die Neu­be­set­zung des Sekre­ta­ri­ats sowie die Dis­kus­sion des vor­ge­schla­ge­nen Arbeits­pro­gramms für die kom­men­den 12 Monate.

Pro­zess­mo­de­ra­tor Wer­der steigt gleich mit der Neu­be­set­zung des Sekre­ta­ri­ats ein. Nach­dem Infra­kom vor zwei Mona­ten das Hand­tuch geschmis­sen hatte, war das Sekre­ta­riat seit Ende Mai ver­waist.

Von der Annahme aus­ge­hend, dass alle Pri­vat­bü­ros, die für die­sen Job in Frage kämen, auf die eine oder andere Weise befan­gen seien, habe er in der Kern­gruppe den Vor­schlag gemacht, die Stadt Biel könnte das Pro­zess-Sekre­ta­riat stel­len, tat Pro­zess­lei­ter Wer­der an der Sit­zung kund. Aller­dings habe Stadt­prä­si­dent Erich Fehr dies abge­lehnt. Mit der Begrün­dung, dass es sonst heis­sen könnte, die Stadt Biel würde den Pro­zess beein­flus­sen…

In der Folge griff Wer­der auf eine Spon­tan­be­wer­bung zurück, die er nach dem Rück­tritt von Infra­kom erhal­ten hatte. Die zwei Büros, die sich gemein­sam für das Man­dat bewar­ben, haben sich dann am 20. Juni der Kern­gruppe vor­ge­stellt und eine Offerte unter­brei­tet.

Bei der kur­zen Prä­sen­ta­tion vor den Mit­glie­dern der Dia­log­gruppe umriss Hans­jörg Ryser, ehe­ma­li­ger Wirt­schafts­jour­na­list und Mit­in­ha­ber der jun­gen Firma FR&Partner in Solo­thurn, seine Kom­pe­ten­zen und das Inter­esse an die­sem Man­dat. Er nannte die Unab­hän­gig­keit des Sekre­ta­ri­ats, die unter­stüt­zende Funk­tion sowie das Ver­ständ­nis für den Pro­zess als wich­tigste Punkte. Im Wider­spruch zum Bekennt­nis der Unab­hän­gig­keit steht, dass das Part­ner­büro, die PR-Firma F+W com­mu­ni­ca­ti­ons Mit­glied beim HIV Bern ist, der sich bekannt­lich im Dia­log­pro­zess auf der Seite der Auto­bahn­be­für­wor­ter enga­giert. Diese Mit­glied­schaft habe prak­ti­sche Gründe, erklärte Andreas Schnei­der von F+W com­mu­ni­ca­ti­ons – aller­dings erst auf eine dies­be­züg­li­che Frage aus der Dia­log­gruppe: Seine Mit­ar­bei­te­rIn­nen seien über den HIV ver­si­chert. Falls nötig, würde er aber zuguns­ten des Man­dats nach einer neuen Lösung suchen – und aus dem HIV aus­tre­ten.

Schliess­lich prä­sen­tierte sich auch noch Yvonna Schind­ler, PR-Frau bei der Agen­tur Cabi­net Privé de Con­seils SA,  – sie ist für den fran­zö­si­schen Part der Sekre­ta­ri­ats­ar­beit zustän­dig.

In der anschlies­sen­den Dis­kus­sion wurde kri­ti­siert, dass die Pro­zess­lei­tung keine Kon­kur­renz­of­fer­ten ein­ge­holt hat. Ange­sichts der unhalt­ba­ren Situa­tion ohne Sekre­ta­riat, musste die Dia­log­gruppe aber – Vogel friss oder stirb – schliess­lich die oben genann­ten Bewer­ber ver­pflich­ten. Sie hatte keine Wahl, wie dies im BT-Bericht fälsch­li­cher­weise sug­ge­riert wird…

Damit sich sol­ches nicht wie­der­holt, ver­sprach Hans Wer­der, als Ant­wort auf eine For­de­rung aus der Dia­log­gruppe, bei künf­ti­gen Man­dats­ver­ga­ben den Mit­glie­dern der Kern- und Dia­log­gruppe jeweils min­des­tens zwei Offer­ten vor­zu­le­gen.

Das neue Sekre­ta­riat ist ab sofort im Ein­satz – im Anschluss an die Dia­log­grup­pen­sit­zung hat Hans Wer­der mit den drei Ver­ant­wort­li­chen noch ent­spre­chende Gesprä­che geführt.

Arbeits­pro­gramm in vier Schrit­ten

Nach der Ver­pflich­tung des Sekre­ta­ri­ats sowie der Berei­ni­gung des Sit­zungs­pro­to­kolls vom 27. Mai und einer Reihe von Mit­tei­lun­gen sei­tens der Pro­zess­lei­tung, prä­sen­tierte Fritz Kobi, der als Fach­ex­perte Ver­kehr den Pro­zess beglei­tet, das Arbeits­pro­gramm und des­sen Ziel­set­zun­gen.

 

Ein­lei­tend refe­rierte Kobi über den Begriff der Belast­bar­keit: Ziel sei es, Wege und Lösun­gen zu fin­den, die gewähr­leis­ten wür­den, dass die Belast­bar­keit der Stras­sen im urba­nen Raum nicht über­schrit­ten werde. Im Zen­trum stehe dabei die Frage: Wie­viele Autos ver­trägt es – damit der ÖV ver­läss­lich bleibt, der Ver­kehr fliesst, die vom Bund fest­ge­leg­ten Umwelt­nor­men ein­ge­hal­ten wer­den, das Ambi­ente stimmt? 

In einem 1. Schritt sol­len vor die­sem Hin­ter­grund der Ist-Zustand doku­men­tiert, und all­fäl­lige Pro­bleme auf­ge­lis­tet wer­den. Dafür braucht es zwin­gend aktu­elle, aus­sa­ge­kräf­tige Ver­kehrs­ana­ly­sen. Fritz Kobi wird wäh­rend der Som­mer­fe­rien ein Pflich­ten­heft erar­bei­ten, damit im Herbst ent­spre­chende Man­date an Externe ver­ge­ben wer­den kön­nen. Mit Schritt 2 soll eine Vision erar­bei­tet wer­den, in wel­che Rich­tung sich die Mobi­li­tät in der Region Biel ent­wi­ckeln soll. In die­ser Phase ist es beson­ders wich­tig, dass die Bevöl­ke­rung erst­mals im Rah­men von par­ti­zi­pa­ti­ven Ver­fah­ren mit­wir­ken kann.

In der Dis­kus­sion zeigte sich aller­dings, dass es unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen dar­über gibt, was unter Par­ti­zi­pa­tion zu ver­ste­hen ist: Für man­che heisst dies Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen für inter­es­sierte Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Mit ande­ren Wor­ten: Ein­weg­kom­mu­ni­ka­tion. Dem­ge­gen­über steht das Kon­zept einer ech­ten Par­ti­zi­pa­tion, bei der auch von Sei­ten der Par­ti­zi­pie­ren­den Inputs in den Pro­zess ein­flies­sen kön­nen. Kon­kret wurde etwa vor­ge­schla­gen, Work­shops an den Ober­stu­fen­schu­len  der Region – Berufs- und Fach­hoch­schu­len sowie Gym­na­sien – durch­zu­füh­ren. Hans Wer­der gab in die­sem Zusam­men­hang bekannt, dass bereits erste Gesprä­che mit Schu­len geführt wor­den seien. Die­ser Faden könne nun, da das Sekre­ta­riat neu besetzt sei, wie­der auf­ge­nom­men wer­den. Genauso stellte er in Aus­sicht, nach den Som­mer­fe­rien die Imple­men­ta­tion des ange­dach­ten Dia­log­raums zügig in Angriff zu neh­men. – Eben­falls in Aus­sicht gestellt wurde, dass sich die Kern­gruppe in ihren nächs­ten Sit­zun­gen ver­tieft mit der Frage der Par­ti­zi­pa­tion aus­ein­an­der­set­zen wird.

In einem drit­ten Schritt soll, basie­rend auf den Erkennt­nis­sen aus den vor­her­ge­hen­den Schrit­ten, die Stoss­rich­tung der Lösungs­fin­dung fest­ge­legt wer­den. Aktu­ell sind eine Reihe von Vari­an­ten im Pro­gramm auf­ge­führt – es ist jedoch davon aus­zu­ge­hen, dass sich diese Liste auf­grund der Resul­tate aus Schritt 1 und 2 ver­än­dern wird. In Schritt 4 schliess­lich soll eine Emp­feh­lung für das wei­tere Vor­ge­hen aus­ge­ar­bei­tet wer­den.

All dies müsste bis im Som­mer 2020 abge­schlos­sen sein, was mehr als sport­lich sein dürfte: Nimmt man den Pro­zess ernst, ins­be­son­dere auch die Mit­wir­kung der Bevöl­ke­rung, dürfte der aktu­elle Zeit­plan kaum ein­zu­hal­ten sein.

Zwar wurde an der Dia­log­grup­pen­sit­zung wie­der­holt gefor­dert, man müsse bis in einem Jahr eine Lösung vor­le­gen. Dies anzu­stre­ben ist sicher rich­tig, es zu einem obers­ten Prin­zip zu machen, wird der Sache aber nicht gerecht. Schliess­lich geht es um die Zukunft einer gan­zen Region! 

Die Mit­glie­der der Kern­gruppe tref­fen sich nach den Som­mer­fe­rien am 15. und 27. August wie­der – die nächste Sit­zung der Dia­log­gruppe steht erst am 18. Sep­tem­ber auf dem Pro­gramm. Bis die nächs­ten wich­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen erfol­gen, etwa für die Ver­gabe von Auf­trä­gen für Ver­kehrs­ana­ly­sen oder Par­ti­zi­pa­ti­ons­pro­zesse, ver­strei­chen dem­nach erneut über zwei Monate…

Bericht­erstat­tung Bie­ler Tag­blatt:thumbnail of 20190705_BT_RunderTisch

Medi­en­mit­tei­lung Komi­tee West­ast so nicht:
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ASTRA-ZAH­LEN­AKRO­BA­TIK

 

Jahr für Jahr erscheint ein Bericht des Bun­des­amts für Stras­sen (ASTRA), gespickt mit Zah­len und Gra­fi­ken. Das Ganze kommt sehr wis­sen­schaft­lich daher, die Stau- und Ver­kehrs­zah­len jeweils auf eine Stelle hin­ter dem Komma gerun­det. Das heisst: auf einen Tau­sends­tel genau.

Schon vor einem Jahr haben wir auf die Zah­len­akro­ba­tik des ASTRA hin­ge­wie­sen. Auch die­ses Jahr gibt es dar­über wie­der eini­ges zu berich­ten:

 

In der Öffent­lich­keit erscheint in der Regel eine kon­den­sierte SDA-Zusam­men­fas­sung. Wer jedoch den gan­zen Bericht genau liest, stellt sich Fra­gen über Fra­gen. Denn Zah­len in eine Excel-Tabelle abfül­len und mit einer For­mel ein Ergeb­nis, auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau gene­rie­ren, ist das eine. Viel wich­ti­ger aber und ent­schei­dend sind die ver­wen­de­ten Daten: Wenn diese nicht stim­men und/oder wich­tige Mess­zah­len feh­len, stimmt das Resul­tat noch weni­ger. Dass die­ses mit Stel­len hin­ter dem Komma ver­se­hen wird, kommt einem Ross­täu­scher­trick ähn­lich.  Das ASTRA beschreibt das dann so:  



Im Klar­text: Bis im Jahr 2015 wur­den auf­grund einer unge­nauen Mess­me­thode das Ver­kehrs­auf­kom­men um 4–5% zu hoch aus­ge­wie­sen. Sogar beim Ein­ge­ständ­nis der Fehl­leis­tung klam­mert sich das ASTRA eisern an die Stel­len hin­ter dem Komma.

Wei­te­res Bei­spiel: Mess­stel­len. Das ASTRA ver­brei­tet tat­säch­lich Zah­len über den Ver­kehr auf der A1 (auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau) und  tut gleich­zei­tig kund:

 

 

Im Klar­text: Man ope­riert mit Kenn­zah­len (auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau), obschon die Mess­ap­pa­rate an Schlüs­sel­stel­len seit Jah­ren kaputt oder wegen Bau­ar­bei­ten nicht in Betrieb sind. Was das taugt? – Nichts.

Aber halt! Die Ver­kehrs­in­ge­nieure wis­sen mit sol­chen Män­geln prag­ma­tisch um zu gehen. Das Zau­ber­wort heisst: PLAU­SI­BI­LI­SIE­REN. Wie­derum: Auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau:

«Täg­lich wer­den die auf Stun­den aggre­gier­ten Ver­kehrs­werte von den Zähl­stel­len zur zen­tra­len Ver­kehrs­da­ten­bank VMON des ASTRA über­tra­gen. Dort wer­den die Daten plau­si­bi­li­siert und dar­aus abge­lei­tete Kenn­zah­len publi­ziert (www.verkehrsdaten.ch).»   Quelle: Rosen­thal und Part­ner AG

 

Wei­te­res Bei­spiel: Das Astra ver­brei­tet Zah­len über soge­nannte «Stau­tage» und erklärt uns, was es damit meint:

Im Klar­text:  Egal ob ein ein­ma­li­ger 5‑minütiger Stau  (oder sogar bloss sto­cken­der Kolon­nen­ver­kehr) oder stun­den­lan­ger, wie­der­hol­ter Stop-and-go-Ver­kehr – bei­des wird vom ASTRA unter «Stau­tag» sub­su­miert. Da wird eine Kate­go­rie geschaf­fen, die Kraut und Rüben ent­hält und ver­meint­lich «beweist», dass die halbe moto­ri­sierte Schweiz täg­lich per­ma­nent im Stau steht.

Wer­den wenigs­tens die «Stau­stun­den» (eine wei­tere ASTRA-Kate­go­rie) prä­zise defi­niert und erfasst? Fehl­an­zeige. Auch das haben die ASTRA-Leute nicht im Griff: Der Ein­fach­heit hal­ber wer­fen sie näm­lich Stau und Kolon­nen­ver­kehr in den sel­ben Topf. Die Quel­len: Poli­zei­be­ob­ach­tun­gen, Via­su­isse-Ver­kehrs­mel­dun­gen, pri­vate Stau­mel­der – ein Jekami: alles kommt in die  Daten­wurst und wird plau­si­bi­li­siert.

 


 

Im gan­zen Bericht: Wohin man schaut, wird mit Grund­la­gen­da­ten ope­riert, für die man keine har­ten Fak­ten hat. Das Mate­rial ist plau­si­bi­li­sier­bar und wird folg­lich plau­si­bi­li­siert.

Das ist die Basis, auf wel­cher im Schwei­z­er­land Ver­kehrs­pro­gno­sen erstellt wer­den: Im Qua­drat plau­si­bi­li­sierte Zah­len­akro­ba­tik.

Und nun soll auf­grund die­ser Zah­len­akro­ba­tik der Bau eines A5-West­asts begrün­det oder ver­wor­fen wer­den…

Im Raum Biel mes­sen ASTRA und Kan­ton den Ver­kehr an die­sen Stel­len:

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Wir sind gespannt, wel­che Qua­li­tät die Ver­kehrs­mes­sun­gen auf­wei­sen, die dem Run­den Tisch A5-West­ast zur Ver­fü­gung ste­hen:  Han­delt es sich um aus­sa­ge­kräf­tige Hard Facts, oder ein­mal mehr um plau­si­bi­li­sierte Zah­len, auf eine Stelle hin­ter dem Komma genau.

Für den Dia­log­pro­zess und die Lösungs­fin­dung ist es ent­schei­den, dass die bei­gezo­ge­nen Ver­kehrs­ex­per­ten die Daten auf Herz und Nie­ren prü­fen und nöti­gen­falls neue, aus­sa­ge­kräf­tige Daten über die aktu­el­len Ver­kehrs­flüsse beschaf­fen las­sen.

 

 


 

VER­KEHRANDERS GEDACHT

Am kom­men­den Don­ners­tag, 4. Juli geht es in die dritte Runde am Run­den Tisch in Sachen West­ast: Die Mit­glie­der der soge­nann­ten Dia­log­gruppe wol­len an die­sem Tag das Pro­gramm für die Lösungs­su­che fest­le­gen.

Des­halb zum Wochen­start ein inspi­rie­ren­des Video, das zeigt, wie sich eine Stadt ent­wi­ckeln kann, wenn für ein­mal nicht aus der Lenk­rad­per­spek­tive geplant wird: In der nie­der­län­di­schen Stadt Hou­ten hat man schon vor Jahr­zehn­ten kon­se­quent aufs Fahr­rad gesetzt. Mit Erfolg, wie sich heute zeigt:

kli­cken und schauen

Auch wenn sich die Ent­wick­lung der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur von Hou­ten nicht 1 : 1 auf die Situa­tion in Biel und dem See­land über­tra­gen lässt: Einige  «Rezepte» kann man durch­aus über­neh­men! 

 


 

 

KAHL­SCHLAG UNTER DER PLA­TANE
oder
ORD­NUNG MUSS SEIN!

In den letz­ten Mona­ten ent­wi­ckelte sich am Gurn­igel­krei­sel – «hin­ter den sie­ben Glei­sen» – eine bunte Blu­men­pracht. An die­sem geschichts­träch­ti­gen Ort, an der Grenze zwi­schen Nidau und Biel, erblühte um den einst kah­len, häss­li­chen Schlacht­haus-Park­platz ein klei­ner, fei­ner Urban Gar­den.

Hum­meln und Bie­nen summ­ten um die Wette. Eine leben­dige Insel, inmit­ten des Stadt­ver­kehrs. Ein Kleinod, genau dort, wo die Westastau­to­bahn­pla­ner das Tun­nel­por­tal der Auto­bahn­ein- und Aus­fahrt «Biel Centre» vor­ge­se­hen haben.

Bereits im Früh­jahr, als die jun­gen Blät­ter der mäch­ti­gen Pla­tane noch kei­nen Schat­ten spen­de­ten, bil­dete sich zwi­schen Trot­toir und Park­platz ein sam­te­ner Tep­pich aus ver­heis­sungs­vol­lem Grün. Sogar aus den Rit­zen ent­lang der Mau­ern spross fri­sches Leben. Rot leuch­te­ten die Tul­pen…

Ein Gar­ten, ange­legt von unbe­kann­ten Geis­tern, erst­mals gepflanzt anläss­lich der Tavo­lata im August 2018. Um der von Auto­bahn­lob­by­is­ten als «Unort» ver­schrie­nen Ecke ein freund­li­che­res Gesicht zu geben. Enga­gierte Gärt­ne­rIn­nen haben damals gegra­ben, gehä­ckelt, gesät und gepflanzt. Und seit­her die Pflan­zen gehegt, gepflegt und gegos­sen. Eine rüs­tige Rent­ne­rin war regel­mäs­sig mit der Spritz­kanne zum Gurn­igel Urban Gar­den  unter­wegs.

Bereits nach weni­gen Tagen dann ein ers­tes Mas­sa­ker: Was hoff­nungs­voll gepflanzt wor­den war, wurde ratsch-ratsch weg­ge­mäht. Von einem Mit­ar­bei­ter der Stif­tung Con­tact, die im Auf­trag der Stadt für die Sau­ber­keit des Park­plat­zes ver­ant­wort­lich ist.

Die Gärt­ne­rIn­nen such­ten damals das Gespräch mit Stadt und Stif­tung. Man kam über­ein, dass das Urban Gar­de­ning eigent­lich nie­man­den störe. Im Gegen­teil: Dass sol­che Aktio­nen posi­tiv und erfreu­lich seien.

Umso grös­ser die Kon­ster­na­tion Anfang die­ser Woche. Die Nach­ba­rin, wel­che die Blu­men bei Tro­cken­heit und Hitze giesst, begeg­net eines Mor­gens erneut einem Sen­sen­mann. Die Hälfte der Blu­men ist bereits umge­mäht…

URBAN GAR­DEN 3 – WEG­RA­SIERT

Sie ver­sucht, ihn von sei­ner wei­te­ren Zer­stö­rungs­ar­beit abzu­hal­ten – ver­geb­lich. Nur gerade die Pflan­zen, die im abge­steck­ten Beet am Pla­ta­nen­stamm wach­sen, lässt er ste­hen.

«Er sagte mir, es tue ihm im Her­zen weh – aber er müsse sei­nen Auf­trag erfül­len, sonst ver­liere er sei­nen Job», berich­tet die Nach­ba­rin. Geschockt zückt sie ihr Handy und foto­gra­fiert, was soeben noch gelebt, geblüht und erfreut hat. 

URBAN GAR­DEN 4 – KAPUTT

«Ich bin wütend und trau­rig», sagt sie. Doch ein klei­ner Trost, eine Hoff­nung bleibt: «Er hat die schö­nen gel­ben Rin­gel­blu­men, den Mohn und all die ande­ren Pflan­zen mit einer Sense abge­mäht. Die Wur­zeln sind noch in der Erde…»

Unver­ständ­lich und unver­zeih­lich: Ein unschein­ba­res klei­nes Stück Stadt, von Frei­wil­li­gen gehegt und gepflegt, wird mit Steu­er­gel­dern mut­wil­lig zer­stört. Grund­los, aus einem Ord­nungs- und Sau­ber­keits­wahn.

Hat man in Biel immer noch nicht erkannt, wel­chen Wert die Natur in der Stadt hat? Ein Blick nach Zürich würde die Stadt­obe­ren eines Bes­se­ren beleh­ren: Hier grünt und blüht es wild.

URBAN GAR­DEN 5 – ZÜRICH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mal­ven bis 2 Meter hoch, Wie­sen­sal­bei, Mohn und Nes­seln in vol­ler Grösse und Blü­ten­pracht. Auf allen mög­li­chen Frei­flä­chen den Trot­toirs ent­lang. Zur Freude von Bewoh­ne­rIn­nen, Pas­san­tIn­nen, Hum­meln und Bie­nen.

Grün Stadt Zürich (das städ­ti­sche Gar­ten­bau­amt) lässt auch Pri­vate gewäh­ren, sogar soge­nannte Gue­ril­la­gärt­ne­rIn­nen. Und das in der sprö­den Zwing­li­stadt.

 

URBAN GAR­DEN 6 – ZÜRICH

Aber viel­leicht will man das alles gar nicht, in Biel. Viel­leicht gehört ja gar zur poli­ti­schen Schlau­meier-Tak­tik der Behör­den, dass ein zum «Unort» dekla­rier­ter Ort ein «Unort» blei­ben muss? Damit sie ein ein­fa­che­res Spiel haben, wenn das Stadt­zer­stö­rungs­pro­jekt A5-West­ast schliess­lich doch noch in die Tat umge­setzt wer­den soll?

 

 


 

PORT­TUN­NEL:

GROS­SER RAT ÜBER­WEIST
MOTION FÜR VOR­ZIE­HEN 

Am letz­ten Tag der Som­mer­ses­sion 2019 stan­den ges­tern im Ber­ni­schen Gros­sen Rat noch ver­schie­dene Vor­stösse zum West­ast auf der Trak­tan­den­liste. Keine Chance hatte die Motion von Julien Sto­cker (GLP), der einen Rück­zug des aktu­el­len Aus­füh­rungs­pro­jekts for­derte, um den Weg frei zu machen für eine neue Vari­ante.

Wie­der­holt wurde auf den lau­fen­den Dia­log­pro­zess am Run­den Tisch ver­wie­sen, an dem alle Vari­an­ten – inklu­sive dem offi­zi­el­len Aus­füh­rungs­pro­jekt – zur Debatte stün­den. Die­sem Pro­zess wolle und dürfe man nicht vor­grei­fen, hiess es.

Was den Rat aller­dings nicht daran hin­derte, gleich anschlies­send die Motion von FDP-Gross­rat und West­ast-Befür­wor­ter Peter Moser zu über­wei­sen, wel­che for­dert, dass der Port­tun­nel vor­ge­zo­gen wird. Ein­mal mehr wurde dabei behaup­tet, der Zubrin­ger für das rechte Bie­ler­see­ufer sei unbe­strit­ten. Ja, Moser ging in der Debatte sogar noch einen Schritt wei­ter und meinte, der Port­tun­nel gehöre eigent­lich mehr zum bereits gebau­ten Ost- als zum West­ast.

Eine dreiste Behaup­tung, kam der Zubrin­ger für das rechte Bie­ler­see­ufer ja erst im Ver­lauf der West­ast-Pla­nung über­haupt ins Spiel. Das Uvek hat in der Ver­gan­gen­heit auch wie­der­holt dar­auf beharrt, dass die drei Teil­pro­jekte des Aus­füh­rungs­pro­jekts – dazu gehö­ren der Vin­g­el­z­tun­nel, der West­ast mit den bei­den Anschlüs­sen sowie der Zubrin­ger süd­li­ches Bie­ler­see­ufer – als Gan­zes zu betrach­ten seien. Das spricht gegen den vor­ge­zo­ge­nen Bau eines Port­tun­nels.

Zu Recht: Der Port­tun­nel kann nicht los­ge­löst vom Gesamt­pro­jekt betrach­tet wer­den. Ein Vor­zug würde Prä­ju­di­zien schaf­fen, bezüg­lich der übri­gen West­ast-Pla­nung. Dar­auf hatte auch der Regie­rungs­rat in sei­ner Ant­wort hin­ge­wie­sen. Nichts­des­to­trotz wurde sie mit gros­ser Mehr­heit über­wie­sen und der Regie­rungs­rat damit beauf­tragt, sich beim Bund für einen Vor­zug des Port­tun­nels stark zu machen.  

 

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IN ALTER­NA­TI­VEN DEN­KEN

© Bri­gitte Marti

Regula Rytz gehört zu den erfah­rends­ten Ver­kehrs­po­li­ti­ke­rIn­nen hier­zu­lande. Im Exklu­siv­in­ter­view mit Gabriela Neu­haus zeigt sie auf, was es braucht, um die Ver­kehrs­po­li­tik in nach­hal­tige Bah­nen zu len­ken. Von ihrem rei­chen Erfah­rungs­schatz könnte auch der Runde Tisch zum A5-West­ast pro­fi­tie­ren.

Regula Rytz, Prä­si­den­tin der Grü­nen Par­tei Schweiz, Natio­nal­rä­tin und Stän­de­rats­kan­di­da­tin für den Kan­ton Bern, for­dert ein radi­ka­les Umden­ken in der Ver­kehrs­po­li­tik: «Wir müs­sen die Logik umdre­hen und fra­gen: Wie­viel Ver­kehr ver­tra­gen wir? Wie­viel ist gut für unsere Gesund­heit und unsere Lebens­qua­li­tät? Wie­viel kön­nen wir – rein phy­si­ka­lisch – über­haupt bewäl­ti­gen? Was hat Platz, und was sind die Alter­na­ti­ven?»

Als lang­jäh­rige Ver­kehrs­di­rek­to­rin der Stadt Bern hat sie bewie­sen, dass Alter­na­ti­ven zu den her­kömm­li­chen Beton­lö­sun­gen mög­lich sind. Was sie in Bern erprobt hat, würde auch in Biel funk­tio­nie­ren:  «Das Rück­grat der Alter­na­tive zum Stras­sen­bau ist der öffent­li­che Ver­kehr. Die­ser muss über das Zen­trum hin­aus in der gan­zen Region funk­tio­nie­ren, und er muss attrak­tiv sein. Ich bin ja im Ver­wal­tungs­rat der Ver­kehrs­be­triebe Biel und finde es sehr schade, dass man das Regio-Tram­pro­jekt aufs Eis legen musste. Ein Tram ist so leis­tungs­fä­hig und attrak­tiv, dass auch Leute umstei­gen, die zuvor nicht mit dem ÖV unter­wegs waren.»

Sie ist beein­druckt vom Enga­ge­ment der Bie­le­rIn­nen und unter­stützt die West­ast-Oppo­si­tion. Zum Run­den Tisch sagt Regula Rytz: «Für den Pro­zess ist es sicher sinn­voll, dass man noch ein­mal genau hin­schaut, ob man etwas über­se­hen hat. Das gehört zu einer sorg­fäl­ti­gen Ana­lyse. Ich würde aber drin­gend emp­feh­len, genü­gend Zeit und Denk­ka­pa­zi­tät in neue Lösun­gen zu inves­tie­ren. Man darf nicht nur die Infra­struk­tur­va­ri­an­ten anschauen, son­dern muss sich auch die Frage stel­len: Gibt es Alter­na­ti­ven? Wie kön­nen wir das Geld, das für den Kapa­zi­täts­aus­bau reser­viert wurde, für bes­sere Ver­kehrs­lö­sun­gen auf städ­ti­scher und regio­na­ler Ebene ein­set­zen? In die­sem Sinn sollte man den Fächer über eine blosse Beton-Vari­an­ten­dis­kus­sion hin­aus öff­nen. Erst dann wird es wirk­lich span­nend. Dabei ist es ganz wich­tig, dass die Leute über die Gemein­de­gren­zen hin­weg mit­re­den kön­nen.»

 

DAS VOLL­STÄN­DIGE INTER­VIEW

WEI­TER­LE­SEN

 


 

 

INNO­VA­TIVE ANSÄTZE
FÜR DEN GÜTER­VER­KEHR

Ein Zulas­sungs­ver­bot für fos­sil betrie­bene Last­wa­gen ab 2030 sowie ab 2035 ein Fahr­ver­bot auf alpen­que­ren­den Rou­ten – eine ent­spre­chende Volks­in­itia­tive könnte schon bald Rea­li­tät wer­den, wie der Tages­an­zei­ger  vom 6. Juni 2019 berich­tet:

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Dabei geht es in ers­ter Linie um Umwelt- und Kli­ma­schutz. Jon Pult, Prä­si­dent der Alpen­in­itia­tive und SP-Natio­nal­rat begrün­det: «Geht es im Bun­des­rat und Par­la­ment jetzt nicht rasch genug vor­wärts, wer­den wir das Heft sel­ber in die Hand neh­men.» 

Bereits im letz­ten Dezem­ber hatte der Ver­ein Alpen-Initia­tive eine in ihrem Auf­trag erstellte Stu­die publi­ziert, die zeigte, dass bei den Last­wa­gen in Sachen Reduk­tion der CO2-Emis­sio­nen seit 1990 wenig Fort­schritte gemacht wur­den. Schon damals for­derte Jon Pult: «Es ist eine ver­passte Chance, dass der Stras­sen­gü­ter­ver­kehr bei der lau­fen­den CO2-Geset­zes­re­vi­sion im Par­la­ment über­haupt kein Thema ist.  Last­wa­gen dür­fen nicht aus dem Gesetz aus­ge­klam­mert wer­den. Die Zeit drängt: Um die Kli­ma­er­wär­mung zu stop­pen und die Reduk­ti­ons­ziele des Pari­ser Abkom­mens zu erfül­len, müs­sen die Treib­haus­gas­emis­sio­nen in allen Bereich redu­ziert wer­den.»

Mit der ange­kün­digte Initia­tive liegt nun ein kon­kre­ter Vor­schlag auf dem Tisch. Nebst dem vor­ge­schla­ge­nen Zulas­sungs- und Tran­sit­ver­bot für fos­sil betrie­bene Last­wa­gen, schlägt die Initia­tive auch bei der Schwer­ver­kehrs­ab­gabe (LSVA) Neue­run­gen vor: Ab 2020 soll die sich die LSVA nach dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip rich­ten: Je grös­ser der CO2-Aus­stoss eines Last­wa­gens ist, desto mehr muss er bezah­len.

Sol­che Inno­va­tio­nen kom­men bei der Trans­port­bran­che nicht gut an. Sie lie­gen aber im Trend: Eine Abstu­fung der Last­wa­gen­steu­ern nach CO2-Emis­sio­nen ist auch in der EU ein Thema. In Nor­we­gen sol­len schon ab 2025 keine Neu­wa­gen mit Ver­bren­nungs­mo­tor mehr zuge­las­sen wer­den. Schwe­den und Däne­mark pei­len für 2030 ein Ver­bot für Die­sel und Ben­zi­ner an. 

Mit dem ange­dach­ten Tran­sit­ver­bot für Die­sel-Las­ter geht die Alpen-Initia­tive aller­dings noch einen Schritt wei­ter. Doch sogar da könnte man den Faden noch wei­ter spin­nen: Wes­halb nur ein Fahr­ver­bot im alpen­tra­ver­sie­ren­den Ver­kehr? Auch die Städte und Dör­fer im Mit­tel­land könn­ten auf­at­men, wenn künf­tige Güter­trans­porte auf der Strasse gestanks­frei und lärm­arm erfolg­ten. 

Das alles sind Denk­an­stösse, die in die rich­tige Rich­tung zei­gen. Es lohnt sich, sie wei­ter zu ver­fol­gen…

 

 


 

 

GESUCHT:
LAST­WA­GEN­KA­RA­WANE

Seit die marode Wehr­brü­cke zwi­schen Brügg und Port für den Schwer­ver­kehr gesperrt ist, schla­gen die Nidauer Behör­den Alarm: Die Stadt Nidau müsse nun einen Gross­teil des umge­lei­te­ten Schwer­ver­kehrs auf­neh­men, das Städt­chen werde vom Ver­kehr gera­dezu über­schwemmt.

Wie im Bie­ler Tag­blatt vom 21. Mai zu lesen war, haben sich die Gemein­den Ipsach, Port, Brügg und Nidau beim Lei­ter des Run­den Tischs erneut dafür stark gemacht, dass der Bau der neuen Brü­cke und des Port­tun­nels des­halb – rest­li­cher Auto­bahn-West­ast hin oder her – vor­zu­zie­hen sei.

Ein­mal mehr mit dem Haupt­ar­gu­ment: «Stark betrof­fen ist die Stadt Nidau, wel­che den Gross­teil des Schwer­ver­kehrs auf­neh­men muss.»

Wer sich aller­dings vor Ort umschaut und umhört, erhält ein ande­res Bild: Der Ver­kehr in Nidau scheint sich nicht gross ver­än­dert zu haben. Bei einer klei­nen, nicht reprä­sen­ta­ti­ven Umfrage bestä­tigt denn auch nie­mand die Behaup­tung, dass der Last­wa­gen­ver­kehr seit der Teil-Sper­rung der Wehr­brü­cke zuge­nom­men habe. «Ich arbeite in Nidau und habe keine Ver­än­de­rung bemerkt» oder «Ich bin oft in Nidau ent­lang der Haupt­strasse unter­wegs, mir ist nichts auf­ge­fal­len», sind Ant­wor­ten von Bewoh­ne­rIn­nen und Pend­le­rIn­nen auf die Frage nach der angeb­lich unhalt­ba­ren Ver­kehrs­si­tua­tion.

Freund­li­cher­weise hat die Gemeinde auf dem Schloss­turm eine Web­cam instal­liert. Mit wun­der­ba­rem Blick auf die Haupt­strasse. Alle 60 Sekun­den lie­fert sie ein aktu­el­les Bild zur Ver­kehrs­si­tua­tion.

Also machen wir die Probe aufs Exem­pel: Wäh­rend Stun­den haben wir die Web­cam auf­ge­schal­tet. Und war­ten auf die Last­wa­gen­ka­ra­wane.

Doch was wir sehen: Nur wenig Ver­kehr, sogar wäh­rend der soge­nann­ten Stoss­zei­ten am Mor­gen, über Mit­tag und am Fei­er­abend. Regel­mäs­sig ein Bus, hie und da ein Lie­fer­wa­gen. Aber wo blei­ben die berüch­tig­ten 40-Tön­ner?

Ist die Web­cam etwa mit einem Last­wa­gen­fil­ter ver­se­hen?

Da, end­lich taucht einer auf! Ob er frü­her den Weg über die Wehr­brü­cke genom­men hätte, lässt sich lei­der nicht sagen.

Und wie­der: War­ten, war­ten, war­ten auf das nächste Bild mit 40t-LKW. An einem ganz gewöhn­li­chen Werk­tag Vor­mit­tag.

Wie so man­ches im Zusam­men­hang mit dem A5-West­ast: Statt zuver­läs­sig Daten zu erhe­ben, behaup­ten viele Auto­bahn­be­für­wor­te­rIn­nen frisch drauf los, was in der Rea­li­tät ein­fach nicht stimmt. End­lo­ser Stau hier, grau­sa­mer Stau dort…

Oder eben: Unhalt­ba­rer, über­bor­den­der Last­wa­gen­ver­kehr im Städt­chen Nidau, seit der Teil­sper­rung der Wehr­brü­cke. Eine Mär. Die ein­zig und allein erfun­den wurde, um im West­ast-Dis­put voll­endete Tat­sa­chen zuguns­ten des umstrit­te­nen Aus­füh­rungs­pro­jekts zu schaf­fen.

 


 

STRA­TE­GIE FÜR DEN PAPIER­KORB?

Lange, lange war sie ange­kün­digt, ges­tern Abend wurde sie end­lich prä­sen­tiert: Die vom Gemein­de­rat in Auf­trag gege­bene Gesamt­mo­bi­li­täts­stra­te­gie der Stadt Biel – kurz GSM – soll als «Grund­lage zur Ent­wick­lung von Mobi­li­täts­mass­nah­men in der Stadt Biel von 2018 bis 2040» die­nen. So steht es im Unter­ti­tel der gra­fisch auf­be­rei­te­ten Kurz­ver­sion, die Stadt­prä­si­dent Fehr, flan­kiert von Stadt­pla­ne­rin Schmoll, am Mon­tag­abend, 20. Mai im Kon­gress­haus den Poli­ti­ke­rIn­nen und wei­te­ren Inter­es­sier­ten vor­stellte.

Die Feder­füh­rung für die Aus­ar­bei­tung der von der Stadt Biel in Auf­trag gege­be­nen Stra­te­gie lag beim Zür­cher Pla­nungs­büro mrs part­ner ag.  Bei­träge gelie­fert haben zudem Pierre Fed­der­sen und Han van de Wete­ring. Letz­te­rer war zuvor bereits im Auf­trag des Kan­tons Bern an der West­ast-Pla­nung im Bereich Bienne-Centre betei­ligt und berät bekannt­lich aktu­ell als Städ­te­bau­ex­perte den Run­den Tisch zum West­ast. 

Ein­lei­tend wies der Stadt­prä­si­dent dar­auf hin, dass die Stadt Biel 2014 ein Regle­ment zur För­de­rung von Lang­sam­ver­kehr und ÖV ver­ab­schie­det hatte, des­sen Ziel es sei, den inner­städ­ti­schen moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehr zu pla­fo­nie­ren. Bereits damals titelte das Bie­ler Tag­blatt: «Ein neues Regle­ment ohne Zähne».

Das Glei­che lässt sich über die neue Gesamt­mo­bi­li­täts­stra­te­gie berich­ten: Was hier auf 18 bunt illus­trier­ten Sei­ten aus­ge­brei­tet wird, ent­behrt jeg­li­cher Inspi­ra­tion, Vision oder Inno­va­tion. Eigent­lich ent­hält sie gar nichts Neues, im Gegen­teil. 

Die aktu­el­len und künf­ti­gen Ent­wick­lun­gen im Mobi­li­täts­sek­tor wie Digi­ta­li­sie­rung oder Sharing wer­den zwar erwähnt. Man ver­zich­tete aber dar­auf, die damit ver­bun­de­nen Chan­cen und Gefah­ren zu auf­zu­zei­gen.

Man wisse nicht, wie genau sich Mobi­li­tät und Stadt in Zukunft ent­wi­ckeln wür­den, lau­tet der Tenor. Das stimmt. Genau des­halb bräuchte es ein grif­fi­ges Steue­rungs­in­stru­ment, das die Mobi­li­täts­ent­wick­lung in eine ange­strebte Rich­tung lenkt. Eine sol­che Rich­tung sucht man aber ver­ge­bens. Das Ganze kommt einem vor wie eine Pla­nung ohne Ziel, oder anders gesagt wie ein totes Pferd. Hierzu einige Bei­spiele:

Kon­krete Ziel­set­zun­gen oder Hand­lungs­fel­der für die ver­spro­chene Reduk­tion des moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehrs in der Stadt sucht man in der viel­far­bi­gen Bro­schüre ver­ge­bens.

Von «inter­mo­da­lem Zusam­men­spiel» der ver­schie­de­nen Ver­kehrs­trä­ger wird zwar geschwur­belt – inno­va­tive Optio­nen wie z.B. das Sharing von Elek­tro­fahr­zeu­gen oder ein Com­mitt­ment zur effi­zi­en­ten För­de­rung des ÖV oder Modelle, wie eine Umset­zung aus­se­hen könnte – feh­len aber gänz­lich.

Grund­lage der GMS-Stra­te­gie bil­den Ver­kehrs­er­he­bun­gen von 2016 – nota­bene vor der Eröff­nung des A5-Ost­asts. Also Zah­len von vor­ges­tern für über­mor­gen. Geht nicht.

Last but not least tau­chen auf ver­schie­de­nen Kar­ten die inner­städ­ti­schen umstrit­te­nen West­ast-Auto­bahn­an­schlüsse auf, inklu­sive dem dazu­ge­hö­ri­gen Gross-Park­haus im Pas­quart, als ob der West­ast in der geplan­ten Form gebaut wer­den könnte.

Zwar ver­si­cherte Stadt­prä­si­dent Fehr an der Prä­sen­ta­ti­ons­ver­an­stal­tung, dass die GSM auch ohne den West­ast umge­setzt wer­den könne. Hier wolle man dem Dia­log­pro­zess nicht vor­grei­fen.

Kurzum: Die Bie­ler Gesamt­mo­bi­li­ti­täts­stra­te­gie ist keine Stra­te­gie, die die­sen Namen ver­dient. Denn eine Stra­te­gie basiert auf klar benann­ten Zie­len und zeigt auf, wie diese zu errei­chen sind.

Schade, weil ein­mal mehr die Chance für inno­va­tive Ent­wick­lun­gen ver­passt wurde. Und ärger­lich, weil ein­mal mehr viel Geld ver­bra­ten wurde für ein Papier, das bereits bei sei­ner Publi­ka­tion Maku­la­tur ist. Allein die Hono­rar­kos­ten für die exter­nen Auf­trag­neh­mer belie­fen sich auf 105’000 Fran­ken. 

Die Kurz­ver­sion der Stu­die – kli­cken und lesen:

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WAH­LEN 2019:

WIRD STÖCKLI WEG­GE­RYTZT?

© http://www.parlament.ch

Regula Rytz, lang­jäh­rige Ber­ner Gemein­de­rä­tin, Natio­nal­rä­tin und Prä­si­den­tin der Grü­nen will für den Kan­ton Bern in den Stän­de­rat! Aktu­ell ver­tre­ten zwei Män­ner den Kan­ton Bern in der klei­nen Kam­mer: Wer­ner Lug­in­bühl  BDP sowie Hans Stöckli SP.

Biels Ex-Stadt­prä­si­dent und West­ast-Pro­mo­ter Hans Stöckli will sei­nen Ses­sel im Stöckli behal­ten. Er hat sich bis dato nicht ein­deu­tig vom stadt­zer­stö­re­ri­schen West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekt distan­ziert , so dass er für die grosse West­ast-Geg­ner­schaft keine Wahl­op­tion dar­stellt. 

Mit Regula Rytz steht jetzt eine Poli­ti­ke­rin zur Wahl, die sich – anders als Hans Sion2026 Stöckli – ohne Wenn und Aber für eine kli­ma­scho­nende und zukunfts­fä­hige Ver­kehrs­po­li­tik ein­setzt. In Sachen West­ast haben die Grü­nen des Kan­tons Bern bereits im August 2017 klar und deut­lich den Stopp des Pro­jekts gefor­dert und vom Regie­rungs­rat ver­langt, «sich beim Bund für den Stopp des Pro­jekts ein­zu­set­zen und zusam­men mit den Men­schen in der Region in einem demo­kra­ti­schen Pro­zess die Ver­kehrs­pro­bleme zu lösen, statt sie zu ver­schär­fen.»

Und was sagt Regula Rytz im Inter­view an die Adresse der neuen UVEK-Che­fin Simo­netta Som­ma­ruga?

«Wir brau­chen eine Ver­kehrs­po­li­tik, die das Klima schützt. Der geplante Aus­bau des Auto­bahn­net­zes oder brei­tere Stras­sen für Gelän­de­fahr­zeuge sind total kon­tra­pro­duk­tiv.»

So ist es! Die Kan­di­da­tur von Regula Rytz ist also eine gute Nach­richt, ins­be­son­dere für die Region Biel! 

 


 

 

BYPASS A5-WEST­AST
NEIN DANKE!

 


Kli­cken für Ani­ma­tion

Das linke Bie­ler­see­ufer gehört zu den geschütz­ten Land­schaf­ten der Schweiz. Die Lini­en­füh­rung der A5 ent­lang dem See und durch die Reb­berge war ein Fehl­ent­scheid – dar­über sind sich heute alle einig.

Der Tran­sit­ver­kehr scha­det den Men­schen und der fra­gi­len Umwelt in den Win­zer­dör­ferna am Jurasüd­fuss.

Der Bau des West­asts hätte zur Folge, dass noch mehr Autos und Last­wa­gen diese Route wäh­len, was die Situa­tion dras­tisch ver­schär­fen würde…

 


 

 

ANGST­HA­SEN UND
BEVOR­MUN­DER

 

Wie lei­der nicht anders zu erwar­ten, ist das Bie­ler Par­la­ment samt Stadt­re­gie­rung ein­ge­knickt. Wort­reich wurde ges­tern Abend der Bie­ler Bevöl­ke­rung die Mög­lich­keit ver­wei­gert, ein für alle Mal dem unsin­ni­gen A5-Aus­füh­rungs­pro­jekt den Todes­stoss zu ver­set­zen. Gross­zü­gig hat das Mäus­lein dar­auf ver­zich­tet, den Ele­fan­ten anzu­grei­fen.

Des­halb gibt es für die Men­schen in der Stadt Biel/Bienne nur eines:

  • kurz­fris­tig: Biel/Bienne muss wie­der laut wer­den auf – auf der Strasse

 

  • mit­tel­fris­tig: an der Wahl­urne mutige Volks­ver­tre­te­rIn­nen wäh­len und keine Mäus­lein und Angst­ha­sen.

 

Zum Bei­spiel Regula Rytz in den Stän­de­rat.

 

 


 

 

DIE STAU­SCHLAU­MEIER
VOM ASTRA

 

 

Der Runde Tisch zum A5-West­ast soll eine fak­ten­ba­sierte Aus­le­ge­ord­nung zur heu­ti­gen und künf­ti­gen Ver­kehrs­si­tua­tion in der Region See­land lie­fern. So weit, so gut.  

Es ist zu hof­fen, dass die geballte Exper­ten­power, die am Run­den Tisch zum Ein­satz kom­men soll (Bud­get über 1 Mil­lion CHF), auf­räumt mit gewis­sen Zah­len, die her­um­ge­bo­ten wer­den. Bei­spiels­weise, wenn sie vom ASTRA kom­men und von den Medien gerne und unge­prüft über­nom­men wer­den.

 

Zu was tau­gen Zah­len zur Stau-Erfas­sung, wenn das ASTRA, ohne rot zu wer­den, erklärt:

«Bei der Stau­er­fas­sung wird in der VSS-Norm SN 671 921 zwi­schen Ver­kehrs­si­tua­tio­nen mit «Stau» oder «sto­cken­dem Ver­kehr» unter­schie­den. Im Stau­be­richt wer­den dage­gen beide erfass­ten Zustände als «Stau» bezeich­net, da die für eine genaue Unter­schei­dung not­wen­di­gen netzwei­ten dyna­mi­schen Ver­kehrs- und Geschwin­dig­keits­da­ten heute noch nicht ver­füg­bar sind. Die Anzahl Stau­stun­den ist die Dauer der Staus von deren Beginn bis zu deren Auf­lö­sung in Stun­den.»* 

Wie bitte???

Sto­cken­der Ver­kehr wird also ein­fach dem Stau zuge­rech­net. Das muss man wirk­lich zwei­mal lesen.  So wird «Zah­len­ma­te­rial» zu Pro­pa­ganda ver­wan­delt.

Sollte der Runde Tisch sich auf sol­che Fak(e)ten stüt­zen, sägt er sich die Beine ab, auf denen er steht. Sein «Ergeb­nis» würde nicht akzep­tiert wer­den und ver­käme zu  teu­rer Maku­la­tur.

* https://www.astra.admin.ch/astra/de/home/themen/nationalstrassen/verkehrsfluss-stauaufkommen/definitionen

Die Probe aufs Exem­pel:

Wie aus sto­cken­dem Ver­kehr «sta­tis­ti­scher» STAU gemacht wird:

 

Noch mehr über ASTRA-Zah­len­akro­ba­tik: hier lesen und stau­nen

 

 

 


 

OFFI­ZI­ELL UND INOF­FI­ZI­ELL

 

Was sagt die Bie­ler Regie­rung offi­zi­ell?

 

 


 

 

BUNTE EINIG­KEIT

Die Viel­falt der West­astop­po­si­tion ist ihre Stärke

 

Die Spat­zen pfei­fen es von den Bie­ler Dächern: Die West­ast-Oppo­si­tion sei sich nicht einig. Und es gibt Jour­na­lis­ten, die gar einen Streit her­bei­pfei­fen wol­len. Ein auf­ge­reg­tes Gezwit­scher, das völ­lig aus der Luft gegrif­fen ist und an den Rea­li­tä­ten vor­bei­zielt.

Im Gegen­satz zum West­ast-JA-Lager, das eine simple Mes­sage ver­tritt («bald­mög­lichste Umset­zung des Aus­füh­rungs­pro­jekts»), gibt es auf Sei­ten der Geg­ner­schaft eine inter­es­sante Viel­falt von Ideen, Vor­schlä­gen und Vari­an­ten.

Das liegt in der Natur der Sache: Seit Jah­ren beschäf­ti­gen sich viele aus der West­ast-Oppo­si­tion mit der Suche nach Alter­na­ti­ven. Es ist ein­drück­lich, wie viele Ideen, wie viel Krea­ti­vi­tät in den letz­ten Jah­ren frei­ge­setzt wor­den ist – immer mit dem glei­chen Ziel: Die dro­hende Stadt­zer­stö­rung zu ver­hin­dern und andere, zukunfts­fä­hige Lösungs­wege auf­zu­zei­gen.

Gerade in die­ser Viel­falt, liegt die Stärke der Oppo­si­tion: Sie bringt eine breite Palette von Kom­pe­ten­zen in den Dia­log­pro­zess. Es braucht die Viel­stim­mig­keit der ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen für den von Regie­rungs­rat Neu­haus ange­stos­se­nen «ergeb­nis­of­fe­nen Dia­log». Wer diese Viel­falt weg­dis­ku­tie­ren will, kann sich gera­de­so­gut mit zwei Leu­ten – ein­mal pro, ein­mal kon­tra – an den Run­den Tisch set­zen.

Am Run­den Tisch sind aber 13 Orga­ni­sa­tio­nen ver­tre­ten:

      • Ber­ner Hei­mat­schutz
      • Fuss­ver­kehr Kan­ton Bern
      • IG Häb Sorg zur Stadt
      • Komi­tee «Biel notre Amour»
      • Komi­tee «West­ast so nicht»
      • Ver­ein «Biel wird laut»
      • Ver­ein «Gruppe S»
      • Ver­ein LQV – Lebens­qua­li­tät
      • Pro Natura
      • Pro Velo
      • Stif­tung Land­schafts­schutz Schweiz
      • VCS Bern
      • WWF Bern

Diese alpha­be­ti­sche Auf­zäh­lung zeigt: Die Geg­ner­schaft ist breit auf­ge­stellt. Es ver­steht sich von sel­ber, dass eine natio­nal tätige Schutz­or­ga­ni­sa­tion andere Prio­ri­tä­ten setzt als ein Quar­tier­ver­ein. In einem Punkt sind sie sich aber zu hun­dert Pro­zent einig: Sie wer­den nie Hand bie­ten zu den zwei offe­nen Auto­bahn­schnei­sen mit­ten in der Stadt.

Klar­heit und Viel­falt sind gewollt für einen Run­den Tisch, der nicht eine Ali­bi­übung dar­stel­len soll: Jede Grup­pie­rung bringt ihre Facet­ten, ihre Stär­ken in den Dia­log. Es braucht sie alle, um die Breite der Oppo­si­tion gegen das Aus­füh­rungs­pro­jekt zu wider­spie­geln. Damit ist die Basis für eine echte Par­ti­zi­pa­tion der Bevöl­ke­rung gelegt.

All jene, die immer wie­der ver­su­chen, einen Streit in der Geg­ner­schaft her­bei­zu­re­den oder zu ‑schrei­ben müs­sen wir des­halb ent­täu­schen: Der Kampf gegen die dro­hende Stadt­zer­stö­rung wird in bun­ter Einig­keit und mit vol­ler Kraft geführt. Auch in Zukunft. Wenn die PRO-West­ast-Anhän­ger keine ande­ren Argu­mente bei­brin­gen kön­nen, als der Oppo­si­tion Unei­nig­keit anzu­dich­ten, dann ist es gut mög­lich, dass der A5-West­ast hoch­kant vom Run­den Tisch flie­gen wird.

 

 


 

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WIRT­SCHAFT
GEGEN A5-WEST­AST

 

 

 

Nun mel­den sich mehr und mehr West­ast-Geg­ne­rIn­nen aus der Wirt­schaft zu Wort! Zwar haben sich bereits in der Ver­gan­gen­heit ver­ein­zelt Unter­neh­me­rIn­nen und Wirt­schafts­füh­re­rIn­nen gegen das ver­al­tete und viel zu teure Auto­bahn­pro­jekt aus­ge­spro­chen.  Allen voran Michel Mul­ler, CEO der Mul­ler Machi­nes SA, deren ein­ma­li­ges Maschi­nen­mu­seum dem West­ast wei­chen müsste.

Nach­dem nun aber die Wirt­schafts­ver­bände HIV Kan­ton Bern, KMU Bern und WIBS Ende letz­ten Jah­res eine voll­mun­dige Kam­pa­gne Pro-West­ast lan­ciert hat­ten, gibt es nun mas­sive Kri­tik an die­sem Vor­ge­hen – und eine Gegen­kam­pa­gne:

So schreibt  WIBS-Grün­dungs­mit­glied Lukas Weiss in sei­nem Leser­brief im «Biel-Bienne»: «Ich bin ent­setzt, mit wel­cher Dreis­tig­keit die­ses wich­tige lokale Forum als Platt­form für eine ein­sei­tig geführte Kam­pa­gne miss­braucht wird. Als Mit­glied der WIBS wurde ich nie zu mei­ner Mei­nung zum West­ast befragt.» 

Auch der ehe­ma­lige HIV-Prä­si­dent und CEO der Biella AG, Rudolf Bürgi, spricht im Inter­view mit Mario Cor­tesi Klar­text: «Der wirt­schaft­li­che Nut­zen die­ser 2,2 Mili­ar­den Fran­ken-Inves­ti­tion ist nicht belegt. Es ist befrem­dend, dass die Befür­wor­ter dar­auf drän­gen, die bereit­ge­stellte Inves­ti­ti­ons­summe jetzt aus­zu­ge­ben.» 

Ver­tre­te­rIn­nen der Wirt­schaft haben nun, in Zusam­men­ar­beit mit dem Komi­tee «West­ast so nicht!» ihrer­seits eine Inse­ra­ten­kam­pa­gne gestar­tet, um ihre Oppo­si­tion gegen das Aus­füh­rungs­pro­jekt und das Vor­ge­hen der Wirt­schafts­ver­bände publik zu machen.

 

 


 

 

 

 

 

 

VON WEGEN:
«DA KANN MAN NICHTS MACHEN»

Wer vor einem Jahr 2018 vor­aus­ge­sagt hätte, dass der neue Ber­ner Bau­di­rek­tor Chris­toph Neu­haus der­einst zum run­den Tisch in Sachen West­ast ein­la­den würde, wäre als Spin­ner aus­ge­lacht wor­den. Noch weni­ger hätte man geglaubt, dass Erich Fehr, Bie­ler Stadt­prä­si­dent und lang­jäh­ri­ger West­astpro­mo­tor, eine 180-Grad-Pirou­ette hin­legt und für 2019 die Prü­fung einer See­landt­an­gente for­dert.

In der Ver­gan­gen­heit waren genau diese Vor­schläge aus der Bevöl­ke­rung immer ins Leere gelau­fen. Vom Kan­ton und den Gemein­de­be­hör­den hörte man stets das glei­che Man­tra: Am vor­lie­gen­den West­ast-Pro­jekt sei nicht mehr zu rüt­teln. Es sei die beste Lösung, bau­reif und wich­tig. 

Noch ist das offi­zi­elle West­ast-Pro­jekt nicht gebo­digt. Die neue Gesprächs­be­reit­schaft und der Gesin­nungs­wan­del der Exe­ku­tiv­po­li­ti­ker zei­gen aber deut­lich, dass Argu­mente, Wider­stand und Enga­ge­ment von Sei­ten der Bevöl­ke­rung etwas bewir­ken kön­nen. – Es hat lange gedau­ert, bis die «Volks­ver­tre­te­rIn­nen» es für nötig erach­te­ten, ihre Wäh­le­rIn­nen ernst zu neh­men. – Doch Anfang 2019 ste­hen die Chan­cen für eine zukunfts­fä­hige Ver­kehrs­ent­wick­lung in der Region bes­ser denn je.

Dies nicht zuletzt dank der uner­müd­li­chen Infor­ma­ti­ons­ar­beit der West­ast-Kri­ti­ke­rIn­nen. Dank unzäh­li­ger Leser­briefe, Recher­chen, Infor­ma­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tun­gen, dank Demons­tra­tio­nen gegen das Mons­ter­pro­jekt oder Aktio­nen wie der Tavo­lata. Die­ses Enga­ge­ment führte schliess­lich zum ein­deu­ti­gen Resul­tat der Demo­scope-Umfrage, die zeigt, dass gerade mal 21 Pro­zent der Bevöl­ke­rung in der Region noch hin­ter dem offi­zi­el­len West­astpro­jekt ste­hen.

Schon der Wech­sel an der Spitze der Ber­ner Bau­di­rek­tion hatte Eini­ges in Bewe­gung gebracht: Im Gegen­satz zu sei­ner Vor­gän­ge­rin Bar­bara Egger stellt sich Bau­di­rek­tor Chris­toph Neu­haus immer­hin der Dis­kus­sion. Und auch im Bun­des­haus weht ein fri­scher Wind: Mit der neuen Depar­te­ments­chefin Simo­netta Som­ma­ruga an der Spitze des Uvek ste­hen die Zei­chen bes­ser für das Aus­han­deln von neuen, umwelt­freund­li­che­ren und zukunfts­fä­hi­ge­ren Ver­kehrs­lö­sun­gen.

Jetzt gilt es, mit dem 2018 in Bewe­gung gekom­me­nen Schwung das aktu­elle West­ast-Aus­füh­rungs­pro­jekt in den nächs­ten Mona­ten defi­ni­tiv in der Ver­sen­kung ver­schwin­den zu las­sen. Es ist höchste Zeit, dass Biel und Nidau ihre Zukunft anpa­cken kön­nen, ohne dau­ernd mit dem Damo­kles­schwert der Stadt­zer­stö­rung rech­nen zu müs­sen.

Trotz der bis­he­ri­gen Erfolge im Kampf gegen den West­ast darf näm­lich nicht ver­ges­sen wer­den: Das Auto­bahn­pro­jekt hat bereits jetzt viel Scha­den ange­rich­tet.

So sind auch 2018 wie­der zahl­rei­che Men­schen, die in vom West­ast bedroh­ten Lie­gen­schaf­ten wohn­ten, aus ihrem gelieb­ten Daheim fort­ge­zo­gen. Sie haben die nun seit über 20 Jah­ren andau­ernde Unsi­cher­heit nicht mehr aus­ge­hal­ten. Man­che haben ihre Häu­ser dem Kan­ton abge­tre­ten, weil Inves­ti­tio­nen in die Lie­gen­schaft unter dem Ent­eig­nungs­bann nicht abge­gol­ten wer­den.  Resi­gna­tion und Sta­gna­tion machen sich in lebens­wer­ten Quar­tie­ren an bes­ter Lage breit. Dem kann nur ein rascher West­ast-Übungs­ab­bruch ein Ende set­zen. Auf dass es am 1. Januar 2021 heisst: Biel und Nidau defi­ni­tiv west­astfrei.

 

 


 

FEHR: SEE­LANDT­AN­GENTE
MUSS GEPRÜFT WER­DEN!

«Es ist wich­tig, den Mut zu haben, Rich­tungs­än­de­run­gen vor­zu­neh­men, wenn man sieht, dass frü­here Ent­scheide nicht mehr den Bedürf­nis­sen von heute und viel­leicht noch weni­ger jenen von mor­gen ent­spre­chen.» Mit die­sen Wor­ten lässt sich Stadt­prä­si­dent Fehr im  BT-Sams­tags­in­ter­view vom 29.12.2018 zitie­ren.

Nach mona­te­lan­gem Schwei­gen und Lavie­ren von Sei­ten der Bie­ler Stadt­re­gie­rung reibt man sich erst ein­mal die Augen: Da hat sich einer bewegt und spricht Klar­text! Das lässt hof­fen, für die geplan­ten Dis­kus­sio­nen…

Im Hin­blick auf den von Regie­rungs­prä­si­dent Chris­toph Neu­haus ange­kün­dig­ten «run­den Tisch» stellt der Bie­ler Stadt­prä­si­dent näm­lich klar: «Es muss mehr gemacht wer­den als nur ein Vari­an­ten­ver­gleich zwi­schen offi­zi­el­lem Pro­jekt und «West­ast – so bes­ser». Ich gehe nicht davon aus, dass die Alter­na­ti­v­i­dee in die­ser Form tat­säch­lich ein­mal gebaut wird. Es gibt The­men wie die See­landt­an­gente. (…)

Die See­landt­an­gente würde den Ver­kehr gross­räu­mig anders len­ken. Das Haupt­pro­blem ist his­to­risch bedingt: Die Natio­nal­strasse drit­ter Klasse führt am Nord­ufer des Bie­ler­sees ent­lang, wo sie eigent­lich gar kei­nen Platz hat. Des­halb muss der Ver­kehr durch das besie­delte Gebiet Biels dort­hin gelenkt wer­den. Es muss nun geklärt wer­den, ob es nicht andere Mög­lich­kei­ten gibt.»

Das gesamte, äus­serst lesens­werte BT-Sams­tags­in­ter­view vom 29. Dezem­ber 2018 – kli­cken und lesen

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DIE RICH­TIGE FRAGE STEL­LEN

Nicht immer füh­ren Umfra­gen zum erwar­te­ten Resul­tat. So dürf­ten sich die West­ast-Befür­wor­ter nach der Demo­scope-Umfrage die Augen gerie­ben haben: Gerade mal 21% der Befrag­ten hat­ten sich für das Aus­füh­rungs­pro­jekt mit den bei­den inner­städ­ti­schen Anschlüs­sen aus­ge­spro­chen.

Damit hatte man ganz offen­sicht­lich nicht gerech­net.  Wie sonst ist zu erklä­ren, dass die Prä­sen­ta­tion der Umfrage-Resul­tate als High­light einer Lobby-Ver­an­stal­tung gedacht war?

Nun, die­ser Schuss ging nach hin­ten los. Seit­her wer­den West­ast-Befür­wor­ter nicht müde, die Fra­ge­stel­lung in Frage zu stel­len. Aller­dings hat von ihnen noch kei­ner gesagt, wie denn anders hätte gefragt wer­den müs­sen…

Letzt­end­lich geht es um eine ein­fa­che Frage, die lau­tet: Aus­füh­rungs­pro­jekt ja oder nein? Punkt. Schluss.

Diese Frage könnte dem­nächst nicht per Tele­fon, son­dern via Stimm­zet­tel beant­wor­tet wer­den. Stadt­rats­prä­si­den­tin Ruth Ten­nen­baum und vier wei­tere Mit­glie­der des Stadt­rats ver­lan­gen näm­lich mit einer dring­li­chen Motion, die sie im Novem­ber ein­ge­reicht haben, eine mög­lichst bal­dige Kon­sul­ta­tiv­ab­stim­mung über den West­ast.

Diese Abstim­mung hätte zwar für die Auto­bahn­bauer keine bin­dende Wir­kung. Es darf aber davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass weder das ASTRA noch der Kan­ton gegen den Wil­len der Bevöl­ke­rungs­mehr­heit vor­ge­hen wird.

Umso wich­ti­ger ist, dass die Frage bei der Kon­sul­ta­tiv­ab­stim­mung ein­deu­tig und rich­tig gestellt wird. Kein Wunsch­kon­zert mit der Aus­wahl «WEST­ASTof­fi­zi­ell» oder  «WEST­AST-so-bes­ser» oder «WEST­ASTva­ri­ante XYZ». Bevor man über irgend­wel­che ande­ren Vari­an­ten dis­ku­tie­ren kann, braucht es einen kla­ren Grund­satz­ent­scheid. Beim zu erwar­ten­den Nein liegt der Ball wie­der bei der Poli­tik, die – in Zusam­men­ar­beit mit der inter­es­sier­ten Bevöl­ke­rung – zeit­ge­mässe, akzep­ta­ble Kon­zepte prä­sen­tie­ren soll.

Die Frage bei einer all­fäl­li­gen Kon­sul­ta­tiv­ab­stim­mung lau­tet daher klar und sim­pel: Wollt ihr das Aus­füh­rungs­pro­jekt «A5-West­um­fah­rung Biel» – JA oder NEIN?

 

 


 

STÖCK­LIS WAHL­PRO­PA­GANDA
UND DER SÜD­AST

Der Wahl­kampf hat begon­nen! Und weil Stän­de­rat Hans Stöckli unbe­dingt noch ein­mal ins Stöckli will, schlägt er neue Töne an. Im Sams­tags-Inter­view vom 1.12.2018 mit dem Bie­ler Tag­blatt äus­sert er ein gewis­ses Ver­ständ­nis für die sieg­rei­chen Geg­ne­rIn­nen von Olym­pia Sion2026 – um gleich­zei­tig klar­zu­stel­len, dass man da ein tol­les Pro­jekt bachab geschickt habe.

Ähn­lich sind seine neu­es­ten Töne zum A5-West­ast zu gewich­ten: Er rudert nun rhe­to­risch leicht zurück und betont – immer noch auf der Linie der West­ast-Befür­wor­ter – er sei froh, «dass gewich­tige Teile unse­res Vor­schlags auch von den West­ast-Geg­nern nicht in Frage gestellt wer­den.» Der alte Polit­fuchs weiss genau: Sein bis­her prak­ti­zier­tes Schwei­gen oder gar eine öffent­li­che Ver­tei­di­gung der inner­städ­ti­schen Anschlüsse wür­den ihm in der Region zu viele Stim­men kos­ten.

Auf die Frage, ob die Zen­trums­an­schlüsse in sei­nen Augen die rich­tige Lösung seien, gibt er ein­fach keine Ant­wort. Vor acht Jah­ren sei man zum Schluss gekom­men, dass es diese Anschlüsse brau­che, um das Sys­tem des inner­städ­ti­schen Ver­kehrs spür­bar zu ent­las­ten. Nun seien auf allen Stu­fen neue Per­so­nen im Amt – an ihnen sei es, zu ent­schei­den.

Immer­hin ringt sich Stöckli zum State­ment durch, Bund und Kan­ton seien nun gut bera­ten, «wenn die Alter­na­tiv­vor­schläge in einem struk­tu­rier­ten Pro­zess durch unab­hän­gige Fach­leute mit der offi­zi­el­len Aus­füh­rungs­pla­nung vor­ur­teils­los ver­gli­chen wür­den. Dann käme man viel­leicht einen gewich­ti­gen Schritt wei­ter.»

Bemer­kens­wert: Stöckli spricht von Alter­na­tiv­vor­schlä­gen – in der Mehr­zahl. Das ist rich­tig und wich­tig: Das Aus­füh­rungs­pro­jekt bloss mit der West­ast-so-nicht-Vari­ante zu ver­glei­chen greift viel zu kurz. Weil längst zahl­rei­che wei­tere prü­fens­werte Vari­an­ten und Visio­nen auf dem Tisch lie­gen.

Zum Bei­spiel die Vari­ante «Süd­ast» von Romano Ron­delli. Der Bie­ler Archi­tekt befasst sich schon sehr lange mit dem Thema und hat seine Über­le­gun­gen in der Ver­gan­gen­heit auch bereits ver­schie­dent­lich in Leser­brie­fen publi­ziert. Jetzt hat er seine Pläne wei­ter ver­fei­nert: «Ich habe mir nun die Mühe genom­men, eine Skizze einer Bie­ler­see-Süd­va­ri­ante anzu­fer­ti­gen, damit sich auch ’nor­male› Men­schen so ein Sze­na­rio vor­stel­len kön­nen.»

Diese Vor­pro­jekt-Pläne hat der Archi­tekt im Juni 2018 dem Tief­bau­amt und Regie­rungs­rat Neu­haus (nach vor­gän­gi­ger tele­fo­ni­scher Abspra­che) direkt zuge­stellt. – Da ruhen sie nun, wie viele andere Vor­schläge von Fach­leu­ten. Bis dato hat Ron­delli von Regie­rungs­prä­si­dent Neu­haus nichts mehr gehört…

Nun prä­sen­tiert Romano Ron­delli seine Pläne hier erst­mals einer brei­te­ren Öffent­lich­keit.

Alle Pläne sowie wei­ter­füh­rende Kom­men­tare unter:

DER SÜD­AST

 


 

 


 

OST­AST SCHAFFT WEST­AST AB

Ende Okto­ber 2018 wur­den die Resul­tate der Ver­kehrs­zäh­lun­gen, die seit der Ost­ast-Eröff­nung erho­ben wur­den, publik. Sie bestä­ti­gen, was Beob­ach­te­rIn­nen schon lange fest­ge­stellt haben: Das pro­gnos­ti­zierte Ver­kehrs­chaos im Bereich der geplan­ten West­ast-Auto­bahn ist aus­ge­blie­ben.

Mehr noch: Statt der ange­droh­ten Mehr­be­las­tung hat sogar auf dem Guido-Mül­ler-Platz, auf der Länd­te­strasse oder im Stedtli Nidau die Zahl der an einem durch­schnitt­li­chen Werk­tag gezähl­ten Fahr­zeuge abge­nom­men, wie der heute im Bie­ler Tag­blatt publi­zier­ten Tabelle zu ent­neh­men ist.

Dar­aus zie­hen wir zwei Schlüsse:

1. Die vor der Ost­ast-Eröff­nung erstell­ten Ver­kehrs­pro­gno­sen waren dane­ben: Die von den Auto­bahn­be­für­wor­tern her­auf­be­schwo­re­nen Chaos-Sze­na­rien sind aus­ge­blie­ben. Das den Berech­nun­gen zugrunde lie­gende Modell geht von fal­schen Annah­men aus. Mit dem glei­chen Modell soll auch der Bau des West­asts gerecht­fer­tigt wer­den.

2. Der West­ast ist defi­ni­tiv über­flüs­sig – in der Region Biel braucht es keine wei­te­ren Stras­sen­ka­pa­zi­tä­ten. Die Ver­kehrs­si­tua­tion kann und muss wei­ter opti­miert wer­den durch die Umset­zung der noch aus­ste­hen­den flan­kie­ren­den Mass­nah­men sowie wei­te­rer Len­kungs­mass­nah­men und Ver­bes­se­run­gen beim ÖV und für den Fuss- und Velover­kehr.

Nicht nur Biel, auch die umlie­gen­den Gemein­den pro­fi­tie­ren lang­fris­tig von einem Ver­zicht auf den West­ast! Eine zukunfts­fä­hige Ent­wick­lung der Region trägt der Land­schaft Sorge. Denn fest steht: Der Ost­ast bringt zwar Ent­las­tung für die Stadt und dar­über hin­aus – doch schön und men­schen­freund­lich ist auch die­ses Infra­struk­tur­bau­werk nicht. Dazu Marc Meichtry, Gemein­de­prä­si­dent von Brügg gegen­über dem Bie­ler Tag­blatt: «Wenn man dem Brüg­ger Wald­rand ent­lang spa­ziert, dann sieht man den mas­si­ven Ein­schnitt in die Natur. Bis weit in den Wald hin­ein ist das Rau­schen der Auto­bahn zu hören.»

Des­halb gilt es nun mit allen Mit­teln, den unnö­ti­gen, zer­stö­re­ri­schen West­ast zu ver­hin­dern! 

 


 

ÜBUNGS­AB­BRUCH!

 

In ihrer Medi­en­mit­tei­lung vom 8. Okto­ber 2018 bringt es die SL auf den Punkt: «Die amt­li­che West­ast-Vari­ante ist in gros­sen Tei­len der Bevöl­ke­rung nicht akzep­tiert und aus Umwelt­sicht auch nicht bewil­li­gungs­fä­hig.» Sie schlägt des­halb vor, «ein ‹Reset› in Form einer par­ti­zi­pa­ti­ven, zukunfts­ge­rich­te­ten Ver­kehrs­pla­nung zu star­ten, die der Bevöl­ke­rung und dem Stadt­bild gerech­ter wird.»

WEI­TER­LE­SEN

 

 


 

KÄMP­FEN LOHNT SICH!

Marc Meichtry, Gemein­de­prä­si­dent von Brügg, wurde vor vier Jah­ren nicht zuletzt dank sei­nes lang­jäh­ri­gen Enga­ge­ments gegen das erste Ost­astpro­jekt gewählt. Zur Erin­ne­rung: Die ursprüng­lich im Brügg­moos geplan­ten Auto­bahn­an­schluss­bau­ten waren noch wesent­lich grös­ser dimen­sio­niert und hät­ten die betrof­fe­nen Gemein­den noch viel stär­ker beein­träch­tigt, als dies mit dem heu­ti­gen, auch nicht gerade dis­kre­ten, Bau­werk der Fall ist.

«Wir haben Unter­schrif­ten gesam­melt. Als wir Ein­spra­che ein­ge­legt haben, war die Aus­gangs­lage die glei­che wie jetzt beim West­ast. Das Aus­füh­rungs­pro­jekt lag bereits auf, als wir sag­ten: so nicht. Und dann wurde es neu geplant», berich­tet Meichtry im heu­ti­gen Bie­ler Tag­blatt und ermu­tigt die West­astgeg­ne­rIn­nen: «Es ist nie zu spät. Was da in Biel geplant ist, ist genauso über­di­men­sio­niert, wie das Pro­jekt damals in Brügg.»

Das voll­stän­dige Inter­view im Bie­ler Tag­blatt:

kli­cken und lesen

 


 

 

BIEL WAR WIE­DER LAUT!

 

Anläss­lich der Medi­en­prä­sen­ta­tion pro­tes­tier­ten rund 350 Men­schen laut­stark vor dem Ein­gang des Kon­gress­hau­ses gegen den ein­sei­ti­gen «Ver­gleich» zuguns­ten des Aus­füh­rungs­pro­jekts für den A5-West­ast durch Biel.

Immer­hin: Am Schluss der Ver­an­stal­tung zeigte sich Regie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus gesprächs­be­reit – und stellte sich der Dis­kus­sion mit den besorg­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­gern. Es bleibt zu hof­fen, dass dies ein ers­ter Schritt war – und das Ganze nicht als Ali­bi­übung ver­san­det…

 

klick den Film!      CON­CERTO FÜR REGIE­RUNGS­RAT NEU­HAUS

 


 

 

DIE PRO­TEST­SONGS
GEGEN DAS AUTO­BAHN­PRO­JEKT

Zwei Songs, eine Mes­sage: Vor einer Woche die Urauf­füh­rung an der  TAVO­LATA STOPP WEST­AST – und nun auch zum Nach­hö­ren und Mit­sin­gen: Jetzt hat die Wider­standts­be­we­gung gegen die Westastau­to­bahn auch zwei Pro­test­lie­der!

Wir durf­ten die bei­den Kon­zerte von Los Her­ma­nos Per­di­dos und Stu­deyeah mit­schnei­den – hier das Resul­tat:

 

 

Los Her­ma­nos Per­di­dos klei­de­ten mit ihrem neuen Song «Keni Autos ir Stadt» den Pro­test gegen die Domi­nanz des moto­ri­sier­ten Ver­kehrs in mit­reis­sende Musik. Und Stu­deyeah prä­sen­tier­ten mit «West­ast so nicht – Null­va­ri­ante» eben­falls einen Pro­test­song mit Hit­po­ten­zial…

 

 


 

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ASTRA ÜBER­HOLT SATIRE!

Ob’s an der Hitze liegt? – In der NZZ am Sonn­tag vom 29. Juli, und als saure Gurke sofort von allen Medien dank­bar auf­ge­nom­men: «Bund prüft dop­pel­stö­ckige Auto­bah­nen».

Der Grund: Laut Astra-Direk­tor Jürg Röth­lis­ber­ger lei­den Auto­fah­re­rIn­nen in der Schweiz unter zu viel Stau, ihre Geduld werde über Gebüh­ren stra­pa­ziert. Laut Sta­tis­tik gab es  2017 auf Schwei­zer Auto­bah­nen ins­ge­samt 26’000 Stau­stun­den. Bricht man diese grosse Zahl jedoch auf die 6,1 in der Schweiz imma­tri­ku­lier­ten Motor­fahr­zeuge hin­un­ter, ergibt sich pro Fahr­zeug gerade noch eine Stau­zeit von 15,34 Sekun­den – pro Jahr!

Doch Röth­lis­ber­ger sorgt sich um seine Kund­schaft und führt ins Feld, auch Auto­fah­re­rIn­nen hät­ten – gleich wie Bahn­fah­re­rIn­nen – ein «Anrecht auf ver­läss­li­che Ver­bin­dun­gen».  

Des­halb sol­len in nicht allzu fer­ner Zukunft wei­tere Stras­sen­ka­pa­zi­tä­ten geschaf­fen wer­den. Etwa mit dem Bau einer vier­ten(!) Röhre am Bar­egg – womit das Astra die wil­des­ten Vor­stel­lun­gen der Sati­ri­ker rechts über­holt!

Aller­dings weiss Röth­lis­ber­ger sogar diese Gedan­ken­spiele noch zu top­pen: Mit der Aus­sicht auf einen neuen Tun­nel mit­ten durchs Mit­tel­land – und eben der ein­gangs erwähn­ten dop­pel­stö­cki­gen Ver­kehrs­füh­rung durchs Lim­mat­tal…

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thumbnail of Schweizer Autobahn

 

NACH­TRAG:

Der Auto­bahn-Aus­bau­wahn des Astra-Direk­tors sorgt auch am Fol­ge­tag der Inter­view-Publi­ka­tion für Schlag­zei­len. Tame­dia-Bun­des­haus­re­dak­tor Mar­kus Brot­schi kon­tert in sei­nem lesens­wer­ten Kom­men­tar mit den Wor­ten: «Wer brei­tere Stras­sen baut, ern­tet noch mehr Ver­kehr» und weist dar­auf hin, dass die Ant­wort auf den Mobi­li­täts­drang nicht nur Beton sein könne… 

Der Kom­men­tar im TA vom 30.7.2018:

thumbnail of 20180730_TA_Brotschi.JPG

 

 


 

INTER­VIEW MIT KURT ROH­NER:

GROSSE RESO­NANZ

 

«Meine Idee löst im See­land drei Pro­bleme», wurde der Bie­ler Archi­tekt und Raum­pla­ner Kurt Roh­ner im Sams­tags­in­ter­view vom 7. Juli im Bie­ler Tag­blatt zitiert. 

Seit über einem Jahr wird der Doyen der Raum­pla­nung im See­land nicht müde, einen run­den Tisch zu for­dern, um die Ver­kehrs­zu­kunft der Region neu zu dis­ku­tie­ren. Seit Jah­ren denkt und plant Kurt Roh­ner zudem an Alter­na­ti­ven zum stadt­zer­stö­re­ri­schen West­ast… Gut, dass seine Stimme nun end­lich auch vom Bie­ler Tag­blatt gehört und wei­ter ver­brei­tet wurde!

Viele haben das Inter­view gele­sen – letzte Woche war es in Biel immer wie­der Gesprächs­thema. Davon zeugt auch der heu­tige Leser­brief von Hans Erb, der auf inter­es­sante Aspekte hin­weist.

So schreibt er unter ande­rem: «Es sieht also so aus, als ob vor allem die sich gerne selbst der Weit­sicht rüh­mende Stöckli-Begleit­kom­mis­sion ihren Job lau­sig gemacht hat, und nicht die Pla­ner. Die dürf­ten nüäm­lich ein­fach geplant haben, was man ihnen auf Basis von 60er Jahre-Ideen vor­ge­ge­ben hat.»

 Und wei­ter: «Auch Roh­ners Alter­na­ti­ven zur Ver­kehrs­fürung See­vor­stadt – Brügg­moss sowie seine ‹kleine See­landt­an­gente› ver­die­nen es, noch­mals geprüft zu wer­den. ‹Das dau­ert vil zu lange und ist viel zu teuer› wird dann gerne als Argu­ment vor­ge­bracht. Echt jetzt? Mei­ner Mei­nung nach ist kein Preis zu hoch und keine Dauer zu lang, um Roh­ners im Inter­view geäus­ser­tes Motto ‹Gutes erhal­ten, Ver­bes­ser­ba­res ver­bes­sern, Irrever­si­bles mög­lichst ver­hin­dern› zu berück­sich­ti­gen.»

Der Leser­brief vom 16.7.2018:

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Jura-Ver­kehrs­kor­rek­tion 
Jetzt!

 
 

Mass­nahme Nr. 1

Ab 1.9.2019:

Fahr­ver­bot für Tran­sit-Schwer­ver­kehr über 7.5 Ton­nen auf der A5 zwi­schen Thielle und Stadt­grenze  Biel. 

 

Mass­nahme Nr. 2

Fer­tig­stel­lung Auto­bahn­ver­bin­dung A5-A1 zwi­schen Thielle und Kerz­ers bis Ende 2028.

 

Mass­nahme Nr. 3

Rück­klas­sie­rung und Rück­bau A5 zwi­schen Thielle und Biel. Auf dem moder­ni­sier­ten Tras­see: Ein­rich­tung der gesamt­schwei­ze­risch ers­ten Test­stre­cke für selbst­fah­rende Elek­tro­fahr­zeuge bis 2023.

 

 


 

745 BÄUME
WOL­LEN DIE  FÄL­LEN

 

Genau ein Jahr ist es her, seit beherzte Bür­ge­rIn­nen in Biel und Nidau vie­len die Augen geöff­net haben: In einer Blitz­ak­tion mar­kier­ten sie Hun­derte von Bäu­men, die für den Bau der geplan­ten West­ast-Auto­bahn abge­holzt wer­den sol­len. 

Mit die­ser Aktion wurde erst­mals augen­fäl­lig, wie­viel Grün und Lebens­qua­li­tät auf dem Spiel steht: Ganze Alleen, Parks und mar­kante Ein­zel­bäume wür­den ver­schwin­den. Dar­un­ter auch viele über 50jährige Bäume, die für das Stadt­klima wich­tig und des­halb uner­setz­lich sind.

Dies kann nicht oft genug wie­der­holt und betont wer­den. Viel­leicht wäre es an der Zeit, die bedroh­ten Bäume erneut zu mar­kie­ren? Nicht zuletzt, um dem neuen Bau­di­rek­tor auf­zu­zei­gen, wie gross der Kahl­schlag wäre, falls die geplante West­ast-Auto­bahn tat­säch­lich gebaut wer­den sollte.

 

 

video

LINK zu den Baum­ak­tio­nen vom Juni 2016

 


 

 

 


 

 

VER­EIN
«NETZ­WERK BIE­LER­SEE»
GEGEN A5-WEST­AST

 

Zur Auf­fri­schung: es gibt 100 gute Gründe gegen das Auto­bahn­pro­jekt aus dem letz­ten Jahr­hun­dert. Hier die Argu­mente des Ver­eins «Netz­werk Bie­ler­see».

 

 

 

 


 

aus dem Posi­ti­ons­pa­pier der Grün­li­be­ra­len Biel/Bienne:

A5-WEST­AST

 Die Grün­li­be­ra­len sind 
 grund­sätz­lich der Ansicht, 
 dass auf den A5-West­ast
ver­zich­tet wer­den sollte. 

Statt­des­sen soll ent­we­der eine unter­ir­di­sche Nord­um­fah­rung der Stadt Biel oder eine Vari­ante mit kom­plet­ter Stre­cken­füh­rung am Süd­ufer ange­strebt wer­den.

Die Stras­sen­füh­rung am nörd­li­chen See­ufer soll zwei­spu­rig umge­setzt wer­den. Das Gebiet am Süd­ufer soll mit­tels Port­tu­nel erschlos­sen wer­den.

Das Pro­blem mit dem inner­städ­ti­schen Ver­kehr soll nicht mit einer Umfah­rung, son­dern mit geeig­ne­ten Len­kungs­mass­nah­men wie Park-and-Ride oder einer geziel­ten Reduk­tion der Park­plätze gelöst wer­den.

Die vom Bund ange­strebte Lösung, der West­ast, birgt schwer­wie­gende Ein­bus­sen der Lebens­qua­li­tät in Wohn­quar­tie­ren.

Durch die grosse Anzahl an Anschlüs­sen im Stadt­ge­biet wird das Stadt­bild unwie­der­bring­lich zer­stört. Aus tech­ni­scher und stadt­pla­ne­ri­scher Sicht sind Teile des Bienne-Centre Anschlus­ses im Raum Mur­ten­stras­se/Guido-Mül­ler-Platz kaum rea­li­sier­bar. Falls der West­ast den­noch beschlos­sen wird, unter­stüt­zen wir eine Vari­ante mit unter­ir­di­scher Lini­en­füh­rung und zwei Halb­an­schlüsse (An der Bern­strasse in Rich­tung Bern und im Gebiet See­vor­stadt in Rich­tung Neu­châ­tel).

 

 


 

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